mini|Gesperrter Bahnübergang der Bauform Fü60 mit Blinklichtern zwischen Münster und Greven mini|Der Einschaltkontakt für einen fernüberwachten Bahnübergang unmittelbar vor der Oldenburger Schwingbrücke (schwarz-weiß gestreifte Tafel) Fü60 ist eine Bauform fernüberwachter Bahnübergänge der Deutschen Bundesbahn, welche im Jahr 1960 zugelassen wurde und bis heute im Einsatz ist. Anlagen dieser Bauart sind dabei meist mit Blinklichtern, seltener jedoch auch mit Lichtzeichen gesichert, dabei gibt es sowohl Anlagen ohne Schranken als auch welche mit Halbschranken. Technisch basieren die Anlagen auf Relaistechnik aus den 1950er Jahren. Die Ansteuerung der Blinklichter erfolgt mittels eines Quecksilber-Thermoblinkers, welcher das charakteristische Wechselblinken erzeugt.
Darüber hinaus gibt es für Straßen ohne allgemeinen Kraftwagenverkehr die von der Fü60 abgewandelte Bauform Fü2L/60, welche mit einer Zusatzanzeige „2 Züge“ ausgestattet ist.
Funktion Anlagen der Bauform Fü60 sind fernüberwacht (Fü), sie werden also vom Zug über einen Gleiskontakt ausgelöst. Passiert ein Zug den Einschaltkontakt, so wird die Sicherung des Bahnübergangs aktiviert. Falls eine Störung vorliegt, wird dies dem zuständigen Fahrdienstleiter im Stellwerk angezeigt, welcher den Triebfahrzeugführer über diese in Kenntnis setzt.
Geschichte und Einsatz Ab 1960 kamen fernüberwachte Blicklichtanlagen vom Typ Fü58 zum Einsatz. Anlagen dieses Typs wurden von den Signalbauanstalten als Firmenbauarten nach unterschiedlichen Schaltungen gebaut. Um diesen Nachteil, insbesondere für den Unterhaltungsdienst, zu beseitigen, wurden die fernüberwachten Blinklichtanlagen ab dem Baujahr 1961 von den drei Signalbauanstalten nach einer einheitlichen Schaltung gebaut, die der Schaltung der Fü58 von Siemens vollkommen entsprach. Die Einzelteile der Anlagen waren entweder vereinheitlicht oder, sofern firmeneigene Konstruktionen zugelassen waren, untereinander beliebig austauschbar. Diese Anlagen haben die Typenbezeichnung Fü60 erhalten.
Anlagen des Typs Fü60 sind an Bahnübergängen unterschiedlicher Bauformen und Größen im Netz der Deutschen Bahn anzutreffen. Bei diesem Anlagentyp darf der Gefahrenbereich jedoch nicht vollständig durch Schranken abgeschlossen werden, weshalb entweder Halbschranken eingesetzt werden oder vollständig auf Schranken verzichtet wird. Hintergrund ist, dass bei fernüberwachten Anlagen in der kurzen Annäherungszeit des Zuges nicht sichergestellt werden kann, dass der Gefahrenbereich vollständig geräumt ist. Es bestehen deshalb vier Anwendungsformen:
Fü1/60 für eingleisige Strecken mit Blinklichtanlage Fü1H/60 für eingleisige Strecken mit Blinklichtanlage und Halbschranken Fü2H/60 für zweigleisige Strecken mit Blinklichtanlage und Halbschranken Fü2L/60 für zweigleisige Strecken mit Blinklichtanlage mit zusätzlichen Leuchtschild „2 Züge“
Während im Jahr 2013 noch über 600 Anlagen dieser Bauform existierten, ist diese Zahl mittlerweile rückläufig. Seit der Einführung neuer, zeitgemäßer Anlagenbauformen ab der Jahrtausendwende wurde diese Bauform vielerorts bereits durch neue Anlagen ersetzt oder bei der Schließung von Bahnübergängen beseitigt.
Technische Beschreibung mini|Schalthaus einer Anlage des Typs Fü60 Bei den Fü60-Anlagen kamen Betonschalthäuser mit einem achteckigen Grundriss zur Unterbringung der Schaltelemente und der Batterie zum Einsatz. Im Vergleich zu den bis dahin eingesetzten Blechschaltschränken hatten diese den Vorteil, dass die Schaltelemente besser vor allem bei Montage- und Unterhaltungsarbeiten gegen Witterungseinflüsse geschützt waren und sich die Innentemperatur im Betonhaus bei Sonneneinstrahlung niedriger hielt als im Blechschrank.
Die Schaltelemente innerhalb des Betonschalthauses sind in zwei Gestellen, links und rechts der Tür, angeordnet. Die Schaltelemente sind zu steckbaren Relaisgruppen zusammengefasst. Es gibt folgende Relaisgruppen: Gleisschaltgruppe: Je Streckengleis ist eine Gleisschaltgruppe notwendig Signalgruppe Halbschrankengruppe: Steuert die zwei Schrankenantriebe Zusatzgruppen: Sie sind zur Abbildung von besonderer Abhängigkeiten notwendig, beispielsweise wenn der Bahnübergang in der Nähe von Bahnhöfen, Haltepunkten oder Anschlussstellen liegt
Zur Stromversorgung der Anlage dienen zwei 18-V-Batterien, die über zwei Gleichrichter gespeist werden. Für den Antrieb der Schranken und die Lampen der Leuchtschrift „2 Züge“ sind die beiden Batterien in Reihe geschaltet, wodurch sich eine Spannung von 36 V ergibt.
Als Schrankenantrieb kam entweder der ölhydraulische Säulenantrieb von Scheidt & Bachmann oder der elektromechanische Antrieb der Firma Siemens zum Einsatz. Beide Antriebe verfügen über einen 24-V-Gleichstromnebenschlussmotor. In der Regel wurden als Gleisschaltmittel Magnetschienenkontakte (MSK) verwendet.
Einzelnachweise
Kategorie:Deutsche Bundesbahn Kategorie:Bahnübergang