Die Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 op. 36a in e-Moll ist eine Komposition von Ferruccio Busoni (1866–1924). Sie wurde 1898 komponiert und uraufgeführt. Im Busoni-Werkverzeichnis des Musikwissenschaftlers Jürgen Kindermann ist sie als Nummer BV 244 verzeichnet. Die Sonate gilt als Schlüsselwerk für die künstlerische Entwicklung Busonis.

Entstehung Busoni komponierte die Sonate im Sommer 1898. Am 30. September 1898 spielte er zusammen mit dem Geiger Viktor Nováček in Helsinki die Uraufführung. 1900 überarbeitete Busoni das Werk für den Druck. Es erschien 1901 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig. Busoni widmete es seinem Freund Ottokar Nováček, dem Bruder Viktor Nováčeks, der im Februar 1900 gestorben war.Richard Whitehouse: Werkeinführung im Booklet zur CD Busoni: Violin Sonatas Nos. 1 and 2, Four Bagatelles. Naxos, 8.447848

Form Die Sonate hat drei Formteile, die ohne Pause ineinander übergehen, mit einer Aufführungsdauer von insgesamt ca. einer halben Stunde. Hierin ist das Vorbild Franz Liszts erkennbar, der die Idee der Integration mehrerer Sätze in ein umfangreiches einsätziges Werk in seiner Klaviersonate h-Moll und weiteren Kompositionen verwirklichte. Auch in der stark geweiteten Harmonik und im virtuosen Klaviersatz ist der Einfluss Liszts deutlich.

Das Stück beginnt mit einem frei gestalteten, ruhigen ersten Abschnitt. Es folgt ein Presto im 6/8-Takt im Charakter einer Tarantella. Geistiges Zentrum des Werks ist der dritte Abschnitt, ein großangelegter Variationssatz mit Einleitung, Thema mit mehreren Variationen und Fuge sowie einer umfangreichen Coda. Sein Thema ist das geistliche Lied „Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen“. Es steht im zweiten Band des Notenbüchleins für Anna Magdalena Bach und wurde früher als BWV 517 Johann Sebastian Bach zugeschrieben, aber es gibt keinen Hinweis darauf, dass Bach tatsächlich sein Komponist ist. Die drei Formteile sind motivisch vielfältig miteinander verbunden: Motive aus dem Variationsthema tauchen auch schon in den früheren Abschnitten auf, Themen aus den ersten beiden Abschnitten werden in der Coda wieder aufgegriffen.

Als Inspiration für die Gliederung in ein frei gestaltetes Vorspiel, ein Presto als Mittelsatz und einen großen Variationssatz als Finale gilt Ludwig van Beethovens Klaviersonate E-Dur op. 109.

Überblick FormteilTakteTonartenAbschnittUnterabschnitt1.1–117e-Moll / B-Dur / h-Moll / C-Dur / E-DurLangsam – Poco con moto, assai deciso2. 118–321e-Moll / E-Dur / e-MollPresto3.322–357cis-Moll / E-DurAndante, piuttosto graveEinleitung des Variationssatzes358–397E-DurAndante con motoThema (BWV 517)398–432E-DurPoco più andanteVariation 1433–497E-DurAlla marcia, vivaceVariation 2498–537E-DurLo stesso movimentoVariation 3538–582e-MollAndanteVariation 4583–625E-DurTranquillo assaiFuge626–696cis-Moll / E-DurAllegro deciso, un poco maestoso – Più lento – Più tranquillo, apoteotico – Tempo del Tema – AdagioCoda

Stellung im Gesamtwerk Die Sonate gilt als Schlüsselwerk, in dem sich Busonis Originalität und musikalische Ästhetik erstmals voll entwickelt zeigen. So betrachtete sie auch Busoni selbst:

Zu den Eigenschaften, die die Sonate bereits einem reifen Stil der späteren Werke Busonis zurechnen lassen, gehört die Abwendung vom Schema der klassischen Sonatenform und das Gestalten von frei präludierenden Einleitungen vor der Präsentation der eigentlichen Themen.

Zeitlebens erstellte Busoni neben eigenen Kompositionen immer auch Transkriptionen von Werken anderer Komponisten, sowie Variationen und Fantasien über solche Werke, mit Vorliebe derjenigen von Johann Sebastian Bach. Das „originale“ Komponieren und das Arrangieren und Variieren fremder Werke waren für Busoni keine grundlegend unterschiedenen Arbeitsvorgänge. Dementsprechend erscheint in der 2. Violinsonate die Bachsche Vorlage vollkommen in Busonis Komposition integriert und der Unterschied zwischen Komposition und Bearbeitung aufgehoben.

Busoni verwendete das Bach zugeschriebene Lied noch ein weiteres Mal als Vorlage für eine eigene Komposition: 1917 komponierte er die Improvisation über das Bachsche Chorallied „Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen“ für zwei Klaviere, BV 271.

Bearbeitung Helmut Bornefeld bearbeitete 1978 den kompletten Variationsabschnitt unter dem Titel Variationen über das Bachsche Chorallied „Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen“ (BWV 517) aus op. 36a für Violine und Orgel. Nach Ablauf der Schutzfrist für Busonis Werke wurde Bornefelds Bearbeitung 1997 im Carus-Verlag veröffentlicht.Gerhard Bornefeld: Nachwort zu Helmut Bornefelds Bearbeitung der Busoni-Variationen. Carus-Verlag, Stuttgart 1997, Verlagsnr. CV 29.189. Produktseite des Verlags

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Einzelnachweise

Kategorie:Kammermusikalisches Werk Kategorie:Ferruccio Busoni Kategorie:Musik 1898