Der Zeitraum zwischen 1415 und 1453, im Englischen auch als Lancastrian war bezeichnet, war die dritte und letzte Phase des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich im Spätmittelalter. Er folgte auf eine lange Friedensperiode seit dem Jahr 1389. Anfängliche Erfolge der Engländer, insbesondere in der Schlacht von Azincourt, sowie Spaltungen innerhalb der französischen herrschenden Klasse ermöglichten es Heinrich V., die Unterstützung großer Teile Frankreichs zu gewinnen. Gemäß den Bestimmungen des Vertrags von Troyes von 1420 heiratete Heinrich V. die französische Prinzessin Katharina von Valois und wurde zum Regenten des Königreichs und Thronfolger Frankreichs ernannt. Damit hatten die Engländer einen Sieg auf dem Papier errungen, da ihre Ansprüche nun rechtlich anerkannt waren. Ein Teil des französischen Adels weigerte sich jedoch, das Abkommen anzuerkennen, sodass der militärische Konflikt weiterging. Heinrich V. und nach seinem Tod sein Bruder John, Herzog von Bedford, brachten die Engländer auf den Höhepunkt ihrer Macht in Frankreich.
Dennoch war die englische Herrschaft nicht von Dauer. Nach dem Tod Heinrichs V. im Jahr 1422 und dem frühen Tod Karls VI. von Frankreich erhob sowohl der minderjährige Heinrich VI. von England als auch der Dauphin Karl Anspruch auf die französische Krone. Die englische Regentschaft wurde durch interne Konflikte und nachlassende Unterstützung geschwächt, während sich auf französischer Seite der Widerstand festigte. Eine entscheidende Wende brachte das Auftreten der jungen Jeanne d’Arc ab 1429. Sie inspirierte die französischen Truppen und trug maßgeblich zur Aufhebung der englischen Belagerung von Orléans bei. In der Folge wurde Karl VII. 1429 in Reims zum König gekrönt, was das französische Selbstbewusstsein stärkte und die Legitimität Karls festigte. Im weiteren Verlauf gelang es den Franzosen, die englischen Besatzungen systematisch zurückzudrängen. Bedeutende Schlachten wie die von Patay (1429) und Formigny (1450) sowie die Eroberung von Rouen und Bordeaux führten dazu, dass am Ende der Konflikte nur noch Calais unter englischer Kontrolle verblieb. Mit der französischen Eroberung von Bordeaux im Jahr 1453 endete der Hundertjährige Krieg de facto. Es sollte aber noch bis zum Frieden von Amiens 1802 Zeit vergehen, dass mit der Aufgabe des Titels „König von Frankreich“ durch die englischen bzw. britischen Könige das letzte Überbleibsel des Konflikts auch formell aus dem Weg geräumt wurde.
Hintergrund In England neigte sich die Regierungszeit von König Heinrich IV. ihrem Ende zu, geprägt von chronischer Krankheit und wachsenden politischen Herausforderungen. Seine Autorität wurde zunehmend durch seine schlechte Gesundheit und wachsende Streitigkeiten unter den englischen Adligen untergraben, darunter auch Spannungen mit seinem eigenen Sohn Heinrich von Monmouth, dem späteren Heinrich V. Im Inland hatte Heinrich noch immer mit den Nachwirkungen des von Owain Glyndŵr angeführten Aufstands in Wales zu kämpfen, der zu diesem Zeitpunkt zwar weitgehend unter Kontrolle war, aber dennoch vereinzelte Widerstandsnester aufwies. Die Rebellion und Unruhen unter den englischen Adligen hielten an, angeheizt durch die Unzufriedenheit mit der Führung des Königs und Streitigkeiten über die Politik und die Thronfolge. Der sich verschlechternde Gesundheitszustand des Königs führte dazu, dass Prinz Heinrich eine aktivere Rolle in der Regierung übernahm und manchmal sogar in offenen Konflikt mit seinem Vater und dessen engsten Beratern geriet.Turvey: 2015, S. 16–23.
In Frankreich war die Lage unterdessen noch prekärer. König Karl VI. litt weiterhin unter Episoden von Geisteskrankheit, wodurch das Land praktisch führerlos und verwundbar war.Dockray: 2004, S. 88. In den vorangegangenen Jahrzehnten hatte es zwar immer wieder Waffenstillstände, dynastische Streitigkeiten und wechselnde Allianzen gegeben, aber keine dauerhafte Lösung des französisch-englischen Konflikts um die französische Krone und territoriale Rechte.Perroy: 1951, S. 139, 237. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1413 bestieg Heinrich V. den Thron und schuf mit einem klar definierten Kronrat und Parlament eine relativ stabile politische Lage. Der Handel blühte und das Land prosperierte. Die Auseinandersetzung Frankreichs mit England um Aquitanien hatte sich aufgrund des Bürgerkriegs zwischen den Armagnacs und den Burgundern beruhigt. Englische Armeen wurden um Hilfe in Frankreich gebeten, und seit der Gefangennahme von Jakob I. im Jahr 1406 war es an der Nordgrenze ruhig geblieben. In diesem vorteilhaften Kontext verkündete Heinrich V. umgehend seine Absicht, sein „rechtmäßiges Erbe“, die Krone Frankreichs, geltend zu machen.Reid: 2007, S. 255.
England nimmt den Krieg wieder auf
Der Friede von Auxerre zwischen der Armagnac-fraktion und den Burgundern im Jahr 1412 schwächte die Hoffnungen der Engländer auf Zugeständnisse, und der Feldzug des Duke of Lancaster im Jahr 1412 festigte die Kontrolle der Armagnacs über Paris weiter. Allerdings zwangen Unruhen im Jahr 1413 Johann Ohnefurcht, Herzog von Burgund, zur Flucht, was zu einem Bürgerkrieg führte und dazu, dass die Armagnacs die Kontrolle über Paris und die Regierung zurückeroberten. In der Picardie und in Flandern hielt der Bürgerkrieg an, bis im August 1414 in Arras ein Friedensabkommen geschlossen wurde. Beide Seiten machten Heinrich Avancen, in der Hoffnung, ihn für ihre Sache gewinnen zu können. Heinrich begnügte sich damit, beide Seiten hinzuhalten, und schlug sogar vor, Jeans Tochter zu heiraten, um den französischen Streit beizulegen. Im Januar 1414 wurde zwischen Heinrich und der Armagnac-Regierung in Paris ein Waffenstillstand vereinbart, um die Verhandlungen über Heinrichs Forderungen fortzusetzen, darunter die Hand von Karl VI.s Tochter Katharina und eine Mitgift von einer Million Kronen. Die Armagnacs waren bis auf die Mitgift bereit, Heinrichs Forderungen zu erfüllen. Heinrich wollte so schnell wie möglich Krieg führen, solange die Franzosen durch interne Probleme abgelenkt waren. Der Waffenstillstand wurde bis August 1415 verlängert, war aber nur ein Vorwand für Heinrichs Vorbereitungen.
Heinrich V. wollte ein befriedetes Land zurücklassen, bevor er sich ins Ausland begab, wofür er die Unterstützung des Adels benötigte. Allerdings waren unzufriedene Barone aus der Regierungszeit seines Vaters geneigt, seine Abwesenheit auszunutzen. Diese Adligen oder Familien waren von Heinrichs Vater entehrt worden, als dieser Richard II. den Thron entrissen hatte. Nach seiner Thronbesteigung machte Heinrich V. diesen Leuten ein großzügiges Angebot, um sich ihre Unterstützung für die Rückgewinnung ihres Erbes zu sichern und zu verhindern, dass sie den Thron an sich rissen. Er gab mehreren wichtigen Adligen ihre Ländereien und Titel zurück, darunter dem Earl of March, dem Enkel des verstorbenen Earl of Northumberland, und Thomas Holland. Außerdem hob er das Stigma gegen das Haus York auf und gewann so die Loyalität des Herzogs von York. Um seine Herrschaft weiter zu festigen, erhob er seine eigenen Brüder John und Humphrey zu Herzögen und machte Richard Langley zum Earl of Cambridge. Um die Vergangenheit endgültig hinter sich zu lassen, ließ er schließlich die Leiche Richards II. in Westminster umbetten. Heinrich strebte auch an, die schottische Grenze gesichert zu verlassen, bevor er Frankreich angriff, indem er Murdoch Stewart, und James I. gefangen hielt, den Waffenstillstand von 1414 erneuerte und die Garnisonen der Grenzburgen verstärkte.Reid: 2007, S. 255–257. Vorbereitungen
Im November 1414 wurde im Parlament eine Ankündigung über eine mögliche Expedition gemacht. Während die Lords und Commons weitere Verhandlungen mit den Franzosen empfahlen, waren sie sich einig, dass in der Zwischenzeit Vorbereitungen für die Expedition des Königs getroffen werden sollten. „Mit welchem Gefolge auch immer er ernennen wolle“, teilten die weltlichen Peers dem König mit, seien sie bereit, ihm bei seiner Mission zu dienen. Aus Verträgen (sogenannte Indenture) während dieser Zeit ging hervor, dass Heinrich einen mindestens neunmonatigen Feldzug plante. Die Löhne für das erste Quartal sollten vor Beginn des Quartals ausgezahlt werden (ein Jahr war in vier Zeiträume von jeweils 91 Tagen oder etwa drei Monaten unterteilt). Am Ende des zweiten Quartals sollten die Löhne für das zweite und dritte Quartal ausgezahlt werden.Curry: 2006, S. 59.
Aufgrund der Forderung des Parlaments nach Friedensverhandlungen konnte sich der König nur unzureichend auf den Krieg vorbereiten. Mitte Februar wurden jedoch strategische Planungen zur Seeverteidigung, zu den englischen Grenzen und zu Calais durchgeführt, an denen erfahrene Militärs wie der Herzog von York, der Earl of Dorset, Henry, Lord Scrope, und Sir Thomas Erpingham beteiligt waren. Als jedoch öffentlich bekannt wurde, dass die Verhandlungen mit Frankreich gescheitert waren, wurden die militärischen Vorbereitungen für die Aufstellung einer großen Armee zügig vorangetrieben.Curry: 2006, S. 61. Bis zum 1. Juli hatte Heinrichs eine Armee von 10.000 bis 12.000 Mann in der Nähe von Southampton aufgestellt.Burne: 1999, S. 35 f. Invasion
Die französische Regierung wusste schon seit langem, dass eine Invasion bevorstand. Heinrich bemühte sich jedoch sehr, das Ziel geheim zu halten. Da sich die französische Regierung daran erinnerte, dass Edward III. versucht hatte, sie mit einer Landung in Aquitanien zu täuschen, gingen sie davon aus, dass Heinrich dasselbe versuchen würde. Wie frühere Schlachten gezeigt hatten, waren mit einem solchen amphibischen Angriff große Risiken verbunden. Stattdessen gab es deutliche Anzeichen für eine Landung an der Nordküste Frankreichs. Mögliche Ziele waren die Bretagne mit Brest und St. Malo und Cherbourg oder Harfleur in der Normandie. Die französische Regierung ging jedoch davon aus, dass der eigentliche Ort der Invasion Boulogne-sur-Mer in der Picardie war. Die Verteidigungsmaßnahmen waren jedoch nur mittelmäßig.
Armanacs und Burgunder waren sich uneinig über Bitte nach militärischer Hilfe: Die Armanacs reagierten nur zögerlich während die Burgunder sich komplett weigerten, darauf einzugehen. Der 19-jährige Dauphin Louis wurde zum Oberbefehlshaber ernannt, und der Konstabler von Frankreich, Charles d’Albret, wurde sein Stellvertreter. D'Albret stellte in Rouen eine Armee auf und stationierte 1.500 Mann in Honfleur. Das Land war jedoch mehr mit hohen Steuern beschäftigt als um eine drohende Invasion besorgt. Die Gefahr einer Invasion wurde größer, als die englischen Schiffe, die Heinrichs Armee transportierte südlich von Bembridge verschwand. Heinrich V. war mehr daran interessiert, die Normandie zurückzuerobern als Aquitanien zu unterstützen. Die Normandie war das ältere Erbe der beiden und befand sich seit über einem Jahrhundert in anglonormannischer Hand. Heinrich beschloss, die Lücke im Vertrag von Bretigny zu schließen, und machte dies zu seinem ersten Ziel.