Der Mandelbaum (Prunus amygdalus, Synonym: Prunus dulcis () , nom. illeg. non Prunus dulcis ) ist eine Pflanzenart der Gattung Prunus in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Seine Samen, die Mandeln, auch Mandelkerne genannt, werden als Nahrungsmittel und Kosmetikum genutzt.
Etymologie Der botanische Name Prunus entstammt dem lateinischen Namen für „Pflaume“, prunum, welches sich aus dem altgriechischen Wort προῦμνον proumnon herleitet. Der Artname amygdalus bezieht sich auf den Namen der Gattung, in die Linnaeus die Art ursprünglich einordnete. (Im Mittelalter wurde der Mandelbaum Amigdalus genannt,Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 156 (Amigdale amare). der Mandelkern AmygdalumGundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 421 (Mandelkern: Der Same von Prunus amygdalus Stoke).).
Das deutsche Wort Mandel ist ein Lehnwort, das über das italienische mándorla auf lateinisch amygdala (auch amigdalaVgl. Wouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 198 f.Vgl. auch Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 33 (Amigdalus „mandell baum“).) zurückgeht, dessen griechischer Ursprung ἀμυγδάλη amygdálē den Mandelbaum wie auch dessen Frucht bezeichnet. Die weitere Wortherkunft ist ungeklärt. Sprachliche Verwandtschaft besteht zu englisch almond, Französisch amande, Spanisch almendra und den entsprechenden Wörtern in weiteren Sprachen.
Beschreibung mini|Illustration des Mandelbaumes (Prunus amygdalus); Köhler’s Medizinal-Pflanzen 1897 Vegetative Merkmale Prunus amygdalus wächst als sommergrüner, aufrechter, locker belaubter Baum oder Strauch und erreicht Wuchshöhen von (2 bis) 3 bis 8 (bis 11) Meter. Die Borke ist grau-braun, der Stammdurchmesser kann bis zu 100 Zentimeter betragen, die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt ca. 70–80 Jahre, kann aber bis zu 150 Jahre betragen. bei California Polytechnic State University, abgerufen am 9. August 2017. Der Stamm junger Bäume weist eine ausgeprägte Ringelborke auf, im Alter wird sie unregelmäßig längsrissig.Annette Höggemeier & Veit Martin Dörken: Prunus dulcis – Mandelbaum (Rosaceae). In: Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 7, 2016, 299–302 online (PDF; 850 kB). Die Rinde junger Zweige ist kahl, erst grün, dann rötlich, die der Vorjahreszweige ist bräunlich, später gräulich-braun bis gräulich-schwarz. Die Äste sind aufrecht oder horizontal ausgebreitet mit vielen kurzen Zweigen. Die bräunlichen, eiförmigen Winterknospen sind 3 bis 5 Millimeter lang und unbehaart.
Die dunkelgrünen, glänzenden Laubblätter sind verschieden angeordnet; an den vorjährigen Zweigen sind sie meist wechselständig, an den Kurztrieben sind sie einander genähert und oft in Büscheln konzentriert. Alle Blätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der meist 1 bis 2, selten bis zu 3 Zentimeter lange, unbehaarte, rippige Blattstiel besitzt an seinem oberen Ende zwei bis vier gerundete Nektardrüsen. Die Blattspreite ist einfach, teils ungleich und 3 bis 8, selten bis 12 Zentimeter lang und 1 bis 3 Zentimeter breit, eilanzettlich bis lanzettlich und am oberen Ende spitz bis kurz zugespitzt, auch rundspitzig. Die Basis der Blattspreite ist keilförmig bis gerundet, der Blattrand ist feingekerbt bis -gesägt. Die Blattoberfläche hat anfangs eine leichte, weiche Behaarung, später verkahlt sie. Die Aderung ist gefiedert, der Hauptnerv ist ausgeprägt. Die jungen Blätter sind eingefaltet (conduplicat).
Generative Merkmale mini|Typisch fünfzählige Blüte mini|Aufgesprungene reife Steinfrucht mit fast bloßliegendem Putamen Die vor der Laubentfaltung sich öffnenden Blüten stehen einzeln oder zu zweit. Die Blütezeit beginnt oft schon im Januar und reicht bis in den April. Der kahle, sehr kurze Blütenstiel ist anfangs 3 bis 4 Millimeter lang und vergrößert sich bis zur Fruchtreife auf 4 bis 10 Millimeter.
Die zwittrigen, radiärsymmetrischen, fünfzähligen Blüten besitzen ein doppeltes Perianth und sitzen auf einem becherförmigen Blütenbecher (Hypanthium). Dieser ist außen kahl, (selten 5 bis) 6 bis 8 Millimeter lang und 3 bis 5 Millimeter dick. Die fünf ganzrandigen, grün-rötlichen Kelchblätter sind 5 bis 6 Millimeter lang, eilanzettlich, spitzig bis stumpf, außen kahl und im Randbereich flaumig behaart. Die fünf freien, weißen bis rosafarbenen Kronblätter sind in eine stumpfe bis ausgerandete, verkehrteiförmige, elliptische bis rundliche Platte mit einer Länge von 1,2 bis 2 Zentimetern und einer Breite bis 1,7 Zentimeter und einen kurzen Nagel gegliedert. Die Blüten haben etwa einen Durchmesser von 3 bis 5 Zentimetern. Die vielen am Rand des Blütenbechers sitzenden Staubblätter sind ungleich lang, die Staubfäden sind rötlich bis weiß, mit gelben, dorsifixen Staubbeuteln. Der mittelständige,Matthias Baltisberger, Reto Nyffeler, Alex Widmer: Systematische Botanik. 4. Auflage, vdf, 2013, ISBN 978-3-7281-3525-4, S. 203. einkammerige Fruchtknoten mit zwei Samenanlagen ist dicht wollig behaart. Der Griffel ist länger als die Staubblätter, die Narbe liegt aber tiefer als die Staubbeutel.
Die fein graufilzig, samtig behaarten, anfangs hellgrünen, später dunkelbraunen, lederigen, festen Steinfrüchte sind seitlich abgeflacht, ungleich eiförmig bis schmaleiförmig und weisen eine Länge von 3 bis 5 cm und einen Durchmesser von 2 bis 3,5 cm auf. Das dünne, bräunliche, trockene und faserige sowie ungenießbare Mesokarp springt bei der Reife an der Bauchnaht mittig auf. Der beige, hellbraune Steinkern (Putamen) mit holzigem, dickem Endokarp ist seitlich abgeflacht und ungleich eiförmig, 2,5 bis 4 cm lang und ca. 2–3 cm breit und 3 bis 5 Gramm schwer, sprödhart, sehr hart bis weich.Heimische Eßmandeln bei Gartenakademie Rheinland-Pfalz, abgerufen am 10. August 2017. Die Bauchnaht ist bootförmig gebogen und mehr oder weniger bespitzt; die Rückennaht ist nur leicht gebogen; die Oberfläche ist glatt, gelöchert und wenig gefurcht. Die runzligen Samen (die Mandeln) besitzen eine dünne, orange-bräunliche Samenschale (Testa) und einen cremefarbenen Kern (Endosperm); sie sind seitlich abgeflacht, eiförmig, teils bespitzt, etwa 1,8–2,5 cm lang und 1,1–1,3 cm breit sowie 7–10 mm dick und 0,8–1,4 Gramm schwer;Erin Kelly Monaghan: Chemical Composition and Protein Antigenicity Almond (Prunus Dulcis) and Macadamia Nut (Macadamia Integrifolia) Seeds. Dissertation, Florida State University, 2008, online (PDF; 6,65 MB). sie schmecken süß oder bitter. Die Früchte reifen von Juli bis August.
Der Mandelbaum ist diploid mit einer Chromosomenzahl von 2n = 16.
Der Mandelbaum gedeiht am besten in mediterranem Klima mit warmen, langen und trockenen Sommern und milden, kurzen, sowie feuchten Wintern mit kurzem Frost. Die optimale Temperatur liegt zwischen 15 und 30 °C. Er verträgt kurze, leichte Frühlingsfröste, aber keine Staunässe. Er bevorzugt durchlässige, humus- und nährstoffreiche, lehmige, sandige, leicht kalkhaltige Böden, welche die Feuchtigkeit gut halten. Der pH-Wert sollte in neutralem bis leicht saurem Bereich liegen. Er wächst bis in Höhen von 1800 Metern.
Systematik mini|Aufgebrochener und verschlossener Steinkern mit Samen des Mandelbaums mini|Die Frucht des Mandelbaums enthält manchmal zwei Samen Der Mandelbaum gehört innerhalb der Gattung Prunus zur Untergattung Amygdalus, die von einigen Autoren auch als eigene Gattung Amygdalus behandelt wird. Der gültige wissenschaftliche Name der Mandel in der Gattung Amygdalus (Amygdalus communis ) wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht. Unter Prunus steht die 1882 publizierte Kombination Prunus communis jedoch nicht zur Verfügung, weil dieser Name das jüngere Homonym des 1778 entstandenen Namens Prunus communis ist, das als Synonym der Pflaume (Prunus domestica) zuzurechnen ist.
Das nächste verfügbare Epithet wurde 1768 von Philip Miller als Amygdalus dulcis eingeführt; die Kombination Prunus dulcis wurde aber erst 1967 durch David Allardice Webb veröffentlicht, und auch dieser Name war damals schon ein jüngeres Homonym, in diesem Fall von einem bereits 1878 durch L'Abbé Rouchy veröffentlichten Namen für eine Kirsche. Die älteste verfügbare Kombination is also Prunus amygdalus, von August Batsch 1801 publiziert.
Weitere Synonyme für Prunus amygdalus sind: Amygdalus amara , Amygdalus sativa
Varietäten
Die Art Prunus amygdalus (= Kulturmandel) unterteilt sich in mindestens drei Varietäten: Prunus amygdalus var. dulcis = Süßmandel mit süß schmeckenden Samen (früher amygdalae dulces genannt) Prunus amygdalus var. fragilis = Krachmandel mit süß schmeckenden Samen, mit dünner, brüchiger Schale Prunus amygdalus var. amara = Bittermandel mit bitter schmeckenden, schon in kleineren Mengen giftigen Samen (früher amygdalae amarae genannt). Sie enthalten das Gift Amygdalin, aus dem durch das Enzym β-Glucosidase sehr giftige Blausäure (HCN) entsteht.
Natürliche Verbreitung und Standort
Der Mandelbaum stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Südwestasien; seine natürlichen Standorte sind Gebüsche an sonnigen Hängen auf steinigen Böden in einer Höhenlage von 700 bis 1700 m. Die Wildvorkommen reichen von der Levante über Nord- und Ost-Anatolien, Süd-Kaukasien, Nord-Irak, Iran bis Süd-Turkmenistan, Kirgisistan und Usbekistan. Allerdings ist die Unterscheidung von Wild- und verwilderten Vorkommen schwierig.
In Deutschland wurden Mandelbäume traditionell in der Vorderpfalz angebaut und die Mandelernte erwerbsmäßig bis etwa 1940 betrieben. Dabei wurden die Sorten in Krachmandeln mit poröser, leicht zu knackender Schale und hartschalige Steinmandeln unterschieden.Philipp Eisenbarth: Süßmandel 'Dürkheimer Krachmandel' Pfälzer Obstbaum des Jahres 2013,
Darüber hinaus reift die Mandel in Mitteleuropa in Weinanbaugebieten: Dort wurde sie wahrscheinlich zusammen mit dem Wein von den Römern eingeführt. Eine deutsche Sorte ist die Dürkheimer Krachmandel.
Wirtschaftliche Bedeutung
Im Jahr 2023 wurden weltweit 3.513.970 Tonnen Mandeln (mit Schale) geerntet. Die zehn größten Produzenten ernteten gemeinsam 88,8 % der Welterntemenge. Die Vereinigten Staaten von Amerika ernteten allein 51,0 %.Erntestatistik der FAO von 2023, Crops and livestock products, primary > Almonds, in shell, fao.org, abgerufen am 6. Dezember 2025
Die Erntemengen 2023 laut Faostat, der Statistikabteilung der Welternährungsorganisation FAO:
+ Größte Mandelproduzenten 2023 Produktionsland Menge in t 1.791.690 297.660 260.000 170.000 146.059 146.059 102.414 77.680 70.939 69.638 Summe Top Ten 3.121.512 restliche Länder 16.184
Nutzung mini|Strukturformel von D-Amygdalin, ein giftiges, Blausäure abspaltendes Glycosid mini|Kleine Anbaufläche