Das Chỉ nam ngọc âm giải nghĩa (Sino-vietnamesisch) oder Zhǐnán yùyīn jiěyì (Chinesisch) – Schriftzeichen: 《指南玉音解義》 – (zu Deutsch etwa: »Die Erklärung der Bedeutungen zum Leitfaden der kostbaren Laute«) ist das älteste Wörterbuch für chinesische Schriftzeichen (Hán Nôm) in vietnamesischer Sprache.Taylor 2011, S. 184. Die drei ältesten erhaltenen Exemplare befinden sich in der École française d’Extrême-Orient in Paris, dem Institut für Hán-Nôm-Studien (Viện Nghiên cứu Hán Nôm 院研究漢喃) in Hanoi und der Société asiatique in Paris; das erste der drei gilt als das älteste, das dritte stammt aus dem Jahr 1761 und ist das jüngste.Phan 2013, S. 2–7.

Aufbau und Inhalt

Das Werk beginnt mit zwei Vorworten: einem in klassischer chinesischer Prosa und einem weiteren in vietnamesischer Poesie bzw. Lyrik – beide in chinesischen Schriftzeichen. Laut dem Autor soll das Wörterbuch jenen dienen, die sich auf die konfuzianischen Beamtenprüfungen (khoa cử / kējǔ 科舉) vorbereiten wollen und jenen, die buddhistische Schriften lesen möchten.

Das vietnamesischsprachige Vorwort in dem traditionellen Versmaß lục bát 六八, gefolgt von einer Passage im Versmaß song thất lục bát 雙七六八 und endet wieder mit einem lục-bát-Gedicht. Es preist das Vietnamesische (chữ Nôm) als legitime Schriftsprache der Weisen, im Gegensatz zur »orthodoxen« Ansicht bei Hof, die die chinesische Schriftsprache bevorzugte. Das chinesischsprachige Vorwort hingegen betont die chinesische Schriftsprache und erwähnt das Vietnamesische nicht. Nach dem Vorwort stellt das Werk eine Ergänzung zum Zhīnán pǐnhuì 《指南品彙》 von Shì Xiè dar.Phan 2014, S. 111–122.

Das Werk ist ein chinesisch-vietnamesisches enzyklopädisches Wörterbuch in Form eines thematisch gegliederten Kompendiums (loại tụ / lèijù 類聚).Phan 2013, S. 2. Der Hauptteil enthält insgesamt 3.394 chinesische Schriftzeichen, die jeweils mit einer vietnamesischen Glosse versehen sind.Taylor 2011, S. 184–185. Laut Trần Xuân Ngọc Lan sind 82 Prozent der vietnamesischen Schriftzeichen (chữ Nôm) in dem Wörterbuch Zeichen, die nach dem Rebus-Prinzip für ihren Lautwert entlehnt sind (jiǎjiè 假借), und 18 Prozent zusammengesetzte Zeichen (chữ ghép bzw. xíngshēng 形聲).Taylor 2011, S. 117.

Autorschaft und Erscheinungsjahr

Die Urheberschaft und das Erscheinungsjahr dieses Wörterbuchs sind ungeklärt,Đi tìm tác giả cuốn từ điển cổ nhất Việt Nam Người Lao động, 15. November 2004 (abgerufen am 6. März 2016). und diese Informationen sind in dem Werk selbst nicht angegeben.

Im Titel des Buches steht: niên thứ Tân Tị mạnh xuân cốc nhật / nián cì xīnsì mèngchūn gǔ rì 年次辛巳孟春榖日, das heißt verfasst »an einem glückverheißenden Tag im ersten Frühlingsmonat im Jahr der Metall-Schlange«. Das Werk wurde also in einem Jahr der Metall-Schlange (Tân Tỵ / xīnsì 辛巳) verfasst; in der Zeit vom 15. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert zusammengestellt wäre dies das Jahr 1401, 1461, 1521, 1581, 1641, 1701 oder 1761.Phan 2013, S. 3.

In jedem der erhaltenen Exemplare wird ein anderer Verfasser angegeben. Das Exemplar der Société asiatique gibt an, dass das Buch »von dem herausragenden Mönch Dharmatā (Pháp Tính / Fǎxìng) zusammengestellt« (宿僧法性撰) wurde. Die Wissenschaftler Nguyễn Tài Cẩn (1926–2011), Trần Văn Giáp (1898/1903–1972) und Đào Duy Anh (1904–1988) sind der Ansicht, dass »Dharmatā« Trịnh Thị Ngọc Trúc (鄭氏玉竹, 1595–1660) war, die Tochter von Fürst Trịnh Tráng und Gattin von Lê Thần Tông. Lê Văn Quán, Trần Xuân Ngọc Lan und Nguyễn Đình Hòa (1924–2000) vertreten hingegen, dass der Verfasser keine Frau gewesen sein kann, da der »Mönch« ein Mann gewesen sein muss, der der Welt entsagt hat; eine Nonne hätte man als ni / ní 尼 bezeichnet.

Die Ausgabe der Société asiatique gibt eindeutig an, dass das Buch im Jahr der Metall-Schlange während der Regierungsdevise Cảnh Hưng 景興 gedruckt wurde, was dem Jahr 1761 entspricht. Die anderen Ausgaben enthalten diese Angabe nicht. Keith W. Taylor vermutet, dass der Titel und das Wörterbuch des Buches von zwei verschiedenen Autoren verfasst worden sein könnten; Taylor und Trần Xuân Ngọc Lan weisen außerdem darauf hin, dass der Titel der Ausgabe des Instituts für Hán-Nôm-Studien den Hinweis auf den »Mönch« nicht enthält, und dass diese Ausgabe wahrscheinlich im Jahr 1641 veröffentlicht wurde,Phan 2013, S. 2–7; Taylor 2011, S. 188. und auch John D. Phan stimmt diesem Datum zu.Phan 2013, S. 7. Ngô Đức Thọ kommt hingegen aufgrund bestimmter tabuisierter Schriftzeichen zu dem Schluss, dass das Buch im Jahr 1401 zusammengestellt worden sein muss.Ngô Đức Thọ 2005.

Fußnoten

Literatur Ngô Đức Thọ: Thông tin mới nhất về Chỉ Nam ngọc âm (PDF) Thời Đại Mới, 7. November 2005. John D. Phan: Chữ Nôm and the Taming of the South. A Bilingual Defense for Vernacular Writing in the Chỉ Nam Ngọc Âm Giải Nghĩa. Journal of Vietnamese Studies Bd. 8 Nr. 1 (Winter 2013) S. 1–33; . John D. Phan: Rebooting the Vernacular in Seventeenth-Century Vietnam. Rethinking East Asian Languages, Vernaculars, and Literacies, 1000–1919. Leiden: Brill, 2014; S. 96–127; ISBN 978-90-04-27927-8. Keith Weller Taylor: "Literacy in early seventeenth-century Northern Vietnam". Michael Arthur Trong Aung-Thwin, Kenneth R. Hall (Hg.). New Perspectives on the History and Historiography of Southeast Asia. Continuing Explorations. Routledge, 2011; S. 183–197; ISBN 978-0-415-60083-5. Trần Xuân Ngọc Lan: Sơ bộ khảo sát quyển từ điển chỉ nam ngọc âm giải nghĩa (phiên Nôm và khảo luận). Hà Nội: Viện ngôn ngữ học, 1985.

Weblinks Chỉ nam ngọc âm giải nghĩa (1641) im Internet Archive

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