Die schönsten Gedichte der Schweiz ist eine Anthologie moderner deutschsprachiger Lyrik der Schweiz, die von Peter von Matt und Dirk Vaihinger herausgegeben wurde und 2002 im Zürcher Nagel & Kimche Verlag erschien. Die Sammlung enthält 186 Gedichte von 89 Autoren und 2 Autorenkollektiven, wobei die Auswahl eher breit als tief ist. Zwei Drittel der Autoren sind mit nur einem oder zwei Gedichten vertreten. Der Autor mit den meisten Gedichten (sechs) ist Robert Walser.

Herausgeber Beim Erscheinen des Buches am 29. Juli 2002 war der Züricher Nagel & Kimche Verlag bereits seit drei Jahren im Besitz des Carl Hanser Verlags und daher München/Wien der angegebene Erscheinungsort. Geleitet wurde Kagel & Kimche seit 1999 von Dirk Vaihinger (* 1966), der gemeinsam mit dem Schriftsteller Peter von Matt das Buch herausgab. Im Impressum wird zusätzlich Manuela Waeber als Redaktionsassistentin genannt.

Ein prosaisches Gegenstück zu den Schönsten Gedichten der Schweiz ist die 2008 zum 25. Verlagsjubiläum erschienene Anthologie Die Schweizerreise mit Erzählungen aus 25 verschiedenen Kantonen, die in den vergangenen 25 Jahren geschrieben wurden.

Konzept mini|Peter von Matt (1937–2025) Die Herausgeber des als Blütenlese konzipierten schmalen Bandes gestehen selbst eine doppelte Beschränkung der Auswahl ein. «Der Titel des Buches ist ein Skandal», schreiben sie, da er sich auf deutschsprachige Lyrik beschränkt, während die in italienischer, französischer und rätoromanischer Sprache geschriebene aussen vor gelassen wird. Sie verneinen die Existenz einer einheitlichen Schweizer Literatur: «Die italienische und die französische und die deutsche Schweiz stehen, was ihr literarisches Leben betrifft, mit dem Rücken zueinander. Dass dabei alle ein schlechtes Gewissen haben […] ändert an der Sache nichts.»

Zeitlich handelt es sich um eine Auswahl von Lyrik des 20. Jahrhunderts. Im Hauptteil (Die Gedichte) sind nur Autor/-innen enthalten, deren Lebenszeit in dieses Jahrhundert fällt, beginnend mit Carl Spitteler (Nobelpreisträger 1919) und Ulrich Dürrenmatt (Grossvater des bekannteren Friedrichs) und endend mit Armin Senser (* 1964) und Raphael Urweider (* 1974). Im Auftakt betitelten Vorspann kommen dazu «die Großen des späten 19. Jahrhunderts» Gottfried Keller, Conrad Ferdinand Meyer und Heinrich Leuthold als einzige Vertreter des langen Zeitraums vor 1900. Die Herausgeber wollten keine «angewandte Literaturgeschichte» schreiben, sie «wollten Verse, die als zeitgenössisch im weitesten Sinn erlebt werden können».

Aus diesem Grund haben sie auch die konventionellen Grenzen der Lyrik überschritten und Chansons, Cabaretsongs, Volkslieder, Schlager (O mein Papa), Denkmalinschriften (Max Frisch) und gemalte Gedichte (Paul Klee) aufgenommen, «wo sie uns am Platze schienen». Gedichte in den verschiedenen Schweizer Mundarten sind in mässiger Anzahl vertreten, wobei die Herausgeber die Schwierigkeit betonen, aus der «riesigen» Produktion Beispiele mit guter Qualität auszusuchen. «Aber hörbar werden sollte der Dialekt, und spürbar werden sollten seine – wie immer begrenzten – poetischen Möglichkeiten.»

Auch ziemlich viele zugezogene Autoren werden berücksichtigt, soweit sie «biografisch eng mit der Schweiz verbunden» waren bzw. sind, was nicht die erworbene Staatsbürgerschaft, sondern nur einen langjährigen Aufenthalt in der Schweiz voraussetzt (u. a. Hugo Ball, Hermann Hesse, Ilma Rakusa, Dragica Rajčić).

Die Auswahl ist mit 89 Autoren und 2 Kollektiven (Volkslied, bzw. Cabaret Cornichon) eher breit als tief. Zwei Drittel der Autoren sind mit nur einem oder zwei Gedichten vertreten. Falls die Anzahl der Gedichte mit der Wertschätzung des Dichters konform gehen sollte, ist Robert Walser mit sechs Gedichten der bedeutendste Lyriker, gefolgt gleichauf von Albert Ehrismann, Alexander Xaver Gwerder, Gerhard Meier, Klaus Merz, Kuno Raeber und Albin Zollinger mit jeweils vier. Auch unbekannte Autoren sind enthalten, wie Martin Merz (1950–1983), der behinderte Bruder von Klaus Merz, oder Mary Stirnemann-Zysset (1881–1972), die wegen «unfreiwilliger Komik» ihrer Gedichte «als Friederike Kempner der Schweiz» gilt.

Rezeption mini|Dirk Vaihinger (* 1966) Die schönsten Gedichte der Schweiz wurden sehr wohlwollend aufgenommen. Die überschwängliche Titulierung als ein «in die Hausapotheke jedes guten Bücherregals» gehörender «Klassiker» stammt vom Verfasser des Klappentexts und darf daher nicht in die Waagschale geworfen werden. Thomas Wild drückt in der Süddeutschen Zeitung ebenfalls seine Begeisterung aus; er vergisst beim Lesen «nationale Zugehörigkeiten und versinkt stattdessen in die grenzenlose Schönheit der Poesie». Er bescheinigt den Herausgebern, «die vollständigste und verlässlichste Anthologie» Schweizer Lyrik vorgelegt zu haben, und dem «kleinen Verlag», «großartige Bücher» hervorzubringen.

Theo Breuer bezeichnet die Lyriktitel von Nagel & Kimche generell als rar, aber «hochinteressant», und die schönsten Gedichte der Schweiz als «eine insgesamt vorzüglich edierte Anthologie, in der jung und alt mit feinen Gedichten versammelt ist». Er vermisst jedoch seinen Lieblingsautor Werner Bucher und vor allem dessen «schönstes Gedicht» Wie schön.

Der anonyme Rezensent bei Lehmanns Media betont den Umstand, dass die Gedichte im Band «in loser chronologischer Abfolge» erscheinen und dass das Buch «einen facettenreichen Spiegel des 20. Jahrhunderts, von Realismus und Dada über die konkrete Poesie bis zur individuellen Lyrik der neuesten Zeit» bietet.

Barbara Traber stört die Beschränkung auf deutschsprachige Lyrik und die Behauptung, dass die poetischen Möglichkeiten der Mundart begrenzt seien, regt sie auf: «Das ist ein Vorurteil. Offenbar kennen Sie die Schweizer Mundartlyrik zu wenig.» In Folge nennt sie eine Reihe von Namen, die in der Anthologie fehlen, aber ihrer Meinung nach nicht fehlen dürften (Ernst Eggimann, Julian Dillier, Maria Lauber, Gertrud Burkhalter, Carl Albert Loosli, «usw. usf.»).

Enthaltene Autoren mini|hochkant=0.75|Jürg Federspiel mini|hochkant=0.75|Mani Matter mini|hochkant=0.75|Niklaus Meienberg mini|hochkant=0.75|Gertrud Pfander mini|hochkant=0.75|Hansjörg Schertenleib mini|hochkant=0.75|Regina Ullmann mini|hochkant=0.75|Robert Walser mini|hochkant=0.75|Hans Werthmüller mini|hochkant=0.75|Laure Wyss + Autoren in Die schönsten Gedichte der Schweiz Name Geboren Gestorben Gedichte Seite 1911 1985 3 98 1948 2024 2 221 1955 2022 1 217 1886 1966 2 51 1886 1927 1 55 1885 1948 2 56 1939 1 197 1923 1999 1 112 1917 1983 3 141 1939 2 138 1924 1996 1 134 1942 1989 1 149 1922 2010 3 159 1911 1977 1 116 1944 2 136 1934 1951 4 80 1921 1990 3 151 1849 1908 2 32 1954 2 204 1936 1996 2 169 1908 1998 4 89 1931 2007 2 193 1942 1999 1 154 1911 1991 1 150 1949 1 155 1957 2 211 1925 2025 3 132 1924 1999 2 114 1923 1952 4 108 1882 1920 2 68 1933 1 198 1877 1962 2 95 1925 1994 1 130 1943 2 170 1950 2 195 1939 2017 2 174 1882 1947 1 48 1942 2 158 1909 1997 1 122 1900 1925 1 58 1819 1890 3 20 1946 2 184 1879 1940 1 66 1929 1979 2 167 1890 1983 0 1925 2005 1 180 1887 1970 1 86 1827 1879 3 17 1930 2016 3 143 1902 1986 1 97 1921 2017 3 123 1936 1972 2 126 1947 2022 1 203 1940 1993 3 188 1917 2008 4 181 1928 2018 2 113 1945 4 206 1950 1983 1 164 1825 1898 3 24 1937 1 179 1890 1928 3 70 1913 1985 2 178 1929 2017 3 165 1874 1898 2 35 1889 1952 2 64 1922 1992 4 118 1959 2 201 1946 2 208 1897 1965 1 120 1957 2 186 1964 1 212 1845 1924 3 29 1890 1919 1 62 1930 2013 2 156 1881 1972 2 78 1910 2000 1 128 1913 1985 1 135 1890 1957 2 87 1963 2 209 1884 1961 2 60 1974 1 219 1927 1988 1 225 1 13 1878 1956 6 38 1919 2011 2 93 1912 2005 2 145 1924 1984 2 147 1864 1930 3 43 1926 2010 2 129 1913 2002 2 199 1906 1959 3 106 1895 1941 4 73

Ausgabe Peter von Matt, Dirk Vaihinger: Die schönsten Gedichte der Schweiz. (Redaktionsassistenz: Manuela Waeber) Nagel & Kimche (Carl Hanser Verlag), München/Wien 2002, ISBN 978-3-312-00306-8 bzw. 3-312-00306-7. (Inhaltsverzeichnis).

Weblinks Die schönsten Gedichte der Schweiz. im Katalog der DNB. Die schönsten Gedichte der Schweiz. bei N&K Nagel und Kimche. Die schönsten Gedichte der Schweiz. Bei Perlentaucher.

Einzelnachweise Peter von Matt, Dirk Vaihinger: Die schönsten Gedichte der Schweiz. Nagel & Kimche, München/Wien 2002. ISBN 978-3-312-00306-8 bzw. 3-312-00306-7 (Inhaltsverzeichnis). Theo Breuer: Nagel & Kimche. bei Planetlyrik.de. Erstveröffentlichung in: Theo Breuer: Aus dem Hinterland. Edition YE, 2005. Die schönsten Gedichte der Schweiz. bei Lehmanns Media. Barbara Traber: Brief an die Herausgeber der «Schönsten Gedichte der Schweiz». In: Mundart. Forum des Vereins Schweizerdeutsch. 10. Jahrgang 2002, Heft 4, Seite 2 f. (Digitale Version ETH-Bibliothek Zürich). Rezension von Thomas Wild in der Süddeutschen Zeitung vom 9. Oktober 2002. Die schönsten Gedichte der Schweiz. bei N&K Nagel und Kimche. Uwe Stolzmann: Literarische Topographie eines Landes. in Deutschlandfunk Kultur, 25. Dezember 2008. Interview mit Dirk Vaihinger in LMVZ.CH

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Schweiz) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Lyrik-Anthologie