mini|hochkant=1|Logo von Alto Alto (stilisiert in Großbuchstaben), auch bekannt als Toronto–Quebec City High-Speed Rail Network bzw. Réseau de train à grande vitesse Québec–Toronto ist ein Eisenbahnprojekt für den Hochgeschwindigkeitsverkehr in Kanada, das im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft den Bau einer Schnellfahrstrecke von Toronto über Ottawa und Montreal nach Québec vorsieht. Diese Strecke deckt einen Teil des dicht besiedelten Québec-Windsor-Korridors ab. Das Projekt wurde am 19. Februar 2025 von Premierminister Justin Trudeau angekündigt. Die Planungsphase soll vier bis fünf Jahre dauern, wofür Kosten von 3,9 Milliarden kanadischen Dollar veranschlagt sind. Die Gesamtkosten werden auf 80 bis 120 Milliarden Dollar geschätzt.

Die rund 1000 km lange Bahnstrecke soll von Zügen befahren werden, die eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h erreichen – knapp doppelt so schnell wie die derzeitigen Züge von VIA Rail, deren Höchstgeschwindigkeit bei 160 km/h liegt. Verantwortlich ist das bundesstaatliche Unternehmen Alto, das die erwarteten Projektergebnisse festlegt und an der Gestaltung des Bahnbetriebs beteiligt ist.

Geschichte

Hintergrund Über die Jahrzehnte wurden mehrere Studien für kanadische Schnellfahrstrecken erstellt, doch keines der Projekte erreichte die Entwurfsphase. Im Juli 2021 kündigte die kanadische Bundesregierung die Planung einer so genannten Hochfrequenzbahn (high frequency rail, HFR) auf dem von VIA Rail betriebenen „Corridor“ an. Das als Via HFR bezeichnete Projekt sah die durchgehende Elektrifizierung der Strecke Toronto–Québec und ihren Ausbau für eine Geschwindigkeit von 200 km/h vor. Gerechnet wurde mit Kosten von 6 bis 12 Milliarden Dollar.

Am 29. November 2022 erfolgte die Gründung einer bundeseigenen Crown Corporation durch VIA Rail, um „das ursprünglich als Hochfrequenz-Bahnprojekt konzipierte Vorhaben zu betreuen“. Montreal wurde als Hauptsitz des Unternehmens gewählt und Martin Imbleau, Präsident der Montrealer Hafenbehörde, später zum CEO ernannt. Der auszuwählende private Entwicklungspartner hätte den Hochfrequenz-Bahnverkehr sowie die bestehenden Nahverkehrsverbindungen planen, ausbauen, finanzieren, betreiben und instand halten sollen.

Ankündigung Premierminister Justin Trudeau kündigte Alto am 19. Februar 2025 offiziell an. Es handelte sich dabei um eine Überarbeitung des Projekts Via HFR, das nun den Bau einer Schnellfahrstrecke von Québec nach Toronto vorsah. Das öffentliche Unternehmen Via HFR wurde in Alto umbenannt und mit der Definition der gewünschten Projektergebnisse, dem Projektmanagement und der Mitgestaltung des Systems beauftragt. VIA Rail erhielt die Aufgabe, bei den technischen und betrieblichen Aspekten des Schienenpersonenverkehrs im Québec-Windsor-Korridor beratend zu wirken.

Nach einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren erhielt das private Konsortium Cadence (unter anderem mit der französischen Staatsbahn SNCF Voyageurs und der Fluggesellschaft Air Canada) den Zuschlag zur Planung, zum Bau, zur Finanzierung, zum Betrieb und zur Instandhaltung des ebenfalls Alto genannten Schienennetzes. Die Bundesregierung behält das Eigentum an der Alto Corporation, VIA Rail sowie an allen im Rahmen des Projekts errichteten neuen und bestehenden Anlagen. Trudeau bezeichnete Alto in der Ankündigung als das „größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte Kanadas“ und fügte hinzu, es werde „für die Kanadier bahnbrechend sein“. Die Strecke soll Toronto mit Québec verbinden und fünf Zwischenhalte in Peterborough, Ottawa, Montreal, Laval und Trois-Rivières umfassen.

Entwicklung Nachdem Cadence als privater Entwicklungspartner ausgewählt worden war, trat das Alto-Projekt in die gemeinsame Entwicklungsphase ein. In dieser durchläuft das Projekt vier Vorbauphasen, in denen der Entwicklungsstand schrittweise erhöht wird. Phase 1 umfasst die erste Vereinbarung zwischen Cadence und Alto, Phase 2 die Festlegung der bevorzugten Streckenführung, Phase 3 die Entwicklung von Streckenabschnitten zwischen mehreren Städtepaaren und Phase 4 die Ausarbeitung des Gesamtsystems bis zu einem Fertigstellungsgrad von 50 %. Die Vorgehensweise, Streckenabschnitte zwischen Städtepaaren zu planen, wurde gewählt, um das Risiko von Projektverzögerungen zu minimieren und einen nützlichen Betrieb zu ermöglichen, ohne dass die Gesamtstrecke fertiggestellt sein muss.

Am 14. September 2025 veröffentlichte die mittlerweile von Mark Carney geführte Bundesregierung eine erste Liste von nationalen Entwicklungsprojekten, in der Alto nicht enthalten war. In einem Interview erklärte Alto-CEO Martin Imbleau, er gehe davon aus, dass Alto auf eine zukünftige Prioritätenliste aufgenommen werde, sobald die Entwicklung weiter vorangeschritten sei. Er bekräftigte, dass der Baubeginn in mehreren Phasen für 2029 oder 2030 geplant sei, wobei der erste von vier Streckenabschnitten sechs bis acht Jahre nach Baubeginn fertiggestellt sein und das gesamte Netz in 12 bis 14 Jahren (2041–2044) in Betrieb genommen werden solle. Am 12. Dezember 2025 teilte die Bundesregierung mit, dass die erste Etappe von Alto zwischen Ottawa und Montreal verwirklicht werden soll.

Ausschreibungsverfahren Im Juli 2023 wählte die Regierung drei Konsortien aus, die in die Phase der Angebotsanfrage für das damals noch als HFR bekannte Projekt eintreten sollten:

Cadence (Gewinner) Caisse de dépôt et placement du Québec (CDPQ Infra), Kanada AtkinsRéalis Group (ehemals SNC Lavalin), Kanada Systra Canada, Frankreich Keolis Canada, Frankreich/Kanada Air Canada, Kanada SNCF Voyageurs, Frankreich

Intercity Rail Developers Intercity Development Partners, Kanada Kilmer Transportation, Kanada First Rail Holdings, Großbritannien Jacobs Engineering Group, USA Hatch, Kanada CIMA+, Kanada FirstGroup, Großbritannien RATP Dev, Frankreich Renfe Operadora, Spanien Meridiam, Frankreich DF Canada Infrastructure Group, Kanada EllisDon Capital, Kanada

Partenaires Ferroviaires Qconnexion Rail Partners Fengate, Kanada John Laing, Großbritannien Bechtel Corporation, USA WSP Global, Kanada Deutsche Bahn, Deutschland

Am 19. Februar 2025 wurde Cadence nach einem mehrjährigen Vergabeverfahren als Gewinnerkonsortium bekanntgegeben. Die Konsortiumsmitglieder brachten ihren Stolz und ihre Begeisterung über die Auswahl zum Ausdruck und stellten gleichzeitig ihre jeweiligen Fachgebiete vor.

Geplante Strecke

Bahnhöfe mini|hochkant=1.5|Québec-Windsor-Korridor Es wurde angekündigt, dass das Hochgeschwindigkeitsbahnnetz Alto Bahnhöfe in sieben Städten in den Provinzen Ontario und Québec haben wird; weitere Bahnhöfe sind derzeit nicht in Planung.

Provinz Stadt Bevölkerung derMetropolregion (2021) Ontario Toronto 6.202.225 Peterborough 128.624 Ottawa 1.488.307 Québec Montreal 4.291.732 Laval Trois-Rivières 161.489 Québec 839.311

Reisezeiten Offizielle geschätzte/geplante Reisezeiten von Alto und Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln, einschließlich des aktuellen Corridor-Service von VIA Rail (in Stunden):

Strecke Alto VIA Rail Flugzeug Autofahrt Toronto–Ottawa 2:09 4:26 0:56 ~4:30 Toronto–Montreal 3:07 5:30 1:08 ~5:30 Toronto–Peterborough 0:40 – – ~1:30 Ottawa–Montreal 0:58 1:59 0:42 ~2:00 Montreal–Québec 1:29 3:17 0:47 ~3:00 0:50 – – ~1:30Anmerkungen: Bei den Flugzeiten nicht berücksichtigt ist die von der Flugsicherheitsbehörde CATSA empfohlene zweistündige Vorlaufzeit bis zum Abflug am Flughafen bei Inlandflügen. Die Zug- und Flugreisezeiten beinhalten nicht den Transfer von den Vororten zu den Bahnhöfen/Flughäfen oder umgekehrt. Die aktuellen Züge von Via Rail (Siemens Charger und Venture-Reisezugwagen) haben eine Auslegungshöchstgeschwindigkeit von 200 km/h, erreichen aber aufgrund von Infrastrukturbeschränkungen eine maximale Betriebsgeschwindigkeit von 160 km/h. Die Fahrzeiten per Auto basieren auf durchschnittlichen Bedingungen und typischen Strecken. Die tatsächlichen Zeiten können je nach Verkehr, Wetter und Straßenverhältnissen variieren.

Geschwindigkeit Die Strecke von Toronto nach Montreal über Ottawa ist rund 610 km lang. Die Alto-Hochgeschwindigkeitszüge sollen für die dreistündige Fahrt inklusive Zwischenhalte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 196 km/h erreichen. Dies ist eine langsamere und längere Fahrt als in einer Studie von VIA Rail, die eine Fahrzeit von 2 Stunden und 15 Minuten für die Strecke Toronto–Montreal und eine entsprechende Durchschnittsgeschwindigkeit von 271 km/h ermittelte (bei einer angenommenen Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h).

Zum Vergleich: Der Acela von Amtrak verkehrt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 132 km/h zwischen New York City und Washington, D.C. (dem schnellsten Streckenabschnitt). Der TGV der SNCF erreicht zwischen Reims und Metz-Nancy eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 279 km/h.

Vorteile Durch die geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke Alto, die Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h auf separaten Gleisen ermöglicht, würde sich die Reisezeit zwischen Toronto und Montreal auf etwa drei Stunden verkürzen. Dies entspricht dem idealen Zeitrahmen, um Bahnreisen attraktiv zu gestalten und häufige Fahrten zu ermöglichen. Günstige Fahrkarten und ein dichter Fahrplan könnten genügend Fahrgäste anlocken, um den Bau von zusätzlichen Zwischenbahnhöfen für Pendler zu rechtfertigen. Dadurch könnte der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum in kleineren Städten verbessert werden, während die Fahrten zwischen den Großstädten durch Züge ohne Halt weiterhin schnell bleiben könnten.

Der Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Toronto und Québec soll innerhalb von zehn Jahren rund 50.000 Arbeitsplätze schaffen und über 60 Jahre einen wirtschaftlichen Nutzen von 15 bis 27 Milliarden Dollar generieren. Die Elektrifizierung der Strecke wird die Emissionen von Auto- und Flugreisen im Korridor Toronto–Québec reduzieren und Kanada so helfen, seine Klimaziele zu erreichen. Die kanadische Regierung wird vom Cadence-Konsortium Mindestziele für das Projekt fordern, darunter „eine signifikante Verlagerung des Güterverkehrs hin zum Schienenpersonenverkehr, die Gewährleistung eines barrierefreien Zugangs zu den Dienstleistungen gemäß den neuesten Zugänglichkeitsstandards, und eine verbesserte Pünktlichkeit im gesamten Korridor.“

Kritik Die Struktur des Projekts als öffentlich-private Partnerschaft stieß auf Kritik, da sie das Risiko von Projektschwierigkeiten erhöhe und die potenziellen Vorteile der geplanten Hochgeschwindigkeitsstrecke im Vergleich zu einer vollständig in öffentlicher Hand befindlichen und betriebenen Strecke verringere. Ein privater Betreiber werde die Ticketpreise erhöhen wollen, um die Rentabilität zu maximieren, was die Zahl der Reisenden, die von Auto und Flugzeug auf die Bahn umsteigen, einschränken würde. Da die meisten Schnellfahrstrecken Verluste erwirtschaften, könnte die Beibehaltung niedriger Ticketpreise dazu führen, dass der Steuerzahler den privaten Betreiber subventioniert.

Mit geschätzten Kosten von 80 bis 120 Milliarden kanadischen Dollar ist das Projekt Alto deutlich teurer als vergleichbar lange Schnellfahrstrecken in anderen Teilen der Welt. Die Kilometerkosten für Alto werden mehr als doppelt so hoch sein wie die durchschnittlichen Baukosten für Schnellfahrstrecken in Europa, die vom Europäischen Rechnungshof selbst als überhöht eingestuft wurden. Die Kosten des Alto-Projekts sind mehr als fünfmal so hoch wie die konservative Schätzung einer früheren Studie für die Verbindung Toronto–Montreal. Angesichts der hohen geschätzten Kosten und der geplanten Bauzeit von 18 Jahren wurde vorgeschlagen, Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr und das bestehende VIA-Rail-Netz als kosteneffektivere Option für öffentliche Fördermittel einzusetzen, um die Verkehrsemissionen zu reduzieren und die Mobilität zu verbessern.