mini|Staffel mit Ki-21 (Heerestyp 97 schwerer Bomber) im Flug Die Liste von Fluggeräten der Heeresluftwaffe und des Heeres des Japanischen Kaiserreiches führt Flugzeuge, Gleiter und sonstige Fluggeräte der Kaiserlich Japanischen Heeresluftwaffe und des Heeres ab 1910 bis zur Kapitulation des Landes am Ende des Zweiten Weltkrieges im September 1945 auf.
Hinweise
Die international gängige Benennung der Fluggeräte ab 1932 nach der Kitai- beziehungsweise ab 1939 mit der Guraida-Nummer ist nicht die offizielle Bezeichnung eingeführter Fliegertypen. Es handelt es sich dabei nur um eine vorlaufend vergebene, vorläufige Projektnummer. Die Benennung offiziell eingeführter Flugzeuge erfolgte nach dem üblichen Jahrtyp-Muster des Heeres. In der Liste werden, soweit vergeben, beide Benennungen angegeben.
Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zudem sind nach 1941 verschiedene Projekte im Internet und in Büchern erwähnt, die nicht über den Status theoretischer Vorüberlegung hinausgekommen sind. Insbesondere gegen Kriegsende sind Unmengen an Dokumentationen vernichtet worden, so dass ein vollständiger Überblick gar nicht mehr möglich ist.
Die Sortierung erfolgt, soweit möglich, nach dem Jahr der Einführung beziehungsweise des Projektbeginns.
Geschichte Hervorgegangen ist die Kaiserlich-Japanische Heeresluftwaffe aus der Ballontruppe des Heeres. Diese setzte unter anderem im Russisch-Japanischen Krieg 1904/05 Heißluftballons zur Artilleriebeobachtung und Aufklärung aus der Luft ein. 1910 entsandte das Heer schließlich zwei Offiziere nach Europa, die in Frankreich auf Farman-III-Flugzeugen das Fliegen erlernten. Während des Ersten Weltkrieges ging die Weiterentwicklung von Flugzeugen rasant vorwärts. Um mitzuhalten, wurde durch das Heer und die Marine ab 1911 die Fliegerabteilung der 1909 gegründeten Provisorischen Militärballon Forschungsgemeinschaft am Flughafen Tokorozawa aufgebaut. Diese testete, entwarf und baute unterschiedliche Flugmaschinen. Bereits früh machten sich jedoch die Verwerfungen zwischen Heer und Marine bemerkbar. Beide hatten unterschiedliche Vorstellungen von den Bedarfen einer Fliegertruppe und versuchte, diese ohne Rücksichtnahme aufeinander umzusetzen. 1912 spaltete sich daher die Marine ab und gründete eine eigene Entwicklungsabteilung.
Neben dem Testen von importierten, europäischen Flugzeugmodellen erfolgte im Tokorozawa ab 1914 auch die Entwicklung und der Bau einheimischer Flugzeugtypen, basierend auf Erprobungsergebnissen vor allem der französischen Modelle. Auch die Ausbildung der ersten einheimischen Militärpiloten und -Besatzungen und der nötigen Techniker fand dort statt. 1916 erfolgte der Jungfernflug des ersten selbst entwickelten Jagdflugzeugs. Dieses war allerdings eher ein Technologiedemonstrator als eine gefechtstaugliche Maschine. Auch entstanden flugunfähige, so genannte Bodenbewegungsflugzeuge zum Entwickeln und Einüben von Formationsbewegungen am Boden bei Start und Landung. Mit Nakajima Flugzeugbau stand ab 1918 zudem ein Partner in der Industrie für den Bau eigener Modelle und die Lizenzfertigung ausländischer Fluggeräte zur Verfügung. Dies beschleunigte den Ausbau der Heeresluftwaffe stark, zumal Mitsubishi nachzog und auch eine Flugzeugsparte eröffnete.
Die ersten Einsatzmodelle der Heeresluftwaffe waren französische Lizenzfertigungen, denen einige englische Modelle folgten. Um sich von Lizenzgebühren und ausländischem Einfluss zu befreien, wurden ab Mitte der 1920er Jahre eigene Flugzeugmodelle entwickelt und gebaut. Nun wurden auch deutsche Firmen, die in Deutschland noch unter den Beschränkungen des Versailler Vertrags litten, sowie amerikanische Hersteller in die Forschung und Entwicklung eingebunden. So konnte der Rückstand in der Flugzeugtechnik schnell aufgeholt werden. Ab Ende der 1920er Jahre entstanden konkurrenzfähige, japanische Modelle, die die europäischen Modelle nach und nach ersetzten. Ab 1935 wurde schließlich im Hinblick auf die ständigen Konfliktherde in Nordost-China und der zunehmenden Einflussnahme der Amerikaner und Briten ein umfangreiches Modernisierungsprogramm eingeleitet. Ziel war es, binnen weniger Jahre hochmoderne Flugzeuge zu schaffen, die technologisch mit den Alliierten mithalten konnten. Diese Phase wurde 1938 abgeschlossen. Aber der technologische Fortschritt war in diesen und den kommenden Jahren sehr schnell, so dass in der Regel alle zwei bis drei Jahre eine neue Generation entwickelt werden musste. Dies gelang bis Anfang 1943. Danach wirkte sich die Kriegslage immer negativer auf die technischen und materiellen Möglichkeiten aus. 1945 wurde daher schließlich die (Weiter-)Entwicklung neuer Modelle im Rahmen eines Notprogramms auf einen Bombertyp, alle Jäger und einige wenige Unterstützungsflugzeuge reduziert. Mit der Kapitulation im September 1945 endete die Geschichte der Kaiserlich-Japanischen Heeresfliegerei.
Benennungssysteme Das Kaiserlich-Japanische Heer verwendete für die Fluggeräte seiner Heeresflieger verschiedene Benennungssysteme:
Benennung nach Herkunft Zu Beginn wurde ein Flugzeugmodell nach dem Hersteller des Basismodells benannt, aus dem es entwickelt wurde. So hießen die ersten Flugzeuge Mo-shiki nach dem Hersteller des Basismodells, der Firma Maurice Farman aus Frankreich. Eine fortlaufend vergebene Nummer zeigte dann das genaue Modell an. Dieses System wurde für ausländische Flugzeuge im Wesentlichen bis Kriegsende 1945 beibehalten.
Jahrtyp-System Nach der Übernahme der alleinigen Regentschaft durch den Showa-Tenno Hirohito 1927 wurde das Jahrtyp-System des Heeres auch auf die Heeresluftwaffe übertragen. Grundlage war die Zeitrechnung nach dem japanischen Kōki-System. Dieses begann im Jahre 660 vor Christus und wurde kontinuierlich fortgeführt. So war das Jahr 1940 im japanischen Kalender das Jahr 2600. Alle 1940 eingeführten Waffensysteme erhielten die Jahrtypbezeichnung Typ 100. Entsprechend war das Jahr 1939 das Jahr 2599 und die Jahrtypbenennung Typ 99. 1941 war das Jahr 2601, die Benennung lautete somit Typ 1 und so weiter. Die Benennung wurde dann durch die Art des Fluggeräts ergänzt, zum Beispiel Typ 97 schwerer Bomber für den 1937 eingeführten Bomber. Zur Abgrenzung zur Marine, die im Wesentlichen dasselbe System verwendete, wurde noch die für die Überwachung der Entwicklung zuständige Organisation als abgekürzter Zusatz vorangestellt. Die offizielle Bezeichnung des genannten Bombers lautete somit Heer Typ 97 schwerer Bomber, da das Heeresluftfahrt-Hauptquartier die Entwicklung angestoßen und überwacht hatte. Laut der Wikipedia-Namenskonvention für den Bereich Militär ist diese Benennung zu Heerestyp 97 schwerer Bomber zusammenzuführen. Kleinere Modifikationen wurden mit einem hinzugesetzten Buchstaben markiert. Größere Änderungen an Rumpf, Flügeln oder dem Motor wurden mit einer neuen Modellnummer (römische Ziffer) angegeben. Sondermaschinen erhielten zudem den Zusatz KAI für Kaizo = modifiziert.
Kitai-/Guraida-System 1932 führte die Armeeluftwaffe das Projektnummer-System ein. Danach wurde jedes begonnene Projekt unabhängig vom Ergebnis mit einer zunächst fortlaufenden Nummer benannt. Ab 1936 wurden zu Geheimhaltungszwecken immer wieder auch Nummern außerhalb der Reihenfolge vergeben.
Die Nummer erhielt den Zusatz Ki für Kitai vorangestellt. Der oben genannte Bomber hat beispielsweise die Kitai-Nummer Ki-21 erhalten. Diese wurde nach einer offiziellen Einführung durch die Jahrtyp-Benennung ersetzt. Allerdings hat sich die einfach zu handhabende Benennung nach der Kitai-Nummer als Benennung auch für eingeführte Modelle international durchgesetzt, obwohl dies nicht dem japanische Standard entsprach. Die offizielle Benennung der nicht eingeführten Modelle war ebenfalls anders, siehe Tabellen unten.
Gleiter- und Segler-Projekte erhielten eine fortlaufende Guraida-Nummer und den Zusatz Ku für Kakku = gleiten vorangestellt.
Alliierte Codebezeichnungen Da den alliierten Piloten die Kitai-Nummern im Wesentlichen nicht bekannt waren und die offizielle Benennung sehr sperrig war, entwickelte das alliierte Oberkommando ein eigenes System mit Codenamen für Gruppen von Flugzeugtypen. So erhielten Jäger männliche Vornamen, Bomber und Transportflugzeuge weibliche, Schulflugzeuge wurde nach Holzarten benannt und so weiter.
Liste der Fluggeräte
Jagdflugzeuge Die Heeresluftwaffe setzte bei den Jagdmaschinen lange auf einmotorige Doppeldecker. Auch die Einführung von Einziehfahrwerken fand erst 1940 statt. Trotzdem waren die Maschinen aber bis 1942 in der Lage, auch mit festen Fahrwerken leistungsmäßig mitzuhalten. Mit dem Zulauf modernerer US-Jäger ab 1942 geriet die Heeresluftwaffe vor allem zahlenmäßig ins Hintertreffen. Technologisch konnten die modernen Jäger der 1940er Jahre durchaus überzeugen. Spätestens nach Beginn der strategischen Bomberoffensive der US-Amerikaner 1944 bestand jedoch keine Aussicht mehr, die Gegner auch nur anzuschlagen. Ab dem frühen Sommer 1945 wurden dann die Jäger für den zu erwartenden Endkampf um Japan zurückgehalten und die US-Maschinen konnten ohne jede Gegenwehr der japanischen Heeresluftwaffe zuschlagen. Ab Ende der 1930er Jahre versuchte sich die japanische Flugzeugindustrie auch an zweimotorigen, schweren Jägern im Stil der Messerschmitt Bf 110. Erst nach mehreren Fehlversuchen konnte 1942 ein halbwegs funktionierendes Modell zur Verfügung gestellt werden. Zu diesem Zeitpunkt waren einmotorige Jäger aber bereits in jeder Hinsicht leistungsstärker, so dass die meisten der zweimotorigen Projekte danach als schwer bewaffnete Bomberzerstörer oder Erdkampfflugzeuge mit Kanonenbewaffnung mit einem Kaliber bis 7,5 cm fertig gestellt wurden. Gegen Kriegsende gab es einige vielversprechende Projekte, die teilweise auch in der Lage waren, mit einmotorigen Jägern zumindest geschwindigkeitsmäßig mitzuhalten.
Einmotorige Jäger