Die Bahnstrecke Neersen–Viersen ist eine stillgelegte Eisenbahnstrecke in Nordrhein-Westfalen. Sie führte von Neersen nach Viersen.
Geschichte
Bau der Strecke im 19. Jahrhundert
Als Fortsetzung ihrer Bahnstrecke Neuss–Neersen baute die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft (RhE) eine eigene Strecke nach Viersen.
Am 1. November 1878 wurde die Strecke eröffnet.
Wirtschaftliche Bedeutung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Wie auch bei anderen Projekten beabsichtigte die RhE, durch eine möglichst geradlinige Streckenführung und damit kürzere Fahrzeit den bereits etablierten Strecken Marktanteile abnehmen zu können. Da bei der Streckenführung über Kaarst und Neersen die Stadt Mönchengladbach, der größte Ort der Region mit seinem verkehrstechnisch sehr bedeutenden Bahnhof Mönchengladbach BME (heute Mönchengladbach Hauptbahnhof), nicht angefahren wurde, blieb das Echo auf die neue Strecke insbesondere bei Reisenden verhalten.
Der Betrieb der Strecke war nicht wirtschaftlich. Der Personenverkehr wurde am 29. September 1968 eingestellt, der Güterverkehr folgte zum Jahresende 1984.
Umbauten
In Viersen existierten seit der Inbetriebnahme des Rheinischen Bahnhofs im Jahr 1878 zwei Bahnhöfe in unmittelbarer Nachbarschaft. 1880 wurden beide Eisenbahngesellschaften verstaatlicht und 1887 der Personenverkehr vom Rheinischen zum Bergisch-Märkischen Bahnhof verlegt. 30 Jahre später wurde der komplette Bahnhof Viersen wieder an den Ort des ehemaligen Rheinischen Bahnhofs zurückverlagert, nachdem die ehemals geradlinig zwischen Mönchengladbach und Viersen verlaufende Bergisch-Märkische Trasse zu Gunsten einer weiter östlich errichteten neuen Streckenführung aufgegeben worden war. Diese trifft am östlichen Ende des Bahnhofs Viersen bei Streckenkilometer 4,6 auf die ehemalige Rheinische Trasse, die in diesem Teilstück heute als zweigleisige und seit 1964 elektrifizierte Hauptstrecke in Betrieb ist.
Bis zur Einmündung der geänderten Streckenführung von Mönchengladbach nach Viersen ist die Bahnstrecke komplett stillgelegt und zum größten Teil demontiert.
Bis zum 7. Januar 2003 verkehrte zwischen Kaarst und Viersen die Schnellbuslinie SB 86, die etwa 40 Minuten für die Strecke benötigte. Heute verkehrt zwischen Kaarst und Viersen die Bahnbuslinie 094. Sie bedient wie die alte Bahnstrecke die Relation Viersen – Neersen – Schiefbahn – Kaarster See.
Zukunft
Reaktivierung
Es gibt Planungen zur Verlängerung der Linie S 28, dazu soll die ehemalige Strecke bis Neersen reaktiviert werden. Darüber hinaus gibt es Pläne bzw. Überlegungen für zwei verschiedene Varianten:
Komplette Reaktivierung der Strecke, über die die S 28 über Neersen nach Viersen und Venlo verlängert würde. Für ein Planungsgutachten zu diesem Vorhaben wurde von der Euregio Rhein-Maas-Nord ein Zuschuss von 34.000 Euro genehmigt. Wiedererrichtung des Teilstücks der ehemaligen Bahnstrecke Krefeld–Rheydt zwischen Neersen und Mönchengladbach-Neuwerk sowie der abgerissenen Verbindungsstrecke von Mönchengladbach-Neuwerk nach Mönchengladbach Hbf und Durchbindung der Linie über Neersen nach Mönchengladbach.
Im Dezember 2016 teilten der Landrat und die Bürgermeister des Kreises Viersen mit, dass sie sich weiterhin für den Ausbau der Regiobahn-Linie S 28 einsetzen werden. 2019 erarbeitete ein Dortmunder Planungsbüro eine Studie zu den verkehrlichen und volkswirtschaftlichen Vorteilen einer verlängerten Regiobahn S28.
Im Februar 2020 wurde bekannt, dass auch die Stadt Mönchengladbach, die eine Verlängerung der Bahnstrecke bislang abgelehnt hatte, dieser nun „verhalten positiv“ gegenübersteht. Im November 2020 wurde Felix Heinrichs (SPD) zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Zugleich stellten die Ampelparteien nach den Kommunalwahlen 2020 die Mehrheit im Mönchengladbacher Stadtrat.
Mitte Februar 2021 vereinbarten der Landrat des Kreises Viersen sowie die (Ober-)Bürgermeister von Mönchengladbach, Viersen und Willich, dass sich der Kreis und die Kommunen „gegenseitig bei den jeweils verfolgten Projekten im Schienenpersonennahverkehr … unterstützen.“ Zu den Projekten zählt dabei auch der Wiederaufbau der Strecke von Kaarst über Schiefbahn und Neersen (jeweils zu Willich gehörend) nach Viersen. Nach Zustimmung durch den Kreistag und die Stadträte wurde ein entsprechender Letter of Intent am 1. Juli 2021 unterzeichnet.
Das „Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan“ hat im April 2023 den 2. Gutachterentwurf zum „NRW-Zielnetz 2032“ veröffentlicht. Darin ist der Streckenabschnitt zwischen Viersen und dem Kaarster See enthalten. Die Erstellung des Betriebskonzepts sei abgeschlossen. Nach Durchführung einer Machbarkeitsstudie würden die Pläne konkretisiert. Folgende Stationen sollen für die S 28 neu eingerichtet werden: Willich-Schiefbahn, Mönchengladbach Flughafen und Viersen-Hamm.
Weblinks
Einzelnachweise
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