Der Spreiz-Gamander (Teucrium divaricatum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Gamander (Teucrium) in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Der Halbstrauch ist vor allem in Griechenland, auf den Ägäischen Inseln, auf Zypern und Kreta verbreitet. Er wird selten als Zierpflanze verwendet.
Beschreibung mini|Leicht gekerbte, ledrige Laubblätter mini|Scheinquirl mit zwei geöffneten Blüten mini|Habitat auf der Peloponnes
Vegetative Merkmale Der Spreiz-Gamander ist ein aromatischer, formenreicher Halbstrauch, der Wuchshöhen von 10 bis 30 Zentimetern erreicht. Die krautigen Stängel sind meist mit kurzen, lockigen Haaren bedeckt. Die älteren Stängel sind verholzt. Die 10 bis 25 Millimeter langen und 8 bis 15 Millimeter breiten Laubblätter sind eiförmig, kahl oder behaart, an der Basis keilförmig, am Rande gekerbt und kaum umgerollt. Sie sind unterseits kahl oder locker filzig behaart.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von April bis Juli, in mitteleuropäischen Gärten von Juli bis September. Der lockere Blütenstand besteht aus vielen übereinander stehenden, einseitigen Scheinquirlen mit jeweils ein bis vier Blüten. Der grüne oder violette Blütenkelch ist wollig bis zottig behaart. Die 10 bis 15 Millimeter lange, rosa bis purpurne Blütenkrone besitzt auffällige, weit vorstehende Staubblätter.
Chromosomensatz Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 16; es tritt Tetraploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 62 und 64 auf.
Vorkommen Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den Ionischen Inseln, der Peloponnes über Mittelgriechenland, Thessalien und Zentralmakedonien sowie die Ägäischen Inseln einschließlich Kreta, Zypern, Nordostlibyen, die Türkei, Syrien und den Libanon bis nach Israel und Palästina.
Der Spreiz-Gamander besiedelt trockene, felsige Garrigues und Phryganas, häufig offene Felsfluren in Küstennähe, auf kalkreichen und vulkanischen Böden in Höhenlagen von Meereshöhe bis 1700 Metern. In den Bergen der Region Palästina wächst er in Höhenlagen zwischen 520 und 820 Metern häufig zusammen mit Aleppo-Kiefer, Kretischer Zistrose, Terpentin-Pistazie und Kopfigem Thymian.
Taxonomie und Systematik Als Erstveröffentlichung von Teucrium divaricatum durch Franz Wilhelm Sieber gilt der 1856 von Theodor von Heldreich gelistete Pflanzenname mit dem Autorenkürzel als Nr. 290 im Herbarium Graecum Normale. Heldreich bestätigte, dass die von Sieber im Jahr 1817 auf Kreta gesammelten und benannten Herbarbelege seit vielen Jahren als Typusexemplare von Teucrium divaricatum galten. Denn andere Autoren hatten sich in ihren Pflanzenbeschreibungen auf diese Herbarbelege bezogen.
So erwähnte George Bentham im Jahr 1835 Siebers Herbarbelege in Labiatarum Genera et Species, S. 682, als rotblühende Varietät von Teucrium flavum, versehen mit einem Fragezeichen und dem Hinweis, dass es sich um eine eigene Art oder um eine Varietät von Teucrium microphyllum handeln könnte. Edmond Boissier verwendete im Jahr 1879 in Flora Orientalis, Band 4, S. 816, in der Beschreibung von Teucrium divaricatum ebenfalls Siebers Autorenkürzel
Das Artepitheton divaricatum bedeutet „auseinander gebogen“ oder „gespreizt“ und bezieht sich hier auf die langen, ausgebreiteten Stängel der Pflanze. Von Teucrium divaricatum sind vier Unterarten bekannt: Teucrium divaricatum subsp. divaricatum: Der Typus kommt in Griechenland einschließlich Kreta und den Ostägäischen Inseln, im nordöstlichen Libyen, in der Türkei und in der Region Palästina vor. Die Stängel besitzen kurze, krause, meist nach unten gebogene Haare. Die Laubblätter sind unterseits locker filzig behaart. Teucrium divaricatum subsp. athoum : Dieser Endemit kommt in Griechenland nur auf dem Berg Athos vor. Die Laubblätter sind fast kahl, die Stängel mehr oder weniger kahl oder kurz kraushaarig. Der Blütenkelch besitzt kurze, drüsenlose Haare. Teucrium divaricatum subsp. canescens : Dieser Endemit kommt nur auf Zypern vor und unterscheidet sich vom Typus durch dünne Zweige, die in jungem Zustand dicht weiß-filzig behaart sind, durch meist kleine, eiförmige Blätter, die oben grün und unten deutlich weiß-grau behaart sind, durch kurz gekräuselt-grau behaarte Kelche und Stiele (f. canescens) oder mehr oder weniger behaart mit einem Gewirr aus langen Haaren (f. kotschyanum). Teucrium divaricatum subsp. graecum : Sie kommt im östlichen Griechenland, in der südlichen Türkei, im Libanon und in Syrien vor. Die Stängel sind mehr oder weniger kahl oder kurz und kraus behaart. Die Laubblätter sind fast kahl. Der Blütenkelch ist mit einigen langen, drüsigen Haaren bedeckt.
Phylogenetische Analysen zeigen, dass der Spreiz-Gamander eng mit dem Kleinblättrigen Gamander und etwas weniger eng mit dem Katzen-Gamander, dem Gelben Gamander und dem Echten Gamander verwandt ist.
Verwendung Hauptbestandteile des durch Wasserdampfdestillation aus oberirdischen Pflanzenteilen gewonnenen ätherischen Öls sind δ- und γ-cadinen, Bisabolen, β-caryophyllen und Limonen. In der türkischen Volksmedizin wird der Spreiz-Gamander als Mittel gegen Husten, Übelkeit, Magenschmerzen, Harnwegserkrankungen, Gallenblasenerkrankungen, Nierensteine sowie in Augentinkturen eingesetzt.
Bei der medizinischen Behandlung mit anderen Gamanderarten, wie dem Echten Gamander, sind allerdings akute und chronische Leberschäden bekannt geworden, die durch Neo-Clerodan-Diterpenoide wie Teucrin A verursacht werden. Diese toxischen Verbindungen sind auch im Spreiz-Gamander enthalten.
Der Spreiz-Gamander wird selten als Zierpflanze für vollsonnige, trockenwarme Steingärten, Kiesgärten und Trockenmauern genutzt. Er benötigt einen trockenen Standort mit durchlässigem Boden und gilt als winterhart.
Literatur Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. Band 2: I bis Z. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 888.
Weblinks
Datenblatt Teucrium divaricatum mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Mittelmeer- und Alpenflora Datenblatt Teucrium divaricatum mit Fotos bei Flora of Israel and adjacent areas Beschreibung von Teucrium divaricatum mit Fotos bei BOTANY.cz
Einzelnachweise George Bentham: Labiatarum genera et species: or, a description of the genera and species of plants of the order Labiatae. James Ridgway and Sons, London 1835 (Digitalisat). Edmond Boissier: Flora Orientalis sive enumeratio plantarum in Oriente a Graecia et Aegypto and Indiae fines hucusque observatarum. Band 4, S. 816, 1879 (Digitalisat).
T. G. Tutin, D. Wood: Teucrium divaricatum Sieber ex Boiss. In:
Theodor von Heldreich: De Heldreich Herbarium Graecum Normale. Auflistung der Centurien 1 bis 5, ca. 1856, ()
Avinoam Danin, Ori Fragman-Sapir: Flora of Israel and adjacent areas. The Jerusalem Botanical Gardens. Datenblatt Teucrium divaricatum Heldr. Thomas Meyer, Michael Hassler: Datenblatt Teucrium divaricatum mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Mittelmeer- und Alpenflora. Thomas Meyer, Michael Hassler: Unterarten von Teucrium divaricatum mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Mittelmeer- und Alpenflora.
Datenblatt Teucrium divaricatum Sieber ex Heldr. bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
Kategorie:Gamander Kategorie:Zierpflanze