Luciano Vistosi (* 24. Februar 1931 in Murano; † 14. Mai 2010 in Venedig) war ein italienischer Glaskünstler, Designer und Bildhauer.

Leben und Wirken Luciano Vistosi stammt aus einer alten venezianischen Glasmacherfamilie, deren Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Sein Vater Guglielmo Vistosi gründete 1945 die Firma Vetreria Vistosi, die überwiegend funktionelle Leuchtkörper herstellte. Im Anschluss an ein Studium der Chemie an der Universität Padua (1949–1952) übernahm Vistosi nach dem Tod seines Vaters zusammen mit seinem Onkel Oreste Vistosi und seinem Bruder Gino Vistosi die Leitung der Firma. Seit der Zusammenarbeit mit dem Architekten Alessandro Pianon ab 1956 erhielt die Firma eine stärkere künstlerische Ausrichtung. Es entstanden u. a. Vasen und Glasobjekte nach Entwürfen von Fulvio Bianconi, Vico Magistretti, Marco Zanuso und Ettore Sottsass (Vase Diodata, 1977). Bis 1984 leitete Vistosi die Firma, 1989 übernahm der Unternehmer Giancarlo Moretti die Leitung.

Trotz der Verbindung zur muranesischen Tradition ist Vistosis Umgang mit Glas kühn und unbefangen. Ab 1955 beschäftigte er sich autodidaktisch bildhauerisch mit Glas. Innovativ war seine Behandlung der Glasblöcke, die er wie ein Steinbildhauer mit Schleifwerkzeugen, Bohrer, Hammer und Meißel bearbeitete. Internationale Bekanntheit erlangte Vistosi mit seinen großformatigen Flügelfiguren Aquiloni (Drachen, 1975), die aus farblosem Glas frei geblasen sind.

Für die Firma Artemide entwarf er Leuchtobjekte wie die pilzförmigen Tischleuchten der Serie Onfale und die skulpturale Leuchte Munega (beide 1978), die aus mundgeblasenem Opalglas gefertigt sind.

Ausstellungen (Auswahl) Seine erste Einzelausstellung hatte Luciano Vistosi 1968 in der Galleria Alfieri in Venedig, im selben Jahr hatte er auch eine Einzelausstellung in San Francisco. Anfang der 1980er Jahre widmete ihm das Ca’Pesaro Museum of Modern Art in Venedig eine große Einzelausstellung. Es folgten Ausstellungen in Florenz (1987 und 1992), Mailand (1993) und Murano (2015–2016). An Gruppenausstellungen nahm er teil in Venedig (1962), Coburg (1977), Berlin (1981), Sapporo (1982) und New York (2000).

Auszeichnungen

1977: Coburger Glaspreis, Ehrenpreis 1986: Premio Civiltà Veneta 2015: Premio Cotisso

Literatur

Charlotte und Peter Fiell (Hrsg.): 1000 Lights. Vol. 2. 1960 to present. Taschen Verlag, Köln 2005, ISBN 3-8228-2475-5, S. 284–287. Clementine Schack von Wittenau (Hrsg.): Neues Glas und Studioglas. Ausgewählte Objekte aus dem Museum für Modernes Glas. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2004, ISBN 978-3-7954-1620-1. Helmut Ricke: Glaskunst. Reflex der Jahrhunderte. Glasmuseum Hentrich des Kunstmuseums Düsseldorf im Ehrenhof, Prestel Verlag, München 1995, ISBN 978-3-79131-592-8. Christiane Sellner: Geschichte des Studioglases. Amberg 1984.

Einzelnachweise

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