Das Mineral Talk (IMA-Symbol Tlc), in pulverisierter Form auch als Talkum bekannt, ist ein häufig vorkommendes Schichtsilikat mit der chemischen Zusammensetzung Mg3[(OH)2|Si4O10] und damit chemisch gesehen ein Magnesiumsilikathydrat.

Talk kristallisiert je nach Modifikation als Talk-1A im triklinen oder als Talk-2M im monoklinen Kristallsystem und entwickelt überwiegend blättrige, faserige oder körnige bis massig-derbe Mineral-Aggregate, sehr selten auch makroskopisch erkennbare, tafelige oder pseudotrigonal-pyramidale Kristalle von meist mattweißer oder blassgrüner Farbe. Ebenso findet sich Talk in Form von Pseudomorphosen nach Quarz oder Anthophyllit.

Talk gehört zu den gesteinsbildenden Mineralen in der Epizone der kristallinen Schieferreihe und ist Hauptbestandteil des Specksteins (auch Steatit).

Etymologie und Geschichte Speckstein und damit auch Talk sind bereits seit dem Altertum bekannt. Sprachwissenschaftler vermuten, dass die Bezeichnung ursprünglich aus der persischen Sprache stammt und dann über das arabische talq in den gesamten indogermanischen Sprachraum übernommen wurde. Einige oberdeutsche Dialekte verwenden noch heute die Bezeichnungen „talket“ und „talkert“ zur Beschreibung der Eigenschaft weich bzw. unfest.

Klassifikation In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Talk zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“, wo er zusammen mit Pyrophyllit die „Pyrophyllit-Talk-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/E.04 und dem weiteren Mitglied Minnesotait bildete.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/H.09-040. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Schichtsilikate“, wo Talk zusammen mit Ferripyrophyllit, Kegelit, Macaulayit, Minnesotait, Pyrophyllit und Willemseit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/H.09 bildet.

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Talk in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung der „Schichtsilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Schichtenbildung, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate) mit Glimmertafeln, zusammengesetzt aus tetraedrischen und oktaedrischen Netzen“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Minnesotait und Willemseit die „Talkgruppe“ mit der Systemnummer 9.EC.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Talk die System- und Mineralnummer 71.02.01.03. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikate“, wo das Mineral zusammen mit Brinrobertsit, Ferripyrophyllit, Minnesotait, Pyrophyllit, Willemseit eine die „Pyrophyllit-Talk-Gruppe“ mit der Systemnummer 71.02.01 innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Schichten von sechsgliedrigen Ringen mit 2:1-Lagen“ zu finden ist.

Kristallstruktur mini|links|Kristallstruktur von Talk

Talk-1A kristallisiert triklin in der mit den Gitterparametern a = 5,291 Å; b = 9,460 Å; c = 5,290 Å; α = 98,68°; β = 119,90° und γ = 85,27° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Talk-2M kristallisiert monoklin in der Raumgruppe mit den Gitterparametern a = 5,287 Å; b = 9,158 Å; c = 18,95 Å und β = 99,30° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Eigenschaften Farbe mini|Derbes, grünweißes Talk-Aggregat

Reiner Talk ist farblos oder durch Gitterbaufehler bzw. mikrokristalline Ausbildung in massigen Aggregaten weiß. Durch Fremdbeimengungen kann er aber auch von grauer, hell- bis dunkelgrüner oder gelblicher Farbe sein. Als Mineralgemenge im Speckstein sind weitere Farbvarianten möglich.

Eine grünliche Farbe kann ein Hinweis auf den möglichen Einbau von Fe2+ durch Einlagerung von Minnesotait sein.

Physikalische und chemische Eigenschaften Talk besitzt die geringstmögliche Mohshärte 1 und ist damit ein Referenzmineral auf der Mohs’schen Härteskala. Die geringe Härte lässt sich durch die schwachen Van-der-Waals-Kräfte erklären, welche die Schichtstapel zusammenhalten.

Das Mineral ist wasserabweisend und fühlt sich seifig oder fettig an, daher wird es synonym oft auch als Speckstein bezeichnet.

In blättrigen und grobschuppigen Aggregatformen zeigt Talk eine sehr vollkommene Spaltbarkeit mit perlmuttähnlichem Glanz auf den Spaltflächen. In dünnen Blättchen ist Talk durchsichtig bis durchscheinend. Einzelne Blättchen sind milde biegsam. Auch in Bezug auf optische und sonstige Eigenschaften ist Talk den Glimmern sehr ähnlich.

Zermahlen ist Talk ein weiches, feines Pulver (Talkum). Dies hat üblicherweise eine Korngröße von zumeist ca. 25 µm bis ungefähr 75 µm.

Talk ist ein schlechter Leiter für Wärme und Elektrizität. Vor dem Lötrohr blättert sich das Mineral durch die Hitzeeinwirkung auf, leuchtet stark und wird nach dem Austreiben des Kristallwassers feuerfest. Seine Mohshärte steigt dabei auf 6. Beim Erhitzen auf über 800 °C, genauer zwischen 800 und 840 °C, zerfällt Talk (Mg3Si4O10(OH)2) in die Minerale Cristobalit (SiO2) und Enstatit (Mg2[Si2O6]) sowie Wasserdampf (H2O) entsprechend der Reaktionsgleichung:

Modifikationen und Varietäten Der seit 1979 nicht mehr als eigenständiges Mineral angesehene Kerolith wird heute als die grüne, nickelhaltige Varietät des Talkes angesehen.

Bildung und Fundorte mini|links|Grüne Vesuvianitkristalle auf weißem, blättrigem Talk aus den Belvidere Mountains im US-Bundesstaat Vermont mini|35 mm × 34 mm große Kristallgruppe von Talk-Pseudomorphosen nach Antophyllit mini|Pseudomorphose von Talk nach Quarz aus der Specksteingrube Göpfersgrün im bayrischen Fichtelgebirge(Größe: 7,0 cm × 5,5 cm × 4,9 cm)

Talk bildet sich meist sekundär durch Umwandlung von aluminiumoxidfreien bzw. -armen Mineralen wie beispielsweise Olivinen oder Enstatit, aber auch metamorphen Gesteinen wie z. B. Marmor, Metaultrabasiten und Dolomit bis etwa 500 °C oder hydrothermal in Gängen. Begleitminerale sind unter anderem Aktinolith, Anthophyllit, Calcit, Dolomit, Tremolit und Vermiculit sowie verschiedene Chlorite, Pyroxene und Serpentine. Einige faserige Ausbildungsvarienten der genannten Paragenesen wie Aktinolith (auch Aktinolithasbest oder Amiant), Anthophyllit (auch Amphibolasbest), Tremolit und verschiedene Serpentine wie beispielsweise Chrysotil gehören zu den Asbesten. Je nach Fundort können Talk-Mineralproben daher mehr oder weniger mit Asbest belastet sein.

Als häufige Mineralbildung ist Talk an vielen Orten anzutreffen, wobei weltweit bisher rund 4500 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2026). Erwähnenswert sind unter anderem die Fundorte Brumado im brasilianischen Bundesstaat Bahia, wo tafelige Kristalle von bis zu zwei Zentimetern Größe gefunden wurden, sowie das Gotthardmassiv in der Schweiz mit Funden von Pseudomorphosen nach Quarz.

In Deutschland tritt das Mineral unter anderem im Schwarzwald in Baden-Württemberg, im Frankenland, Niederbayern und der Oberpfalz in Bayern, im hessischen Odenwald, im niedersächsischen und thüringischen Harz, im Sauerland und Siegerland in Nordrhein-Westfalen, an mehreren Fundpunkten in Rheinland-Pfalz, im Erzgebirge und in der Oberlausitz in Sachsen sowie im Thüringer Wald auf. In Österreich wird Talk in zwei Bergbaubetrieben in der Steiermark abgebaut. Ein Tagebau befindet sich im zur Gemeinde Pöllau gehörenden Rabenwald. Der dort gewonnene Talk wird in einem Werk in Oberfeistritz verarbeitet. In der Gemeinde Weißkirchen befindet sich ein untertägiger Abbau von Talk und ein weiteres Verarbeitungswerk.

Weitere ergiebige Fundorte (drei oder mehr Regionen) sind unter anderem in Australien, Brasilien, der Volksrepublik China, Finnland, Frankreich, Indien, Italien, Japan, Kanada, Madagaskar, Mexiko, Namibia, Norwegen, Peru, Russland, Sambia, Schweden, der Schweiz, Simbabwe, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Ungarn, den Vereinigten Staaten sowie im Vereinigten Königreich (Großbritannien).

Auch in Gesteinsproben vom Mittelatlantischen Rücken und vom Roten Meer sowie in der Nähe der japanischen Forschungsstation Shōwa-Station in der Antarktis konnte Talk nachgewiesen werden.

Der weltweit größte Förderer von Talk ist die Talc de Luzenac, die zur Imerys-Gruppe gehört. Global wurden 2020 ca. 7,6 Millionen Tonnen Talk abgebaut. Größte Abbauländer waren China und Indien, sowie Brasilien, die USA und Südkorea. Einen Überblick über die globalen Abbaumengen gibt die folgende Tabelle.

+ Abbaumengen Land Abbaumenge in t 2016 2017 2018 2019 2020 16.266 15.330 13.072 10.000 2.304 111.000 120.000 130.000 140.800 110.000 123.040 123.558 127.866 124.184 123.000 2.261 1.293 2.042 1.375 972 494.157 500.000 660.000 650.000 650.000 199.000 215.000 279.000 243.000 153.293 2.000.000 1.800.000 2.000.000 2.450.000 2.000.000 103 2.374 2.062 1.708 717 14.300 15.000 25.000 22.000 20.000 345.739 354.819 374.398 329.891 278.331 450.000 470.000 450.000 400.000 400.000 2.733 1.982 2.187 10 2.000 1.292.893 1.652.367 1.682.825 1.748.963 1.750.000 87.899 86.514 73.259 49.650 61.665 165.000 165.000 165.000 160.000 165.000 375.000 365.000 160.000 160.000 160.000 40.000 40.000 40.000 40.000 30.000 592.247 434.292 348.648 330.250 475.764 17.263 7.129 8.448 7.202 29.122 1.860 7.096 8.658 7.813 2.719 667 1.897 2.668 6.630 8.404 729 478 559 0 0 125.985 152.279 141.504 156.935 150.009 29.379 42.123 47.309 43.974 37.938 11.699 13.600 10.144 12.901 9.751 20.000 20.000 12.500 48.000 104.000 42.000 44.000 46.000 48.000 48.000 800 14.000 43.000 70.100 91.600 23.576 58.776 102.142 135.430 92.318 0 11.500 15.500 13.100 13.000 4.250 4.000 4.000 2.000 0 250 0 17 6 0 103.926 61.436 58.676 14.564 38.146 203.214 474.482 284.216 92.077 143.470 2.997 3.218 1.640 3.131 2.000 578.000 610.000 648.000 578.000 490.000 290 100 420 50 520 Summe 7.478.523 7.888.643 7.970.760 8.100.944 7.644.043

Verwendung mini|Talkuvit – 300-g-Streudose für (Zweirad-)Reifen

Talk ist aufgrund seiner besonderen Eigenschaften (weich, wasserabweisend) vielseitig verwendbar und wird bevorzugt in pulverisierter Form als Gleitmittel mit geringer Scheuerwirkung eingesetzt oder Stoffen beigemengt, um ihnen wasserabweisende oder abdichtende Eigenschaften zu verleihen.

Technik Fein gemahlen wird Talk – dann oft als Talkum bezeichnet – zum einen als Füllstoff in der industriellen Erzeugung von Papier und Zellstoff, Farben und Lacken, sowie Gummi-, Kunststoff- und Keramikwaren verwendet. Talkum wird weiters als Trennmittel in elektrischen Kabeln (zwischen verschiedenen Elementen der Isolierung und Hülle) verwendet, in Fahrzeugbereifung mit Schlauch, an Elastomeren wie etwa der Gummilippendichtung von Autotüren, als helles Gleitmittel für Ladenführungen aus Kunststoff oder Holz. Talkum hat den Vorzug heller Farbe und guter Auswaschbarkeit aus Kleidung, während schwarzes Graphitpulver eher zum Schmieren von Metall-Metall-Gleitflächen dient, die ohnedies schon alleine zu dunkler Abfärbung neigen.

Die Kunststoffindustrie verwendet Füllstoffe auf Basis von Talkum beispielsweise bei der Produktion von Polyolefinen, wie Polyethylen hoher Dichte (HDPE) oder Polypropylen (PP), etwa für Anwendungen in der Auto- oder Bauindustrie. Ende der 1960er-Jahre wurden erstmals talkumgefüllte (TV) und glasfaserverstärkte (GFV) Produkte auf Polypropylenbasis angeboten. Mit Talkum gefüllte Polypropylencompounds werden seit etwa 1975 verwendet. Der Gehalt an Talk kann 7–55 % betragen.

Talk und gemahlener Speckstein ist Rohstoff und Hauptbestandteil der technischen Keramik Steatit, eines in der Elektrotechnik häufig verwendeten Isoliermaterials, zum Beispiel in Sicherungs-Schmelzeinsätzen und Isolatoren.