mini|Lage der Insel Vilm mini|Vilm 1695 mini|Vilm aus Richtung NNO; 1,1 km entfernt, 386 m Höhe; im Hintergrund Rügen mit Schoritzer Wiek in Bildmitte mini|Vilm von Rügen aus gesehen mini|Rügen von Vilm aus gesehen Vilm [] ist eine deutsche Insel in der Ostsee. Sie liegt vor der Südküste der Insel Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Vilm gehört zu der auf Rügen gelegenen Stadt Putbus und ist Teil des Naturschutzgebiets Insel Vilm. Der Name leitet sich vom slawischen ilumu ab und bedeutet Ulme.
Geografie Die Insel liegt im Rügischen Bodden, drei Kilometer südöstlich von Lauterbach auf Rügen und 20 Kilometer vom Festland entfernt. Sie ist 0,94 km² groß und hat eine Länge von 2,5 km. Ihre höchste Erhebung beträgt 37,8 Meter über dem Meeresspiegel. Auf Vilm kommen nahezu alle Küstenformen der südlichen Ostsee vor, und ihre Natur ist von großer Artenvielfalt geprägt. Die Steilküsten sind ständigen Änderungen durch Abtragungen unterworfen, während an anderen Stellen Anlandungen von Sand und Kies erfolgen. Der Bewuchs besteht zu großen Teilen aus urwüchsigem Buchen- und Eichenbestand. Die Insel steht seit 1936 unter Naturschutz und gehört seit 1990 zum Biosphärenreservat Südost-Rügen. Sie ist gleichzeitig Europäisches Vogelschutzgebiet und FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) nach EU-Recht. Es sind nur einige wenige Häuser vorhanden, die von Naturschutzeinrichtungen genutzt werden.
Die Insel gliedert sich in drei Teile. Im Norden befindet sich der Große Vilm, auf dem sich auch die höchste Erhebung befindet. Hieran schließt sich südwestlich der schmale Mittelvilm an, der die Verbindung zum südlichen Teil der Insel, dem Kleinen Vilm herstellt. An der Nordspitze des Vilms befindet sich der in den Bodden ragende Große Haken. Das Ostufer des Großen Vilms wird als Kochufer bezeichnet. Südlich schließt sich die sich vom Kochufer bis zum Knirkberg erstreckende Große Vilmbucht an. Die Bucht im Bereich des Übergangs vom Mittelvilm zum Kleinen Vilm auf der Ostseite wird als Kleine Vilmbucht bezeichnet. Der südlichste Punkt des Kleinen Vilms und damit der gesamten Insel trägt den Namen Schneider oder auch Der Schneider. Das Südwestufer des Kleinen Vilms heißt Die Scheibe. Nördlich hiervon erstreckt sich der Kleine Haken in die See. Zwischen dem Kleinen Haken und dem Mittelvilm erstreckt sich die Bucht Am Ruptin oder Ruptin. Der Uferbereich wird als Blanke Hölle bezeichnet. Nördlich hiervon befindet sich der Vossberg. Im Wasser vor dem Westufer am Übergang vom Mittelvilm zum Großen Vilm sind in älteren Karten Die Brüder, vermutlich zwei Findlinge vor dem Ufer, eingezeichnet. Auf der Westseite des Großen Vilms liegt am Karkenufer der Landungssteg der Insel. Auf dem Großen Vilm befindet sich der Grüne Berg. Während in älteren Karten, aber auch in der neueren Literatur eine Erhebung am westlichen Steilufer so bezeichnet wird,Norbert Buske: Vilm – Die Geschichte einer Insel. thomasius verlag, 1994, S. 12 und 35. trägt auf aktuellen Kartenwerken die höchste, im Inneren des Großen Vilms befindliche Erhebung, diese Bezeichnung.
Nordwestlich der Insel befindet sich die Untiefe Schnakenwerder, die noch im 19. Jahrhundert als Insel bestand. Nah am südöstlichen Ufer liegt der Findling Waschstein. Ein weiterer als Geotop ausgewiesener, jedoch unbenannter Findling befindet sich auf dem Kleinen Vilm in der Nähe der Südspitze der Insel. Als Geotope sind auf Vilm darüber hinaus auch der Große Haken, die aktiven Steilufer auf Großem und Kleinem Vilm, ein fossiles Kliff auf dem Großen Vilm, sowie ein aktiver Kliffabschnitt in der Nähe des Kleinen Hakens ausgewiesen.
Etwa 2,8 Kilometer östlich von Vilm liegt eine teilweise als Ostervilm bezeichnete künstliche Insel im Rügischen Bodden, die der Volksmarine der DDR zur Entmagnetisierung ihrer Schiffe diente. Heute ist sie eine von Seevögeln bevölkerte Ruine.Frank Pergande: Die Insel Vilm. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. Juli 2009.Redaktionsnetzwerk Deutschland: Ehemalige DDR-Militärstation wid versteigert: In der Ostsee kann man sich den Traum von einer Privatinsel erfüllen – zumindest im Prinzip, veröffentlicht 2026-06-04
Geschichte Vorgeschichte und Mittelalter Vilm bildete sich vor etwa 10.000 Jahren aus eiszeitlichen Moränen. Es gibt Hinweise, dass die Insel bereits zur Steinzeit besiedelt war. So wurden Funde aus der Mittel- und Jungsteinzeit gemacht. Darüber hinaus bestehen auf der Erhebung des Großen Vilms Reste eines jungsteinzeitlichen Hünengrabs.Norbert Buske: Vilm – Die Geschichte einer Insel. thomasius verlag, 1994, S. 8 und 16. Vor 3000 Jahren trennte sich Vilm von der Insel Rügen. Für die Slawen war Vilm ein heiliger Ort. 1249 wurde die Insel erstmals urkundlich erwähnt. 250 Jahre zuvor, um das Jahr 1000, muss die Insel jedoch bereits den Wikingern bekannt gewesen sein. Die in nordischen Überlieferungen erwähnte Seeschlacht von Svoldr, die am 9. September 1000 zwischen den Norwegern unter König Olav I. Tryggvason und einer vereinigten dänisch-schwedischen Flottenmacht unter den Königen Sven Gabelbart und Olof Skötkonung im Bunde mit den Jomswikingern ausgefochten wurde, könnte jüngsten Forschungen zufolge im Seegebiet der Insel Vilm stattgefunden haben. Dabei wurden die Norweger vernichtet; auch die Macht der Jomswikinger war im Sinken begriffen.
Seit 1249 befindet sich der Vilm im Besitz des Hauses Putbus.Hans Dieter Knapp: Insel Vilm, Naturschutzgebiet im Biosphärenreservat Südost-Rügen. Bundesamt für Naturschutz, Faltblatt September 2012. Bei der Allerheiligenflut 1304 kam es zu Veränderungen der Gestalt der Insel, wobei die Art der Veränderung unklar ist. Es gibt Vermutungen, dass erst zu diesem Zeitpunkt die Trennung von der Insel Rügen erfolgte.ablehnend Norbert Buske: Vilm – Die Geschichte einer Insel. thomasius verlag, Schwerin 1994, S. 13. Auch später noch war Vilm von mehreren kleineren Inseln umgeben. 1371 werden mehrere Inseln (lutken Werderen) erwähnt, die jedoch nach und nach verschwanden, bis mit dem Schnakenwerder die letzte überspült war.
Vilmer Kapelle 1336 bestand auf der Insel bereits die Vilmer Kapelle, die zeitweise Bedeutung als Wallfahrtsort hatte und als Küstenstation zur Pflege Erkrankter diente. Es bestand ein Hof, auf dem zumindest drei Einsiedler lebten. Nach einem Wallfahrtsunglück vor dem Palmer Ort mit 90 Toten im Jahr 1372 kam es zu einem vorübergehenden Ende der Wallfahrten. 1396 kamen vier Einsiedler auf die Insel. Die Kapelle wurde wieder instand gesetzt. Südlich des Kirchhofs wurde den Einsiedlern eine Fläche von 15 Quadratruten zur Errichtung von Wohnungen zugewiesen. Später folgten noch weitere Einsiedler. 1490 war die Kapelle erneut vom Verfall bedroht. Am 22. September 1494 wurde der Altar einer wohl weitgehend neu erbauten Kapelle geweiht. Mit der Einführung der Reformation verlor die Kapelle ihre Bedeutung und wurde aufgegeben. Der endgültige Abriss erfolgte im 18. Jahrhundert. Heute (Stand 2013) erinnert ein Kreuz an die Kapelle. mini|Alter Baum auf dem Großen Vilm (2013) mini|Umgestürzter Baum über Weg am Kochufer mini|Blick vom Kochufer auf dem großen Vilm nach Süden zum Kleinen Vilm
Wirtschaftliche Nutzung der Insel Das Haus Putbus nutzte den Vilm als Sommerweide. Aus einer Urkunde des Jahres 1358 ergibt sich, dass man dem auf Vilm lebenden Kaplan Amelung von der Lippe das Recht einräumte, als Schutz vor dem Vieh seine Wiesen durch einen Graben und seinen Hof durch einen Zaun zu schützen. Auch nach dem Ende der Kapelle wurde das Gehöft auf dem Vilm weiter genutzt und vom Haus Putbus verpachtet. Im Laufe des 18. Jahrhunderts soll der Hof eine Zeitlang wüst gewesen sein. Aus einem Urkundenbuch von 1767 gehen jedoch bereits wieder fünf Bewohner hervor.
Bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts nutzte man darüber hinaus den Inselwald zur Holzgewinnung. 1527 fand der letzte große Holzeinschlag statt. Die Witwe des kurz zuvor verstorbenen Waldemar II. zu Putbus veräußerte 1527 nach einem Windbruch das Holz auf der Insel für den erheblichen Preis von 400 Mark Sundisch und eine Last Seebier an Stralsunder Kaufleute.Norbert Buske: Vilm – Die Geschichte einer Insel. thomasius verlag, Schwerin 1994, S. 31. Zugleich wurde das Recht zum Holzeinschlag auf zehn Jahre befristet. Ein totaler Kahlschlag war jedoch vertraglich untersagt. 60 von der Witwe bezeichnete Hegebäume, die Bäume an der Kapelle und im Garten mussten stehen bleiben. Die Hegebäume sollten dem Schutz der Weidetiere und wohl insbesondere auch der Eichelmast dienen. Diese sehr alten Bäume wurden später zu einer Sehenswürdigkeit der Insel. Die Stralsunder Kaufleute durften außerdem sechs Pferde auf Vilm halten, um das Holz zu den Schiffen zu transportieren. Für die Holzarbeiter wurde eine Unterkunft geschaffen. Sie durften auch vier Milchkühe und zwei Schlachtrinder halten, wobei die Tiere nicht zu groß sein durften, damit diese der sich ebenfalls zeitweise auf Vilm aufhaltenden Herrin zu Putbus nicht gefährlich wurden. mini|In der DDR-Zeit errichtete Siedlung. (Aufnahme 2013) mini|Südliche Häuserreihe mini|Gesellschaftshaus mini|Altes Stallgebäude mini|Anleger Eine erste Darstellung des Vilms auf einer Landkarte ist aus dem Jahr 1608 überliefert. Eine exakte Darstellung erfolgte dann 1695 im Rahmen der schwedischen Landesaufnahme von Vorpommern. 1678, im schwedisch-brandenburgischen Krieg, und 1715, im Großen Nordischen Krieg erfolgten jeweils in unmittelbarer Nähe des Vilms Landeoperationen zur Einnahme Rügens, von denen die Insel selbst jedoch nicht betroffen war.
Im Jahr 1788 erhielt die verwitwete Gräfin Sophie Wilhelmine zu Putbus den Hof auf Vilm als Witwenversorgung. Der Hof war erweitert worden. Neben dem Wohnhaus bestanden Scheune, Stall und ein Backofen. Es wurden 45 Kühe, acht Schweine und fünf Pferde gehalten. Zumindest zeitweise lebte die Mutter mit ihren Kindern Wilhelm Malte zu Putbus und Moritz Carl zu Putbus auch tatsächlich auf der Insel. Der Erzieher der Kinder, Karl Reyer, widmete dem Vilm ein Gedicht.
Nach dem letzten großen Holzeinschlag von 1527 konnten sich sowohl die Hegebäume als auch der nachwachsende Bewuchs ungestört zu beachtlich alten Bäumen entwickeln. Der Geograph Johann Jacob Grümbke besuchte die Insel und beschrieb im Jahr 1805 als erster die ungewöhnlich alten und großen Bäume. Seit 1812 wurde die Holznutzung gänzlich eingestellt. Aufgrund des urwüchsigen Waldes wurde Vilm ein häufiges Ziel und Motiv von Malern. Der Wald auf Vilm galt als letzter Urwald Norddeutschlands.Norbert Buske: Vilm – Die Geschichte einer Insel. thomasius verlag, Schwerin 1994, S. 36. In der Zeit der französischen Besetzung in den Jahren 1807 bis 1813 gab es von französischer Seite den Wunsch nach Abholzung des Vilms. Fürst Wilhelm Malte zu Putbus, der durch seine Kindheit und Jugend eng mit dem Vilm verbunden war, setzte sich jedoch erfolgreich gegen die Abholzung ein.
Tourismus Mit der Einrichtung des Badehauses Goor in den Jahren 1817/1818 auf Rügen, unweit des Vilms, durch Fürst Wilhelm Malte zu Putbus entwickelte sich in dem Gebiet ein früher Tourismus. Vilm wurde als Ausflugsziel genutzt.
Ab 1819 wurde der Hof auf Vilm vom Haus Putbus als Meierei verpachtet. Für die Pächter bestand die Verpflichtung, auf die Insel kommende Gäste aufzunehmen und gegen Entgelt zu bewirten. Besuchsanfragen konnten per Flaggensignalen von der Goor aus nach Vilm mitgeteilt werden. Erster Pächter wurde Christoph Haase von der Halbinsel Zudar.