Der hocheffiziente Verbrenner ist eine Idee, mit dessen Hilfe die deutsche Automobilindustrie das Überleben des Verbrennungsmotors sichern will und das von einer Reihe von Gegnern als unmögliche Technologie oder sogar als politisches Schlagwort bezeichnet wird. Anders als beim Drei-Liter-Auto aus den 1990er Jahren sind die Einsparungsziele in Bezug auf Treibstoff beim hocheffizienten Verbrenner nicht definiert.

Begriffsherkunft Der Begriff des hocheffizienten Verbrennungsmotors wurde vom Verband der Automobilindustrie (VDA) geprägt, wo in dessen Jahresbericht 2020 erstmals die Formulierung „Hocheffiziente Verbrennungsmotoren, die mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden, sind ein vielversprechender Weg, um die CO2-Ziele zu erreichen“ erschien.Jahresbericht 2020 des Verbands der Automobilindustrie Bereits im Vorwort wurde mit dem Satz „Der moderne und hocheffiziente Verbrennungsmotor, gerne auch als Hybrid, wird noch viele Jahre gebraucht. Mit E-Fuels kann er einen Beitrag zu klimaneutraler Mobilität leisten.“ darauf eingegangen, womit er sich als eigener Typus definiert, der auch als Hybridantrieb ausgeführt sein kann und zusätzlich mit alternativen Kraftstoffen (E-Fuels) betrieben werden kann. In diesem Zusammenhang wurden E-Fuels als optimale Ergänzung zur Elektromobilität beschrieben; auf den hocheffizienten Verbrenner wurde nicht mehr näher eingegangen.

Bereits am 15. September 2020 schloss Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie, im Rahmen einer Arbeitstagung der CSU-Fraktion des Bayerischen Landtages in München ihre Rede mit der Aussage, dass der moderne sowie hocheffiziente Verbrennungsmotor noch einige Zeit gebraucht werde und mit diesem Wasserstoff und regenerative Kraftstoffe (E-Fuels) in Zukunft weitaus stärker als bislang zum Einsatz kommen mussten, um dadurch einen Beitrag zu klimaneutralen Mobilität zu leisten. Müller stellte sich damit gegen damalige Überlegungen, den Abschied vom Verbrenner bereits für das Jahr 2030 anzuvisieren.zitiert nach Verschärfung der EU-Klimaziele verstärkt in Coronakrise Druck auf die Automobilindustrie auf vda.de vom 16. September 2020

Der Begriff des „hocheffizienten Verbrennungsmotors“ wurde im Oktober 2025 von der deutschen Ministerpräsidentenkonferenz aufgegriffen und in mehreren Beschlüssen zur Aufweichung des auf EU-Ebene geplanten Verbots neuer Verbrennermotoren nach 2035 verwendet. In ihrem Beschlusspapier bezeichneten die Ministerpräsidenten die Elektromobilität für Kraftfahrzeuge als zentrale Zukunftstechnologie, gleichzeitig hielten die Ministerpräsidenten „alternative klimafreundliche Antriebskonzepte, klimafreundliche Kraftstoffe und ergänzende Übergangstechnologien wie hocheffiziente Verbrenner, Plug-in-Hybride und Elektrofahrzeuge mit Range Extender für erforderlich, um Beschäftigung und Wertschöpfung in Deutschland zu sichern und ein Erreichen der Klimaziele ohne Bruch in der Industrie zu gewährleisten“. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer verwies in diesem Zusammenhang auf die Entwicklung klimafreundlicher Technologien, Treibstoffe und Antriebe. Es könne sein, „dass nach 2035 sogenannte hocheffiziente Verbrenner auf dem deutschen Markt bewegt werden dürfen“, so Schweitzer.Länder fordern Lockerung beim Verbrenner-Aus auf tagesschau.de vom 24. Oktober 2025

Darauf Bezug nehmend verfasste die deutsche Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz einen Brief an Ursula von der Leyen, der Präsidentin der EU-Kommission, worin die Position der Ministerpräsidentenkonferenz auch als die Position der Länder und als die Position der Bundesregierung dargestellt wird:Regierungspressekonferenz vom 1. Dezember 2025 auf bundesregierung.de „Die Ministerpräsidenten aller Länder haben in Deutschland haben zudem bereits einstimmig vorgeschlagen, dass auch nach dem Jahr 2035 ergänzende Übergangstechnologien wie Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge (PHEV), Elektrofahrzeuge mit Range Extendern (EREV) und hocheffiziente Verbrenner zugelassen werden können“, so der betreffende Satz im Wortlaut.„Hocheffiziente Verbrenner“: Merz schreibt Brief an von der Leyen auf cleanthinking.de vom 28. November 2025

Idee Der hocheffiziente Verbrennungsmotor drückt den in absehbarer Zukunft kaum realisierbaren Wunsch nach einem mit fossiler Energie angetriebenen Motor aus, der durch optimierte Technologien und Konstruktionen eine überdurchschnittlich hohe Effizienz bei der Umwandlung von Kraftstoff in mechanische Energie erreichen soll. Derartige Motoren mögen darauf ausgelegt sein, den Kraftstoffverbrauch zu minimieren und gleichzeitig die Leistung zu maximieren, was sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile mit sich bringe, so die Theorie.Den »hocheffizienten Verbrenner« gibt es nicht auf Spiegel vom 28. November 2025 Dagegen sprechen jedoch die Gesetze der Thermodynamik sowie der Umstand, dass bei einer Verbrennung von petrochemischen Erzeugnissen immer Kohlenstoffdioxid entsteht.Der große Bluff vom „hocheffizienten Verbrenner“ auf GIGA vom 2. Dezember 2025

Der thermische Wirkungsgrad ist die zentrale Größe für die Effizienz eines Verbrennungsmotors. Verbrennungsmotoren können heute zwar Wirkungsgrade von knapp unter 50 % erreichen,China-Motor mit Effizienz-Rekord auf auto-motor-und-sport.de vom 1. November 2025 was bedeutet, dass im Optimalfall nur maximal die Hälfte der im Kraftstoff enthaltenen Energie in mechanischen Vortrieb umgewandelt werden; unter realen Bedingungen werden rund 30–35 % der Energie genutzt.

Derartige Motoren verfügen jedenfalls über Direkteinspritzung, mehrfache Turboaufladung, variabler Ventilsteuerung und Leichtbaumaterialien, sowie zusätzlich über eine Abgasrückführung und weitere, nicht genauer spezifizierte Technologien. Motorenentwicklung stellt jedoch eine komplexe Herausforderung dar, die viele technische, wirtschaftliche und ökologische Faktoren umfasst. Obwohl durchaus Fortschritte in der Motorentechnologie erzielt wurden, lässt sich daraus auch die Unmöglichkeit der raschen Entwicklung eines wartungsarmen, langlebigen und preiswerten Verbrennungsmotors ableiten, der zugleich hocheffizient ist.

Aber schon die Grenzen der Thermodynamik sind unüberwindbar;Carnot-Wirkungsgrad aufenergie-lexikon.info der Carnot-Wirkungsgrad kann von Wärmekraftmaschinen nicht überschritten werden. Ein hoher Wert erfordert eine möglichst hohe Temperaturdifferenz zwischen den Takten eines VerbrennungsmotorsDas sind die Grenzen des hocheffizienten Verbrennungsmotors in: Handelsblatt vom 2. Dezember 2025 während die Materialwissenschaft eher konstante Temperaturen verlangt, um hohen Drücken standzuhalten.„Hocheffiziente Verbrennungsmotoren“ in: WELT vom 28. November 2025 Der Einsatz fortschrittlicher Materialien erhöht zudem die Produktionskosten erheblich. Weiters verringern die gesetzlich vorgeschriebenen Technologien zur Abgasreinigung wie Katalysatoren und Partikelfilter den Wirkungsgrad. Aus heutiger Sicht erfordert alleine die Entwicklung eines vorzeigbaren Prototypen mindestens ein Jahrzehnt und der Anlauf der Serienfertigung samt der Koordinierung aller Zulieferbetriebe benötigt weitere Jahre, wie herkömmliche Motoren wie beispielsweise der VW EA211 evo 2 von Volkswagen oder der BMW B48 von BMW zeigten. Die Möglichkeiten der Entwicklung eines hocheffizienten Verbrennungsmotors wurde heute nicht einmal in der Theorie beschrieben.

Rezeption In den Medien und von Experten wurde das Schlagwort vom hocheffizienten Verbrenner teils mit Häme aufgenommen und auf die Unmöglichkeit dieses Unterfangens hingewiesen. So konnte die Bundesregierung in der Pressekonferenz nicht erklären, was ein hocheffizienter Verbrenner sein soll oder antwortete durch die tautologische Definition „Hocheffiziente Verbrenner sind Verbrenner, die hocheffizient sind.“

Da der gebräuchliche Verbrennungsmotor an seinen physikalischen Grenzen angekommen ist, wurde der Begriff als politischer Kampfbegriff ohne Inhalt charakterisiert.Physiker: "Die Möglichkeiten des Verbrennungsmotors sind längst ausgereizt" in DerStandard vom 4. Dezember 2025

Wirtschaftspolitisch wird davor gewarnt, dass sich der technische Abstand zu den chinesischen Herstellern noch weiter vergrößern könnte. Die laut deutscher Bundesregierung derzeit schlechten Lage der deutschen Automobilwirtschaft könne am hocheffizienten Verbrenner nicht gesunden, sondern wird der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie massiv schaden.Auto-Bosse werden für Fehler belohnt auf taz.de vom 28. November 2025

Siehe auch Technologieoffenheit als Schlagwort oder Stilmittel, um die Einführung spezifischer Technologien zu verlangsamen oder zu verhindern

Einzelnachweise

Kategorie:Verbrennungsmotor