Blaubach (früher auch Blobach) ist ein Wohnplatz der Gemeinde Blaufelden im Landkreis Schwäbisch Hall im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs.

Geographie Der Ort liegt in der Region Hohenlohe, gut zwei Kilometer südlich von Blaufelden. Er befindet sich auf einer Höhe von etwa 430 bis in einem schmalen Tal und wird von Norden nach Süden vom Blaubach durchflossen, der rund einen Kilometer südlich des Ortes im Hochwasserrückhaltebecken Bemberg, auch Blaubachsee genannt, gestaut wird.

Naturräumlich betrachtet liegt Blaubach im östlichen Teil der Hohenloher Ebene, der Haller Ebene im südwestdeutschen Schichtstufenland. Im Bereich um Blaufelden haben sich nur der Blaubach und der Wiesenbach in die Muschelkalkschichten eingeschnitten, weshalb sich die hierdurch gebildeten Täler deutlich von den umliegenden Hochflächen abheben.

Beschreibung Das Straßendorf, dessen Name auf die Farbe des Wassers zurückgeführt wird, ist historisch und gegenwärtig stark von der Landwirtschaft geprägt. Viele der im Ort Ansässigen besitzen einen bäuerlichen Betrieb, wobei die Viehhaltung überwiegt. Die Höfe liegen östlich und westlich der Durchfahrtsstraße, wobei die Größe der Höfe durch den im östlichen Teil des Weilers befindlichen Blaubach baulich stark begrenzt wird. Jenseits der Höfe liegen weite Wiesen, welche teilweise als Weiden für das Vieh genutzt werden, aber auch mit Obstbäumen bepflanzt sind.

Verkehr Blaubach ist primär durch eine nach Norden gehende, niederrangige Straße mit Blaufelden verbunden. Diese Straße zweigt unmittelbar südöstlich von Blaubach nach Osten und mündet in die Bundesstraße 290. Im Jahre 1911 erhielt Blaubach auf der eingleisigen und nicht elektrifizierten Bahnstrecke Crailsheim–Königshofen zudem eine Haltestelle, welche jedoch bereits nach wenigen Jahren wieder aufgegeben wurde. Die nächstgelegenen Bahnhöfe des Regionalverkehrs sind nunmehr Blaufelden im Norden und Rot am See im Süden. Überdies wird Blaubach durch einen Linienbus bedient.

Geschichte Erwähnung findet Blaubach als Blawach erstmals im Jahre 1262 in einer Urkunde des Klosters SchäftersheimChristian Ludwig Fromm: Beschreibung des Oberamts Gerabronn, Stuttgart und Tübingen, 1847, S. 125.. Mit dem Ortsnamen verbunden ist auch ein niederadliges Geschlecht der Herren von Blaubach beziehungsweise Blobach. Diese Reichsministerialen sind von 1262 bis 1360 bezeugt und waren seit 1340 auch hohenlohische Lehensleute. Eine Burg in Blaubach selbst ist jedoch nicht nachgewiesen.

Die Einwohner Blaubachs, welche seit der Einführung der Reformation in Blaufelden ab 1524 nahezu vollständig evangelischer Konfession waren, waren aufgrund der Lage des Ortes niemals nur einer Herrschaft allein zugehörig. Seit 1358 werden die Stadt Rothenburg und dortige Patrizier als Rechteinhaber genannt, seit 1359 die Frauenklause Mistlau, seit 1366 Burg Amlishagen und die dortigen Inhaber von Wollmershausen, seit 1430 Burg Werdeck und 1601 das Stift St. Gumbert in Ansbach. Um 1790 befand sich Blaubach ungefähr zur Hälfte im Besitz von Amlishagen, zu einem Drittel bei Ansbach, der übrige Teil war überwiegend rothenburgisch. Die Steuerlast richtete sich ebenfalls nach der Herrschaft des jeweiligen Untertanen. Anders verhielt es sich bei der kirchlichen und gerichtlichen Zugehörigkeit des Weilers. Blaubach war bis 1362 nach Michelbach an der Heide gepfarrt und anschließend nach BlaufeldenGustav Bossert: Die Reformation in Blaufelden, Stuttgart, 1902.. Die hohe Gerichtsbarkeit lag grundsätzlich bei Werdeck respektive dessen Rechtsnachfolger Ansbach, nur die Amlishagener Untertanen unterstanden von 1521 bis 1708 dem Amlishagener Blutgericht. Das Zehntrecht war geteilt. Für 1530 ist überliefert, dass Ansbach ein Drittel des Zehnten besaß, während die übrigen zwei Drittel der Frühmesse Blaufelden und der Pfarrei Michelbach an der Heide zustanden.

Die Mühle von Blaubach, welche erstmals 1430 erwähnt wird und im Jahre 1834 mithilfe von drei oberschlächtigen Wasserrädern angetrieben wurde, blieb bis in die 1920er Jahre in Betrieb. Aus dem Jahre 1449 wird berichtet, dass Blaubach im Zuge des süddeutschen Städtekriegs von Truppen der Reichsstadt Schwäbisch Hall zerstört wurde. Im Jahr 1563 vereinbarten die in Blaubach berechtigten Zinsherrschaften beziehungsweise deren Bevollmächtigte eine vorläufige Gemeindeordnung zur Beilegung innerdörflicher Konflikte. Anlass waren insbesondere die im Text als übermäßig bezeichneten Praktiken des Büßens, Strafens und „Vertrinkens“. Die Ordnung begrenzte die höchste anfängliche Gemeindebuße auf drei alte Pfund, gewährte bei Schuldeingeständnis einen Nachlass und sah nach zwei jeweils vierzehntägigen Fristen ohne Erledigung einen gemeinsamen Entscheidungstag der Zinsherrschaften vor. Auch der Dreißigjährige Krieg tangierte den Ort in nicht unerheblicher Weise. So ist überliefert, dass im Jahr 1621 eine Kompanie Nürnberger Soldaten für mehrere Tage in Blaubach lag.„Blaufelden während des 30jährigen Krieges nach den in den örtlichen Kirchenbüchern sich findenden Angaben“. In: Unterhaltungs-Blatt zum Vaterlandsfreund, Nr. 1 vom 3. Oktober 1875, S. 3–4; Nr. 2 vom 10. Oktober 1875, S. 7–8; Nr. 3 vom 17. Oktober 1875, S. 10–12. Digitalisat (Staatsarchiv Ludwigsburg, E 258 VI Bü 1550). Berichte aus dem nahegelegenen Pfarrort Blaufelden über eine stark dezimierte Bevölkerung und eine Pestepidemie nach der Schlacht bei Nördlingen und dem damit einhergehenden Durchzug der Kriegsvölker im Jahre 1634 legen ähnliche Auswirkungen auf Blaubach nahe. In den Jahren 1660, 1726 und 1728 wurde zudem jeder Bauer verpflichtet, drei Eichen zu pflanzen, um den Gemeindewald aufzuforsten. Der Flachsanbau ist unter anderem durch ein 1769 neu errichtetes Brechhaus belegt. Im 18. Jahrhundert war Blaubach aufgrund seiner strategischen Lage Zollstätte.

Nach mehreren Jahrhunderten im geteilten Besitz unterschiedlicher Herrschaften kam Blaubach sodann im Jahr 1806 an das Königreich Bayern. Durch den Grenzvertrag zwischen Bayern und Württemberg fiel der Ort jedoch bereits 1810 an das Königreich Württemberg und wurde dort in das neu eingerichtete Oberamt Blaufelden eingegliedert, dessen Sitz 1811 nach Gerabronn verlegt wurde. 1847 hatte der Ort 222 evangelische Einwohner, darunter einen Schmied, einen Müller, einen Schuster, einen Korbmacher und einen Rechenmacher, zudem wurde eine Gastwirtschaft unterhalten. 1910 wurde der Ort elektrifiziert. Im Zuge der Verwaltungsreformen während des Dritten Reichs wurde die bis dahin der Gesamtgemeinde Blaufelden zugehörige Teilgemeinde Blaubach zum 1. April 1935 als Körperschaft aufgelöst. Anschließend wurde Blaubach 1938 in den Landkreis Crailsheim eingegliedert.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Blaubach vom 12. bis 16. April 1945 durch deutsche Gebirgsjäger sowie Angehörige der Waffen-SS gegen die vorrückenden amerikanischen Truppen für wenige Tage erfolglos verteidigt. Hierbei wurden zwanzig Soldaten und eine Einwohnerin getötet sowie sieben Scheunen und zwei Wohnhäuser zerstört.

1953 erhielt Blaubach Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung. Im Zuge der Kreisreform Baden-Württembergs im Jahre 1973 kam Blaubach schließlich zum Landkreis Schwäbisch Hall. Durch Verordnung des Landratsamtes Schwäbisch Hall vom 20. November 1989 wurde das Landschaftsschutzgebiet „Blaubachtal zwischen Blaubach und Blaufelden sowie nördlich von Blaufelden“ mit einer Gesamtgröße von 54,7 ha ausgewiesen. Schutzzwecke sind die Erhaltung des Naturhaushalts und des charakteristischen Landschaftsbildes sowie die Sicherung als Lebens- und Erholungsraum.

Heute existieren in Blaubach mehrere landwirtschaftliche Betriebe, ein 24-Stunden-Selbstbedienungsladen sowie eine Schutzhütte, die vom Schwäbischen Albverein unterhalten wird und Teil der Sieben-Dörfer-Radtour ist. Weiterhin ist die historische Ortstafel des Weilers erhalten geblieben und kann am nördlichen Ortseingang besichtigt werden.

Einwohnerentwicklung Bei der nachfolgenden Tabelle ist zu beachten, dass diese quellenbedingt, die Jahre 1497, 1698, 1732, 1787 und 1799 betreffend, lediglich die Anzahl der Haushalte der im Ort ansässigen Untertanen ausweist. Die Zahl der tatsächlichen Einwohner in diesen Jahren dürfte um ein Vielfaches höher gewesen sein, weshalb die Angaben in Klammern gesetzt wurden.