mini|hochkant=1.5|Die Weinbauregionen Frankreichs Der Weinbau in Frankreich ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Sowohl qualitativ als auch quantitativ ist Frankreich eines der bedeutendsten Weinbaugebiete der Erde. Internationale Standards orientieren sich bis heute an Frankreich, insbesondere dem Bordeaux-Wein, dem Burgund und dem Champagner. Dijon ist Sitz der Internationalen Organisation für Rebe und Wein. In der internationalen Bekanntheit sind französische Rebsorten wie Chardonnay, Merlot oder Cabernet Sauvignon führend.
Frankreich ist außerdem trotz gesunkener Produktionszahlen weiterhin nach Italien (44,1 Mio. Hektoliter) der zweitgrößte Weinerzeuger der Welt (36,1 Mio. hl). Die größten nationalen Rebflächen bilden dagegen die spanischen Anbaugebiete mit 930.000 ha. In Frankreich gab es 2020 rund 11.000 Weingüter weniger als 2010. Das bedeutet einen Rückgang von 16 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Auf Basis der veröffentlichten Daten des französischen Landwirtschaftsministeriums lag die Zahl der Weinbaubetriebe im Jahr 2020 bei nur noch 59.000.Judikael Hirel: Une ferme française sur cinq a disparu en dix ans. In: infochretienne.com, 14. Dezember 2021 Im Jahr 2023 waren insgesamt 792.000 Hektar mit Reben bestockt. In Frankreich sollen im Weinwirtschaftsjahr 2024/2025 27.461 Hektar Weinberge gerodet werden, um die anhaltende Überproduktion zu bekämpfen. Die Weinbaubetriebe erzeugten 2018 48,6 Millionen Hektoliter Wein. Diese Menge entspricht etwa sechs bis sieben Milliarden Flaschen Wein, die zu zwei Dritteln im eigenen Land getrunken werden. Der Anteil der Rot- und Roséweine beträgt ungefähr 73 %, der Anteil der Weißweine 27 %. Die Weinbranche setzt jährlich rund 8,4 Milliarden Euro um. Die Weltproduktion, die durch ständig neue Anbauflächen in den Vereinigten Staaten, Australien, aber auch Ländern wie der Volksrepublik China wächst, belief sich 2018 auf etwa 292 Millionen Hektoliter. Der Anteil Frankreichs an der Weltproduktion liegt etwa bei 20 % (Tendenz fallend), der wertmäßige liegt aufgrund des gehobenen Preisniveaus bei etwa 25 %. Die Überproduktion wird zu Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs verarbeitet. 2025 werden weitere 1.300 Winzer den Weinbau komplett aufgeben.
Geschichte mini|150px|Amphore aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.Marseille, Musée des docks romains Um 620 bis 600 v. Chr. gründeten Griechen (mit der gallischen Bevölkerung Handel treibende Phokäer) dank einer Landschenkung der ligurischen Fürsten an einem Umschlagpunkt eine dauerhaft bewohnte Siedlung (Apoikie) und nannten sie Massalia (, ), das heutige Marseille. Sie brachten die ihnen bekannten Rebsorten mit und pflanzten sie in Südfrankreich lediglich für den Eigenverbrauch an. Da die Sorten aus einer warmen Klimazone kamen, gediehen sie nur in Gebieten, in denen auch Feigen und Olivenbäume wachsen.
Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurde Marseille für die erstarkten Römer interessant, um Transportwege auf dem Landweg in Richtung Spanien abzusichern. Aus den gleichen Überlegungen entstand das heutige Narbonne sowie die römische Provinz Narbonensis. Im Rahmen ausgedehnter Handelsaktivitäten kam der Wein aus Südfrankreich bis nach Rom und Amphorenfunde im ehemaligen Gallien belegen dort einen beträchtlichen Konsum italienischen Weins. Die römische Villa bei Rians aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. gilt als der größte, bislang freigelegte Weinbaubetrieb im Römischen Reich.Jose Lenzini: Une «coopérative» viticole romaine a été découverte dans le Var. Le Monde, 21. September 1995.
Der intensive Weinhandel zwischen Italien und Gallien erfolgte meist auf dem Wasserwege und war durch wirtschaftliche und politische Vereinbarungen geregelt. In seiner Histoire de la Gaule („Die Geschichte Galliens“)Camille Jullian: Histoire de la Gaule. 8 Bde. schrieb der Historiker Camille Jullian über die Rom nahestehenden Haeduer: „Bibracte, da bin ich sicher, war der Ausgangspunkt und der sicherste Garant ihrer Macht. Rund um Bibracte verliefen sehr gute Straßen, welche die drei größten Flusstäler Frankreichs verbanden.“
Die römischen Waren kamen über die Rhône und anschließend die Saône, die Loire oder den Allier. Deshalb passierten die Waren das haeduische Gebiet, bevor sie auf die Loire oder die Seine trafen. Die Haeduer versprachen die Verbreitung römischer Waren in Gallien seit dem zweiten Jahrhundert v. Chr. Ihren verbündeten gallischen Stämmen ermöglichten sie, von ihrem Handel mit Rom und mit den griechischen Kolonien wie Marseille zu profitieren. Dieser Handel wird nachgewiesen durch große Mengen von Amphoren und Keramiken, die aus Italien kamen und in Abfallgräben und Fliesenbelägen von Häusern gefunden wurden.
Die ersten gallischen Weinberge wurden erst im Zuge der römischen Eroberung zu Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. angelegt. Der griechische Schreiber und Geograf Strabon ist in seinem 7 v. Chr. veröffentlichten Werk Geographica noch der Meinung, dass nur die Regionen rund um Narbonne und Marseille aufgrund einer ähnlichen Vegetation wie in Italien für den Weinbau geeignet seien, der Rest Galliens jedoch zu weit nördlich liege. Schon im Jahr 38 n. Chr. berichtete er jedoch, dass die Ufer der Rhone von Reben bedeckt seien.
Im 1. Jahrhundert nach Christus bauten die Allobroger in der Nähe der heutigen Stadt Vienne im Rhônetal geharzte Weine an. Laut Plinius dem Älteren konnten sie für diese Ware hohe Preise durchsetzen.
Vom römischen Stützpunkt Narbonne dürften die Reben ihren Weg bis ins heutige Weinbaugebiet Gaillac gefunden haben. Archäologische Funde belegen die Herstellung von Amphoren bei Gaillac und Béziers während der zweiten Regierungszeit von Kaiser Augustus von 27 v. Chr. bis 14 n. Chr.
Qualitätsstufen Die französische Weinproduktion zählt zu den weltweit am besten überwachten Landwirtschaftsbereichen überhaupt. Jede abgefüllte Flasche gehört einer Qualitätskategorie an. Die oberste Stufe der Qualitätspyramide wird von den AOC-Weinen dargestellt (seit 2009 AOP). Es schließen sich die Vins Délimités de Qualité Supérieure (kurz VDQS), die Landweine (Vin de Pays, seit 2009 IGP) und die Tafelweine (Vin de Table, seit 2009 Vin de France) an. Die Kennzeichnung ist in den französischen Weinbaugebieten sehr unterschiedlich. So stellt das Weinbaugebiet Champagne mit über 32.000 Hektar eine einzige AOC dar. Die kleinste AOC hat dagegen kaum zwei Hektar Fläche. Innerhalb der AOC-Weine gibt es teilweise weitere Unterschiede zwischen regionalen, subregionalen und kommunalen AOCs, ohne dass dies dem Etikett zu entnehmen wäre. Generell gilt: Je kleiner das bezeichnete Gebiet ist, desto höher sind die Qualitätsanforderungen. Im Burgund spielen die Potenziale der Lagen zur Qualitätseinstufung eine große Rolle. Dementsprechend sind die einzelnen Appellationen recht klein, um den Unterschieden einzelner Lagen gerecht zu werden. Siehe hierzu auch den Artikel Grand Cru. Im Bordelais dagegen spielen die Châteaux, also die Weingüter, die Hauptrolle, deren Qualität in Klassifikationen festgelegt ist. Die Appellationen umfassen daher mindestens den Rebbestand einer Gemeinde oder mehrerer gebietsverwandter Gemeinden, wie dies für die Appellation Margaux der Fall ist. Einzelne Lagen werden nicht erfasst. Der Institut national de l’origine et de la qualité (INAO, ) ist bewusst, dass es innerhalb einer Appellation Qualitätsunterschiede gibt. Eine Klassifizierung der Weine erfolgt durch die AOC-Bezeichnung nicht.
Qualitätsweine sind, anders als in Deutschland, zumeist aus mehreren Rebsorten verschnitten. Sortenreine Weine herrschen lediglich im Elsass, im Burgund, in einigen Appellationen der Loire sowie der nördlichen Rhône vor.
Das Prinzip der kontrollierten Herkunftsbezeichnung (Appellation d’Origine Contrôlée) wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts entworfen und 1935 mit der Gründung der INAO umgesetzt. Dieses Institut überwacht die mittlerweile über 400 Appellationen und schlägt Änderungen in der Gesetzgebung vor. Die INAO bestimmt, welcher Noch-VDQS-Wein in den Rang einer AOC aufsteigen kann. Mit lokalen Bestimmungen werden die Traditionen und die Eigenständigkeit der einzelnen Regionen und Gemeinden bewahrt. Für die Einführung des rigorosen Qualitätssystems waren zunehmende Kriminalität rund um den Wein die Ursache, wie das unerlaubte Beimischen preiswerterer Weine zum Strecken teurer Produkte.
Mit den AOC-Bestimmungen werden nicht nur die Grenzen der zugelassenen Rebflächen gezogen. Innerhalb des Regelwerks jeder einzelnen AOC werden die zugelassenen Rebsorten definiert (möglicherweise sogar Mindestanteile gewisser Sorten innerhalb der Verschnitte), Mindestalkoholgehalte festgehalten und Ertragsbeschränkungen auferlegt. Die Bestimmungen umfassen auch Details zur Anzahl von Rebstöcken, die pro Hektar gesetzt werden müssen, sowie zu den zu verwendenden Erziehungssystemen der Reben. In manchen Gebieten, wie der Champagne, werden gewisse Produktionstechniken, wie die maximale Saftausbeute beim Pressen, vorgeschrieben.
Der Anteil der AOC-Weine ist von 37 % (1989) auf 51 % (1999) gestiegen.
Weine aus kontrolliertem Herkunftsgebiet (AOC) Rot- und Roséweine: 17,9 Millionen Hektoliter Weißweine: 8,5 Millionen Hektoliter Gesamtproduktion: 26,4 Millionen Hektoliter (51 % der Gesamtproduktion)
Gehobene Tafelweine (Landweine) Rot- und Roséweine: 13,4 Millionen Hektoliter Weißweine: 2,8 Millionen Hektoliter Gesamtproduktion: 16,2 Millionen Hektoliter (31 % der Gesamtproduktion)
Einfache Tafelweine Rot- und Roséweine: 6,8 Millionen Hektoliter Weißweine: 2,4 Millionen Hektoliter Gesamtproduktion: 9,2 Millionen Hektoliter (18 % der Gesamtproduktion)
Weinbaugebiete (alphabetisch) Beaujolais Obwohl das Gebiet Beaujolais historisch zum Burgund gehört, bildet es aufgrund seines eigenständigen Weinstils, bei dem die Gamay-Rebe im Mittelpunkt steht, eine eigenständige Weinbauregion. Insgesamt umfasst das Beaujolais rund 23.000 ha Rebfläche, erstreckt sich auf einer Länge von 50 km in Nord-Süd-Richtung und ist maximal 15 Kilometer breit. Der Fluss Saône bildet den östlichen Rand des Gebiets. Im Westen wird das Gebiet von Ausläufern des Massif Central begrenzt. Die bis zu 1012 Meter hohen Hügel schützen die Rebflächen vor Schlechtwettereinflüssen.
Jährlich werden 230.000 Hektoliter Wein erzeugt. Obwohl das Gebiet insbesondere in den Beaujolais-Cru-Gemeinden hervorragende Weine erbringt, wurde Beaujolais vor allem durch den minderwertigen Beaujolais Nouveau bekannt, einen Wein, der im Schnellverfahren hergestellt wird und am dritten Donnerstag eines jeden Novembers mit viel Werbeaufwand auf den Markt gebracht wird.
Die kommunalen Appellationen des Beaujolais sind Brouilly, Chénas, Chiroubles, Côte de Brouilly, Fleurie, Juliénas, Moulin à Vent, Morgon, Régnié und Saint-Amour.
Bordeaux mini|Weinbauregion Bordeaux
Die Stadt Bordeaux gibt der Weinbauregion Bordeaux mit 120.700 Hektar Rebfläche ihren Namen. Die Region erstreckt sich auf das gesamte Département Gironde. Der Anteil der Spitzenqualität ist hier höher als in jeder der anderen Regionen Frankreichs.
Jährlich werden sieben Millionen Hektoliter Wein hergestellt. Die international bekannten Appellationen und Weingüter sind an dieser Menge mit etwa fünf Prozent beteiligt. Ein durchschnittliches Weingut im Bordeaux ist zwischen sieben und zehn Hektar groß. Innerhalb der letzten 20 Jahre wurden viele Weingüter zu größeren Einheiten zusammengefügt.
Die Weine sind in der Regel Cuvées (Verschnittweine), das heißt, sie bestehen aus mehreren Rebsorten.
Die qualitative Spitze bilden die kommunalen Appellationen Margaux, Saint-Julien, Pauillac, Saint-Estèphe, Pessac-Léognan, Pomerol, Saint-Émilion, Sauternes und Barsac. Der Löwenanteil der Produktion entstammt der regionalen AOC Bordeaux bzw. Bordeaux Supérieur und den subregionalen Appellationen wie Entre deux mers, Graves und Médoc.
Burgund