mini|Stadtmuseum Riesa (2022) Das Stadtmuseum Riesa ist ein 1923 eröffnetes Museum in Riesa im Landkreis Meißen. Es befindet sich im Haus Poppitzer Platz 3, einer ehemaligen Artillerie-Kaserne der Garnison Riesa.
Museumsgeschichte Schon der Stauchitzer Rittergutsbesitzer Ludwig Eduard Viktor von Zehmen (1812–1892) sammelte während des Baus der Eisenbahnlinie Riesa–Döbeln gut erhaltene historische Gefäße bei begleitenden Ausgrabungen. Dank einer Spende des Kommerzienrats Carl Robert Schönherr aus Riesa konnte diese Sammlung im Jahr 1930 vor der Versteigerung für das Heimatmuseum Riesa erworben werden. Etwa fünfzig Jahre nach dem Eisenbahnbau setzte sich der Nünchritzer Oberlehrer Karl Ernst Peschel (1853–1927) für die Bergung vorgeschichtlicher Funde ein. Wie Wiegand hatte er nur Interesse an gut erhaltenen Gefäßen und schenkte den Scherben keine Beachtung. Durch das fehlende Interesse der Riesaer Stadtverwaltung zerstreute sich die Sammlung und ist, bis auf einige Stücke in Dresden, zum großen Teil verloren. Bis zur Zeit des Ersten Weltkriegs schlugen alle Bemühungen zur Gründung eines Heimatmuseums in Riesa fehl.
Im Jahr 1921 fanden sich einige Männer – darunter der Riesaer Fabrikant und Kunstmäzen Franz Xaver Hynek – zusammen, um sich für die Schaffung eines Heimatmuseums für Riesa einzusetzen. Umliegende Orte wie Gröba, Oschatz und Strehla besaßen zu diesem Zeitpunkt bereits ein Museum. Leitgedanke der Männer um Hynek war: „Nur wer seine Heimat in Gegenwart und Vergangenheit kennt, kann Heimatverständnis und Heimatliebe aufbringen.“ So gründeten sie im Oktober 1921 den „Verein Heimatmuseum Riesa und Umgebung e.V.“, der zum Trägerverein des Heimatmuseums werden sollte. Erster Vorsitzender des Vereins wurde der damalige Riesaer Bürgermeister Scheider. Zum achtköpfigen Vereinsvorstand zählte auch der Lehrer Alfred Mirtschin, der sogleich als Museumsverwalter vorgesehen wurde. Die Zahl der Vereinsmitglieder wuchs schnell – 1922 zählte der Verein schon 90 Mitglieder, darunter Unternehmer, Kaufleute, Handwerker, Lehrer und Beamte der Stadtverwaltung. Es herrschte eine rege Sammlungstätigkeit geeigneter musealer Objekte. So nahm der Vorstand allein bis April 1923 über 500 Objekte von 270 Spendern entgegen, die zunächst in den Wohnungen der Vorstandsmitglieder aufbewahrt werden mussten.
Einen ersten Raum für Ausstellungen stellte die Firma C.C. Brandt auf ihrem Fabrikgelände auf der Bahnhofstraße in einem Kontorraum zur Verfügung. Dadurch konnte der Verein ab 19. März 1922 an Sonntagen vormittags unentgeltlich Besichtigungen erlauben. Aus Platzmangel muss der Raum ab 29. November 1922 wieder für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Anlässlich des 300. Jahrestages der Stadtrechtsverleihung beschlossen die Riesaer Stadtväter schließlich 1923, einen Schlafsaal in der ehemaligen Artilleriekaserne am Poppitzer Platz für ein Heimatmuseum zur Verfügung zu stellen. Der abseits vom Zentrum gelegene Ort sollte zunächst nur eine Übergangslösung sein. Die Interimslösung erwies sich jedoch als dauerhaft. Noch vor der Eröffnung des Museums am 25. August 1923 schloss sich der Museumsverein Gröba dem Verein als Zweiggruppe an und übergab seinen gesamten Sammlungsbestand dem Heimatmuseum Riesa. Das Museum war anfangs an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat von 13 bis 15 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Schulklassen konnten mit ihren Lehrern an allen Schultagen vormittags ins Museum kommen.
Schon nach einigen Monaten zeigte sich, dass der Museumsraum nicht mehr ausreichte, um die vorhandenen Sammlungen geschlossen zu präsentieren und außerdem eine gewisse Sicherheit für die Musealien zu gewährleisten. Deshalb schrieb der Verein im Oktober 1923 ein Gesuch an den Rat der Stadt Riesa mit der Bitte, ihm noch die zwei über dem Museum befindlichen Stockwerke zur Verfügung zu stellen. Den Einbau einer Treppe und die Treppe selbst wollte man durch Sammlungen finanzieren. Das Ansinnen wurde im Februar 1924 bewilligt, am 12. April 1925 konnte das erweiterte Museum neu eröffnet werden. Ab diesem Zeitpunkt wurde erstmals ein Eintrittsgeld von 20 Pfennigen für Erwachsene erhoben. Da die Ausstellungsräume nicht beheizbar waren, musste das Museum im Winter geschlossen bleiben. Im Jahr 1929 wurde das Museum entscheidend umgestaltet. Der Neuzugang von Musealien sowie die vielen Funde für die prähistorische Abteilung machten diese Neuordnung und Ergänzung der geschichts- und der prähistorischen Abteilung erforderlich. Im Laufe der Jahre wurden der einstigen Kaserne immer mehr Räume für die wachsende Museumssammlung abgerungen. Die wichtigsten Abteilungen im Museum waren die Vorgeschichte, die Ortsgeschichte, Naturwissenschaften und die industrielle Entwicklung.
Unter dem Einfluss des Nationalsozialismus kamen Themen wie „Das Hakenkreuz im Laufe der Jahrtausende“, Deutschtum, Vererbungslehre, Sippenkunde, Ahnentafel, Stammbaum und Rassenfragen hinzu. 1938 wurde der Museumsverein aufgelöst, das Vereinsvermögen, insbesondere das Heimatmuseum, ging in städtischen Besitz über. Die Mitglieder wurden in den 1934 gegründeten „Verkehrs- und Verschönerungsvereins der Stadt Riesa e.V.“ überführt. Eine Begründung dafür war, dass man das Museum zum Kreismuseum des Landkreises Großenhain machen wollte. 1944 wurde vom Leiter der Luftschutzpolizei die Unterbringung der Sanitätsbereitschaft im oberen Museumsraum verlangt. Der halbe Raum wurde auf Reichskosten hergerichtet, Mirtschin musste die Bodenfunde in den benachbarten Gemeinden (Pausitz, Nickritz und der Schule in Quersa) auslagern. Im Januar 1945 wurde das Heimatmuseum geschlossen, die restlichen Exponate im Keller untergebracht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg diente ein Teil des Gebäudes als Wohnung für Familien bzw. als Auffangstelle für Umsiedler, im anderen waren Soldaten der Roten Armee untergebracht. Der Sammlungsbestand zeigte sich teilweise durcheinander, beschädigt oder zerstört. Nach einer Rückführung der ausgelagerten Exponate konnte ab dem 15. April 1946 das Heimatmuseum in den warmen Monaten wieder sonntags in der Zeit von 10 bis 12 Uhr geöffnet werden. Im Sommer 1952 wurden die in die Ausstellungssäle eingebauten Zwischenwände entfernt, alle Sammlungen geordnet und neu aufgestellt sowie die Räume renoviert. Am 27. Juli 1952 wurde das Museum feierlich wiedereröffnet. Mit der Kreisreform von 1952 lag das Museum nicht mehr im Kreis Großenhain, sondern war das Heimatmuseum im Kreis Riesa. Im Jahr 1953 konnten zwei Öfen in die Ausstellungssäle eingebaut werden. Damit wurde es erstmals möglich, das Museum ganzjährig zu öffnen. Eine erste Weihnachtsausstellung erwies sich als Besuchermagnet. 1955 wurde ein ehemaliger Schlafsaal im zweiten Obergeschoss dem Museum zur Verfügung gestellt, eine Gruppe von Rentnern baute eine Treppe ein, über die der Saal zu erreichen war. Die bedeutendste Neuerwerbung des Jahres 1956 war die Gesteinssammlung von Franz Hynek, die für 4.000 Mark in den Bestand des Museums überging und unmittelbar danach in einer Ausstellung gezeigt wurde. In der Zeit von 1957 bis 1959 wurden alle Dauerausstellungen einer gründlichen Überarbeitung unterzogen. 1960 verbesserten sich die Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit durch den Bau eines sogenannten Kulturraumes (heute Café). Zu Beginn der 60er Jahre wurde die Ur- und Frühgeschichtsausstellung modernisiert sowie die Stadtgeschichte völlig neu erarbeitet.
Eine bedeutende Erweiterung der Arbeits- und Ausstellungsmöglichkeiten brachte die Schaffung des „Ausstellungszentrums Riesa“ (AZ) im Saal der damaligen Gaststätte „Zur Traube“ anlässlich des 25. Jahrestages der Gründung der DDR 1974. Damit war es nun möglich, größere Sonderausstellungen zu organisieren und diese, bedingt durch die Lage des Hauses, im Zentrum der Stadt zu präsentieren. 1986 wurde das Gebäude von der Staatlichen Bauaufsicht gesperrt und das AZ geschlossen.
1984 gelang es, die komplette Einrichtung einer Schulklasse aus Röderau für das Museum zu übernehmen. In diesen Schulbänken aus der Zeit um die Jahrhundertwende wird seitdem historischer Unterricht gegeben. Bis zum Ende der DDR wurden die Mängel am Museumsbau immer größer. Die Säle waren durch Magazineinbauten zergliedert, die Keller feucht und das Dach an vielen Stellen undicht. Die Riesaer Stadträte beschlossen im November 1996, das Kultur- und Sportamt der Stadt mit allen zugeordneten Kultur- und Sporteinrichtungen in eine Förder- und Verwaltungsgesellschaft Riesa für Wirtschaft, Kultur und Sport mbH zu überführen (FVG Riesa mbH). Damit endete für das Museum die seit 1938 währende städtische Trägerschaft. Das Museumsgebäude und der museale Sammlungsbestand verblieben in den Händen der Stadt.
Von 2006 bis 2007 erfuhr der Gebäudekomplex am Haus am Poppitzer Platz eine grundlegende Sanierung und Modernisierung. Die Kosten beliefen sich auf 4,4 Millionen Euro, neben Fördermitteln gehörten dazu auch 2,1 Millionen Euro städtische Eigenmittel. Seitdem befinden sich im Haus das Stadtmuseum und die Stadtbibliothek unter einem Dach (mit der Wiedereröffnung erfolgte die Umbenennung von Heimatmuseum in Stadtmuseum). Im Eingangsbereich gibt es einen Museumsshop und ein Café. Der große Saal im Erdgeschoss ist den Sonderausstellungen vorbehalten. Im angrenzenden, neu angebauten Veranstaltungsraum finden Vorträge, Lesungen und andere Veranstaltungen statt.
2009 erhielt das Museum den Spezialpreis des Sächsischen Museumspreises verliehen. Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst würdigte damit die herausragende Arbeit des Museums für die Bewahrung des kulturhistorischen Erbes, die Rekonstruktion des Museums, sein modernes Ausstellungskonzept und die museumspädagogische Arbeit des Hauses.
Gebäude mini|Ansicht der Kaserne um 1900 Die ehemalige Kaserne wurde 1892 errichtet (anderen Quellen zufolge zwischen 1894 und 1896) und am 27. September 1892 übergeben. Der Baumeister Hermann Wenzel übernahm die Bezahlung der Leistungen und Materialien zunächst selbst, diese wurden ihm erst nach Übernahme der Kaserne erstattet („Privatkasernement“).
Die Kaserne ist ein Kulturdenkmal. Der Baukörper ist von den schlichten Formen gründerzeitlicher Militärbaukunst mit bescheidene Architektursprache geprägt. Er hat baugeschichtlichen, militärhistorischen und ortsgeschichtlichen Zeugniswert und ist ortsbildprägend. Sein äußeres Erscheinungsbild wurde verändert, die originale Fassadenstruktur ist verloren. Die originale Baugestalt (Kubatur) ist noch erkennbar und begründbar als charakterisierender gründerzeitlicher Kasernenbau mit symmetrisch strenger Gliederung der Baumassen.
Sammlungen Das Museum, ursprünglich als bescheidene Schausammlung konzipiert, hat durch das Engagement des Museumsvereins und die Unterstützung der Stadt Riesa im Laufe der Jahrzehnte eine stetige Erweiterung erfahren. Mit der Zeit wurde die Sammlung von bedeutenden Fachsammlungen geprägt und zählt heute nahezu 53.000 inventarisierte Objekte.
Die prähistorische Sammlung des Museums gilt als eine der reichhaltigsten in Sachsen und beleuchtet mehr als 7.000 Jahre Menschheitsgeschichte im mitteldeutschen Siedlungsgebiet. So befinden sich die erhaltenen Gegenstände des Depots von Röderau im Museum. Der Grundstein der archäologischen Sammlung wurde von Alfred Mirtschin gelegt, der zwischen 1922 und 1962 zahlreiche Funde in der Umgebung von Riesa (einschließlich Oschatz, Strehla, Ortrand, Radeburg, Meißen und Lommatzsch) dokumentierte und sicherte. Während dieses Zeitraums brachte er zehntausende Artefakte in das von ihm geleitete Heimatmuseum Riesa.
Das Museum beherbergt ebenfalls eine naturwissenschaftliche Sammlung, die Exponate der einheimischen Flora, Fauna und Geologie umfasst, und als Zeugnisse der natürlichen Entwicklung der Region dient. Zudem belegen Zeitzeugnisse aus Handwerk, Handel und Industrie wichtige Tendenzen der regionalen Geschichte und machen Phasen von Aufschwung, Rückschritt und Wiederbelebung nachvollziehbar.