Ager Oueslati (* 1987) ist eine französisch-algerisch-tunesische Journalistin, Regisseurin und Fotografin.
Leben Ager Oueslati wuchs in der Pariser Banlieue innerhalb einer Community von Familien mit Migrationsbiografien auf, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen hatten. Ihr Vater floh aus dem Tunesien Bourguibas, während ihre Mutter ihre Heimat Algerien verließ. Sie lernten sich in Paris kennen und nannten ihr erstes Kind Ager, was „Migration“ bedeutet. Ager Oueslati kam bereits als Kind mit der analogen Fotografie in Berührung, indem sie zunächst Bilder ihrer Nachbarschaft aufnahm und ihre ersten Reportagen und künstlerischen Arbeiten schuf. Im Alter von 18 Jahren begann sie parallel zu ihrem Geschichtsstudium an der Universität Paris 1 als Journalistin für das Stadtmagazin Choisy-le-roi zu schreiben. Nach ihrem Abschluss an der Hochschule für professionellen Journalismus Lille-Montpellier (ESJ-PRO) arbeitete sie an der Fernsehdokumentation The Women’s Jungle (2016) über die Lage von Migrantinnen, die im Lager von Calais festsitzen. Im Rahmen eines Ausbildungsprogramms begann sie, in der Redaktion von France Télévisions zu arbeiten. Nach einigen Jahren in der Redaktion verließ sie Frankreich, zog nach Tunis und lernte dort anderthalb Jahre Arabisch, bevor sie weiter nach Algerien zog. Später begann sie, Migrationsrouten von Frauen aus afrikanischen Ländern in Richtung Europa zu folgen. Im September 2019 drehte sie ihren kurzen Dokumentarfilm, Exilées. Im Jahr 2021 gründete sie Taswir Production in Algerien, eine Filmproduktionsfirma, die sie gemeinsam mit ihrem Bruder Raouf Oueslati leitet.
Neben ihren filmischen Arbeiten setzt sich Ager Oueslati auch in ihren dokumentarischen Fotoserien mit den Lebensbedingungen marginalisierter Gruppen auseinander. In ihrer Fotoserie Hajira („die Verbannten“) dokumentiert sie Szenen aus dem Alltag von etwa zwanzig Frauen aus Ländern im subsaharischen Afrika, die auf der Reise nach Europa in Agadez, einer Metropole im Norden Nigers festsitzen. Die Ausstellung wurde unter anderem auf dem Festival cinémas d'Afrique Lausanne 2019 gezeigt.
Filme La jungle des femmes (2016) ist ein kurzer Dokumentarfilm, der die Lebensbedingungen von Frauen im sogenannten Dschungel von Calais zeigt. Wie viele andere Personen haben auch die vier Protagonistinnen unter Lebensgefahr das Mittelmeer überquert. Ohne Obdach finden sie sich in Calais wieder, konfrontiert mit mangelnder Hygiene und ganz einfach damit, dass sie Frauen an diesem exponierten Ort sind. Sitine, Salem, Laïla und Baby erklären die Gründe und Unwägbarkeiten ihrer Reise. Und auch ihre Entschlossenheit, nach England zu gelangen.
Exilées (2020) porträtiert zwei Frauen auf ihrer Migrationsroute nach Europa und zeigt deren Aufenthalte in Agadez im Niger und in Tunesien. Die beiden Protagonistinnen, Prisca und Gift, sind bereits weit von ihrer Heimat entfernt, aber noch genauso weit von ihrem endgültigen Ziel. Beide erzählen von den Gefahren, denen Frauen im Exil ausgesetzt sind, von der ungewissen und gefährlichen Reise zwischen dem Niger und Libyen, und vertrauen den Zuschauenden ihre Ängste, aber auch ihre Träume an. Für den Film recherchierte Ager Oueslati in Nigeria, Tunesien und Algerien. Sie widmete den Film Prisca, einer Migrantin aus der Côte d'Ivoire, die nach den Dreharbeiten bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ertrank. Prisca wurde in Italien beigesetzt.
Für die Produktion ihres zweiten Dokumentarfilms On ne meurt pas deux fois, dessen Fertigstellung im Herbst 2025 erwartet wird, erhielt Ager Oueslati unter anderem eine Förderung für die Produktion in Höhe von 25.000 vom World Cinema Fund der Berlinale. Weitere Förderung und Unterstützung erhält sie vom algerischen Kulturministerium, dem Doha Film Institute, Hot Docs Blue Ice Fund, Arab Fund for Arts and Culture (AFAC) sowie dem Institut Français. Im Film geht es um die nigerianischen Schwestern Jennifer und Gift. Als ein eindringlicher Traum Gift aus dem Schlaf reißt, begibt sie sich auf eine gefährliche Odyssee nach Europa und folgt den Spuren der Erinnerungen an Verlassenheit, Verlust und Hoffnung, die ihre Reise geprägt haben – eine zeitlose Geschichte über Migration als innere Reise, auf der Vergangenheit und Gegenwart auf der Suche nach Zugehörigkeit aufeinanderprallen.
Filmografie 2016: La jungle des femmes (Dokumentarfilm) 2019: Exilées (Dokumentarfilm)
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Ager Oueslati
Einzelnachweise
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