Emil ist ein männlicher Elch, der im Jahr 2025 vermutlich von Polen nach Tschechien aufgebrochen und auf der Suche nach einem passenden Revier durch insgesamt fünf Länder gewandert ist. Er wurde erstmals Anfang Juni in der Region Opava in Tschechien gesichtet. Internet-Nutzer gaben ihm den Spitznamen Emil, der in der medialen Berichterstattung aufgegriffen wurde. Der Name bezieht sich angeblich auf Emil Zátopek, einen tschechischen Langstreckenläufer und vierfachen Olympiasieger.ORF, ZIB 2 am 26. August 2025. Der Elch drang auf seiner Wanderung auch in Dörfer und Städte vor und wurde in Tschechien und Österreich wiederholt von der Polizei begleitet, wenn er sich entlang von vielbefahrenen Straßen bewegte. Die Wanderung des Elchs wurde zum Gegenstand intensiver medialer Berichterstattung, nicht nur von Medien entlang der Migrationsroute, auch international wurde über Elch Emil berichtet. „Elch Emil“ wurde im Jahr 2025 zum österreichischen Wort des Jahres gewählt, wie die Gesellschaft für Österreichisches Deutsch (GSÖD) am 4. Dezember 2025 bekannt gegeben hat. „Elch Emil“ wurde mit 28,3 Prozent der Stimmen deutlich auf Platz 1 gewählt, vor „Veggie Würstl“ und „Rindfleischetikettierungsgesetz“.

Von seiner ersten Sichtung am 2. Juni bis zu seiner Betäubung legte der Elch eine Strecke von mehr als 500 Kilometern Luftlinie zurück. Am 22. September 2025 wurde Elch Emil gegen 05.30 Uhr mit einem Schuss aus einem Betäubungsgewehr sediert, als er sich bei Sattledt der West Autobahn genähert hatte. Das betäubte Tier wurde untersucht und mit einem am Geweih befestigten GPS-Sender und einer Ohrmarke versehen. Der Elch wurde in einem Anhänger in den Bezirk Rohrbach an den Rand des Böhmerwalds gebracht und dort in der Nähe der Grenze zu Tschechien und dem Nationalpark Šumava freigelassen. Mit dem GPS-Sender konnte die Bewegung des Elchs bis zum 1. Oktober von einem kleinen Kreis aus Wissenschaftlern nachverfolgt werden, bevor am 10. Tag das Betriebsende der Batterie des Senders erreicht wurde. Ein längeres GPS-Tracking hätte einen Forschungsantrag und eine Tierversuchsgenehmigung benötigt.

Die GPS-Daten zeigten, dass sich der Elch nach seiner Freilassung in nordwestliche Richtung durch das Gebiet des Nationalparks Šumava bewegte. Am 24. September hielt er sich im Gebiet der Gemeinde Stožec auf. Am Abend des 24. September wurde der Elch – unweit der Grenze zu Tschechien – in Bischofsreut in Bayern gesichtet. Der Nationalpark Bayerischer Wald, der auf deutscher Seite an den Nationalpark Šumava angrenzt, bestätigte am 27. September, basierend auf den Daten des GPS-Trackings, dass sich der Elch im Grenzgebiet zwischen den beiden Nationalparks aufhielt. Am 1. Oktober wurde der Elch am Rande des Nationalparks Bayerischer Wald in Buchenau und Frauenau gesichtet. Um den 10. Oktober hat Elch Emil das Gebiet des Nationalpark Böhmerwald verlassen und seine Wanderung durch den Bezirk Klatovy in nördliche Richtung fortgesetzt. Seit der Betäubung und Freilassung hat der Elch mit Stand 18. Oktober 2025 weitere 150 Kilometer zurückgelegt, dokumentiert durch Sichtungen und GPS-Tracking.

Verlauf der Wanderung

Das genaue Geburtsareal des jungen Elchs ist nicht bekannt, wird aber in Polen vermutet, wo es eine mehr als 40.000 Tiere umfassende Elch-Population gibt. Erstmals öffentlich bekannt wurde eine Sichtung des Elchs am 2. Juni 2025, als er von Einwohnern von Ludgeřovice in der Region Opava gesehen wurde. Der Elch durchquerte auf einer Straße den Ort, übersprang einen Gartenzaun und hielt sich für mehrere Stunden im Garten eines Hauses auf. Bei der ersten Sichtung gab es Überlegungen, den Elch zu betäuben und in den Nationalpark Böhmerwald zu bringen, wo es eine kleine Elchpopulation gibt. Der Elch verschwand jedoch im Wald, bevor er betäubt werden konnte.

Ausgehend von Nordmähren wanderte der Elch vorwiegend in südwestlicher Richtung durch Tschechien. Für ein oder zwei Tage überschritt der Elch bei Skalica auch die Grenze zur Slowakei. Am 15. August überquerte er in Hodonín in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs die Gleise, der Zugverkehr wurde deshalb vorübergehend eingeschränkt.

Am 18. August wurde der Elch auf seiner Wanderung bei Großkrut erstmals in Österreich gesehen. Am 23. August hielt sich der Elch am Bahnsteig des Bahnhofs Bisamberg auf und sorgte damit entlang der Nordwestbahn zwischen Wien-Strebersdorf und Korneuburg für eine kurzfristige Unterbrechung des Zugverkehrs. Am 24. August durchschwamm er bei Klosterneuburg die Donau und erreichte den Bezirk Tulln in Niederösterreich. Am 6. September hielt er sich mehrere Stunden auf einer Brachfläche im Stadtgebiet von St. Pölten auf, wo er von zahlreichen Menschen bestaunt wurde. In den Abendstunden wurde er im Gleisbereich unweit des Hauptbahnhof von St. Pölten gesichtet, der Zugverkehr an der Westbahnstrecke wurde deshalb für mehrere Stunden gestoppt. In den Abendstunden des 9. September durchquerte er die Donau und wurde daraufhin in Klein-Pöchlarn, nördlich der Donau gesehen. In den frühen Morgenstunden des 10. September durchschwamm er die Donau erneut und wurde daraufhin südlich der Donau in der Marktgemeinde Krummnußbaum gesehen. Am 19. September durchschwamm Elch Emil in den Morgenstunden bei Ernsthofen die Enns und erreichte damit im Bezirk Linz-Land das Bundesland Oberösterreich.

Kolportierte Pläne der oberösterreichischen Landesregierung (konkret der eigens eingerichteten „SOKO Elch“), Emil zu betäuben und an die tschechische Grenze zu bringen, stießen auf massive Kritik durch Tierschützer. Von einer Betäubung oder gar einem Abschuss wurde zunächst abgesehen. Nachdem er sich am 22. September beim Knoten Voralpenkreuz bei Sattledt der West Autobahn A1 genähert hatte, wurde er betäubt und an den Rand des Böhmerwaldes in den Bezirk Rohrbach gebracht, unweit des tschechischen Nationalparks Šumava, wo es eine Elchpopulation gibt.

Die Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik hatte schon in der Vergangenheit Wanderungen von Elchen in Tschechien beobachtet und dabei festgestellt, dass sich das Verhalten der Tiere ändert, wenn sie dicht besiedelte Gebiete erreichen. Sie verlieren ihre Scheu und überqueren regelmäßig auch stark befahrene Straßen. Dass Emil der Elch nur wenig Scheu vor Menschen zeigt, sei kein ungewöhnliches Verhalten, betont auch der schwedische Zoologe Martin Hammarsten. Vor allem junge Elche, die nach dem ersten Lebensjahr keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter haben, würden genau dieses Verhalten zeigen.

Die tschechische Naturschutzbehörde warnte die Bevölkerung davor, den Elch zu erschrecken oder sich ihm zu nähern. Auch die Polizei in Österreich hat dazu aufgerufen, den Elch nicht zu verfolgen.

Orte, an denen der Elch Emil gesichtet worden ist Sichtungen in Tschechien 2. Juni – Ludgeřovice 19. Juni – Ostrava (Martinov) 22. Juni – Zbyslavice, Bítov 29. Juni – Lukov 4. Juli – Zlín (Příluky) 5., 7., 11. Juli – Želechovice nad Dřevnicí 13. Juli – Ludkovice, Biskupice 14. Juli – Uherský Brod (Těšov) 15. Juli – Boršice u Blatnice, Dolní Němčí 16. Juli – Javorník 20. und 21. Juli – Korytná 22. und 23. Juli – Nivnice 2. August – Hluk, bei Ostrožská Lhota 3. August – Veselí nad Moravou 5. August – zwischen Veselí nad Moravou und Kozojídky 11. August – zwischen Tvarožna Lhota und Strážnice, Mlýnky, Skalica (Slowakei) 13. August – Sudoměřice 14. August – zwischen Rohatec und Hodonín 15. August – Hodonín, Josefov 17. August – Břeclav

Sichtungen in Österreich 18. August – Großkrut 19. August – Mistelbach 21. August – Gaweinstal (Pellendorf) 22. August – Harmannsdorf (Würnitz, Mollmannsdorf) 23. August – Korneuburg 24. August – Langenzersdorf, Klosterneuburg (Durchquerung der Donau) 25. August – Maria Gugging, Sankt Andrä-Wördern (Hadersfeld) 26. August – Sankt Andrä-Wördern 27. August – Tulbing (zwischen Chorherrn und Frauenhofen) 28. August – Baumgarten am Tullnerfeld (Freundorf) 29. August – Michelhausen (Pixendorf), Sieghartskirchen (Plankenberg) 30. August – Würmla 31. August – Perschling, Kapelln 2. September – Maria Jeutendorf 5. September – Pottenbrunn, Radlberg (Stadtteile von St. Pölten) 6. September – St. Pölten 9. September – Melk, Klein-Pöchlarn (Durchquerung der Donau) 10. September – Marbach an der Donau (Krummnußbaum an der Donauuferbahn), Krummnußbaum (Durchquerung der Donau) 13. September – Ferschnitz 15. September – Sonntagberg 16. September – Sonntagberg (Rosenau am Sonntagberg) 17. September – Wolfsbach (Niederösterreich) 18. September – Stadt Haag, St. Valentin (Niederösterreich) 19. September – Ernsthofen, Kronstorf, Hargelsberg (Durchquerung der Enns) 20. September – Schiedlberg, Neuhofen an der Krems 21. September – Kremsmünster 22. September – Sattledt, Bezirk Rohrbach (Betäubung und Transport)

Sichtungen in der Grenzregion Deutschland/Tschechien

24. September – Haidmühle (Bischofsreut) 1. Oktober – Lindberg (Buchenau), Frauenau 11. Oktober – Hartmanice 13. Oktober – Běšiny (Rajské) 14. Oktober – Vrhaveč (Neznašovy) 18. Oktober – Mochtín (Kocourov), Čachrov (Jesení) 27. Oktober – Prášily

Sichtungen in Oberbayern Am Pfingstwochenende im Mai 2026 wurde „Emil“ in der Region um das oberbayerische Dorfen und im Ebersberger Forst gesehen, zuletzt am Pfingstmontag (25. Mai 2026) in Berganger im Landkreis Ebersberg; seither ist der Elch spurlos verschwunden. Ein Ebersberger Revierjäger äußerte den Verdacht, dass „Emil“ illegal erschossen wurde.Merkur.de: „Schaut uns gmiatlich an und frisst“: Promi-Elch in Oberbayern gesichtet, 24. Mai 2026, abgerufen am 2. Juni 2026tz: Elch in der Nähe von München gesichtet: „Extrem außergewöhnlich“, 26. Mai 2026, abgerufen am 2. Juni 2026Merkur.de: „‚Etwas schiefgelaufen‘: Abschuss-Sorge um verschwundenen Elch Emil“, 5. Juni 2026, abgerufen am 9. Juni 2026

Hintergründe zur Elch-Wanderung

Elche in Mitteleuropa Der Elch ist – nach dem Wisent – das zweitgrößte Landsäugetier, das in Europa heimisch ist. Paläozoologische und archäologische Untersuchungen zeigen, dass der Elch nach dem Ende der letzten Eiszeit in weiten Teilen von Europa verbreitet war. Am Höhepunkt der Verbreitung im Frühholozän waren Elche von den Pyrenäen bis nach Dänemark und von Großbritannien bis Österreich zu finden. In Österreich sind 107 Fundstellen mit Elch-Überresten bekannt, die belegen, dass der Elch vom Tarantium bis zum Beginn des Mittelalters vorgekommen ist. Während des Holozäns ist der Elch allmählich aus Mitteleuropa verschwunden. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Neben den Jagdgewohnheiten des Menschen waren dafür auch Vegetations- und Klimaveränderungen sowie die zunehmende Besiedlung der Landschaft durch den Menschen entscheidende Faktoren.

In Böhmen wurde der Elch zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert weitgehend ausgerottet. Der letzte in Böhmen lebende Elch wurde im Jahr 1570 in der Nähe der Stadt Děčín erlegt. Nur in wenigen besonders unzugänglichen Lebensräumen konnten Elche bis in die Neuzeit überleben. Vereinzelte Elch-Bestände in Sachsen, Galizien, Schlesien und im Baltikum verschwanden im Laufe der Jahrhunderte. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Elche in Europa nur mehr in Fennoskandinavien, Polen und Russland. In der Sowjetunion wurden die letzten vorhandenen Elchvorkommen im Jahr 1919 unter Jagdschutz gestellt, was zu einer Erholung der Bestände und in weiterer Folge zur Wiederausbreitung führte.

Ab dem Jahr 1957 wanderten Elche ausgehend von Polen wieder nach Tschechien ein. Anfangs konnten ausschließlich männliche Elche nachgewiesen werden. In Österreich wurde im Frühling 1966 im Mühlviertel erstmals eine Elchkuh gesichtet, die mehrere Monate lang durch das Land wanderte, bevor sie Ende Oktober unweit der Stadt Gmünd erlegt wurde. Im Jahr 1974 konnte in Südböhmen erstmals ein Elchkalb nachgewiesen werden. Der Fortpflanzungserfolg markiert die Etablierung einer fortpflanzungsfähigen Elchpopulation in Mitteleuropa.