Der Thurgau (, ) ist ein deutschsprachiger Kanton im Nordosten der Schweiz. Der Hauptort ist Frauenfeld.

Geographie Der Kanton grenzt im Norden an das deutsche Land Baden-Württemberg, den Kanton Schaffhausen und den Bodensee. Im Süden ist in der Nähe des Hörnli und des Chlihörnli der Grenzpunkt mit den Kantonen St. Gallen und Zürich. Der dort auf knapp 991 Meter gelegene bildet den südlichsten Punkt des Kantons Thurgau. Der höchste Punkt des Kantons Thurgau liegt mit 991,1 Meter minimal höher an der Flanke des Berges Hohgrat.

Der Hauptort und Sitz des Regierungsrates sowie des Obergerichts ist Frauenfeld. Der Grosse Rat tagt im Sommer in Frauenfeld, im Winter in Weinfelden. Der Kanton Thurgau hat seinen Namen vom Fluss Thur, der ihn von Südosten nach Nordwesten durchquert und weiter westlich im Zürcher Bezirk Andelfingen in den Rhein mündet.

Geläufige Landschaftsbezeichnungen sind «Oberthurgau» im Osten (Arbon und Bischofszell), «Mittelthurgau» um Weinfelden, «Unterthurgau» um Frauenfeld, «Hinterthurgau» im Süden (um Münchwilen) und «Seerücken» (in Richtung West-Ost verlaufender Hügelzug im Norden des Kantons); hinzu treten die Ufer am Bodensee und am Untersee.

Im Kanton werden 61,0 Prozent der Gesamtfläche als landwirtschaftliche Flächen genutzt.Quelle: Statistik für die EUREGIO-Bodensee. In: Aufgelistet! Die zehn Landkreise der Bodenseeregion, … In: Südkurier. vom 25. Februar 2011 und in: Ders. vom 2. Juli 2011.

In der angegebenen Kantonsfläche von 994 km² ist eine Fläche von 115 km² im Obersee des Bodensees enthalten, wobei es in diesem Seebecken ausserhalb des Konstanzer Trichters keine international anerkannte Grenzziehung zwischen der Schweiz und Deutschland gibt (siehe: Territoriale Zugehörigkeit im Bodensee).

ThurGIS ist die offizielle Geoinformationsplattform des Kantons Thurgau zur Darstellung von Geodaten der kantonalen Verwaltung über das Internet.ThurGIS

Bevölkerung Sprachen Die im Thurgau gesprochenen deutschen Mundarten gehören dem Hochalemannischen und innerhalb dessen dem Ostschweizer Dialekt an.Aufschluss zu den sprachlichen Besonderheiten geben Fritz Enderlin: Die Mundart von Kesswil (= Beiträge zur Schweizerdeutschen Grammatik, 5). Huber & Co., Frauenfeld ; Rudolf Hotzenköcherle: Die Sprachlandschaften der deutschen Schweiz (= Sprachlandschaften der Schweiz, 1). Sauerländer, Aarau / Frankfurt am Main / Salzburg 1984, ISBN 3-7941-2623-8; Eugen Nyffenegger, Oskar Bandle: Thurgauer Namenbuch, Band 1 (2 Halbbände). 2003, ISBN 3-7193-1309-3.

Demografie Der Thurgau gehört zu den Kantonen mit dem höchsten Bevölkerungswachstum, mit einer Zunahme von 24 Prozent zwischen 2000 und 2020. Das Wachstum hat sich seit 2018 beschleunigt; es betrug 2023 kantonsweit 1,4 % (Schweiz: 0,9 %), in 21 Gemeinden, darunter die Stadt Weinfelden, über 2 % und in 3 Gemeinden gar über 4 %.

Der Kanton erwartet darum in den kommenden Jahren den schweizweit stärksten Anstieg der Schülerzahlen, weshalb bei angespannter Finanzlage die Schulanlagen massiv ausgebaut werden müssen.

Der Kanton zählte am 31. Dezember 2024 eine Ständige Wohnbevölkerung von 296'811 Einwohnern.

Die Geschlechterverteilung ist mit 149'868 Männern sowie 146'943 Frauen ausgeglichen.

125'860 sind ledig, 127'593 verheiratet, 12'992 verwitwet, 26'165 geschieden sowie 341 in eingetragener oder in gerichtlich aufgelöster Partnerschaft.

Schweizer Bürger sind 216'910, Staatsangehörige anderer Länder sind 79'901. Von den direkten Nachbarländern stammen aus Deutschland 25'915, Italien 10'115 und Österreich 2'093. Weitere wichtige Herkunftsländer sind: Portugal 4'575, Kosovo 2'928, Polen 2'949, Türkei 2'462, Ungarn 2'473 und Slowakei 1'899. Aus anderen Staaten stammen 15'160 Einwohner.

Religionen – Konfession Die reformierte Bevölkerung gehört der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau an, die katholische kirchenrechtlich dem Bistum Basel und staatskirchenrechtlich der Katholischen Landeskirche des Kantons Thurgau.

Seit Jahren sind die Mitgliederzahlen der Landeskirchen rückläufig. Der Anteil der Bevölkerung, der einer der beiden Landeskirchen angehört, ging allein zwischen 2015 und 2025 von 68 % auf 52 % zurück. Geschrumpft ist vor allem der Anteil der evangelischen Bevölkerung. 2025 war der Rückgang der Mitgliederzahlen in den Landeskirchen erneut deutlich: 2,2 % in der evangelischen und 1,5 % in der katholischen Kirche.Landeskirchen verlieren Mitglieder, abgerufen am 12. März 2022Religionen Konfession

Mit 34,4 % lag Ende 2017 der Anteil der Personen, die keiner Landeskirche zugehören, erstmals höher als jener der evangelischen (33,9 %) oder der katholischen Bevölkerung (31,7 %).Religionen, Konfession. Zwei Drittel der Thurgauerinnen und Thurgauer sind evangelisch oder katholisch. Bevölkerungsstand und Struktur Thurgau Dienststelle für Statistik. Abgerufen am 8. März 2017. Acht Jahre später – Ende 2025 – gehörten 48 % keiner Landeskirche an, 26,4 % der evangelischen und 26,0 % der katholischen Kirche.

Seit der Volkszählung 2000 liegen keine Mitgliederzahlen zu weiteren Religionsgemeinschaften (neben den beiden Landeskirchen) für die Gesamtbevölkerung des Kanton Thurgaus mehr vor. Jedoch führt das Bundesamt für Statistik Stichprobenerhebungen durchSeit der letzten Volkszählung im Jahr 2000 liegen keine Zahlen zur Religionszugehörigkeit der Gesamtbevölkerung (jeden Alters) für den Kanton Thurgau mehr vor. Eine Ausnahme bilden die römisch-katholische und die evangelisch-reformierte Kirche (Landeskirchen), deren Mitglieder aufgrund der Kirchensteuer amtlich registriert werden. Die Daten des Bundesamts für Statistik zu den Religionsgemeinschaften im Kanton Thurgau basieren auf einer Stichprobenerhebung, für welche Personen ab dem Alter von 15 Jahren befragt werden. Es gilt zu beachten, dass die Resultate der Erhebungen ein Vertrauensintervall aufweisen. Siehe auch Volkszählung in der Schweiz#Strukturerhebung., bei denen auch andere Religionsgemeinschaften im Kanton erfasst werden. In der Stichprobenerhebung von 2017 gaben 14,2 % der Befragten ab 15 Jahren im Kanton Thurgau an, Mitglied einer religiösen Gemeinschaft ausserhalb der Landeskirchen zu sein: 6,6 % gehörten anderen christlichen Kirchen an (darunter Freikirchen und orthodoxe Kirchen), 6,5 % bekannten sich zum Islam und weitere 1,1 % waren Anhänger anderer Religionen.

+ Thurgauer Bevölkerung ab 15 Jahren nach Religion und Staatsangehörigkeit/Herkunft im Jahr 2017(Stichprobenerhebung: Angaben in Prozent) Religion TotalderBefragten Schweizer Staats-angehörigkeit Schweizer ohne Migrations-hintergrund Schweizer mit Migrations-hintergrund Ausländische Staats-angehörigkeit Christentum 70,1 76,3 79,7 58,3 51,0 – Evangelische Landeskirche 32,3 40,5 45,4 14,0 7,5 – römisch-katholische Kirche 31,2 29,5 28,9 33,2 36,2 – andere christliche Kirchen 6,6 6,3 5,4 11,1 7,3 andere Religion 7,6 3,3 0,4 17,8 20,4 – Islam 6,5 2,4 0,1 14,8 19,0 – sonstige Religionen 1,1 0,9 0,3 3,0 1,4 konfessionslos 21,5 19,6 19,0 22,6 27,3 keine Angabe/übrige 0,8 0,8 0,9 1,3 1,3

Als ehemalige Gemeine Herrschaft (gemeinsames Untertanengebiet mehrerer eidgenössischer Orte) ist der Thurgau konfessionell nicht einheitlich. Nach dem Ersten und dem Zweiten Kappeler Krieg wegen der Reformation in Zürich wurde auf der von den katholischen Ständen dominierten Tagsatzung im Zweiten Kappeler Landfrieden von 1531 festgehalten, dass die neugeschaffenen religiösen Zustände geschützt sein sollten, dass aber auf Wunsch von drei Gläubigen in einer Kirchgemeinde die katholischen Gottesdienste wieder eingeführt werden müssten und die Pfrundgüter gemeinsam verwaltet werden sollten. Im Weiteren wurde meist das Territorialitätsprinzip angewandt, die Grundherren (der Thurgau war in rund 130 lokale Herrschaften aufgeteilt) konnten die Religion der Untertanen massgeblich beeinflussen, sich aber nicht immer durchsetzen.

Es bildeten sich auch viele paritätische Kirchgemeinden, in denen die Kirchen von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt wurden; dabei ging es allerdings nicht immer friedlich zu. Als erste reformierte Kirche, die im Thurgau errichtet wurde, gilt die 1617/18 unter dem Patronat (Kollatur) des Frauenklosters Münsterlingen erbaute Kirche von Scherzingen. Mit dem Vierten Landfrieden von 1712 wurden die Reformierten der katholischen Konfession gleichgestellt. Die gemeinsamen Pfrundgüter, aber auch vielerorts die Friedhöfe, wurden nach der Proportion der Konfessionen aufgeteilt. Manche reformierten Kirchgemeinden, so zum Beispiel Schönholzerswilen (1714), Roggwil (1746) und Erlen (1764), konnten im 18. Jahrhundert neue Kirchen errichten, was ihnen vor 1712 verwehrt war. Bis 1798 kam es oft vor, dass katholische Kollatoren in den reformierten Kirchgemeinden die sogenannten Prädikanten (Pfarrer) bestimmten. Mit der Aufhebung vieler geistlicher Stifte und des Bistums Konstanz fielen diese Kollaturrechte an den Kanton Thurgau, der sie nach 1820 an die einzelnen Kirchgemeinden vergab.

Verfassung und Politik Seit der Regenerationsverfassung, die am 1. Juni 1831 in Kraft trat, beginnt das thurgauische Amtsjahr an diesem Tag. Die gegenwärtige Verfassung datiert vom 16. März 1987. Sie bildet die Grundlage für die Behördenorganisation, die Volksrechte und die Erfüllung der Staatsaufgaben.

Zu den öffentlichen Aufgaben gehören die Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, die Förderung der sozialen Sicherheit, die Beaufsichtigung und Koordination des Gesundheitswesens, die Sicherstellung einer ausreichenden medizinischen Versorgung und einer genügenden Bildung im obligatorischen Schulbereich, die Bereitstellung eines leistungsfähigen und vielseitigen öffentlichen Schulangebots (Kindergärten, Volksschulen, Berufsschulen, Mittelschulen), die Förderung des kulturellen Schaffens, der Umweltschutz, das Bauwesen und die Raumplanung, die Förderung des öffentlichen Verkehrs sowie die Versorgung der Bevölkerung mit Energie und Wasser.

Legislative

Gesetzgebendes Organ (Legislative) ist der Grosse Rat, der 130 Mitglieder zählt und gemäss Verhältniswahlrecht vom Volk auf vier Jahre gewählt wird.

Parteiensystem: Die Mitte, die Freisinnig-demokratische Partei (FDP), die Schweizerische Volkspartei (SVP) und die Sozialdemokratische Partei (SP) sind in der Exekutive (Regierungsrat) vertreten. Im Parlament sind überdies die Grünen, die Grünliberale Partei (GLP), die Evangelische Volkspartei (EVP) und die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) repräsentiert.

Das Volk ist über die Wahlen hinaus direkt an der Gesetzgebung beteiligt, indem Verfassungsänderungen dem obligatorischen und Gesetzesänderungen dem fakultativen Referendum (von mindestens 3000 Stimmberechtigten innert dreier Monate verlangt) unterliegen, ferner besteht für höhere Staatsausgaben ein Finanzreferendum. Das Volk hat sodann das Recht der Verfassungs- und Gesetzesinitiative (von mindestens 4'000 Stimmberechtigten verlangt), und es kann (mit mindestens 20'000 Unterschriften) die Abberufung des Grossen Rats vor Ablauf der ordentlichen Amtszeit verlangen, worüber jeweils eine Volksabstimmung anzuordnen ist.

+Sitzverteilung im Grossen Rat Thurgau in den Wahljahren 2000–2024 Partei 2000 2004 2008 2012 2016 2020 2024 Schweizerische Volkspartei (SVP) 42 47 51 41 44 45 42 Die Mitte 27 22 22 21 20 18 21 Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 22 23 17 19 17 14 18 FDP.Die Liberalen (FDP) 24 20 18 18 20 18 17 Grüne Partei der Schweiz (GPS) 8 13 11 9 9 15 13 Grünliberale Partei (GLP) – – 2 6 7 9 6 Evangelische Volkspartei (EVP) 5 4 6 5 5 6 6 Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) 1 1 3 6 5 5 6 Aufrecht – – – – – – 1 Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) – – – 5 3 – –

Exekutive

Ausführendes Organ (Exekutive) ist der Regierungsrat, der aus fünf Mitgliedern besteht und vom Volk gemäss Mehrheitswahlrecht für vier Jahre gewählt wird.

Das Volk kann (wenn von mindestens 20'000 Stimmberechtigten verlangt) die vorzeitige Abberufung der Regierungsrates beantragen, über die dann eine Volksabstimmung angeordnet werden muss.