Die luxemburgische Sprache oder kurz Luxemburgisch [] (Eigenbezeichnung Lëtzebuergesch []) ist die Landessprache und eine der Amtssprachen des Großherzogtums Luxemburg. Die eigenständige Standardsprache Luxemburgisch ist nicht zu verwechseln mit dem Luxemburger Hochdeutsch, also mit derjenigen Standardvarietät des Deutschen, wie sie in Luxemburg verwendet wird. Außerdem gibt es in Luxemburg typische Dialekte, auf denen die luxemburgische Standardsprache beruht.

Strukturell sind die luxemburgische Standardsprache und die luxemburgischen Dialekte eine nördliche moselfränkische Sprachvarietät des Westmitteldeutschen und damit Teil des kontinentalwestgermanischen Dialektkontinuums. In soziolinguistischer Hinsicht nennt man die luxemburgische Standardsprache eine Ausbausprache oder auch einen Ausbaudialekt oder Kulturdialekt. Das bedeutet, dass es eine eigenständige Sprache nicht wegen des Abstandes zu anderen Sprachen, sondern durch den Ausbau (Grammatik, Wortschatz, Aussprachenormen) ist.

Im Großherzogtum Luxemburg ist die luxemburgische Standardsprache neben Deutsch und Französisch eine Amtssprache. Sie wird auch, neben diesen Sprachen, in den Schulen unterrichtet. Luxemburgische Dialekte werden ferner in Belgien gesprochen, in der Region Wallonien, und zwar in der Provinz Luxemburg, die bis 1839 zum Großherzogtum Luxemburg gehörte. In einigen grenznahen Gemeinden hat die luxemburgische Standardsprache auch einen gewissen rechtlichen Schutz. Geregelt ist dies durch die Französische Gemeinschaft Belgiens.

In der Europäischen Union gehört Luxemburgisch zu den Minderheitssprachen, ist jedoch keine Amtssprache der Union. Der Sprachcode nach ISO 639 ist lb oder ltz. Das Luxemburgische ist Forschungsgegenstand der Luxemburgistik.

Status Rechtlicher Status in Luxemburg Die Verfassung des Großherzogtums Luxemburg bestimmt die luxemburgische Sprache als erste Sprache des Landes. Aufgrund dieser von der Verfassung zugewiesenen Sonderstellung gegenüber der französischen und deutschen Sprache wird Luxemburgisch auch als Nationalsprache bezeichnet. Das Gesetz vom 24. Februar 1984 über die Sprachenordnung regelt die Verwendung der Sprachen in öffentlichen Angelegenheiten.

Luxemburgisch ist hier neben Französisch und Deutsch als eine von drei Verwaltungssprachen angeführt. Die Verwendung der luxemburgischen Sprache ist damit für administrative und gerichtliche Zwecke zulässig. Jede Anfrage, die in einer dieser drei Sprachen an eine Behörde oder öffentliche Verwaltung gestellt wird, muss verpflichtend in der vom Antragsteller gewählten Sprache beantwortet werden.

Das Gesetz vom 20. Juli 2018 über die Förderung der luxemburgischen Sprache regelt die Normierung und Förderung der luxemburgischen Sprache, unter anderem durch die Schaffung einer regulierenden Behörde unter Aufsicht des Kulturministeriums.

Das Zenter fir d'Lëtzebuerger Sprooch (Zentrum für die Luxemburgische Sprache) regelt die offiziellen Normen der Rechtschreibung und Orthographie des Luxemburgischen. Dabei wird das ZLS durch eine Expertenkommission beraten. Außerdem unterhält das ZLS mit dem Lëtzebuerger Online Dictionnaire lod.lu (Luxemburgisches Onlinewörterbuch)LOD.lu - der "Lëtzebuerger Online Dictionnaire" jetzt auch als App!, auf gouvernement.lu, abgerufen am 13. Oktober 2024 die größte Referenzdatenbank luxemburgischer Wörter mit Übersetzungen in vier weitere Sprachen.

Darüber hinaus bestehen die Aufgaben des ZLS in der Förderung der Sprache sowie der Übersetzung und Veröffentlichung offizieller luxemburgischsprachiger Texte.

Rechtlicher Status in Belgien mini|Zweisprachiges Straßenschild in der Gemeinde Attert (Belgien) Als Minderheitensprache im Südosten Belgiens (Areler Land in Wallonien) hat die Französische Gemeinschaft Belgiens per Dekret vom 24. Dezember 1990 die luxemburgische Sprache als "regionale endogene Sprache" (langue régionale endogène) anerkannt.

Die belgische Kommune Attert hat mit der Regierung der Französischen Gemeinschaft Belgiens ein Abkommen unterzeichnet, um die luxemburgische Sprache auf dem Gemeindegebiet zu schützen. Das Abkommen regelt die Förderung der Zweisprachigkeit in den Bereichen Kommunikation, Kultur, Bildung und Tourismus. Zu den 21 konkret umgesetzten Maßnahmen zählen unter anderem zweisprachige Beschilderung der Straßennamen und Ortstafeln, Kulturveranstaltungen in luxemburgischer Sprache, Sprachkurse, sowie Schüleraustausche mit Schulen in Luxemburg.

Rechtlicher Status innerhalb der Europäischen Union Das Luxemburgische gilt als europäische Minderheitensprache, zählt aber nicht zu den 24 Amtssprachen der Europäischen Union.

Da Deutsch und Französisch als Amtssprachen der Europäischen Union ebenfalls in Luxemburg in der Verwaltung und Gesetzgebung verwendet werden, hat die Luxemburger Regierung bisher aus praktischen und finanziellen Gründen auf eine Anerkennung des Luxemburgischen auf EU-Ebene verzichtet.

Status als Sprache Sowohl in der Fachwelt der Sprachwissenschaftler als auch in der allgemeinen Öffentlichkeit sind sich nicht alle Menschen einig, wie man das Luxemburgische einordnen soll. Für manche ist es eine Standardsprache, die man wie die deutsche Standardsprache oder die niederländische Standardsprache betrachten soll. Für andere ist es „nur“ eine westmitteldeutsche Sprachvarietät, vergleichbar mit deutschen Dialekten. Dabei wird angeführt, dass das Luxemburgische enger mit dem Standarddeutschen verwandt sei als viele oberdeutsche Varietäten (wie schweizerdeutsche oder bairische Dialekte), die nicht als eigenständige Sprachen betrachtet werden.

Rein sprachwissenschaftlich lässt sich die Frage, ob das Luxemburgische eine eigenständige Sprache ist, nicht eindeutig beantworten. Bei eng verwandten Sprachvarietäten gibt es keine strukturlinguistischen Kriterien, die es erlauben würden, zwischen Dialekten und Sprachen zu unterscheiden. Die Antwort auf diese Frage hängt deshalb in solchen Fällen maßgeblich davon ab, welche Bedeutung man soziolinguistischen Kriterien beimisst.mini|thumbtime=16.1|links|Ein Auszug aus dem „Renert“ von Michel RodangeDaher wird diese Unterscheidung politisch immer wieder missbräuchlich eingesetzt, zum Beispiel um vermeintliche Rangordnungen zwischen regionalen Sprachvarietäten pseudowissenschaftlich zu legitimieren. Bestimmte Termini wie der des Kulturdialekts sind Ergebnis dieses Widerspruchs zwischen Sprachwissenschaft und Politik.

Strukturlinguistischer Aspekt Das Luxemburgische Moselfränkisch bildet zusammen mit den benachbarten moselfränkischen Varietäten im nördlichen Saarland und in der Region Trier, mit denen es in Grammatik, Wortschatz, Wortgebrauch und Lautstand zum großen Teil übereinstimmt, ein Dialektkontinuum. Strukturlinguistisch gesehen unterscheidet es sich jedoch nicht grundlegend von den anderen westmitteldeutschen Varietäten. Daher ist es keine Sprache im Sinn einer Abstandsprache.

Soziolinguistischer Aspekt Auf soziolinguistischem Gebiet unterscheidet sich das Luxemburgische etwas von den in den angrenzenden Sprachgebieten in Deutschland gesprochenen moselfränkischen Varietäten:

Das Luxemburgische ist ein wichtiger Teil der luxemburgischen Identität. Ein Luxemburger Kind erlernt es als Muttersprache, bevor es später in der Schule Standarddeutsch, Französisch und Englisch erlernt. Trotzdem wurden im Großherzogtum Luxemburg, auch nach der Loslösung des französischsprachigen Teils Luxemburgs hin zu Belgien, bis Ende 1944 noch alle Gesetze auf Deutsch und Französisch verfasst und veröffentlicht; seit 1945 geschieht dies nur noch auf Französisch. Luxemburgisch ist für viele Luxemburger mittlerweile ein Symbol der kulturellen und politischen Eigenständigkeit ihres Staates. Dieser Aspekt hat direkt mit der Geschichte Luxemburgs zu tun (siehe unten). Da das Luxemburgische im Großherzogtum schon seit einigen Jahrzehnten zunehmend als Schriftsprache verwendet wird, wäre der nächste Entwicklungsschritt der Übergang zu einer eigenständigen Ausbausprache. mini|hochkant|Motto des Großherzogtums auf Luxemburgisch: „Mir wölle bleiwe wat mir sin“.

Geographische Verbreitung 320px|mini|Die Verbreitung der Moselfränkischen Dialekte mit Kennzeichnung der Gebiete, in denen op und of für „auf“ gilt.Die luxemburgische Sprache im engeren Sinne umfasst alle Mundarten und Dialekte im Großherzogtum Luxemburg. Das im Südosten Belgiens gelegene Areler Land wird zum luxemburgischen Sprachraum gezählt. Hier ist die Bezeichnung „Luxemburgisch“ und die Verwendung der offiziellen Rechtschreibung ebenfalls üblich.

Es gibt verschiedene lokale luxemburgische Mundarten: Areler, Eechternoocher, Kliärrwer, Miseler, Veiner, Weelzer usw. Eine kartographische Übersicht ihrer Verbreitung findet sich im Digitalen Luxemburgischen Sprachatlas. In angrenzenden Gebieten findet man eng mit dem luxemburgischen Verwandte moselfränkische Dialekte. Dies ist der Fall In Rheinland-Pfalz (Kreis Bitburg-Prüm, Region Trier), im Saarland (Kreis Merzig-Wadern), dem südlichsten Teil der deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien (St. Vith, Burg-Reuland) sowie Teilen von Lothringen in Frankreich (Arrondissement Thionville). Diese Varietäten werden in den jeweiligen Gebieten jedoch als Dialekte der deutschen Sprache angesehen und bilden einen fließenden Übergang zu anderen deutschen Mundarten.

Weltweit sprechen ca. 285.000 Menschen Luxemburgisch als Muttersprache; davon lebt die überwiegende Mehrheit im Großherzogtum Luxemburg, die übrigen in den belgischen Provinzen Luxemburg (Arlon) und Lüttich (Burg-Reuland und St. Vith), in Deutschland, in Frankreich, in den USA. Eng verwandt sind auch Dialekte der Siebenbürger Sachsen, deren Vorfahren vor über 800 Jahren aus dem moselfränkischen Raum auswanderten.

Verwendung des Luxemburgischen mini|thumbtime=16.1|links|„De Pitti léiert méien“ – Pit lernt mähen. Ein Auszug aus Ferd Gremling (1948): Doheem. Roman aus dem Éislek gerahmt|Belgisches Straßenschild in Attert mit französischer und luxemburgischer Schreibung Die Muttersprache und daher Umgangssprache der Luxemburger ist das Luxemburgische. Auf Luxemburgisch sind auch die Ortsnamen auf den Ortsschildern (als zweite Angabe neben der französischen Form) geschrieben. Familiäre und volkstümliche Schriftstücke wie Einladungen und Flugblätter sind zumeist auf Luxemburgisch, während offizielle Bekanntmachungen überwiegend auf Französisch abgefasst sind. Die Beschriftung der dynamischen Warntafeln auf den Autobahnen erfolgt auf Deutsch (von Autobahnen aus Deutschland) bzw. auf Französisch (von Autobahnen aus dem französischsprachigen Teil Belgiens und Frankreich). Die Mehrzahl der luxemburgischen Jugendlichen verwendet die luxemburgische Sprache, um Kurznachrichten (SMS), E-Mails usw. zu verfassen. Die einheimischen Verkäufer in traditionellen Geschäften sprechen Luxemburgisch. mini|Luxemburgisch als gesprochene Sprache (Wikitongues-Projekt)

Der Schulunterricht in der Primarstufe (1. bis 6. Schuljahr) erfolgt traditionell auf Luxemburgisch und Hochdeutsch. Die Alphabetisierung in Luxemburg erfolgt in Hochdeutsch. Französisch wird ab dem 2. Schuljahr gelehrt, mittlerweile in manchen Schulen sogar ab dem 1. Schuljahr. Die Schulbücher sind, mit Ausnahme der Bücher für das Fach Französisch, traditionell auf Deutsch verfasst. Die Unterrichtssprache ist somit streng genommen Hochdeutsch. In der Praxis bedient sich das Lehrpersonal allerdings häufig des Luxemburgischen zur mündlichen Erläuterung des Lehrstoffes.