Ralf Dietrich Rangnick (* 29. Juni 1958 in Backnang) ist ein deutscher Fußballtrainer und -funktionär sowie ehemaliger Fußballspieler. Nachdem er seine Karriere als Mittelfeldspieler im Amateurbereich beendet hatte, war er im deutschen Profifußball Trainer und Sportdirektor. Seit Ende Mai 2022 ist er Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft.
Rangnick gelang es als Trainer, die TSG 1899 Hoffenheim in zwei Spielzeiten von der Drittklassigkeit in die Bundesliga zu führen. Insgesamt stieg er mit vier Vereinen sechsmal auf. Im Profifußball gewann er 2011 seinen einzigen Titel durch den Sieg im DFB-Pokal mit dem FC Schalke 04, bei dem er zum zweiten Mal Trainer gewesen war.
Von 2012 bis 2019 war Rangnick bei RB Leipzig tätig, zunächst als Sportdirektor und zudem in den Spielzeiten 2015/16 und 2018/19 als Cheftrainer. Parallel war er von 2012 bis 2015 Sportdirektor des FC Red Bull Salzburg. Von 2019 bis 2020 war er Head of Sport and Development Soccer bei der Red Bull GmbH.
Werdegang Aktive Laufbahn und Anfänge als Trainer Nach seinem Abitur am Max-Born-Gymnasium in seiner Heimatstadt Backnang begann Rangnick 1977 an der Universität Stuttgart ein Lehramtsstudium für Sport und Englisch. Parallel spielte er ab 1976 für die Amateurmannschaft des VfB Stuttgart, nachdem er zuvor als A-Jugendlicher in die Auswahlmannschaft des Württembergischen Fußballverbandes berufen worden war. – Zeitungsartikel zitiert nach SSV Reutlingen, Saison 1995/96 auf statistik-klein.de, abgerufen am 23. März 2011
Im Rahmen eines Studienauslandsaufenthaltes an der University of Sussex lief er in der Spielzeit 1979/80 im englischen Amateurfußball für den in West Sussex beheimateten FC Southwick auf. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland schloss er sich dem VfR Heilbronn an, für den er in der Oberliga Baden-Württemberg spielte. 1982 wechselte er innerhalb der Liga zum SSV Ulm 1846. Nachdem er mit der Mannschaft am Ende der Spielzeit in die 2. Bundesliga aufgestiegen war,„Ralf Rangnick – deutscher Fußballtrainer“ im Munzinger-Archiv, abgerufen am 23. März 2011 verließ er den Verein.
Zwischen 1983 und 1985 war Rangnick bei Viktoria Backnang als Spielertrainer tätig. In dieser Zeit gelang ihm mit dem Verein der Durchmarsch von der Bezirksliga bis in die Verbandsliga. 1984 erwarb er an der Sporthochschule Köln im Fußball-Lehrer-Lehrgang als Jahrgangsbester mit einem Notendurchschnitt von 1,2 die Fußballlehrer-Lizenz. Zuvor hatte er im Alter von 22 Jahren die Trainer A-Lizenz erworben. 1984 beobachtete er im Trainingslager mit Viktoria Backnang das Training und Spiel von Dynamo Kiew unter Walerij Lobanowskyj. Diese Mannschaft spielte mit Viererkette und Pressing die damals modernste Fußballtaktik.
Ab 1985 arbeitete Rangnick zwei Jahre als Trainer der Amateurmannschaft des VfB Stuttgart. Parallel legte er 1986 sein Erstes Staatsexamen an der Stuttgarter Universität ab. Für die Spielzeit 1987/88 kehrte er für den Bezirksligisten TSV Lippoldsweiler als Spielertrainer noch einmal auf das Feld zurück. Hauptberuflich arbeitete er bis 1992 für die Stuttgarter Firma fee Sprachreisen als Leiter der Abteilung High-School- und College-Programme. Nebenher engagierte er sich als Trainer im baden-württembergischen Amateurfußball beim SC Korb sowie ab 1990 in der Jugend des VfB Stuttgart. 1992 gab er seine Arbeit zugunsten einer Anstellung beim schwäbischen Bundesligisten auf, der ihn als Sportkoordinator mit der Betreuung des Jugend- und Amateurfußballs unter Vertrag nahm.
Im Sommer 1994 verließ Rangnick den VfB Stuttgart, nachdem er die gewünschte Rolle als Trainerassistent von Jürgen Röber bei der Profimannschaft in der Bundesliga nicht bekommen hatte. Er unterschrieb einen Vertrag bei seiner vormaligen Spielstation, dem damaligen Regionalligisten SSV Ulm 1846, konnte das Traineramt jedoch krankheitsbedingt nicht antreten. Ab 1994 betrieb Rangnick in Böblingen ein Reha-Zentrum.Oskar Beck: Die Fußballrevolution im Remstal. In: Stuttgarter Zeitung, 10. Mai 2016.
SSV Reutlingen 05 Im Sommer 1995 übernahm Rangnick das Training beim in der Regionalliga Süd antretenden SSV Reutlingen 05. Zuvor, in der Spielzeit 1994/95, entging der Verein knapp dem Abstieg; Rangnick führte nun die Mannschaft um Michael Mayer, Thomas Winter, Kristijan Đorđević und Joachim Cast auf den vierten Tabellenplatz. Die Teilnahme an der Amateurmeisterschaft wurde mit zwei Punkten Rückstand auf den SSV Ulm knapp verpasst. Auch in der folgenden Spielzeit 1995/96 zeigte der Verein gute Leistungen und hielt sich im vorderen Ligadrittel. Rangnick überwarf sich in den nächsten Monaten mit der sportlichen Leitung und beendete sein Engagement am Ende der Hinrunde im Dezember 1996. Er wechselte innerhalb der Liga zum SSV Ulm 1846.
SSV Ulm 1846 Der SSV Ulm 1846 hatte in den Vorjahren jeweils um die Rückkehr in die 2. Bundesliga gespielt. In der Spielzeit 1996/97 lag die vom langjährigen Jugendtrainer Martin Gröh trainierte Mannschaft deutlich hinter dem die Liga dominierenden Spitzenduo 1. FC Nürnberg und SpVgg Greuther Fürth. Der neue Trainer Rangnick ließ nach seiner Ankunft das von ihm präferierte ballorientierte Spielsystem mit Vierer-Abwehrkette spielen. Nach Anlaufschwierigkeiten in der ersten Saison – die Spielzeit beendete der Klub mit 50 Gegentoren, 31 davon erhielt die Mannschaft in der zweiten Saisonhälfte unter Rangnicks Leitung – lieferte sich die Mannschaft in der folgenden Spielzeit mit Kickers Offenbach ein Duell um die Regionalligameisterschaft und den damit verbundenen direkten Aufstieg in die Zweitklassigkeit. Mit einem Punkt Vorsprung beendete der SSV Ulm die Spielzeit auf dem ersten Rang. Zudem gewann Rangnick mit dem Verein seinen ersten Titel, als im Endspiel um den WFV-Pokal der VfL Kirchheim/Teck besiegt wurde.
Zu Saisonbeginn als Abstiegskandidat gehandelt, etablierte sich der SSV Ulm 1846 auf Anhieb an der Ligaspitze in der 2. Bundesliga und blieb bis dahin von allen Mannschaften im deutschen Profifußball am längsten ungeschlagen. Durch die Erfolge mit seinem innovativen Spielsystem gab es Diskussionen um moderne Fußballtaktik. In der Folge avancierte Rangnick zu einem vielgefragten medialen Interviewpartner und begehrten Trainerkandidaten. Aufgrund eines Auftritts in der ZDF-Sendung das aktuelle sportstudio am 19. Dezember 1998, bei dem er die Taktiken eines Spiels sehr ausführlich an einer Tafel erklärte, wird er bis heute als „Fußballprofessor“ bezeichnet.Ralf Rangnick Sportstudio 1998 Viererkette. In: YouTube, 6. Juni 2015.
Nachdem beim Bundesligisten VfB Stuttgart unter Gerhard Mayer-Vorfelders Wunschtrainer Winfried Schäfer der Erfolg ausgeblieben und Wolfgang Rolff als Nachfolger eingesetzt worden war, einigte sich die Stuttgarter Vereinsführung in der Winterpause mit Rangnick auf einen Vertrag für Beginn der Spielzeit 1999/2000. Nach Bekanntgabe des Wechsels rutschte die Ulmer Mannschaft als Herbstmeister der zweiten Liga nach einer Serie von sieglosen Spielen bis zum März 1999 auf den fünften Platz zurück, so dass Rangnick von seiner Tätigkeit als Trainer zurücktrat.
VfB Stuttgart Der Bundesligist VfB Stuttgart hatte unter dem mittlerweile dritten Trainer im Saisonverlauf, Rainer Adrion, nicht aus dem hinteren Tabellendrittel gefunden. Um einen drohenden Abstieg zu vermeiden, wurde Rangnick bereits im Mai 1999 als Cheftrainer verpflichtet. Der SSV Ulm stieg unter Rangnicks Nachfolger Martin Andermatt zum Saisonende in die erste Bundesliga auf. Rangnick erreichte mit Stuttgart zum Saisonende den elften Tabellenrang. Unter dem neuen Stuttgarter Präsidenten Manfred Haas schlug der Verein im folgenden Jahr einen wirtschaftlichen Konsolidierungsprozess ein, der insbesondere den Weggang arrivierter Leistungsträger wie Frank Verlaat oder Fredi Bobic vorsah. Dabei kam es im Umfeld des Klubs immer wieder zu Diskussionen und Auseinandersetzungen zwischen den wirtschaftlichen und sportlichen Verantwortlichen des Vereins. Rangnick wurde hierbei des Öfteren vorgeworfen, übereifrig seine Ideen und Vorstellungen dem Verein überstülpen zu wollen. Insbesondere die Suspendierung des Spielers Krassimir Balakow im Herbst 2000 brachte ihm Kritik ein.VfB-Hammer: Rangnick feuert Balakov. In: B.Z., 23. November 2000. Nachdem sich die Mannschaft mit dem Erreichen eines achten Tabellenplatzes in der Spielzeit 1999/2000 und der anschließenden Qualifikation für den UEFA-Pokal über den UI-Cup positive Ergebnisse erspielt hatte, stand sie in der folgenden Spielzeit erneut in dem Bereich der Abstiegsränge. Nach dem Ausscheiden im UEFA-Pokal im Februar 2001 gegen den spanischen Vertreter Celta Vigo entschied sich die Stuttgarter Vereinsführung um den kurze Zeit zuvor verpflichteten Sportdirektor Rolf Rüssmann, Rangnick von seinen Aufgaben freizustellen und durch Felix Magath zu ersetzen.
Hannover 96 Im Sommer 2001 übernahm Rangnick den damaligen Zweitligisten Hannover 96, dem seit seinem Erfolg im DFB-Vereinspokal 1991/92 nicht mehr der Aufstieg in die Bundesliga gelang und der dabei 13 verschiedene Trainer angestellt hatte. Rangnick stellte das Spielsystem um, daraufhin dominierte die Mannschaft die Zweitliga-Spielzeit 2001/02. Insbesondere die Offensive um Daniel Stendel, Jiří Kaufman, Jan Šimák und Nebojša Krupniković war ein erfolgreicher Mannschaftsteil, sie erzielte für den niedersächsischen Klub in dieser Saison 93 Tore. Mit zehn Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten Arminia Bielefeld stieg die Mannschaft in die Bundesliga auf.
In der höchsten deutschen Liga spielte die von Rangnick betreute Mannschaft gegen den Abstieg und stand lange Zeit auf einem Abstiegsplatz. Zuvor hatte der wichtige Mittelfeldspieler Šimák den Verein verlassen. Dennoch setzte der Verein auf eine langfristige Zusammenarbeit mit Rangnick und verlängerte seinen Vertrag im September 2002 vorzeitig bis zum Sommer 2005.Rangnick bleibt bei 96. In: n-tv, 26. September 2002. Nach einigen Nachverpflichtungen in der Winterpause verließ der Klub am 20. Spieltag die Abstiegsränge und erreichte zum Ende der Saison 2002/03 den elften Tabellenrang. In der Folgezeit geriet Rangnick immer wieder mit dem Präsidenten Martin Kind sowie dem Sportdirektor Ricardo Moar aneinander. Ende des Jahres 2003 wurde eine Ausstiegsklausel zugunsten Rangnicks aus seinem Trainervertrag publik. Daraufhin wurde über einen möglichen Wechsel Rangnicks zu Hertha BSC spekuliert.Hannover 96 stellt Rangnick Ultimatum. In: Handelsblatt, 20. Dezember 2003. Im März 2004 wurde Rangnick nach vier Punkten aus den ersten sechs Rückrundenspielen beurlaubt.
Im Sommer 2004 suchte der neue Bundestrainer Jürgen Klinsmann einen Assistenten und fragte u. a. bei Ralf Rangnick an. Dieser lehnte ab, dafür wurde Joachim Löw verpflichtet.Gerold Knehr: In: Südwest Presse, 10. Juli 2010.
FC Schalke 04 Im September 2004 wurde Rangnick Nachfolger von Jupp Heynckes beim FC Schalke 04 und führte die Mannschaft in der Hinrunde an die Tabellenspitze, punktgleich mit dem FC Bayern München. Am 25. Spieltag besiegte Schalke die Mannschaft aus München und übernahm die Tabellenführung. Von den folgenden fünf Spielen verloren die Schalker vier, sodass Bayern München die Meisterschaft gewann.