Aenny Fahr (eigentlich Anna Elisabeth Fahr, genannt Aenny; * 20. Februar 1883 in Darmstadt; † 23. Juni 1964 ebenda) war eine deutsche Herpetologin, Tierfotografin und langjährige Förderin der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. Sie beschäftigte sich insbesondere mit Amphibien und Reptilien sowie mit Fragen der Tierhaltung und leistete Beiträge zur zoologischen Sammlungstätigkeit.

Leben und Wirken Aenny Fahr wurde als Tochter des Fabrikanten Friedrich Carl Fahr und dessen Ehefrau Anna Katharine, geborene Wehner, in Darmstadt geboren. Ihr Bruder Theodor Fahr war Kaufmann und starb 1928 in Barcelona. Aenny Fahr selbst blieb unverheiratet und hatte keine Kinder. Sie wuchs in Darmstadt im Umfeld des Familienunternehmens „Wehner & Fahr“ auf, das sich vom Gewürzhandel zu einer Kakao- und Schokoladenfabrik wandelte. Früh entwickelte Fahr ein Interesse an der Aquarien- und Terrarienkunde, das durch den Molchforscher Willy Wolterstorff geprägt wurde. Vor dem Ersten Weltkrieg erhielt sie über den damaligen Direktor Kurt Priemel eine Anstellung als Assistentin am Aquarium des Frankfurter Zoologischen Gartens.

Seit 1906 veröffentlichte sie wissenschaftliche Arbeiten, zunächst vor allem über Salamander, insbesondere zu deren Entwicklung und Krankheitsanfälligkeit. Später befasste sie sich auch mit tropischen Eidechsen, Chamäleons und Fragen der Tierhaltung. Sie wies als Erste den Fadenmolch in Darmstadt und Umgebung nach und stellte fest, dass die sogenannte „Molchpest“ auch bei freilebenden Tieren vorkommt.

1911 unternahm Fahr eine Forschungsreise in die Umgebung von Barcelona, wo ihr Bruder mit seiner Familie lebte. Dort sammelte sie zahlreiche Reptilien und andere Tiere, die sie fotografisch dokumentierte. Ihre Arbeiten fanden unter anderem Eingang in verbreitete naturkundliche Publikationen. Bereits 1911 wurde sie als „eine allen Terrarienfreunden rühmlichst bekannte Dame“ bezeichnet.

Seit 1913 war sie beitragendes Mitglied der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. Über Jahrzehnte stellte sie der zoologischen Abteilung zahlreiche Reptilien und Amphibien aus Darmstadt, dem Frankfurter Zoo sowie von Reisen nach Spanien, den Balearen und Pityusen zur Verfügung und trug damit zur Erweiterung der Sammlungen bei.

1914 nahm sie an einer von Theodor Lerner geleiteten Polarexpedition teil, die von Svolvaener nach Spitzbergen führen sollte. Zu ihren Aufgaben gehörten der Aufbau eines provisorischen Labors, fotografische Dokumentation und eigene Sammelarbeiten, die sie teils von einem kleinen Boot aus durchführte. Die Expedition wurde jedoch kurz nach Beginn der Reise infolge des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs abgebrochen und bereits gesammelte Tiere und weitere Funde wurden verkauft, um die Rückreise der Besatzung des Forschungsschiffs Whiterose zu finanzieren.

Neben ihrer zoologischen Tätigkeit war Fahr als Tierfotografin tätig. Sie stellte Bildmaterial für wissenschaftliche Publikationen zur Verfügung; ihre fotografische Arbeit wurde zeitgenössisch besonders hervorgehoben.

Nach dem Tod der Mutter erbte Fahr 1931 als einzige verbliebene Erbin 10.000 Gulden sowie den gesamten Hausstand der Mutter. Bis dahin hatte Fahr in ihrem Elternhaus in der Schwanenstraße 27 in Darmstadt gelebt; anschließend zog sie mehrfach innerhalb der Stadt um. Aenny Fahr selbst starb 1964 in Darmstadt. Ihren Nachlass vermachte sie der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, insbesondere der herpetologischen Sektion.

Bedeutung Fahr trat sowohl durch eigene wissenschaftliche Arbeiten als auch durch ihre umfangreiche Sammlungstätigkeit hervor. Sie lieferte Material für zoologische Sammlungen und wissenschaftliche Untersuchungen und wurde in Fachkreisen als erfahrene Tierhalterin und Fotografin wahrgenommen.

Weiter setzte sie sich in den 1930er Jahren auf lokaler Ebene für die legale Haltung von Giftschlangen durch Privatpersonen ein und hielt selbst immerzu verschiedene Arten.

Sie war Mitglied mehrerer herpetologischer und naturkundlicher Vereinigungen, darunter seit 1906 im Aquarien- und Terrarienverein „Hottonia“, die ihr 2025 einen Förderverein widmeten.

Eine auf den Balearen entdeckte Eidechse wurde nach ihr benannt: Podarcis lilfordi fahrae (Müller, 1927).

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