Die Santa Irene war ein 1921 gebautes portugiesisches Frachtschiff, das zunächst bis 1931 als Agnes Kölln und Angeln unter deutscher Flagge fuhr. 1943 wurde die Santa Irene von einem britischen U-Boot versenkt – eines der elf versenkten Schiffe des neutralen Landes im Zweiten Weltkrieg.
Geschichte Die niederländische Werft Gebr. Fikkers in Martenshoek baute das Schiff 1921 auf eigene Rechnung, um es später verkaufen zu können.Schmelzkopf: Die deutsche Handelsschiffahrt 1919–1939. Band 2: Liste sämtlicher über 500 BRT großen Schiffe mit allen technischen und historischen Daten., S. 26B.W.F. – ID 743 bei marhisdata.nl
Der kleine Küstenfrachter erhielt zunächst nur die vorläufige interne Werftkennung B.W.F. und wurde nach der Fertigstellung im April 1921 bei den Gebr. Fikkers aufgelegt. Der Verkauf erfolgte erst zwei Jahre später, als Hinrich Kölln aus Burgstaaken den Dampfer erwarb und am 11. Juni 1923 unter dem Namen Agnes Kölln registrieren ließ. Lange behielt Hinrich Kölln, der mit kleinen Schiffen Küstenhandel betrieb, den Dampfer nicht. Bereits im November 1923 wurde die Agnes Kölln verkauft und kam in die Werft zu Blohm + Voss in Hamburg, wo sie um 8,00 Meter verlängert wurde. Die Abmessungen betrugen nach dem Umbau 50,54 Meter Länge, die Vermessung 520 BRT bzw. 320 NRT bei einer Tragfähigkeit von 780 Tonnen. Der neue Besitzer, die Reederei Robert Bornhofen aus Hamburg, begann gerade seine Schleppreederei mit den Ankäufen gebrauchter Frachter zu erweitern und in die Seeschifffahrt einzusteigen. Der verlängerten Neuerwerbung gab er den Namen Angeln.Schmelzkopf: Die deutsche Handelsschiffahrt 1919–1939. Band 2: Liste sämtlicher über 500 BRT großen Schiffe mit allen technischen und historischen Daten, S. 38
1928 verkaufte Bornhofen das Schiff nach Portugal. Neuer Eigentümer war die Companhia Veleira aus Lissabon, zu der sonst keine weiteren Informationen vorliegen. 1930 erwarb das Chemieunternehmen Companhia Industrial Portuguesa das Schiff für ihren eigenen Transportbedarf und gab ihm den Namen Santa Irene. Über den eigenen Bedarf hinaus setzte das Unternehmen den kleinen Dampfer im Küstenverkehr zwischen Nordeuropa und dem Mittelmeer ein.Portugiesische Schiffe, die im Zweiten Weltkrieg angegriffen oder versenkt wurden bei naviosavista.blogspot.com Im Mai 1931 kollidierte die Santa Irene im Hafen von Lissabon mit dem portugiesischen Passagierschiff Quanza der Companhia Nacional de Navegação. Dabei erhielt die Santa Irene schwere Schäden am Bug.
links|miniatur|HMS Taurus Im Frühjahr 1943 verließ die Santa Irene am 23. März 1943 den Hafen von Lissabon mit einer Ladung Weizen für die Schweiz und erreichte Genua am 6. April, wo der Weizen auf dem Landweg weitertransportiert werden sollte.O ataque ao navio-motor "Santa Irene" (dt.: Der Angriff auf das Motorschiff „Santa Irene“) bei naviosenavegadores.blogspot.com In Genua lud der Dampfer Stückgut und fuhr nach Civitavecchia, um die Ladung zu vervollständigen. Auf dem Rückweg nach Portugal wurde die Santa Irene am 13. April zwischen den Inseln Korsika und Elba von einem U-Boot mit Artillerie angegriffen. Später stellte sich heraus, dass das britische U-Boot Taurus, ein Boot T-Klasse, die Flagge Portugals auf der Bordwand mit der italienischen verwechselt und aufgrund der Beleuchtung eine U-Boot-Falle vermutet hatte. Bei dem Angriff starben 16 Besatzungsmitglieder und ein Passagier. Das einzige überlebende Besatzungsmitglied wurde vom italienischen Rettungsschiff Epomeu geborgen.da Silva: Navios Portugueses afundados durante a II Guerra Mundial. As perdas de um „Neutral“, S. 12
Technische Daten Der Dampfer war zunächst 42,54 Meter lang, 7,50 Meter breit und hatte einen Tiefgang von 4,85 Metern. Er war mit 443 BRT bzw. 219 NRT vermessen und hatte eine Tragfähigkeit von 620 Tonnen. Als Antrieb diente eine Dreizylinder-Dreifach-Expansionsmaschine mit 325 PSi des Herstellers Nolden & Bulder aus Delfzijl, die auf eine Schraube wirkte. Damit erreichte das Schiff eine Geschwindigkeit von 8,0 bis 9,0 Knoten. Die Besatzung bestand aus 18 Mann.Lloyd's Register. Steamers & Motorships 1943–1944
Siehe auch Liste der im Zweiten Weltkrieg versenkten portugiesischen Schiffe
Literatur Reinhart Schmelzkopf: Die deutsche Handelsschiffahrt 1919–1939. Band 2: Liste sämtlicher über 500 BRT großen Schiffe mit allen technischen und historischen Daten. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg, Hamburg 1975, ISBN 3-7979-1859-3. Ricardo Daniel Carvalho da Silva: Navios Portugueses afundados durante a II Guerra Mundial. As perdas de um „Neutral“. CITCEM – Centro de Investigação Transdisciplinar «Cultura, Espaço e Memória» -Fundação para a Ciência e Tecnologia/Faculdade de Letras da Universidade do Porto, Universität Porto, o. J. Online-Version (PDF).
Weblinks Lloyd's Register. Steamers & Motorships 1943–1944 B.W.F. – ID 743 bei marhisdata.nl Navios de pavilhão atacados ou afundadoss por unidades ou aéreas beligerantes em consequencia do conflito mundial de 1939/1945. (dt.: Portugiesische Schiffe, die im Zweiten Weltkrieg angegriffen oder versenkt wurden) bei naviosavista.blogspot.com (portugiesisch) O ataque ao navio-motor "Santa Irene" (dt.: Der Angriff auf das Motorschiff „Santa Irene“) bei naviosenavegadores.blogspot.com (portugiesisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Dampfmaschinenschiff Kategorie:Frachtschiff (Niederlande) Kategorie:Frachtschiff (Deutschland) Kategorie:Frachtschiff (Portugal) Kategorie:Schiffsverlust im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Schiffsverlust 1943