Carl Bernhard Schlösser (* 21. Juni 1832 in Darmstadt; † 8. Oktober 1914Ancestry. England & Wales National Probate Calendar (Index of Wills and Administrations) 1858–1995, S. 148. in London) war ein deutscher Genremaler und Radierer.
Leben Schlösser war ein Sohn von Louis Schlösser und ein Bruder des Pianisten Adolph Schlösser (1. Februar 1830 – 10. November 1913). Er wuchs in Darmstadt auf, wo der Vater als Hofmusiker arbeitete. Wie sein Onkel Bernhard Schlösser, der als Zeichenlehrer am Frankfurter Philanthropin tätig war, ergriff Schlösser den Beruf des bildenden Künstlers. Nach dem Studium bei Jakob Becker am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main in der zweiten Hälfte der 1850er Jahre trat Schlösser 1857 in das Pariser Atelier von Thomas Couture ein. Von 1859 bis 1870 nahm Schlösser regelmäßig am Pariser Salon teil.F. Josenhans 2015, S. 29
Bis zum Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges hielt sich Schlösser in Paris auf, dann emigrierte er nach Großbritannien. 1873/74 unternahm er eine Rom-Reise. Unterstützt durch seinen Bruder Adolph, der schon seit 1854 in London lebte,Marcus Chr. Lippe: Schlösser, Carl William Adolph. In: MGG Online Laurenz Lütteken, New York / Kassel / Stuttgart 2016 ff. mgg-online.com hatte Schlösser in der britischen Hauptstadt als Künstler schnell Fuß fassen können. Dazu trug nicht zuletzt auch seine Freundschaft mit dem Maler Frederic Leighton bei, den Schlösser in Frankfurt im Atelier von Jakob Becker kennen gelernt hatte. Leighton war seit 1878 Präsident der Royal Academy of Arts, an deren Jahresausstellungen Schlösser zwischen 1878 und 1903 regelmäßig teilnahm.Kataloge auf royalacademy.org.uk recherchierbar 1881 verlieh ihm der Großherzog von Hessen-Darmstadt den Professorentitel.Eckhart G. Franz: Hofkapellmeister Louis Schlösser. Die musikalisch-malerischen Begabungen einer Gastwirtsfamilie. In: J. Friedrich Battenberg u. a. (Hrsg.): Juden als Darmstädter Bürger. Wiesbaden 2019, S. 279–284. Im April 1886 nahm er an einem Bankett des German Athenaeums zu Ehren von Franz Liszt teil, wobei er, als Mitglied des Clubvorstands, direkt neben diesem platziert worden war. Am nächsten Morgen fertigte er aus dem Gedächtnis eine Skizze des Komponisten an, die später in der Besitz seines Bruders Adolph kam. Es war vermutlich das letzte zeichnete Bildnis, das von List zu dessen Lebzeiten geschaffen wurde.
Werke (Auswahl) mini|Das Tabakscollegium in der Dorfschule mini|hochkant|Beethoven in his study 1860: Altwarenhändler in der Judengasse oder Bazarszene 1867: Die verbotene Frucht auch Das Tabakscollegium in der Dorfschule (kam in den Besitz Napoleons III.) 1867: Kircheninterieur oder In einer Kirche 1869: Une bouteille de champagne oder Their First Bottle of Champagne 1871: The Interior of a Cathedral at Rome 1873: Bildnis der Hofschauspielerin Anna Ethel Öl auf Leinwand 1873: Der Verweis oder Strafpredigt auch Zwei Schlingel beim Kapuzinerpater 1873: Alte Frau beim Winkeladvocaten 1879: Sunset at San Remo, Riviera 1881: The Singing Lesson 1887: An old Master Landmann beim Lichtenhainer Kännchen Vor dem Strafgericht Beethoven in seinem Studierzimmer am Klavier (44 × 30 cm) Molière reciting his verses Schlösser war auf Genrebilder spezialisiert, für die auf dem Kunstmarkt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine stabile Nachfrage bestand. Reproduktionen seiner Gemälde und Porträts wurden in den Kunstanstalten von Leipzig und Wien verlegt; auch in illustrierten Zeitungen wie Die Gartenlaube wurden Schlössers Arbeiten abgedruckt.
Ehrungen (Auswahl) Mitglied im 1863 gegründeten The Arts Club, dem auch sein Bruder Adolph und essen Sohn Paul Adolph Schloesser (auch Paul Slessor; 6. Juni 1871 – 15. September 1949) angehörten 1873: Medaille bei der Weltausstellung in Wien 1873: Ritter des Ordens Pour le Mérite
Literatur
Schlösser, Karl Bernhard. In: Albert Dessoff: Biographisches Lexikon Frankfurter Künstler im 19. Jahrhundert (= Kunst und Künstler in Frankfurt am Main im. 19. Jahrhundert. Band 2) Frankfurt a. M. 1909, S. 132 (). Friedrich Noack: Das Deutschtum in Rom. Band 2, Stuttgart / Leipzig / Berlin 1927, S. 524.
Frauke Josenhans: Schlösser, Carl Bernhard. In: France Nerlich, Bénédicte Savoy (Hrsg.): Pariser Lehrjahre. Ein Lexikon zur Ausbildung deutscher Maler in der französischen Hauptstadt. Band 2: 1844–1870. Berlin / Boston 2015, S. 228–231.
Weblinks
Einzelnachweise
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