Toulouse (; deutsch veraltet: Tholosen) ist eine Stadt in Südfrankreich an der Garonne.
In der Kernstadt lebten (Stand: ) Einwohner, im Gemeindeverband Toulouse Métropole 806.503 Einwohner, im Ballungsgebiet eine Million Einwohner und in der gesamten Metropolregion 1,5 Mio. Einwohner – damit ist Toulouse die viertgrößte Stadt Frankreichs.
Toulouse ist die Hauptstadt der Verwaltungsregion Okzitanien sowie Verwaltungssitz des Départements Haute-Garonne. Bis zur Französischen Revolution war die Stadt offizielle Hauptstadt der Provinz Languedoc. Im Mittelalter war sie Hauptstadt der Region Okzitanien.
Geografie Toulouse liegt auf einer Höhe von 146 m am Fluss Garonne, in den hier der Touch einmündet. Die Stadt ist durch Kanäle – den Canal du Midi und den Garonne-Seitenkanal – mit dem Mittelmeer und dem Atlantik verbunden. Toulouse ist (Luftlinie) 589 km von Paris entfernt.
Geschichte Toulouse war unter dem Namen Tolose eine wichtige gallische Stadt, die sich damals acht Kilometer südlich bei Vieille-Toulouse befand. Hier trug sich 106 v. Chr. der Raub des Goldes von Tolosa durch Quintus Servilius Caepio zu. Toulouse wurde ab diesem Zeitpunkt eine wichtige Stadt des Römischen Reichs und Tolosa (lat.) genannt. Es war die Hauptstadt der Provinz Gallia Narbonensis zwischen Mittelmeer und Atlantik und hatte zwischen 20.000 und 50.000 Einwohner. Etwa im Jahr 8 v. Chr. wurden die Einwohner, vermutlich auf römischen Befehl, an die Stelle der heutigen Stadtmitte umgesiedelt. Ab dem 4. Jahrhundert war Toulouse Sitz des Erzbistums Toulouse. Zahlreiche Straßen in der Toulouser Innenstadt folgen noch dem Grundriss der römischen Siedlung.
413 wurde Toulouse Teil des Westgotenreichs. West- und Mittelteil des westgotischen Königspalastes wurden 1988 unter dem Hôpital Larrey zum Teil ausgegraben. Allein der Westflügel hatte eine Grundfläche von 90 × 30 m. Sidonius Apollinaris hat die Anlage beschrieben.Matthias Untermann: Architektur im frühen Mittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006. ISBN 978-3-534-03122-1, S. 17. 418 schlossen die Westgoten einen Pakt mit dem römischen Kaiser. 507 kam es nach der Niederlage der Westgoten gegen die Franken zum Ende des Toulouser Westgoten-Königreichs. 721 wurde die Stadt in der Schlacht von Toulouse mehrere Monate erfolglos von Arabern belagert. Zwischen 781 und 843 war Toulouse Sitz des Königreichs von Aquitanien, danach erfolgte die Gründung der selbständigen Grafschaft Toulouse. In dieser Zeit war die Stadt Zentrum der Languedoc-Kultur.
1208 rief Papst Innozenz III. nach der Ermordung seines Legaten Pierre de Castelnau zum Kreuzzug gegen die Albigenser auf, in dessen Verlauf die Stadt geplündert wurde. 1228 gab Graf Raimund VII. von Toulouse nach einem zermürbenden und zerstörerischen Krieg von fast 20 Jahren den Widerstand auf und unterschrieb den Vertrag von Paris (1229).
1271 kam die Grafschaft Toulouse unter die Herrschaft der französischen Krone, behielt jedoch einige Sonderrechte. Von 1444 bis 1790 war Toulouse Sitz des Parlement de Toulouse, das für den Großteil Südfrankreichs zuständig war und dort im Auftrag der Krone Legislative, Jurisdiktion und Exekutive ausübte. Insbesondere entschied es als Appellationsgericht in letzter Instanz alle Zivilprozesse (im schriftlichen Verfahren) und sämtliche Strafprozesse (im mündlichen Verfahren).
mini|Der internationale Handel mit dem blauen Färberwaid machte die Kaufleute aus Toulouse während der Renaissance reich mini|Karte von Toulouse (1631) mini|Ansicht von Toulouse ca. 1848
Zur Zeit der Renaissance (etwa 1450 bis 1550) zählte Toulouse zu den reichsten Städten Frankreichs. Färberwaid oder Pastel (Isatis tinctoria), eine Pflanze, die damals den einzigen beständigen blauen Farbstoff lieferte, gedieh auf den kalkhaltigen Böden des südöstlich der Stadt gelegenen Lauragais besonders gut. Bedeutende Profanbauten der Pastelgroßhändler im Renaissance-Stil, wie beispielsweise das Hôtel d’Assézat oder das Hôtel de Bernuy, entstanden in dieser Zeit. Die marktbeherrschende Stellung der Stadt endete allmählich nach 1550, als die Portugiesen damit begannen, aus ihren Kolonien das preisgünstigere Indigo zu importieren.
Obwohl zur Zeit der Reformation viele Protestanten in Toulouse lebten, stellte sich die Stadt in den Religionskriegen auf die römisch-katholische Seite. 1562 wurden ca. 4.000 Hugenotten ermordet.
Am 10. April 1812 ereignete sich bei Toulouse ein Meteoritenschauer. Auf den Feldern in der Umgebung der Stadt wurden etliche Fragmente eines H5-Chondriten gefunden. Der Meteorit wurde unter dem Namen Toulouse offiziell registriert.
In den Napoleonischen Kriegen kam es am 10. April 1814 zur Schlacht bei Toulouse, die in der Summe unentschieden blieb.
Im 19. Jahrhundert nahm Toulouse an der Industrialisierung Frankreichs kaum teil. 1856 erhielt es Anschluss an das französische Eisenbahnnetz. Die Stadt wuchs und veränderte sich mit dem Bau der großen Boulevards wie zum Beispiel rue Alsace-Lorraine und rue de Metz. Am 23. Juni 1875 erlebte Toulouse eine schwere Überschwemmung durch die Garonne, wobei rund 1000 Häuser zerstört wurden und rund 200 Menschen ums Leben kamen. Drei der vier Brücken der Stadt wurden weggeschwemmt.
Mit der Gründung der Flugzeugwerke von Pierre-Georges Latécoère 1917 wurde Toulouse zum wichtigen Standort der französischen Flugzeugindustrie. Toulouse hat heute einen Technologiepark und gilt als Flugzeug- und Weltraumhauptstadt Frankreichs.
Toulouse vor und im Zweiten Weltkrieg mini|Gedenktafel für den Exilsitz der PSOE und der UGT in der Rue du Taur 69–71 in Toulouse Bereits während des Ersten Weltkriegs kamen viele Spanier nach Frankreich, um dort den Platz der französischen Bauern einzunehmen, die in den Krieg gezogen waren.„Toulouse et l’Espagne, c’est une vieille histoire d’amour et ce déjà durant la Première Guerre Mondiale, quand de nombreux espagnols sont venus prendre la place des paysans français partis au combat.“ (Le Petit Tou) Dieser Zuzug setzte sich in der Folge der Retirada fort, die Zehntausende Flüchtlinge aus dem Spanischen Bürgerkrieg nach Toulouse führte und die Stadt „zur Hauptstadt der spanischen Exilanten“ machte. Insgesamt kamen nach dem Sieg Francos mehr als 450.000 Flüchtlinge über die Grenze nach Frankreich; nach dem Zweiten Weltkrieg blieben etwa 170.000 übrig, davon 20.000 in Toulouse, was in etwa 10 % der damaligen Stadtbevölkerung entsprach.Paula Pinto Gomes: Toulouse, l’espagnole. In: La Croix, 25 August 2015. mini|Ehemaliger Sitz der Gestapo in der Rue des Martyrs de la Libération 2
Die Nähe zu Spanien machte Toulouse aber auch für viele schon in Frankreich lebende Emigranten attraktiv, die nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor der voranrückenden deutschen Wehrmacht in den Süden Frankreichs flüchteten und von hieraus versuchten, über Spanien in sichere Aufenthaltsländer zu flüchten. Diese Konzentration politischer Flüchtlinge in Toulouse und seiner Umgebung war eine wichtige Voraussetzung für das Entstehen eines politischen Widerstands – erst gegen das Vichy-Regime und dann gegen die deutsche Besatzungsmacht. Toulouse entwickelte sich zu einem Zentrum des Widerstands gegen beide. mini|Eingang zum Gefängnis Saint-Michel, Haft- und Hinrichtungsort für viele Widerstandskämpfer während der deutschen Besatzungszeit.Siehe hierzu auch: :fr:Prison Saint-Michel (Toulouse)
Die Ideale vieler Toulouser Widerstandskämpfer, zum Beispiel die Gründung einer Bürgerarmee, wurden nach der Befreiung der Stadt am 19./20. August 1944 von Charles de Gaulle, der unter dem Vichy-Regime am 4. Juli 1940 in Toulouse in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war,Pascal Pallas: 50 ans de la mort de De Gaulle : pourquoi Toulouse était loin d'être la ville préférée du général. In: actu.fr, 9. November 2020. enttäuscht. De Gaulles seit Oktober 1944 in Toulouse herrschender Statthalter, Philibert Collet, arbeitete systematisch daran, konservative Vorstellungen von Ordnung und Gerechtigkeit durchzusetzen und den Einfluss der Widerstandskämpfer zurückzudrängen. Am 13. Mai 1945 gewann die sozialistische SFIO den zweiten Wahlgang für die Stadtregierung.
Toulouse nach dem Zweiten Weltkrieg 2001 kam es zu einer verheerenden Explosion beim Düngestickstoff-Hersteller AZF, die 31 Tote und 2.500 Verletzte forderte, große Teile der Fabrik zerstörte und erhebliche Schäden im Südwesten der Stadt anrichtete. Der Explosionsknall war bis zu 40 Kilometer weit zu hören.
Im Jahr 2012 wurden bei einer Anschlagsserie in Toulouse und Umgebung sieben Menschen getötet.
Politik Stadtrat
mini|Rathaus Bürgermeister Joseph de Rigaud, Professor an der Universität für Rechtswissenschaft, wurde am 28. Februar 1790 zum ersten Bürgermeister von Toulouse gewählt und regierte zwei Jahre lang. Davor wurde die Stadt von Stadträten (Capitouls) geführt. Heute beträgt die Amtszeit in der Regel vier Jahre.
Die Bürgermeister von 1944 bis heute: 1944–1958: Raymond Badiou (SFIO), 1958–1971: Louis Bazerque (SFIO), 1971–1983: Pierre Baudis (Centriste), 1983–2001: Dominique Baudis (UDF), 2001–2004: Philippe Douste-Blazy (UMP), Rücktritt am 30. April, danach Aufnahme in Jean-Pierre Raffarins Regierung als Gesundheitsminister 2004–2008: Jean-Luc Moudenc (UMP) 2008–2014: Pierre Cohen (Parti socialiste) seit 2014: Jean-Luc Moudenc (UMP)
Städtepartnerschaften Toulouse pflegt Partnerschaften mit den folgenden Städten: Tel Aviv-Jaffa, Israel (seit 1962) Atlanta, USA (seit 1975) Kiew, Ukraine (seit 1975) Bologna, Italien (seit 1981) Elche, Spanien (seit 1981) Chongqing, China (seit 1981)
Außerdem wurden Kooperationsabkommen geschlossen mit: N’Djamena, Tschad (1980) Saragossa, Spanien (2000) , Deutschland (2003) , Polen Hanoi, Vietnam
Lehre und Forschung mini|ENAC mini|IPSA Toulouse
Toulouse ist eine Schüler- und Studentenstadt mit insgesamt über 110.000 Studenten. Somit ist sie nach Paris und Lyon die Stadt mit den meisten Studenten in Frankreich. Die frühere Universität Toulouse wurde 1229 gegründet; sie wurde in drei Nachfolgeinstitutionen aufgespalten: die Universität Toulouse I (Université des Sciences Sociales, UT1, ehemalige Fakultät der Geisteswissenschaften) die Universität Toulouse II (Université de Toulouse – Le Mirail, UTM) die Universität Toulouse III (Université Paul Sabatier, UPS)
An der UPS werden hauptsächlich Naturwissenschaften wie Biologie, Physik, Pharmazie und Informatik gelehrt. Aber auch Sprachen machen einen erheblichen Anteil der universitären Ausbildung aus. Die UT1 beherbergt vor allem die Fachrichtungen Wirtschafts-, Rechts- und Politikwissenschaften. Auch hier spielen Fremdsprachen im universitären Alltag eine große Rolle und der Anteil der internationalen Studierenden ist sehr groß.
Darüber hinaus ist man stolz auf Paul Sabatier, den Chemie-Nobelpreisträger von 1912, sowie auf Jean Tirole, der 2014 mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften („Wirtschaftsnobelpreis“) ausgezeichnet wurde.
Die Bedeutung des Hochschullebens in Toulouse manifestiert sich auch in dem Reichtum und der Vielfalt an Forschungslaboratorien auf dem Campus. Die wichtigsten Ingenieursschulen sind: EAT (École Nationale Supérieure d’Architecture de Toulouse) ENAC (École nationale de l’aviation civile) ENSAT (École Nationale Supérieure d’Agronomie) ENSEEIHT (École Nationale Supérieure d’Électrotechnique, d’Électronique, d’Informatique, d’Hydraulique et des Télécommunications) ENSIACET (École Nationale Supérieure des Ingénieurs en Arts Chimiques et Technologique) EPITA (École pour l’informatique et les techniques avancées) ICAM (Institut catholique d’arts et métiers) INSA (Institut national des sciences appliquées) IPSA (Institut polytechnique des sciences avancées) ISAE (Supaéro) (Institut Supérieur de l’Aéronautique et de l’Espace)