Gustav Adolf StreckeisenKarte der Einwohnerkontrolle Basel die zeigt, dass der unter Adolf Streckeisen bekannte Pfarrer und Missionar mit Vornamen Gustav Adolf hiess und am 10.8.1951 in Buochs, NW verstorben ist. Signatur: PD-REG 19a 12-4 10842. (* 1. April 1895 in Basel; † 10. August 1951 in Buochs) war ein Schweizer Pfarrer und Missionar, der ab 1924 für die Basler Mission in Indien wirkte, vor allem im Malabar-Gebiet. Dort war er bis Ende der 1940er Jahre die zentrale Führungsperson der Basler Mission. 1949 kehrte er nach Basel zurück, um als Indien-Inspektor tätig zu sein. Eine geplante Rückkehr nach Indien konnte er aufgrund seines Todes 1951 nicht mehr antreten.

Leben und Herkunft Adolf Streckeisen wurde am 1. April 1895 in Basel geboren, als Sohn von Adolf Streckeisen und Clara Burckhardt. Zu seinen Geschwistern zählte Albert Streckeisen. Er entstammte einer akademisch geprägten Familie und zeigte schon in seiner Jugend ein starkes religiöses Interesse, das ihn schliesslich zum Theologiestudium führte. Sein theologisches Studium begann er mit einem intensiven Jahr Hebräisch in Bethel bei Bielefeld, einem bedeutenden Zentrum kirchlicher Ausbildung in Deutschland.Aus der Studentenakte (Signatur LkA EKvW 13.99 Nr. 1656) und einem entsprechenden Eintrag im Matrikelbuch (LkA EKvW 13.99 Nr. 173) geht hervor, dass sich Adolf Streckeisen zum Sommersemester 1914 für ein Theologiestudium einschreiben ließ (Sprachkenntnis nur Graecum). Hinweise darauf, dass er das Studium – direkt zu Beginn des Ersten Weltkriegs – tatsächlich aufnahm oder abschloss, sind in der Akte und im Matrikelbuch (überprüft bis 1920) nicht vorhanden (Stand: 2025-10-09) Er setzte dieses bis 1919 in BaselStaatsarchiv Basel-Stadt, Akte „Streckeisen, Adolf, stud. theol., Basel“, Signatur: PA 182a B 44, B 1005, Digitaler Lesesaal: https://dls.staatsarchiv.bs.ch/records/421553 und ZürichTheologische Konkordatsprüfungen, 1919. In: Staatsarchiv des Kantons Zürich. Signatur Archivplan: T 30.7 (Teil 59). Abgerufen am 25. September 2025. fort, wo er an der Klosbachstrasse 103SAC Sektion Basel, Jahresbericht 1918, S. 46, Eintrag: Mitglied des SAC seit „1916 Streckeisen, Adolf, stud. theol., Zürich, Klosbachstr. 103“, Digitalisiert verfügbar unter: https://www.sac-basel.ch/publikationen/Jahresberichte/Jahresbericht_1918.pdf#page=46 bei Pfarrer Hans Kober wohnte. Adolf Streckeisen wurde am 11. Januar 1920 in Zürich ordiniert.„Matrikel oder Verzeichniss der hier in Zürich vom Kirchenrath feyerlich zum christlichen Lehramte ordinierten vom Jahre 1798 an“, handschriftliche Eintragung zur Ordination von Adolf Streckeisen am 11. Januar 1920. Evang.-ref. Landeskirche des Kantons Zürich, Zürich. Unveröffentlicht.

Nach Abschluss seines Studiums war er als Pfarrverweser von Pfarrer Hermann BachmannEmanuel Dejung, Willy Wuhrmann: Zürcher Pfarrerbuch 1519–1952, Zürich 1953. in Hirzel tätig.Nach den Protokollen der Kirchenpflege Hirzel war Adolf Streckeisen vom 20.10.1919 bis 20.1.1921 als Vikar für Pfarrer Bachmann im Hirzel tätig, der während dieser Zeit beurlaubt war, um eine Sekretärstelle bei einer englischen christlichen Studentenbewegung einzunehmen. Dann als Jugendsekretär beim CVJM in Wien, bevor er sich für den Dienst als Missionar bei der Basler Mission entschied.

Missionarischer Dienst in Indien Ab 1924 war er 25 Jahre lang in Südindien tätig, wo er in der malabarischen Kirche und später in der vereinigten Kirche von Südindien massgeblich am Aufbau und an der Leitung mitwirkte. 1926 heiratete er in Palghat Anna Jungck und hatte zwei Kinder.Adolf Streckeisen war mit Anna Jungck verheiratet, die Schwester von Gertrud Fanny Jungck, der Ehefrau seines Bruders Albert Streckeisen. Damit bestand eine geschwisterliche Verbindung zwischen den beiden Familienzweigen über die Schwestern Jungck.

Ab 1936 hatte er in Indien das Amt des General-PräsesLeiter der evangelischen Missionsgesellschaft in Indien. der Basler Mission inne. Seine Dienststationen in Indien waren: 1924–1926 Calicut, 1926–1929 Palghat, 1930–1935 Calicut, 1936–1940 NetturNettur ist heute ein Ortsteil der Stadt Thalassery (früher Tellicherry) im indischen Bundesstaat Kerala.-Tellicherry, 1940–1946 Calicut und von 1947 bis 1949 wiederum Calicut.Persönliche Mitteilung des Archivars der Mission 21.

Die Vereinigte Kirche von Südindien wurde 1947 als weltweit erste Unionskirche gegründet. Sie vereinte anglikanische, reformierte und methodistische Kirchen Südindiens zu einer neuen ökumenischen Kirchenstruktur mit Sitz in Chennai. Diese Bewegung symbolisierte den tiefgreifenden kirchlichen Wandel und ökumenischen Aufbruch im südindischen Raum, der von vielfältigen kulturellen und religiösen Traditionen geprägt ist. Gerade die malabarische Kirche, Teil der uralten Thomaschristen im Südwesten Indiens, bot einen wichtigen historischen und liturgischen Bezugspunkt für die Missionsarbeit. In der Zeit seines Dienstes erlebte die Region zudem bedeutende politische Umbrüche, darunter die Unabhängigkeit Indiens und die Herausforderungen des Zweiten Weltkriegs, die auch die Missionsarbeit und die Haltung der Basler Mission gegenüber nationalsozialistischen Einflüssen prägten.

Während des Zweiten Weltkriegs setzte sich Streckeisen für die humane Behandlung deutscher Missionare während der Internierung ein und kämpfte gegen die Einflussnahme nationalsozialistischer Organisationen auf die Missionsarbeit. Zudem trug er zur Wahrung der Unabhängigkeit und Neutralität der Basler Mission in Indien bei und übernahm seelsorgerische sowie administrative Aufgaben während dieser herausfordernden Zeit.Paul H. von Tucher, German Missions in British India: Nationalism: Case and Crisis in Missions, 1980.A. Koller, Mission in neuer Mission? Die Basler Mission und die Herausforderung nach 1945, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2017.

Leitungsfunktionen und Rückkehr nach Basel Nach der Rückkehr nach Basel im Jahr 1949 übernahm er Leitungsaufgaben in der Basler Mission. Seine erneute Ausreise nach Indien wurde durch seinen plötzlichen Tod am 10. August 1951 vereitelt. Streckeisens Wirken war geprägt von tiefem Glauben, selbstloser Hingabe und dem Engagement, die Lebensmacht Jesu Christi durch eine lebendige Kirche besonders in Indien zu vermitteln.

Bedeutung im Kontext der Unabhängigkeit Indiens Adolf Streckeisen war in der Zeit des politischen Wandels nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 aktiv in der missionsbezogenen Kirchenarbeit.Köller, Andreas: Mission in neuer Mission? Die Basler Mission in Indien vor den Herausforderungen von Dekolonisation und Ökumene, 1947–1972, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2017, S. 123–145. Online verfügbar unter: https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/81000/ssoar-2017-koller-Mission_in_neuer_Mission_Die.pdf?sequence=1 Er setzte sich für die Selbstverwaltung und Unabhängigkeit der indischen Kirchen ein und unterstützte die Abgrenzung der Mission von der Kirche als eigenständigen Akteur. Sein Wirken steht im Kontext der Umbrüche und Herausforderungen, die sich für die Missionsarbeit und die einheimischen Kirchen mit der politischen Souveränität Indiens ergaben.

Diese Phase war geprägt von der Abkehr kolonialer Strukturen und der Hinwendung zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Mission und einheimischer Kirchenleitung. Streckeisen nahm an bedeutenden Sitzungen wie der Vollversammlung des Indischen Nationalen Christenrates 1950 in Nagpur teil, die zentrale Weichenstellungen für die Missions- und Kirchenarbeit in einem unabhängigen Indien setzte.

Sein Engagement spiegelt die Transformation der Missionsarbeit nach der Kolonialzeit wider, mit Fokus auf ökumenische Einheit, ökonomische Selbstständigkeit der Kirchen und pastorale Neuorientierung.Bericht in: Evangelisches Missions-Magazin. Neue Folge, 1951, S. 120–123, Autor: A. Streckeisen. Darstellung der konstitutiven Vollversammlung des INCC 1950 und der wichtigen Weichenstellungen für die christliche Kirche in einem neuen unabhängigen Indien.

Tod mini|Grab, Wolfgottesacker in Basel. Anton Streckeisen starb am 10. August 1951 bei einem Ferienaufenthalt am Vierwaldstättersee und wurde auf dem Friedhof Wolfgottesacker in Basel bestattet.

Schriften

The unification of the churches in South India. In: Wholeness in Christ. Balmatta, Mangalore : Karnataka Theological Research Institute, 1985, S. 297–311.S. 297: This article was first published in German in Missions Magazine in 1951, shortly before Rev. Streckeisen's death. Der Text behandelt die Vereinigung der Kirchen in Südindien, insbesondere den historischen Kontext, die Herausforderungen und die theologischen sowie organisatorischen Grundlagen dieses Prozesses. Meditations on the epistle to the Romans. Mangalore : Basel Mission Press, 1952.Meditations on the epistle to the Romans ist eine geistliche Auslegung und Meditation zum biblischen Römerbrief des Apostels Paulus, die zentrale theologische Themen wie Rechtfertigung, Gesetz und Gnade im christlichen Glauben reflektiert. Das Werk richtet sich an Leser zur spirituellen Vertiefung und theologischen Betrachtung. Zur politischen, wirtschaftlichen und religiösen Lage in Indien. In: Evangelisches Missions-Magazin. Neue Folge. 1951. S. 18–21. Eine wichtige Sitzung des indischen nationalen Christenrates. In: Evangelisches Missions-Magazin. Neue FolgeEvangelisches Missions-Magazin. Ab 1951, Basel. Untertitel variierend: „Neue Folge“ (nur 1951, Nr. 1), sowie „in Verbindung mit Emanuel Kellerhals und Adolf Streckeisen, Basel“.. 1951, S. 120–123.Der Bericht ist ein historischer Zeuge des Dekolonisationsprozesses innerhalb von Mission und Kirche und hat somit hohe Bedeutung für die Missionsgeschichte und die Geschichte des christlichen Kolonialismus.Zentrale Vollversammlung des Indischen Nationalen Christenrates (INCC), Nagpur, Ende Oktober 1950. Erste Sitzung nach der politischen Unabhängigkeit Indiens. Beratung und Neuorientierung der christlichen Arbeit in Indien. Beschlüsse zur Mission, Kirche, ökonomischer Selbstständigkeit und pastoralen Herausforderungen. Das geistliche Haus der Gemeinde. In: Evangelisches Missions-Magazin. Neue Folge. 1951. S. 133–135. Die christliche Botschaft in Indien. Basel: Missionsbuchhandlung. 1947.Dieser Schrift liegen vier Vorträge zu Grunde, die unter dem Titel "Indien - heute" als Missionsstunden in Bern gehalten wurden Meditations on the epistle to the Romans. [S.l.] : Malayalam Christian Literature Committee, 1945. Unter den Kastenlosen in Malabar. In: Das Kreuz im Landes des Lotus. Dresden : 1936. S. 41–48. Unter den Aussätzigen in Chevayur. Stuttgart: Evang. Missionsverlag. 1928.Chevayur ist heute ein Ortsteil der Stadt Kozhikode, früher Calicut, im südindischen Bundesstaat Kerala. Es liegt im Malabar-Gebiet an der Küste des Arabischen Meeres. Chevayur gehört zum Distrikt Kozhikode und beherbergt bedeutende medizinische Einrichtungen, darunter ein bekanntes Leprakrankenhaus.1931: Calicut 190 patients were housed in 12 blocks - exceeding the maximum capacity by 20. The asylum was run by the Basel Mission, and financed by Mission for Lepers and Madras Government funds. The Honorary Superintendent was Rev A Strecheisen, and the physician was Dr WF Joseph. There was also one medical assistant. Source: League of Nations Archive: File 29098.

Literatur

Andreas Köller: Mission in neuer Mission? Die Basler Mission in Indien vor den Herausforderungen von Dekolonisation und Ökumene, 1947–1972. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2017, S. 123–145.Ausführliche Behandlung von Streckeisen als führende Figur der Basler Mission in Malabar. Paul H. von Tucher, Nationalism: Case and Crisis in Missions – German Missions in British India 1939–1946. Diss. Erlangen 1980, Selbstverlag.

Karl Hartenstein: In piam memoriam: Adolf Streckeisen. In: Evangelisches Missions-Magazin. Neue Folge. 95, 1951. S. 129–133. oh: Missionsspektor Adolf Streckeisen. In: Die Tat, 1951.