mini|300px|Ruine der Kapelle 1952 vor dem Abriss mini|Ansicht der Ruine 1779 mini|Grundriss der Ruine 1779

St. Kilian in Worms war eine romanische Kapelle, die zum Besitz des Domkapitels gehörte.Gensicke, S. 132. Oberirdisch ist von dem Bauwerk nichts erhalten.

Geografische Lage Die Kapelle lag im Nordosten der Kreuzung der heutigen Römerstraße (historisch: Zwerchgasse) mit der Hagenstraße. Sie war allerdings rechts und links von Hausgrundstücken begrenzt, lag also nicht unmittelbar an der Kreuzung, sondern in der Zwerchgasse (Römerstraße).Gensicke, S. 132.

Geschichte Stifter der Kapelle war der Wormser Bischof Azecho. Sie wurde um 1035 errichtetGensicke, S. 131. und dem heiligen Kilian geweiht. Von dem Chronisten Friedrich Zorn wird eine Bauinschrift überliefert, die einen Benzo als Baumeister nennt.Gensicke, S. 131f. Sie soll sich am Turm befunden haben.Kranzbühler, S. 64.

Ab 1223 sind immer wieder Urkunden erhalten, die die Kapelle nennen. Meist handelt es sich dabei um Belege zu Grundstücksgeschäften in deren Nachbarschaft. Bei einem großen Stadtbrand 1242 soll auch die Kapelle niedergebrannt sein.Gensicke, S. 132. Sie wurde anschließend repariert und ist bis in die Zeit der Reformation als Gottesdienststätte belegt.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wird ihr Zustand als baufällig beschrieben, Teile wurden abgebrochen, deren Absturz zu befürchten warKranzbühler, S. 64. und Gottesdienste fanden dort wohl nicht mehr statt. 1689 war sie seitens des Domkapitels verpachtet und das profanierte Gebäude diente als Scheune.Gensicke, S. 132f. Nach der Stadtzerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch Truppen König Ludwig XIV. im selben Jahr blieb die Kapelle Ruine. Die Nordwand wurde abgetragen, um Platz für einen Weg zu schaffen, das Kapelleninnere wurde als Platz betrachtet, der verpachtet war. 1780 gelangte das Gelände im Zuge eines Grundstückstauschs an die Stadt, die es für 160 Gulden an einen Nachbarn verkaufte. Damals waren Abschnitte der Außenwände der ehemaligen Kapelle in benachbarte Gebäude integriert und das Untergeschoss des Turmes stand noch. Abgesehen von den Außenwänden, die inzwischen Teil benachbarter Gebäude waren, wurde der Ruinenrest nach 1779 abgetragen.Gensicke, S. 133.

Die städtische Denkmalpflege-Behörde ließ nach der erneuten flächendeckenden Zerstörung der Wormser Innenstadt im Zweiten Weltkrieg die dadurch zutage getretenen baulichen Reste – Mauerabschnitte, die in benachbarte, nunmehr zerstörte Gebäude einbezogen waren – bauhistorisch untersuchen.Der dazu veröffentlichte Bericht (Weirich: Baubefund) nennt keine genaue Jahreszahl für die Untersuchung. Sie wurde wohl kurz vor 1953 durchgeführt (Erscheinungsjahr des Berichts). In der Folgezeit wurden diese abgerissen. Noch heute findet sich dort eine Freifläche, die als Parkplatz genutzt wird.

Gebäude Das Gebäude war geostet.Weirich: Baubefund, S. 136. Hauptsächlich verwendetes Baumaterial war roter Buntsandstein.Weirich, S. 135. Im Westen stand an der Zwerchgasse ein Turm durch dessen Erdgeschoss der Hauptzugang führte.Gensicke, S. 132. Ein weiterer Zugang bestand in der südlichen Wand des Kirchenschiffs.Weirich: Baubefund, S. 135. Der Grundriss des Gebäudes wies drei Teile auf. Von Westen nach Osten waren das: Der Turm mit 3 × 4 m.Maßangabe nach archivalischer Angabe bei Gensicke, S. 133. Das Langhaus hatte mit 7,3 × 7,25 mMaßangabe nach Befund bei Weirich, S. 135. einen nahezu quadratischen Grundriss. Der Chor mit 5,4 × 4,4 mMaßangabe nach Befund bei Weirich: ‘‘Baubefund’’, S. 135. hatte im Scheitel ein Fenster in gotischer Form.Weirich, S. 136.

Zwischen Langhaus und Chor bestand eine Baufuge, was den nachträglichen Anbau des Chores nahelegtWeirich: Baubefund, S. 135., der mit dem Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1242 in Zusammenhang gebracht wird.Weirich: Baubefund, S. 136. Auch weitere Spuren späterer Veränderungen konnte die bauhistorische Untersuchung in den 1950er Jahren nachweisenWeirich: Baubefund, S. 135., der Grundriss wurde aber nie geändert.Weirich: Baubefund, S. 136. Die Kapelle soll etwa so ausgesehen haben wie die heute noch stehende Bergkirche in Worms-Hochheim.Diether Weirich: Die Bergkirche zu Worms-Hochheim und ihre Krypta. Ein Beitrag zur Baugeschichte des frühen Mittelalters, insbesondere zur Frage der Herkunft und Bedeutung vierstütziger Krypten (= Der Wormsgau Beiheft 13). Worms 1953, S. 31.

Wissenswert Die historische „Kiliansgasse“ lag an der Ostseite des Bebauungsblocks, an dessen Westseite die Kapelle stand.Stadtverwaltung Worms: Plan der Stadt Worms 1897. Die Gasse verschwand mit der Neubebauung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Literatur Hellmut Gensicke: Die Kapelle S. Kilian zu Worms. In: Der Wormsgau 3, Heft 3 (1953), S. 131–135. Eugen Kranzbühler: Verschwundene Wormser Bauten. Beiträge zur Baugeschichte und Topographie der Stadt. Kräuter’sche Buchhandlung, Worms 1905. S. 64f. Diether Weirich: Baubefund der ehemaligen Kapelle St. Kilian. In: Der Wormsgau 3, Heft 3 (1953), S. 135f.

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Bistum Worms Kilian Kategorie:Romanische Kirche Kategorie:Bauwerk der Romanik in Rheinland-Pfalz Worms Kategorie:Ersterwähnung 1223 Kategorie:Zerstört im 17. Jahrhundert Kategorie:Zerstört im 18. Jahrhundert Kategorie:Zerstört im 20. Jahrhundert Kategorie:Bauwerk aus Sandstein