mini|David Emanuel Daniel (Taneli) Europaeus David Emanuel Daniel (Taneli) Europaeus (* 1. Dezember 1820 in Savitaipale; † 15. Oktober 1884 in Sankt Petersburg) war ein finnischer Sprachwissenschaftler, Folklorist und Archäologe.

Leben und Werk Europaeus wurde als Sohn des Pfarrers Peter Adolf Europaeus und seiner zweiten Frau Sofia Peijo, die dem Bauernstand entstammte und dreißig Jahre jünger war als ihr Mann, geboren. Diese „unstandesgemäße“ Ehe soll einerseits seine Position in Wissenschaftskreisen erschwert habenSenni Timonen: Europaeus, David Emanuel Daniel. Kansallisbiografia-verkkojulkaisu. Studia Biographica 4. Helsinki: Suomalaisen Kirjallisuuden Seura, 1997– http://urn.fi/urn:nbn:fi:sks-kbg-004434 (ISSN 1799-4349, abgerufen am 18. Januar 2026), sorgte andererseits aber für eine Nähe zum Volk, zumal seine Mutter ausschließlich Finnisch sprach.https://digi.kansalliskirjasto.fi/sanomalehti/binding/136751?page=1 Helsingistä. † Dawid Emanuel Daniel Europaeus, in: Uusi Suometar, 23. Oktober 1884, S. 1 (abgerufen am 18. Januar 2026) Er besuchte die Kreisschule in Käkisalmi und anschließend das Gymnasium in Viipuri. 1844 bestand er die Prüfung zur Hochschulreife in Helsinki, wo er sich im gleichen Jahr an der Universität einschrieb. Einen Universitätsabschluss hat er jedoch nie gemacht.

Zwischen 1845 und 1854 unternahm Europaeus insgesamt sieben Sammelreisen nach Karelien, um Volksdichtung aufzuzeichnen. Er arbeitete mit Elias Lönnrot zusammen, der von ihm für sein Kalevala den wichtigen Kullervo-Zyklus erhielt. Mit seinem Material konnte Lönnrot die ursprünglich nur 534 Verse umfassende Episode in der zweiten Auflage des Kalevala (1849) auf 2.496 Verse erweitern, was das „historische Verdienst des … ‚ewigen Studenten‘“ Europaeus ist.Kalevala. Kommentar von Hans Fromm. Carl Hanser Verlag, München 1967, S. 205. Außerdem veröffentlichte er 1847 Teile des gesammelten Materials in einer „Kleinen Verslehre“, die seinerzeit auch in Deutschland rezipiert wurde und Wilhelm Schott dazu diente, die finnische Volksdichtung generell vorzustellen.[Wilhelm Schott:] Der Kleine Runen-Schmied, von Herrn Europäus, in: Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland 9, 1851, S. 597–602. In diese Zeit fallen auch seine vergleichenden Forschungen zu den finnougrischen SprachenMikko Korhonen: Finno-Ugrian language Studies in Finland 1828–1918. Societas Scientiarum Fennica, Helsinki 1986, S. 96–99 ISBN 951-653-135-0., die er darüber hinaus mit den indoeuropäischen Sprachen in einem Urverwandtschaftsverhältnis sah. Hier ist er sogar als „Bahnbrecher der Theorie der indouralischen Verwandtschaft“ bezeichnet worden.Károly Rédei: Die ältesten indogermanischen Lehnwörter der uralischen Sprachen, in: Denis Sinor (ed.): The Uralic Languages. Description, histpry and foreign influences. E.J. Brill, Leiden et al. 1988, S. 639 ISBN 90-04-07741-3.

Nicht weniger bedeutend war die Zeitung Suometar, die er 1847 gemeinsam mit seinen Kommilitonen August Ahlqvist, Paavo Tikkanen und Antero Warelius gründete. Damit wurde er einerseits zu einer wichtigen Person innerhalb der Fennomanie-Bewegung, die ihn jedoch später aus ihren Reihen ausschloss. Schuld hieran waren diverse Konflikte und auch eine gewisse psychische Instabilität von Europaeus.Irma Sulkunen: Suomalaisen Kirjallisuuden Seura 1831–1892. Suomalaisen Kirjallisuuden Seura, Helsinki 2004, S. 107–118 ISBN 951-746-559-9.

Europaeus wirkte auch als Übersetzer und legte beispielsweise 1847 eine finnische Fassung der Elemente des Euklid vor.Suomennoskirjallisuuden historia I. Suomalaisen Kirjallisuuden Seura, Helsinki 2007, S. 322–324 ISBN 978-951-746-836-7. Die Übersetzung erfolgte aus dem Schwedischen. 1852–53 publizierte er zudem ein schwedisch-finnisches Wörterbuch, das zu einem Großteil auf Lönnrots Sammlungen beruhte und umfangreicher und niveauvoller als seine Vorgänger war.Kaisa Häkkinen: Agricolasta nykykieleen. Suomen kirjakielen historia. Werner Söderström Osakeyhtiö, Porvoo, Helsinki, Juva: 1994, S. 118. ISBN 951-0-19028-4. Ferner war er als Archäologe aktiv und unternahm in den 1870er Jahren sieben Ausgrabungsreisen in finnougrischen Gebieten Russlands.

Europaeus lebte Zeit seines Lebens in prekären Verhältnissen, hatte niemals eine längere feste Anstellung und hielt sich mit Gelegenheitsarbeiten und gelegentlichen Stipendien über Wasser. Er war nie verheiratet, hat keine Nachkommen und starb vereinsamt in einem Sankt Petersburger Armenkrankenhaus.Senni Timonen: Europaeus, David Emanuel Daniel. Kansallisbiografia-verkkojulkaisu. Studia Biographica 4. Helsinki: Suomalaisen Kirjallisuuden Seura, 1997– http://urn.fi/urn:nbn:fi:sks-kbg-004434 (ISSN 1799-4349, abgerufen am 18. Januar 2026)

Kritik Europaeus stieß trotz seiner unumstrittenen Verdienste bereits zu Lebzeiten auf viel Kritik. Er war sehr von sich selbst eingenommen und verscherzte es sich daher mit vielen Gelehrten seiner Zeit, allen voran mit Lönnrot.Irma Sulkunen: Suomalaisen Kirjallisuuden Seura 1831–1892. Suomalaisen Kirjallisuuden Seura, Helsinki 2004, S. 111 ISBN 951-746-559-9. Manche seiner Theorien wurden auch im Ausland belächelt, wie die anonyme, höchstwahrscheinlich aber von Wilhelm Schott stammendeCornelius Hasselblatt: Wilhelm Schott als Wegbereiter der deutschen Finnougristik, in: Finnisch-ugrische Forschungen 62, 2014, S. 149. Rezension seines Werks Vorläufiger Entwurf über den Urstamm der indoeuropäischen Sprachfamilie und seine vor-indoeuropäischen Abzweigungen zeigt.Europäische Angelegenheiten, in: Magazin für die Literatur des Auslandes 1864, S. 461–462.

Werke (Auswahl) Pieni runon-seppä eli kokous paraimmista Inkerinmaan puolelta kerätyistä runo-lauluista ynnä johdatuksia runon tekoon. Clouberg, Vipuri 1847. Ruotsalais-suomalainen sanakirja. 1 osa. SKS toimituksia 16 osa, 1 jako. Helsinki 1852. Komparativ framställning af de finsk-ungerska språkens räkneord, till bevis för Ungrarnes stamförvandtskap med Finnarne, och den indogermaniska folkstammens urförvandtskap med den finsk-ungerska. Helsingfors 1853. Ruotsalais-suomalainen sanakirja. 2 osa. SKS toimituksia 16 osa, 2 jako. Helsinki 1853. Karjalan kevätkäkönen: runolaulukirja: parhaista Kalevalan ja Kantelettaren ja muutamista muista runolauluista kokoon pantu. Frenckell, Helsinki 1854. Kirjoituksia Suomen kansan tärkeimmistä asioista, suurimmaksi osaksi syrjä-sensuureista paenneita. 1 nios, Onko Suomen kansa voimihinsa päästettävä vain eikö?. Helsinki 1862. Vorläufiger Entwurf über den Urstamm der indoeuropäischen Sprachfamilie und seine vor-indoeuropäischen Abzweigungen, namentlich die finnisch-ungarische. H. C. Friis, Helsingfors 1863. Tietoja suomalais-ugrilaisten kansain muinaisista olopaikoista. SKS, Helsinki 1868–1870. Die Stammverwandtschaft der meisten Sprachen der Alten und Australischen Welt. Die Zahlwörtertabelle 1, Die Zahlwörter der finnisch-ungarischen Sprachen; bewiesen von D. E. D. Europaeus. St. Petersburg 1870. Ett fornfolk med långskallig afrikansk hufvudskålstyp i norden, bestämdt till språk oeh nationalitet, jemte finsk-ungerska omdömen. Helsingfors 1873. Die Stammverwandtschaft der meisten Sprachen der Alten und Australischen Welt. Die Zahlwörtertabelle 2, Die Indo-europäischen Sprachen; bewiesen von D. E. D. Europaeus; nach Bopp, Sleicher, Kuhn, Ascoli, Fick u. a. lautgesetzlich bestimmt. St. Petersburg 1878.

Literatur (finnisch) Eintrag in der finnischen Nationalbiografie A.V. Forsman: Taavetti Emanuel Taneli Europaeus. Gummerus, Jyväskylä 1896. Väinö Salminen: D.E.D. Europaeus. Suomalaisen Kirjallisuuden Seura, Helsinki 1906. D.E.D. Europaeus. Suurmies vai kummajainen. Suomalaisen Kirjallisuuden Seura, Helsinki 1988 (Kalevalaseuran vuosikirja), ISBN 978-951-717-499-2

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Sprachwissenschaftler Kategorie:Finnougrist Kategorie:Samische Studien Kategorie:Übersetzer ins Finnische Kategorie:Übersetzer aus dem Schwedischen Kategorie:Geboren 1820 Kategorie:Gestorben 1884 Kategorie:Mann