Peter Dell der Ältere (* um 1490 in Würzburg; † 1552 ebenda) war ein Bildhauer der Spätgotik. Er gehörte zu den Schülern Tilman Riemenschneiders und Hans Leinbergers.
Leben Peter Dell wurde um 1490 geboren. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er allerdings erst im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts. Damals absolvierte er eine Lehre als Bildhauer beim Würzburger Meister Tilman Riemenschneider. In der Zeit zwischen 1505 und 1510 entstanden in dessen Werkstatt das Hochaltarretabel für den Würzburger Dom, die Ölberggruppe für die Burkarduskirche in Würzburg und die Tumba für Kaiser Heinrich und Kaiserin Kunigunde im Bamberger Dom. Der Geburtsort Dells wird in einer weiteren Quelle von 1522 mit Würzburg angegeben.Frank Matthias Kammel: Der Würzburger Bildhauer Peter Dell d. Ä. Ein Künstler im Zeitalter der Reformation. In: Claudia Lichte (Hrsg.): Peter Dell der Ältere – Zwischen Riemenschneider und Reformation. Katalog zur Sonderausstellung im Museum für Franken 15. Oktober 2017 bis 7. Januar 2018. Museum für Franken, Würzburg 2017, ISBN 978-3-932461-46-0. S. 21 f.
Nach seiner Zeit in Würzburg wandte sich Dell wohl nach Süden, um seine Fähigkeiten zu verbessern. Wahrscheinlich ist, dass er Anfang der 1510er Jahre in der Werkstatt von Hans Leinberger arbeitete. Hier arbeitete Dell wohl am Retabel für die Moosburger Stiftskirche St. Kastulus oder der Anna selbdritt für das Kloster Gnadenthal in Ingolstadt mit. Erste selbstständige Arbeiten sind seit 1515 nachweisbar. Dell übernahm den neuen Stil, den Leinberger pflegte und brachte diesen mit nach Franken.Matthias Weniger: Peter Dell d. Ä. und Hans Leinberger. In: Claudia Lichte (Hrsg.): Peter Dell der Ältere – Zwischen Riemenschneider und Reformation. Katalog zur Sonderausstellung im Museum für Franken 15. Oktober 2017 bis 7. Januar 2018. Museum für Franken, Würzburg 2017, ISBN 978-3-932461-46-0. S. 67.
Möglicherweise schloss sich nach dem Aufenthalt bei Leinberger eine längere Wanderung an, während der Dell weitere Werkstätten kennenlernte. Aus dieser Zeit könnte ein Dell zugeschriebenes Relief der Schönen Maria von Regensburg im dortigen Dom stammen. Die ältere Literatur vermutet, dass Peter Dell in dieser Zeit auch Wien besuchte. Ein Nachweis für einen Aufenthalt in der Kaiserstadt kann allerdings nicht sicher erbracht werden.
Um 1521 kehrte Peter Dell nach Würzburg zurück.Claudia Lichte: Peter Dell der Ältere in Würzburg. In: Claudia Lichte (Hrsg.): Peter Dell der Ältere – Zwischen Riemenschneider und Reformation. Katalog zur Sonderausstellung im Museum für Franken 15. Oktober 2017 bis 7. Januar 2018. Museum für Franken, Würzburg 2017, ISBN 978-3-932461-46-0. S. 94 f. Hier ist er 1522 als Mitglied der Lukasgilde nachweisbar. Da sich in der Stadt allerdings mehrere Bildhauerateliers befanden, verlegte Dell seinen Wirkungsbereich bald weiter in den Westen. Im Freigericht Wilmundsheim um die Stadt Alzenau können weitere Arbeiten nachgewiesen werden. Dell hielt sich in dieser Zeit vor allem mit Sepulkralwerken über Wasser. Er hatte geheiratet, die Ehefrau Barbara starb 1550, und einen Sohn bekommen. Peter Dell der Jüngere, sollte später in die Fußstapfen des Vaters treten.
Unter dem Eindruck von Reformation und konfessioneller Spaltung brach die Nachfrage nach religiösen Bildwerken weitgehend zusammen. Dell hielt sich deshalb mit der Herstellung von Kleinbildwerken über Wasser, die an Privatleute veräußert wurden. Vielleicht kehrte er Ende der 1520er Jahre der Mainregion den Rücken. Nachfolgende Arbeiten sind vor allem in Obersachsen nachweisbar. 1529 könnte Dell bei der Fertigstellung des Porträtreliefs für den Stadtschreiber Jakob Woler in Wittenberg geweilt haben. Hier war die Werkstatt Lucas Cranachs zu finden. Um 1531/1533 könnte Dell sich außerdem im heutigen Niedersachsen aufgehalten haben.
Zwischen 1533 und 1534 kehrte der Bildhauer zurück nach Würzburg. Am 1. März 1534 kann er wiederum in der Lukasgilde der Stadt nachgewiesen werden. 1539, 1542 und 1548 stand er der Gilde als Zunftgeschworener vor. Immer wieder spielten die Arbeiten Dells auch mit lutherischen Motiven, sodass davon auszugehen ist, dass seine Auftraggeber sich aus beiden Lagern der entstehenden Konfessionen rekrutierten. Daneben entstanden im Spätwerk immer wieder bauplastische Arbeiten. Peter Dell der Ältere starb im Jahr 1552 in Würzburg, der Sohn hatte die Werkstatt des Vaters ein Jahr zuvor übernommen.Frank Matthias Kammel: Der Würzburger Bildhauer Peter Dell d. Ä. Ein Künstler im Zeitalter der Reformation. In: Claudia Lichte (Hrsg.): Peter Dell der Ältere – Zwischen Riemenschneider und Reformation. Katalog zur Sonderausstellung im Museum für Franken 15. Oktober 2017 bis 7. Januar 2018. Museum für Franken, Würzburg 2017, ISBN 978-3-932461-46-0. S. 46.
Werke (Auswahl) Peter Dell der Ältere schuf eine Vielzahl unterschiedlicher Bildhauerarbeiten. Dabei rekrutierten sich seine Auftraggeber nicht nur aus den Reihen von kirchlicher oder weltlicher Obrigkeit. Er schuf stattdessen immer wieder Werke für Privatpersonen, die sich aus allen Lagern des Konfessionellen Zeitalters rekrutierten. Als größte Werkgruppe erscheinen die zumeist aus Obsthölzern geschaffenen Reliefs, die als private Andachtsbilder fungierten, gefolgt von Stein- oder Holzskulpturen. Daneben spielt die Sepulkralskulptur im Werk des Bildhauers eine bedeutende Rolle. Im Jahr 1531 kann Dell auch als Kopist eines kunsttheoretischen Werkes von Jean Pelerin ausgemacht werden. Thematisch arbeitete sich Peter Dell der Ältere vor allem an christologischen Motiven wie dem Alten und Neuen Bund ab. mini|hochkant|Figur des Heiligen Sebastian in Nürnberg (um 1515) mini|Relief Allegorie auf den christlichen Heilsweg in Nürnberg (1534) mini|hochkant|Grabmal für Johann IV. von Leuchtenberg in Grünsfeld (1534 bis 1536) um 1515, Figur Hl. Sebastian, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg um 1520, Relief Schöne Maria von Regensburg, Historisches Museum, Regensburg um 1520/1525, großes Relief Kreuzigung Christi, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Berlin um 1520/1525, kleines Relief Kreuzigung Christi, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg um 1525, Figuren Hl. Laurentius, Muttergottes, Johannes der Täufer, St. Laurentius, Radheim um 1525, Figur Muttergottes mit Kind, St. Bonifatius, Großwelzheim um 1525, Kreuzigungsgruppe, Hessisches Landesmuseum, Darmstadt (zugeschrieben) um 1525, Figurengruppe Anna selbdritt, Mariä Himmelfahrt, Hörstein 1528, Relief Kreuzigung Christi, Grünes Gewölbe, Dresden 1528/1529 Relief Von Gesetz und Gnade, Grünes Gewölbe, Dresden 1529, Relief Auferstehung Christi, Grünes Gewölbe, Dresden 1529, Relief Jakob Woler, Bayerisches Nationalmuseum, München um 1530/1540, Relief Schöne Maria, Bayerisches Nationalmuseum, München 1530/1540, Relief von Gesetz und Gnade oder Allegorie auf den Neuen und Alten Bund, Schloss Neuenstein, Neuenstein nach 1531, Relief von Gesetz und Gnade oder Allegorie auf den Neuen und Alten Bund, Deutsches Historisches Museum, Berlin 1534, Relief Allegorie auf den christlichen Heilsweg, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 1534 bis 1536, Grabmal Landgraf Johann IV. von Leuchtenberg und seine Gemahlin, St. Peter und Paul, Grünsfeld 1535/1540, Figuren Sechs Allegorien auf die sieben Todsünden, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 1536, Relief Pankraz Kemmerer, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Berlin 1536, Medaille auf Willibald von Redwitz, Museum für Franken, Würzburg 1537, Relief Georg Knauer, Cleveland Museum of Art, Cleveland, Ohio um 1540, Relief Von Gesetz und Gnade, Schloss Friedenstein, Gotha um 1540, Figuren aus einer Kreuzigung, Bayerisches Nationalmuseum, München um 1540, Grabdenkmal Ritter Fuchs von Burgbreitbach, Domkreuzgang, Würzburg 1543, Wappenstein Konrad III. von Bibra, Museum für Franken, Würzburg 1546, Grabstein Ludwig von Hutten, Maria Sondheim, Arnstein 1548, Relief Gnadenstuhl oder die Allegorie der christlichen Heilsordnung, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Berlin (seit 1945 verschollen)
Literatur Johannes Auersperg: A Hardwood Relief of the Lutheran Allegory of Law and Gospel by Peter Dell the Elder. London 2003. Hans Buchheit: Beiträge zu Hans Sachs und Peter Dell. In: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst. Neue Folge Bd. 1 (1924). S. 164–167. Georg Habich: Porträtstücke von Peter Dell. In: Jahrbuch der Königlich-preußischen Kunstsammlungen Bd. 39 (1918). S. 135–144. Frank Matthias Kammel: Auf Abwegen. Peter Dell der Ältere, ein Schüler Tilman Riemenschneiders. In: Claudia Lichte (Hrsg.): Tilman Riemenschneider – Werke seiner Blütezeit. Mainfränkisches Museum, Würzburg 2004. S. 210–211. Frank Matthias Kammel: Verlustreicher Kalvarienberg. Peter Dells Kreuzigungsdarstellung im Germanischen Nationalmuseum. In: Monatsanzeiger Museen und Ausstellungen in Nürnberg Bd. 230 (2000). S. 2–3. Claudia Lichte (Hrsg.): Peter Dell der Ältere – Zwischen Riemenschneider und Reformation. Katalog zur Sonderausstellung im Museum für Franken 15. Oktober 2017 bis 7. Januar 2018. Museum für Franken, Würzburg 2017, ISBN 978-3-932461-46-0. Georg Lill: Aus der Frühzeit des Würzburger Bildhauers Peter Dell des Älteren. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst Bd. 74 (1951). S. 139–159. Jutta Reinisch: Gesetz und Gnade in Gotha – Ein Relief Peter Dells des Älteren, seine Bezüge zur Allegorie Lucas Cranachs des Älteren und zur zeitgenössischen Druckgraphik. In: Lutherjahrbuch Bd. 82 (2015). S. 148–198. Jeffrey Chipps Smith: Peter Dell the Elder’s Experiments in Early Lutheran Sculpture. In: Johann Anselm Steiger (Hrsg.): Reformation und Medien zu den intermedialen Wirkungen der Reformation (= Reformation Heute. Bd. 4). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2018, ISBN 978-3-374-05361-2. S. 129–160. Ewald M. Vetter: Das allegorische Relief Peter Dells d. Ä. im Germanischen Nationalmuseum. In: Peter Bloch, Gisela Zick (Hrsg.): Festschrift für Heinz Ladendorf. Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 1970. S. 76–88.
Weblinks
WürzburgWiki: Peter Dell der Ältere
Einzelnachweise
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