Lackbenetzungsstörende Substanzen (LABS) können bei der Lackverarbeitung zu schwerwiegenden Fehlern in der Beschichtung führen, die mit hohen Kosten für Nacharbeit sowie für die Ursachenfindung und -behebung verbunden sind.
Solche Störungen entstehen durch Verunreinigungen des zu lackierenden Untergrunds, des Beschichtungsstoffes selbst oder der frisch lackierten Oberfläche. Diese Substanzen verringern die Oberflächenspannung in der Grenzschicht zwischen Untergrund und Lack, was zu verschiedenen Beschichtungsfehlern wie Kratern, großflächigen Benetzungsstörungen oder Anquellungen führen kann.
Potenziell lackbenetzungsstörende Substanzen sind z. B. Silikone, Öle, Fette, Weichmacher oder Trennmittel. Ob und inwieweit Lackbenetzungsstörungen auftreten, hängt von den komplexen Zusammenhängen, wie der Wechselwirkungen von Lack und Oberfläche, den chemischen Inhaltsstoffe von Lacksystemen und deren Reaktion auf Fremdkontaminationen zusammen. Aus diesem Grunde kann keine pauschale Liste lackbenetzungsstörender Substanzen erstellt werden.
Neben den in Fertigungsprozessen verwendeten Betriebs- und Hilfsstoffen, Anlagenteilen und Hilfsmitteln, können auch Arbeitskleidung und betriebliche Schutzausrüstung sowie Kosmetika, Haar- und Körperpflegeprodukte oder Parfüms der Mitarbeiter Lackbenetzungsstörungen verursachen. Auch durch Verschleppungen aus anderen Fertigungsbereichen oder Fremdfertigungen können Lackbenetzungsstörungen verursacht werden.
Prüfvorschriften Grundsätzlich sollten alle Bauteile und Stoffe, die im mittel- und unmittelbaren Umfeld des lackverarbeitenden Betriebs eingesetzt werden, auf lackbenetzungsstörende Substanzen hin untersucht werden und zusätzlich auf Stoffe verzichtet werden, die eindeutig nicht LABS-konform sind und Beschichtungsfehler verursachen können.
Eine allgemeingültige Spezifikation, die die Durchführungen der anzuwendenden Prüfungen vereinheitlicht, gab es lange nicht. Vielmehr hatten die Automobilindustrie sowie auch einige Anlagenhersteller ihre eigenen Spezifikationen, nach denen geprüft wurde. Eine allgemeine Prüfvorschrift wurde erstmals mit dem VDMA-Einheitsblatt 24364 im Jahre 2018 veröffentlicht. Es beschreibt die Anforderungen an die Prüfungen auf lackbenetzungsstörende Substanzen auf der Grundlage des bestimmungsgemäßen Einsatzgebiets der Produkte. Das Prüfverfahren beschreibt den Zustand eines Produktes hinsichtlich dem (wirksamen) Vorhanden- bzw. Nichtvorhandensein von lackbenetzungsstörenden Substanzen.
Als Ergänzung zum Einheitsblatt wurde ein Leitfaden erarbeitet, in dem die praktische Durchführung der Prüfungen sowie Informationen zur LABS-konformen Produktion beschrieben werden.
Testdurchführung und Prüfmethoden Zur Testdurchführung werden potenziell lackbenetzungsstörende Stoffe vom Produkt auf gereinigte Prüfunterlagen übertragen und diese anschließend überlackiert, oder es wird das Lackmaterial mit dem potenziell lackbenetzungsstörenden Stoff kontaminiert und auflackiert. Eine Bewertung des Ergebnisses erfolgt visuell nach Trocknung der Lackschicht.
Grundsätzliche Vorgehensweisen sind: Direkte Kontamination Überlackieren des Abriebs von Bauteilen Auftragen flüssiger und pastöser Stoffe als Film Einbringen flüssiger und pastöser Stoffe in die Lackmaterialien Lösemitteltest (Extraktion) Abspülen / Auswaschen mittels Lösemittel und Überlackieren der auf Prüfbleche aufgetragenen Rückstände nach Abdunsten der Lösemittel Drucklufttest Abblasen oder Durchblasen der Bauteile auf ein Prüfblech und anschließendes Überlackieren Ausgasungs- oder Verdunstungstest Für Bauteile, die bei höherer Temperatur Substanzen emittieren können: Die in einem Behälter liegende Bauteile mit Prüfblechen abdecken, im Lacktrockenofen wärmebelasten und anschließend Prüfbleche überlackieren
Die Auswahl der anzuwendenden Prüfmethoden muss sich am bestimmungsgemäßen Einsatz des zu prüfenden Produktes oder Stoffes orientieren. Für eine sinnvolle Testdurchführung werden am besten diejenigen Lacke verwendet, die auch im Lackierbetrieb oder -umfeld verarbeitet werden, für das die Testdurchführung erfolgt.
Das Fraunhofer IPA verfügt im akkreditierten Bereich nach DIN EN ISO/IEC 17025:2018-03 über die Möglichkeit, Prüfungen auf lackbenetzungsstörende Substanzen nach VDMA 24364:2018-05 durchzuführen.
Ergebnis des Tests Ein Produkt hat die Prüfung bestanden, wenn die lackierte Prüfunterlage keine Benetzungsstörung aufweist und wird dann nach VDMA 24364 als „LABS-konform“ bezeichnet. Das Prüfergebnis erlaubt keine Quantifizierung, sondern nur die Entscheidung „LABS-konform“ oder „nicht LABS-konform“.
Andere Prüfverfahren, Vorgehensweisen, Lacksysteme oder Lösemittel können zu anderen Ergebnissen führen, was eine umfangreiche und möglichst exakte Dokumentation der Prüfungsdurchführung notwendig macht.
Für eine aussagekräftige und gesicherte Beurteilung, ob es sich bei den zu prüfenden Proben um LABS-konforme Produkte handelt, die ohne Probleme in Lackierbetrieben eingesetzt werden können, sind umfassende Kenntnisse der Zusammenhänge der Lackchemie, der Lackierprozess- und Prüftechnik sowie langjährige Erfahrungen in der Bewertung von Schadensbildern notwendig.
Einzelnachweise
Kategorie:Lack Kategorie:Prüfverfahren