Ernst Wolfgang Michel, später Ernest W. Michel (* 1. Juli 1923 in Mannheim, Weimarer Republik; † 7. Mai 2016 in New York City), war ein (westdeutscher) deutsch-amerikanischer Journalist, Überlebender der Schoa und Funktionär des United Jewish Appeal (UJA).

Familie Seine jüdischen Eltern, der Mannheimer Zigarrenfabrikant Otto Michel, geboren am 21. Juli 1879 in Kreuznach, und Frieda Michel, geb. Wolff am 1. November in 1884 in Norden, wurden beide im August 1942 im Zuge des Holocaust in Auschwitz ermordet.

Seine Schwester Lotte, geboren am 7. November 1928, entkam der nationalsozialistischen Judenverfolgung mit Hilfe einer französischen jüdischen Hilfsorganisation nach Frankreich und überlebte bei katholischen Nonnen.

Ernst Wolfgang Michel war zweimal verheiratet und hatte aus seiner ersten Ehe drei Kinder.

Lebensweg Michel wurde zur Zeit des Nationalsozialismus als Jude 1936 von der Pestalozzi-Schule verwiesen. 1938 arbeitete er in einer Kartonagenfabrik, ab Juni 1939 im Umschulung- und Einsatzlager Paderborn, bei weiteren Arbeitseinsätzen und im Hachschara-Lager Ahrensdorf. Im Mai 1943 wurde er aus dem Arbeitslager in das KZ Auschwitz deportiert. Ab Sommer 1943 war er dort als Krankenpfleger im Häftlings-Krankenbau Auschwitz tätig. Im Januar 1945 musste er einen 80 Kilometer langen Fußmarsch nach Gleiwitz antreten und wurde von dort im offenen Kohlewaggon in das KZ Buchenwald verlegt. Michel wurde im Außenlager Berga an der Elster bei der Herstellung von synthetischem Benzin eingesetzt.

Am 11. April 1945 wurde das Außenlager Berga geräumt und es begann ein Todesmarsch nach Osten, bei dem ihm am 18. April 1945 die Flucht aus der Marschkolonne gelang.

Ab Juni 1945 war er wieder in Mannheim und im September 1945 stellte ihn der spätere Bundespräsident Theodor Heuss als Redakteur der Rhein-Neckar-Zeitung in Heidelberg ein. Auf Vermittlung von Theodor Heuss wurde er Korrespondent für die Deutsche Allgemeine Nachrichtenagentur (DANA) beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess von November 1945 bis April 1946.

Im Juli 1946 emigrierte er auf einem US-Marinetransporter von Bremen nach New York. In den USA übernahm er leitende Funktionen für den United Jewish Appeal (UJA). In den 1950er-Jahren arbeitete er bei der Verteilung des durch Norbert Wollheim von den I.G. Farben erstrittenen Geldes an die ehemaligen Häftlinge des KZ Auschwitz III Monowitz durch die Compensation Treuhand mit.

Im Juni 1981 war er zusammen mit Ernst Piese Zimche Organisator des Welttreffens der 6000 Überlebenden in Jerusalem, an dem auch Menachem Begin, der Ministerpräsident Israels, teilnahm.

Film Ein Teil der Biografie von Ernst Michel und Seweryna Szmaglewska stehen im Fokus des Dokudramas Nürnberg 45.

Literatur

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Einzelnachweise

Kategorie:Journalist bei den Nürnberger Prozessen Kategorie:Häftling im KZ Buchenwald Kategorie:Häftling im KZ Auschwitz Kategorie:Zeitzeuge des Holocaust Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1923 Kategorie:Gestorben 2016 Kategorie:Mann