Ried im Innkreis ist eine Stadt im Westen Oberösterreichs mit Einwohnern (Stand ) und liegt etwa 80 Kilometer westlich von Linz und 60 Kilometer nordöstlich von Salzburg. Sie ist Bezirkshauptstadt des Bezirks Ried und bildet im Innviertel ein Mittelzentrum. Zudem ist sie das Zentrum des Gerichtsbezirks Ried im Innkreis.
Das um 1140 erstmals erwähnte Ried ist geprägt durch Bürgerhäuser und Wohnplätze im Stil der Inn- und Salzachbauweise. Der einst bevölkerungsreichste Markt Österreichs wurde 1857 zur Stadt erhoben.Konrad Meindl: Geschichte der Stadt Ried in Oberösterreich. Verlag Moserbauer, S. 117.
Geografie mini|Blick auf Ried im Innkreis mit Pfarrkirche Hll. Peter und Paul Ried befindet sich inmitten des Innviertler Hügellandes und liegt in einer Bodensenke des Alpenvorlandes nördlich des Hausruckwaldes. Der Name der Stadt leitet sich vom mittelhochdeutschen Riet (auch: Rieth, Reet, Rohr und ähnlich) ab und bedeutet das an Ufern und auf sumpfigem Gelände wachsende Röhricht. Eine solche Stelle, in der das Gefälle der beiden Flüsse Oberach und Breitsach sich verlangsamte und den Boden vernässte, gab der Stadt den Namen. Die beiden Flüsse vereinigen sich im Norden der Altstadt und bilden für 2,6 Kilometer den Rieder Bach, der außerhalb des Gemeindegebietes in die Antiesen mündet. Ried im Innkreis liegt auf 433 Meter Seehöhe. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 3,2 Kilometer, von West nach Ost 3,6 Kilometer. Die Gesamtfläche beträgt 6,7 Quadratkilometer.
Stadtgliederung Zur Kernstadt Ried gehören eine Vielzahl meist räumlich getrennter Wohnplätze wie Hauptplatz, Stelzhamerplatz, Kirchenplatz, Marktplatz, Hoher Markt und Roßmarkt und weitere Ortsteile. Die meisten haben eine lange eigenständige Geschichte. Andere sind neue Baugebiete und erhielten einen eigenen Namen, haben aber oftmals keine festgelegten Grenzen. Im Einzelnen gehören zur Kernstadt Riedberg, Bad Ried, Stöcklgras, Kreuzbergsiedlung, Kapuzinerberg, Schloßberg, Hopfenberg, Kleinried, Wegleiten und St. Anna.
Nachbargemeinden Die Aufzählung der an die Stadt Ried grenzenden Gemeinden beginnt im Süden und erfolgt im Uhrzeigersinn, in Klammern ist die Entfernung des jeweiligen Ortskerns zum Rieder Stadtkern angegeben: Neuhofen im Innkreis (3,5 Kilometer), Mehrnbach (5,1 Kilometer), Aurolzmünster (5,7 Kilometer), Tumeltsham (2,9 Kilometer) und Hohenzell (5,5 Kilometer). An vielen Stellen ist die flächenmäßig beengte Stadt bereits mit Gebieten der Nachbargemeinden zusammengewachsen.
Geologie Geologisch liegt Ried im Westen der österreichischen Molassezone, die 42 % der Landfläche Oberösterreichs einnimmt. Das Gebiet wurde im Jung- und Mitteltertiär gebildet. Zwischen den Alpen im Süden und dem Granithochland im Norden wurde weiches, feinkörniges Schlier abgelagert. Diesem hell bis dunkelgrauen, mergelig bis tonigen Gestein sitzen oft Schotterflächen auf, oft sind sie auch von Sandlinsen durchzogen. Auf das kristalline Grundgebirge stößt man in Ried in 1393 Meter Tiefe.
Klima Die Anzahl der Sonnenstunden beträgt rund 1800 pro Jahr, was einer durchschnittlichen täglichen Sonnenscheindauer von etwa 4,93 Stunden entspricht. Damit liegt Ried oberhalb des Mittels von 1550 Stunden in Österreich pro Jahr. Bei der Anzahl der Regentage pro Jahr liegt die Region mit 131 Regentagen unter dem österreichischen Durchschnitt von 138 pro Jahr und mit einer jährlichen Niederschlagsmenge von rund 949 Millimeter außerdem im gemäßigten Mittel Oberösterreichs.
Geschichte Frühzeit Die Umgebung von Ried war ursprünglich keltisch besiedelt, in Ried selbst gibt es keine archäologischen Funde aus jener Zeit. Im Jahr 15 v. Chr. eroberten die Römer das Innviertel und die Rieder Gegend wurde Teil der römischen Provinz Noricum.Schwanthaler-Stadt Ried im Innkreis, Geschichte und Gegenwart. Verlag Moserbauer, Ried 1999, ISBN 3-900847-57-6, S. 13.
Mittelalter Die Geschichte von Ried beginnt im 12. Jahrhundert. Im Traditions- und Schenkungsbuch des Stiftes Reichersberg ist mit Reginger und Wernhard de Riede um das Jahr 1140 erstmals von Riedern zu lesen. Das Gut Riede wurde erstmals 1150 erwähnt.Konrad Meindl: Geschichte der Stadt Ried in Oberösterreich. Verlag Moserbauer, S. 63–65. Um 1180 wurden in einer Urkunde zum ersten Mal die Bürger von Riede erwähnt, daraus kann auf eine Siedlungstätigkeit geschlossen werden.Konrad Meindl: Geschichte der Stadt Ried in Oberösterreich. Verlag Moserbauer, S. 67.
Einer Wappenerklärungssage aus dem 15. Jahrhundert nach wurde 1191 der Müllerssohn Dietmar aus Ried vom Herzog von Bayern Ludwig I. als Dietmar der Anhanger zum Ritter geschlagen und mit ausgedehnten Gütern belehnt. Der Grund dafür war angeblich, dass Dietmar als Teilnehmer beim Dritten Kreuzzug von 1189–1192 den Kampfesmut der christlichen Truppen wieder aufgerichtet hatte. Als bei der Eroberung der Stadt Ikonia die Fahne der Christenheit von den Gegnern zu Fall gebracht worden war, nahm Dietmar seinen Bundschuh, hängte ihn (wie 125 Jahre zuvor Ekkehard I. von Scheyern, der Urgroßvater des Herzogs, auf der Jerusalemwallfahrt 1064/65 mit Siegfried, Gunther, Otto und Wilhelm, seine Bundschuhe mit roten Riemen) als sichtbares Zeichen an seine Lanze und erstürmte mutig die Stadt; unter dieser „Ersatzfahne“ fassten die Kreuzfahrer neuen Mut und schafften es, die Stadt zu erobern. Zur Erinnerung an „Dietmar der Anhanger“ führt seine Heimatstadt bis heute den Bundschuh aus der Sage im Stadtwappen.
1220 wurde Ried als bayerisch-landesfürstliche Burg mit Sitz des Herrengeschlechts der Reginer von Ried erwähnt.Schwanthaler-Stadt Ried im Innkreis, Geschichte und Gegenwart. Verlag Moserbauer, Ried 1999, ISBN 3-900847-57-6, S. 14. Nach dem Aussterben der Herren von Ried um das Jahr 1248 ging das Gebiet in den Besitz der bayerischen Herzöge über. Nur etwa eineinhalb Wegstunden von der Grenze am Geiersberg entfernt, wurde die Grenznähe dem Markt Ried immer wieder zum Verhängnis.Schwanthaler-Stadt Ried im Innkreis, Geschichte und Gegenwart. Verlag Moserbauer, Ried 1999, ISBN 3-900847-57-6, S. 16.
Die von den bayerischen Burggrafen verteidigte Veste Ried wurde 1266 von Ottokar II. von Böhmen und 1307 von Friedrich dem Schönen belagert. Am 24. September 1364 eroberte und zerstörte Rudolf IV. aus Österreich den Markt Ried.Schwanthaler-Stadt Ried im Innkreis, Geschichte und Gegenwart. Verlag Moserbauer, Ried 1999, ISBN 3-900847-57-6, S. 18.
Der Markt wurde anschließend in unmittelbarer Nähe der schützenden Burg, zum Teil sogar im Sumpfgelände des Mündungswinkels von Oberach und Breitsach auf Stützpählen wiederaufgebaut.Ried im Innkreis in alten Ansichten. Europäische Bibliothek, Zaltbommel 2001, ISBN 90-288-6677-9, S. 3.
Der 1379 abgeschlossene Erste Rieder Vertrag beendete zunächst die Grenzstreitigkeiten zwischen Österreich und Bayern. 1435 erhielt Ried von Herzog Heinrich XVI. aus Bayern ein eigenes Marktwappen verliehen. Eine ruhigere wirtschaftliche Entwicklung konnte nun beginnen, vor allem Leinenweberei und Leinwandhandel wurden bedeutend. 1494 besaßen die Leinweber bereits ein eigenes Zunfthaus, in dem die Waren geprüft und mit Markenzeichen versehen wurden. Man handelte das Rieder Leinen weit über die Grenzen hinaus.Schwanthaler Stadt Ried im Innkreis, Geschichte und Gegenwart. Verlag Moserbauer, Ried 1999, ISBN 3-900847-57-6, S. 168.
Neuzeit mini|Karte von Bayern 1688 mini|Der Markt Riedt und das Schloss, nach einem Kupferstich von Michael Wening von 1721 mini|Ried im 19. Jahrhundert mini|Villa in der Peter Rosegger Str. 35, Aufnahme aus 1914 Seit Gründung des Herzogtums Bayern war Ried bayrisch. Die guten Zeiten, die das Innbaiern unter den bayerischen Herzögen aufblühen ließen, kamen auch Ried zugute. Bedeutende Marktfreiheiten legten den Grund für den bürgerlichen Wohlstand im 15. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert belegen Visitationsberichte den Einfluss der Reformation. Ab 1580 konnte sich die Gegenreformation durchsetzen. In deren Folge kam es zu mehreren Auswanderungen. Während der Bauernkriege war Ried Zufluchtsstätte und Hauptquartier des bayerischen Kriegskommissärs.Schwanthaler-Stadt Ried im Innkreis, Geschichte und Gegenwart. Verlag Moserbauer, Ried 1999, ISBN 3-900847-57-6, S. 24.
1649 suchte die Stadt eine Pestepidemie heim, die 236 Tote forderte.Konrad Meindl: Geschichte der Stadt Ried in Oberösterreich. Verlag Moserbauer, S. 299.
Die Grenzkonflikte zwischen Österreich und Bayern erneuerten sich im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) und im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1745). Als die Gegend im Spanischen Erbfolgekrieg durch die Habsburger besetzt wurde, gehörte Ried kurzzeitig von 1711 bis 1714 zur bestehenden Grafschaft Ried des Fürsten Trautson. Erst nach dem Bayerischen Erbfolgekrieg kam das Innviertel und damit auch Ried durch den Frieden von Teschen 1779 zu Österreich. Während der Koalitionskriege fiel es im Jahre 1810 aber wieder erneut an Bayern. Napoleon bezog zweimal in Ried Quartier und entging am 2. Mai 1809 nur knapp einem Anschlag.Schwanthaler-Stadt Ried im Innkreis, Geschichte und Gegenwart. Verlag Moserbauer, Ried 1999, ISBN 3-900847-57-6, S. 29.
Im Zweiten Vertrag von Ried wechselte Bayern am 8. Oktober 1813 die Seiten und trat der Allianz gegen Napoleon bei. Nach dem Vertrag von München kam Ried 1816 endgültig zu Österreich.Schwanthaler-Stadt Ried im Innkreis, Geschichte und Gegenwart. Verlag Moserbauer, Ried 1999, ISBN 3-900847-57-6, S. 33.
1857 wurde der damals größte Markt Österreichs von Kaiser Franz Joseph I. zur Stadt erhoben. Das 1867 erstmals veranstaltete Gewerbliche Ausstellungsfest war der Grundstein zur Entwicklung Rieds als Messestadt.Schwanthaler-Stadt Ried im Innkreis, Geschichte und Gegenwart. Verlag Moserbauer, Ried 1999, ISBN 3-900847-57-6, S. 192.
Beim Anschluss Österreichs marschierten am 12. März 1938 Verbände der deutschen Wehrmacht in Ried ein. Hitler traf auf der Durchreise nach Linz dort ein.Schwanthaler-Stadt Ried im Innkreis, Geschichte und Gegenwart. Verlag Moserbauer, Ried 1999, ISBN 3-900847-57-6, S. 121.
Der langjährige Bürgermeister Rudolf Wilflingseder wandte sich vehement gegen den auch in Ried aufkommenden Nationalsozialismus und wurde bereits kurz nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich als Bürgermeister abgesetzt.Schwanthaler-Stadt Ried im Innkreis, Geschichte und Gegenwart. Verlag Moserbauer, Ried 1999, ISBN 3-900847-57-6, S. 136.
Von den Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges blieb Ried verschont, erst gegen Kriegsende führten drei kleine Luftangriffe zu geringfügigen Beschädigungen in der Bahnhofsgegend und beim Konvikt St. Josef.Schwanthaler-Stadt Ried im Innkreis, Geschichte und Gegenwart. Verlag Moserbauer, Ried 1999, ISBN 3-900847-57-6, S. 128. Am 3. Mai 1945 marschierten amerikanische Truppen in Ried ein. Der Ort wurde Teil der amerikanischen Besatzungszone im besetzten Nachkriegsösterreich.
Nachkriegszeit Die Stadt war überfüllt mit Flüchtlingen, Zwangsarbeitern und befreiten Kriegsgefangenen. Die Einwohnerzahl der Stadt Ried überschritt nach Kriegsende kurzzeitig die Grenze von 33.000. Es herrschte Hunger und Not, dadurch kam es immer wieder zu Gewalttaten und Plünderungen. Die amerikanische Militärverwaltung richtete daraufhin ein Lager für deutsche Militärangehörige ein, zudem gab es im Ort ein Lager für Displaced Persons; dieses Lager 701A leitete ein Team der UNRRA.Schwanthaler-Stadt Ried im Innkreis, Geschichte und Gegenwart. Verlag Moserbauer, Ried 1999, ISBN 3-900847-57-6, S. 131.