Die Thymiane (, von altgriechisch θύμον thýmon, das möglicherweise „Räucherwerk“ (von θύω - „[religiös] räuchern“) bedeutet, oder aber vorgriechischen Ursprungs ist) oder Quendel sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae).
Ausgewählte Arten Einige Arten und ihre Sorten sind Heil- und Gewürzpflanzen, am bekanntesten ist der Echte Thymian (Thymus vulgaris). Auch der Sand-Thymian (Thymus serpyllum), der Zitronen-Thymian (Thymus ×citriodorus) und der Breitblättrige Thymian (Thymus pulegioides) sind in der abendländischen Kultur und Pflanzenheilkunde von Bedeutung. Der Satureja-Thymian (Thymus saturejoides) hat im Unterschied zu anderen Thymianen einen strengen Geschmack und ist daher als Gewürz eher nicht geeignet. Stattdessen wird er zur Herstellung von Ölen verwendet. Nicht zur Gattung Thymus gehört der nahe verwandte Kopfige Thymian (Thymbra capitata).
Beschreibung mini|Illustration aus Köhler’s Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte, Tafel 39 des Sand-Thymian (Thymus serpyllum) mini|Illustration aus Flora Atlantica, sive, Historia plantarum quae in Atlante, agro Tunetano et Algeriensi crescunt, Tafel 128 von Thymus lanceolatus
Vegetative Merkmale Thymian-Arten sind ausdauernde Halbsträucher oder Sträucher. Gelegentlich scheinen sie krautig zu sein, sind jedoch zumindest an der Basis verholzt. Sie wachsen aufrecht bis niederliegend, sind gelegentlich rasenbildend und an den Stängeln wurzelnd. Die Stängel können rundum behaart sein oder aber nur an zwei gegenüberliegenden Seiten oder an den Kanten Behaarung aufweisen.
Die Laubblätter sind einfach und ganzrandig oder gelegentlich gezähnt. Oftmals sind die Ränder umgebogen. Die Behaarung der Blätter ist innerhalb der Gattung sehr variabel, sie können komplett unbehaart bis zu vollständig behaart sein.
Blütenstände und Blüten Die Blütenstände sind ährenartig zusammengesetzt und scheinwirtelig auseinandergezogen oder können köpfchenförmig sein. Sie enthalten Tragblätter, die entweder in der Form den Laubblättern gleichen oder auch sehr unterschiedlich gestaltet sein können. Die Blüten können gestielt oder sitzend sein, meist werden sie von kleinen Vorblättern begleitet, die an der Basis des Blütenstiels stehen.
Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist mehr oder weniger glockenförmig oder zylindrisch, von meist zehn Adern durchzogen und deutlich zweilippig, wobei beide Lippen manchmal nahezu gleichgestaltig sind. Die obere Lippe ist mit drei dreieckigen Zähnen besetzt, die jedoch manchmal zu einem einzigen Zahn reduziert sind. Die zwei langen dreieckigen Zähne der Unterlippe können nach oben gebogen oder abgespreizt sein. Der Kelchschlund ist bärtig behaart. Die Krone ist mehr oder weniger röhrenförmig und in zwei Lippen unterteilt, die manchmal nahezu gleichgestaltig sein können. Die Kronröhre ist manchmal sehr lang und kann dann bis zu 20 mm lang werden. Der Kronsaum ist in vier Lappen unterteilt. Die Farbe der Krone kann weiß, creme, pink oder violett sein, oftmals finden sich im Kronschlund oder an der Basis der Kronlappen durchscheinende Punkte. Die obere Lippe ist mehr oder weniger gerundet, gebuchtet und gerade. Die Unterlippe und die seitlichen Lappen sind rechteckig bis nahezu kreisförmig, abgerundet und stehen senkrecht auf der Kronröhre.
Die vier Staubblätter setzen in der oberen Hälfte der Kronröhre an und können über diese hinaus stehen. Die Staubbeutel bestehen aus zwei parallel zueinander stehenden Theken. Die Pflanzen können gynodiözisch sein, dann sind die Staubblätter zurückgebildet oder nicht ausgeprägt. Die Spitze des Griffels ist verzweigt.
Früchte und Samen Die Früchte sind eiförmige Nüsschen, die runde Samen enthalten.
Standorte Verschiedene Arten und ihre Sorten werden in Gärten und Gartenbaubetrieben angebaut.
Die Thymiane gedeihen meist an hellen und trockenen Standorten mit nährstoffarmen und sandigen Böden. Sie finden sich an Wegrändern, auf trockenen Wiesenflächen und auf Mauern.
Verwendung Im antiken Griechenland diente Thymian als Zusatz zu Räuchermitteln, mit denen man eine Anregung von Geist und Gemüt erzielte. Im Mittelalter wurde Thymian bereits als wertvolle Heilpflanze genutzt, zum Beispiel bei Asthma oder Atemnot. In vielen alten Kulturen, einschließlich der Römer und Ägypter, wurde Thymian ebenfalls als Räuchermittel verwendet. Die Ägypter nutzten es bei ihren Einbalsamierungsritualen, während die Römer es als Aromastoff in ihren Bädern und als Beigabe in Getränken und Speisen schätzten. Es wurde auch geglaubt, dass Thymian Mut und Stärke verleiht, und Römerkrieger badeten oft in Thymianwasser, um Kraft und Vitalität zu gewinnen.
Thymian kommt in unterschiedlicher Art und Weise zum Einsatz. Verwendung finden Arten der Gattung Thymus als getrocknete oder frische Küchenkräuter, als Quelle von ätherischen Ölen und Oleoresinen, als Gartenpflanze sowie als Arzneipflanze in der Volksmedizin, der Homöopathie und verstärkt auch in der klassischen Medizin. Dabei ist jedoch nur ein kleiner Teil der Arten von kommerzieller Bedeutung, nämlich Thymus mastichina, der Sand-Thymian (Thymus serpyllum), der Echte Thymian (Thymus vulgaris) und der Joch-Thymian (Thymus zygis), zusätzlich noch der nach der hier verwendeten Systematik nicht mehr zur Gattung zählende Kopfige Thymian (Thymbra capitata). Verwendet wird auch der Korsische Thymian, Thymus × citriodorus oder Thymus cilicicus, Thymus caespititius u. a.
Für die Gewinnung der pharmazeutischen Droge Thymian (Thymi herba) sind nach dem Europäischen Arzneibuch nur die beiden Arten Thymus vulgaris und Thymus zygis oder eine Mischung beider Arten erlaubt. Stammpflanze der Droge Quendelkraut ist Thymus serpyllum.
mini|hochkant=0.7|Strukturformel von Thymol – Hauptbestandteil des ätherischen Thymianöls
Inhaltsstoffe und Wirkung Der wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoff des Echten Thymians ist das ätherische Öl (1,0–2,5 %). Dieses besteht vorwiegend aus den Monoterpenen Thymol (25–50 %) und Carvacrol (3–10 %) sowie p-Cymen, Borneol und Linalool. Das ätherische Öl hat eine sekretolytische, sekretomotorische und bronchospasmolytische Wirkung. Darüber hinaus ergibt sich aufgrund des Thymols und Carvacrols über eine Hemmung der Cyclooxygenase ein entzündungshemmender Effekt.
Systematik und Verbreitung Die Gattung Thymus wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 590 aufgestellt. Synonyme für Thymus sind: Cephalotos , Mastichina , Serpyllum
Die Gattung Thymus gehört zur Subtribus Menthinae aus der Tribus Mentheae in der Unterfamilie Nepetoideae innerhalb der Familie Lamiaceae.
Die Verbreitungsgebiete liegen in Afrika, Europa und im gemäßigten Asien. Das Zentrum der Artenvielfalt ist der Mittelmeerraum.
Sektionen und Arten mit ihrer Verbreitung Die Gattung Thymus wird bei Morales 2002 in acht Sektionen gegliedert, die zum Teil in Untersektionen unterteilt sind und insgesamt 214 bis 245 oder sogar 272 Arten enthalten:
Sektion Micantes : Schillernder Thymian oder Azoren-Thymian (Thymus caespititius ) Satureja-Thymian (Thymus saturejoides ): Es gibt etwa drei Unterarten: Thymus saturejoides subsp. commutatus : Sie kommt in Algerien und Marokko vor. Thymus saturejoides subsp. saturejoides: Dieser Endemit kommt nur im südwestlichen Marokko vor. Thymus saturejoides subsp. pseudomastichina : Sie kommt nur in Marokko vor. Thymus riatarum : Sie kommt im nördlichen Marokko vor.
mini|Sektion Mastichina: Thymus mastichina
Sektion Mastichina : Thymus mastichina Thymus albicans : Sie kommt nur vom südlichen Portugal bis zum südwestlichen Spanien vor.
Sektion Piperella: Thymus piperella
Sektion Teucrioides : Thymus teucrioides Thymus hartvigii : Sie kommt in zwei Unterarten in Griechenland vor: Thymus hartvigii subsp. hartvigii: Sie kommt im südlich-zentralen und im südlichen Griechenland vor. Thymus hartvigii subsp. macrocalyx : Sie kommt vom südlich-zentralen Griechenland bis zu den westlichen Ägäischen Inseln vor. Thymus leucospermus : Sie kommt in Griechenland vor.
mini|Sektion Pseudothymbra: Thymus moroderi
Sektion Pseudothymbra : Subsektion Pseudothymbra : Thymus lotocephalus : Dieser Endemit kommt nur im südlichen Portugal vor. Zottiger Thymian (Thymus villosus ): Es gibt etwa drei Unterarten auf der Iberischen Halbinsel: Thymus villosus subsp. lusitanicus : Sie kommt im westlichen Portugal und im südlich-zentralen Spanien vor. Thymus villosus subsp. velascoi : Dieser Endemit kommt nur im zentralen Spanien um Toledo vor. Thymus villosus subsp. villosus: Sie kommt nur im westlichen bis südwestlichen Portugal vor. Langblütiger Thymian (Thymus longiflorus ) Dünnhäutiger Thymian (Thymus membranaceus ): Dieser Endemit kommt nur im südöstlichen Spanien vor. Thymus moroderi : Dieser Endemit kommt nur im südöstlichen Spanien vor. Thymus munbyanus : Es gibt etwa vier Unterarten: Thymus munbyanus subsp. abylaeus : Sie kommt in Marokko vor. Thymus munbyanus subsp. ciliatus : Sie kommt in Algerien und Marokko vor. Thymus munbyanus subsp. coloratus : Sie kommt in Algerien und Marokko vor. Thymus munbyanus subsp. munbyanus: Sie kommt vom nördlichen Marokko bis zum nordwestlichen Algerien vor. Thymus bleicherianus : Sie kommt in Marokko vor. Thymus funkii : Die etwa drei Unterarten kommen alle drei nur im südöstlichen Spanien vor: Thymus funkii subsp. burilloi Thymus funkii subsp. funkii Thymus funkii subsp. sabulicola Subsektion Anomali : Thymus antoninae : Dieser Endemit kommt nur im südöstlichen Spanien vor.
mini|Sektion Thymus: Thymus hyemalis mini|Sektion Thymus: Echter Thymian (Thymus vulgaris) mini|Sektion Thymus: Joch-Thymian (Thymus zygis) Sektion Thymus: Subsektion Thymastra: Thymus capitellatus Thymus camphoratus Subsektion Thymus: Thymus carnosus Echter Thymian (Thymus vulgaris ) Thymus orospedanus : Sie kommt nur im südlichen bis südöstlichen Spanien vor. Thymus hyemalis : Die zwei Unterarten kommen nur im südöstlichen Spanien vor: Thymus hyemalis subsp. hyemalis Thymus hyemalis subsp. millefloris Joch-Thymian oder Spanischer Thymian (Thymus zygis ) Thymus baeticus : Sie kommt nur im südlichen und südöstlichen Spanien vor. Thymus willdenowii : Sie kommt in Marokko, Algerien, in Gibraltar und im südwestlichen Spanien vor. Thymus loscosii : Dieser Endemit kommt nur im nordöstlichen Spanien vor. Thymus serpylloides
mini|Sektion Hyphodromi: Thymus spinulosus Sektion Hyphodromi : Subsektion Subbracteati : Thymus algeriensis : Sie kommt in Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen vor. Thymus argaeus : Dieser Endemit kommt nur in der zentralen Türkei vor. Thymus atticus Thymus boissieri : Sie kommt auf der Balkanhalbinsel vor. Thymus borysthenicus : Sie kommt in der Ukraine vor. Thymus brachychilus : Sie kommt in der zentralen und südlichen Türkei vor. Thymus cappadocicus : Sie kommt in der zentralen und östlichen Türkei vor. Polster-Thymian (Thymus cherlerioides ) Thymus comptus Thymus convolutus : Dieser Endemit kommt nur in der östlichen Türkei vor. Thymus dolopicus Thymus integer : Dieser Endemit kommt nur auf Zypern vor. Thymus leucotrichus : Sie kommt in zwei Unterarten und einer Varietät auf der Balkanhalbinsel, in Bulgarien, im östlichen Mittelmeerraum und auf Kreta vor: Thymus leucotrichus var. creticus : Dieser Endemit kommt nur auf Kreta vor. Thymus leucotrichus subsp. leucotrichus: Sie kommt in Griechenland, Kreta, Albanien, in der Türkei und im Gebiet von Syrien und Libanon vor. Thymus leucotrichus subsp. neiceffii : Sie kommt in Albanien, Bulgarien und in Griechenland vor. Thymus mastigophorus Thymus pallasianus Thymus parnassicus : Sie kommt von der Balkanhalbinsel bis zur östlichen Türkei vor. Thymus persicus : Dieser Endemit kommt nur im nordöstlichen Iran vor. Thymus plasonii Thymus pulvinatus : Dieser Endemit kommt nur in der westlichen Türkei vor.