mini|Das St. Galler Soldatendenkmal (2026) Das St. Galler Soldatendenkmal steht im Kantonsschulpark in St. Gallen und erinnert an die Soldaten der Schweizer Armee aus dem Kanton St. Gallen, die während des Ersten und Zweiten Weltkriegs im Aktivdienst gestorben sind. Es wurde von August Wanner entworfen, von Wilhelm Meier ausgeführt und 1921 eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Inschrift erweitert.
Geschichte Auch wenn die Schweiz nicht in direkte Kriegshandlungen involviert war, starben zwischen 1914 und 1919 2105 Schweizer Soldaten im Aktivdienst,Eine eindrucksvolle Motta-Rede. In: Neue Zürcher Nachrichten. 2. Blatt. Band 16, Nr. 259, 22. September 1920, S. 2 (online). 225 davon stammten aus dem Kanton St. Gallen. Die meisten erlagen der Spanischen Grippe.Peter Stahlberger: Krieg und Tod – fern und nah. In: St. Galler Tagblatt. 5. August 2014.
Die Initiative zur öffentlichen Ehrung der toten Soldaten ging von Vertretern sankt-gallischer Offiziers- und Unteroffiziersvereine aus,Skulptur für den Aktivdienst im Ersten und Zweiten Weltkrieg, St. Gallen, Kantonsschulpark. In: Schweizer Armee (Hrsg.): Inventar der Armee- und Kriegsdenkmäler der Schweiz: St. Gallen. 2025, S. 26 (PDF; 3,0 MB). die sich im Frühjahr 1920 mit Spendenaufrufen an die Öffentlichkeit wandten. Einerseits sollten in den kantonalen Waffenplätzen Wil, Rapperswil, Walenstadt und St. Gallen Gedenktafeln mit den Namen der gestorbenen Soldaten, andererseits in der Kantonshauptstadt auch ein «in Material und künstlerischer Gestaltung würdiger Denkstein» errichtet werden. Als möglichen Aufstellungsort von letzterem wurden der Klosterhof, der Gallusplatz und der Kantonsschulplatz erwogen. Zum künstlerischen Wettbewerb waren nur Bildhauer und Architekten zugelassen, die im Kanton wohnhaft oder heimatberechtigt waren oder St. Galler Truppeneinheiten angehörten.St. Gallen. Ehrung verstorbener Wehrmänner. In: Zuger Nachrichten. Band 34, Nr. 34, 19. März 1920, S. 6 (online). Das Komitee entschied sich für den Entwurf von August Wanner, der seit 1916 an der Gewerbeschule St. Gallen unterrichtete.St. Galler Soldatendenkmal. In: Der Bund. Erstes Blatt. Band 72, Nr. 313, 27. Juli 1921, S. 3 (online). Die Spendensammlung für die Gedenktafeln und das Denkmal wurde noch Ende 1920 abgeschlossen und ergab eine Summe von 40'380 Franken.St. Gallen. In: Der Bund. Band 71, Nr. 470, 3. November 1920, S. 3 (online). Die oberen Gemeinden des Seebezirks lehnten eine Beteiligung daran ab und veranstalteten stattdessen eine eigene Sammlung für einen gemeinnützigen Zweck. Die von ihnen zusammengetragenen 7000 Franken verwendeten sie 1921 zur Stiftung eines Freibetts im Spital in Uznach, das sie ebenfalls «Soldatendenkmal» nannten.Stiftung. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweites Mittagsblatt. Nr. 1460, 12. Oktober 1921, S. 2 (online).Auch ein Soldatendenkmal. In: Der Bund. Band 72, Nr. 422, 4. Oktober 1921, S. 5 (online).
August Wanners Entwurf wurde 1921 von Wilhelm Meier ausgeführt.Johannes Huber: Der Krieg und seine Denkmäler. Ehren- und Erinnerungszeichen in St. Gallen, Wil, Rapperswil, Walenstadt, Herisau und Appenzell für die während des Ersten Weltkriegs verstorbenen Soldaten. In: Historischer Verein des Kantons St. Gallen (Hrsg.): 1914 – 1918/1919. Die Ostschweiz und der Grosse Krieg. St. Gallen 2014, , S. 16–27, hier 18–20.
Das St. Galler Soldatendenkmal wurde am 25. Juli 1921 im Beisein von Veteranen und rund 500 Angehörigen der Verstorbenen eingeweiht. Oberstleutnant Heitz übergab das Denkmal im Namen des Initiativkomitees. Albert Mächler, der im Regierungsrat dem Polizei- und Militärdepartement vorstand, nahm es dankend in Empfang. Am anschliessenden Festbankett in der Tonhalle sprachen Oberstkorpskommandant Hermann Steinbuch, Stadtammann Eduard Scherrer und der Fourier Wildhaber als Vertreter der Unteroffiziere.
Beschreibung Das Soldatendenkmal steht im Park bei der Kantonsschule am Burggraben und sollte so auch den Gymnasiasten als Vorbild dienen und sie zu «treuen Staatsbürgern» erziehen.Soldatendenkmal. In: Izi.travel. Abgerufen am 17. Januar 2026.
Auf dem etwa 1,5 Meter hohen Postament steht folgende Inschrift:
Die letzten beiden Zeilen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg hinzugefügt. mini|Die Skulptur des sterbenden Soldaten Die darauf liegende Skulptur eines zusammensinkenden, sterbenden Soldaten wurde aus Würenloser Muschelkalk gehauen. Johannes Huber beschrieb sie folgendermassen:
Gemäss Huber zeigt sich darin ein Kontrast zwischen «Wehrwille und Verletzlichkeit, Kraft und Schwäche, Vitalität und Ermattung» und «Lebenswunsch und Todesschatten». Das Urbild, auf das die Skulptur zurückgehe, sei die antike Statue Sterbender Gallier. Matthias Weishaupt konstatierte einen «staatlich-autoritären Totenkult», der sich ikonographisch an den «Denkmälern für den unbekannten Soldaten» in Frankreich und Deutschland orientiere.Matthias Weishaupt: Sankt-gallische Geschichtskultur. Historisierende Sinnsuche im 19. und 20. Jahrhundert. In: Sankt-Galler Geschichte. Band 8, 2003, S. 227–253, hier 236–238.
Wie auch bei den Soldatendenkmälern in Olten, Langenthal, Bellinzona (Tessiner Soldatendenkmal), Liestal, Lyss und Solothurn ist der Soldat nackt dargestellt (er trägt nur einen Stahlhelm). Gemäss Georg Kreis solle damit ausgedrückt werden, dass es sich um Tote handelt, die Nacktheit wirke aber, «wenn man nicht (mehr) zur Gefühlsgemeinde gehört, eher komisch».Georg Kreis: Zeitzeichen für die Ewigkeit. 300 Jahre schweizerische Denkmaltopografie. Verlag NZZ, Zürich 2008, S. 284 f.
Weitere Gedenkstätten im Kanton mini|Soldatendenkmal an der Wiler Allee Das St. Galler Soldatendenkmal gedenkt der Verstorbenen kollektiv und enthält keine Namenslisten. Diese wurden stattdessen in den Waffenplätzen des Kantons errichtet: In Wil wurde am 2. Oktober 1921 eine Stele mit den Namen der verstorbenen Soldaten des Korpssammelplatzes Wil eingeweiht. Sie befindet sich oberhalb des Bahnhofplatzes, beim Alleeschulhaus.Schweizer Armee (Hrsg.): Inventar der Armee- und Kriegsdenkmäler in der Schweiz: St. Gallen. 2025 (PDF; 3,0 MB), S. 18. In Walenstadt wurde am 9. Oktober 1921 die Brunnenskulptur eines wachenden Soldaten eingeweiht. Unter den Arkaden des Rathauses ist eine Gedenktafel angebracht. Der Brunnen wurde bereits 1920 errichtet und ist somit das früheste Soldatendenkmal des Ersten Weltkriegs auf St. Galler Boden. In Rapperswil wurde am 12. April 1924 beim Eingang zum Schloss eine Gedenktafel für die verstorbenen Soldaten aus dem Linthgebiet eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese zunächst mit einer weiteren Tafel ergänzt. 1954 wurden beide durch eine neue Tafel ersetzt.
Siehe auch Liste von Denkmälern im Kanton St. Gallen
Literatur St. Galler Soldatendenkmal. In: Der Bund. Erstes Blatt. Band 72, Nr. 313, 27. Juli 1921, S. 3 (online). Matthias Weishaupt: Sankt-gallische Geschichtskultur. Historisierende Sinnsuche im 19. und 20. Jahrhundert. In: Sankt-Galler Geschichte. Band 8, 2003, S. 227–253, hier 236–238. Johannes Huber: Der Krieg und seine Denkmäler. Ehren- und Erinnerungszeichen in St. Gallen, Wil, Rapperswil, Walenstadt, Herisau und Appenzell für die während des Ersten Weltkriegs verstorbenen Soldaten. In: Historischer Verein des Kantons St. Gallen (Hrsg.): 1914 – 1918/1919. Die Ostschweiz und der Grosse Krieg. St. Gallen 2014, , S. 16–27. Skulptur für den Aktivdienst im Ersten und Zweiten Weltkrieg, St. Gallen, Kantonsschulpark. In: Schweizer Armee (Hrsg.): Inventar der Armee- und Kriegsdenkmäler der Schweiz: St. Gallen. 2025, S. 26 (PDF; 3,0 MB).
Weblinks
Soldatendenkmal. In: Audiotour Denkmäler in der Stadt St. Gallen (izi.travel)
Einzelnachweise
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