Ein Schutzpatron ist in der katholischen Kirche, den orthodoxen Kirchen, der anglikanischen Kirche und in manchen islamisch geprägten Gegenden KleinasiensKarl Kaser: Familie und Verwandtschaft auf dem Balkan: Analyse einer untergehenden Kultur. Böhlau Verlag, Wien 1995, ISBN 978-3-205-98345-3, S. 215. ein Heiliger, der in bestimmten Anliegen bevorzugt angerufen wird. Der Grund dafür leitet sich meist aus der Lebensgeschichte oder der Art des Martyriums des oder der Heiligen her. Seinem Patronat unterstellt man ein bestimmtes Objekt oder einen bestimmten Ort, im Fall des Namenstages spricht man vom Namenspatron.
Bei der folgenden Liste der SchutzpatroneHeinrich Rennings, Martin Klöckener (Hrsg.): Dokumente zur Erneuerung der Liturgie. Band 1. Butzon & Bercker, Kevelaer 1983, S. 1260. muss man berücksichtigen, dass die Patronate der Heiligen regional und international sehr unterschiedlich vergeben wurden und darüber hinaus einem starken zeitlichen Wandel unterworfen waren.Gabriela Signori: Männlich-weiblich? Spätmittelalterliche Stadtheilige im wechselhaften Spiel von Aneignung und Umdeutung. In: Traverse 1994/2, S. 90–108.Gabriela Signori: Stadtheilige im Wandel. Ein Beitrag zur geschlechtsspezifischen Bedeutung und Ausgestaltung symbolischer Räume am Ausgang des Mittelalters. In: Francia 20/1 (1993), S. 39–67.Wilfried Ehbrecht: Die Stadt und ihre Heiligen. Aspekte und Probleme nach Beispielen west- und norddeutscher Städte. In: Ellen Widder, Mark Mersiowsky, Peter Johanek (Hrsg.): Vestigia Monasteriensia. Westfalen – Rheinland – Niederlande. Bielefeld 1995, S. 197–261. Der Wechsel von Landesherren oder die Reformation konnten alte Stadtpatrone völlig in den Hintergrund drängen.
Kritisch wird gegen gängige Listen von Schutzpatronen bzw. Schutzheiligen der katholischen Kirche eingewendet, dass diese häufig willkürlich scheinen. Studien zu Stadtpatronen haben ergeben, dass die immer wieder abgeschriebene Kompilation von Dieter Heinrich Kerler, Die Patronate der Heiligen, Ulm 1905, die keine Quellen angibt, unzuverlässig ist.Klaus Graf: Von wegen „alter Stadtpatron“ von Reutlingen. In: Archivalia vom 26. Februar 2015. Daher sind auch viele Angaben nur mit Vorsicht verwendbar. Andererseits greift man auch in neueren Studien als Vergleichsbasis darauf zurück.Stefan Samerski: Die Kölner Pantaleonsverehrung: Kontext – Funktion – Entwicklung. Rüthen Initiative Religiöse Volkskunde 2005, S. 83, FN 365.Anneke B. Mulder-Bakker, Marijke Carasso-Kok, Rijksmuseum Meermanno-Westreenianum: Gouden legenden: heiligenlevens en heiligenverering in de Nederlanden, Hilversum 1997, S. 128.
mini|Apostel Andreas, Schutzpatron der Stadt Brügge, Falkensteiner Retabel mini|Gudula, Schutzpatronin Brüssels, 15. Jahrhundert
Orts- und Landesheilige geordnet nach Staaten mini|Bavo, Schutzpatron Gents, 1460 (Literatur:Vgl. Eintrag Schutzpatron: Christian Gotthold Neudecker: Allgemeines Lexicon der Religions- und christlichen Kirchengeschichte für alle Confessionen. Bernhard Friedrich Voig, Weimar 1835, Band 4, S. 273.)
Belgien Anderlecht: Guido von Anderlecht Brügge: Apostel Andreas Brüssel: Gudula von Brüssel Gent: Bavo, Colette Mons: Waltraud
Deutschland Deutschland: Michael – eigentlich nicht Patron des Landes, sondern des Volkes
Ortschaften mini|Die hl. Hedwig, Schutzpatronin von Andechs und Polen mini|Dionysius von Paris, Schutzpatron Krefelds, Schedelsche Weltchronik 1493 mini|Mauritius, Schutzpatron Zwickaus, findet man auch in dessen Stadtwappen Aachen: Maria, Apostel Matthias Andechs: Hedwig von Andechs Augsburg: Ulrich von Augsburg, Afra von Augsburg, Simpert Baden-Baden: Bernhard II. (Baden) Bamberg: Kaiser Heinrich II. und Kaiserin Kunigunde, Otto von Bamberg Bautzen: Bernhard Wensch, Johannes Leisentrit Beckum: Stephanus und Sebastian Berlin: Benno von Meißen, Otto von Bamberg, Ludwig IX. Bingen am Rhein: Elisabeth von Schönau Bonn: Cassius und Florentius,Dies ist zum Teil strittig; vgl. Klaus Schreiner, Marc Müntz: Frömmigkeit im Mittelalter: politisch-soziale Kontexte, visuelle Praxis, körperliche Ausdrucksformen. Fink, München 2002, S. 127. Adelheid Braunschweig: Ägidius, Auctorvgl. Wilfried Ehbrecht: Konsens und Konflikt. Skizzen und Überlegungen zur älteren Verfassungsgeschichte deutscher Städte. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2001, S. 17., Anna Breisach: Gervasius und Protasius Bremen: Ansgar von Bremen Coburg: Mauritius Deutz: Heribert von Köln Dortmund: ReinoldusMartina Klug: Vom Märtyrer zum Stadtpatron. Entwicklung eines theologisch-kultischen Phänomens zum sozialen Faktor in der mittelalterlichen Stadt Dortmund. In: Thomas Schild, Beate Weifenbach (Hrsg.): Reinoldus und die Dortmunder Bürgergemeinde. Die mittelalterliche Stadt und ihr heiliger Patron. Essen 2000 (Veröffentlichungen des Dortmunder Stadtarchivs, Band 15). Duderstadt: Laurentius Düren: Anna Dürrwangen: Sebastian Düsseldorf: Apollinaris von Ravenna Eichstätt: Sola, Walburga, Willibald von EichstättKonrad Held: Willibald, der Stadtpatron und seine Eichstätter. Eichstätt 1987. Eisenach: GeorgThüringer Sagenbuch. G. Sendelbach, Coburg 1858, S. 216. Ellwangen (Jagst): Hariolf und Erlolf Erfurt: Adalar Erfweiler-Ehlingen: Mauritius Esens: Magnus von Fabrateria vetus Essen: Cosmas und Damian, Liudger Frankfurt am Main: Bartholomäus,Dieter Pötschke: Rolande, Kaiser und Recht: zur Rechtsgeschichte des Harzraums und seiner Umgebung. Lukas Verlag, Berlin 1999, S. 153. Helena Freiburg im Breisgau: Georg, Lambert von Lüttich, Alexander von Bergamo Freising: Korbinian, Sigismund Fröndenberg/Ruhr: Mauritius Fulda: Simplicius, Faustinus und Beatrix Görlitz: Hedwig von Andechs Hannover: Apostel Matthias Hamburg: Ansgar von Bremen, Maria und PetrusDietrich Poeck: Rituale der Ratswahl. Zeichen und Zeremoniell der Ratssetzung in Europa (12.–18. Jahrhundert). Böhlau, Köln, S. 168. Heilbronn: Kilian Helmstedt: Liudger Herborn: Petrus Herrieden: Deocar Herford: Pusinna Hersfeld: Wigbert Herzogenaurach: Maria Magdalena Hildesheim: Antonius von Padua, Bernward von Hildesheim, Godehard von Hildesheim,Stefan Petersen: Stadtentstehung im Schatten der Kirche. Bischof und Stadt in Hildesheim bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts. In: Uwe Grieme, Nathalie Kruppa, Stefan Pätzold (Hrsg.): Bischof und Bürger. Herrschaftsbeziehungen in den Kathedralstädten des Hoch- und Spätmittelalters. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, S. 162. Martin von Tours Ingolstadt: Mauritius Jülich: Hubertus von Lüttich Kaufbeuren: Maria Crescentia Höss Koblenz: Castor von KardenJoseph Maria von Radowitz: Ikonographie der Heiligen: ein Beitrag zur Kunstgeschichte. Dümmler 1834, S. 12. Köln: Pantaleon, Severin von Köln, Ursula von Köln, Gereon von Köln Konstanz: Konrad von Konstanz Krefeld: Dionysius von Paris Landshut: Sebastian Limburg an der Lahn: Servatius von Tongern Lüdenscheid: Medardus Mainz: AlbanusJoseph Maria von Radowitz: Ikonographie der Heiligen: ein Beitrag zur Kunstgeschichte. Dümmler 1834, S. 3., Martin von Tours Meiningen: Kaiser Heinrich II. Minden: Georg,Dieter Pötschke: Stadtrecht, Roland und Pranger: zur Rechtsgeschichte von Halberstadt, Goslar, Bremen und Städten der Mark Brandenburg. Lukas Verlag, Berlin 2002, S. 247. Gorgonius von Rom Mönchengladbach: Veit Moosburg an der Isar: Kastulus München: Benno von MeißenThomas Ludwig: Die Urkunden der Bischöfe von Meissen: Diplomatische Untersuchungen zum 10.–13. Jahrhundert. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2008, S. 16f. Münster: LiudgerLudwig Bechstein: Mythe, Sage, Märe und Fabel im Leben und Bewusstsein des Deutschen Volkes. (= Das Deutsche Volk dargestellt in Vergangenheit und Gegenwart zur Begründung der Zukunft, Band XIV) T.D. Waigel, Leipzig 1854, S. 167. Naumburg (Saale): Wenzel von BöhmenMarkus Späth: Die Bildlichkeit korporativer Siegel im Mittelalter: Kunstgeschichte und Geschichte im Gespräch. Böhlau, Köln 2009, S. 235. Neuss: Quirinus von Neuss Nürnberg: Laurentius, Sebaldus von Nürnberg, CyprianGerrit Jasper Schenk: Heiltümer und geraubte Himmel. Virtuelle Räume bei spätmittelalterlichen Herrschereinzügen im Reich. In: Virtuelle Räume: Raumwahrnehmung und Raumvorstellung im Mittelalter: Akten des 10. Symposiums des Mediävistenverbandes, Krems, 24.–26. März 2003, Akademie Verlag, Berlin 2005. S. 215 ff., hier S. 229. Ormesheim: St. Mauritius Osnabrück: Ägidius Paderborn: LiboriusBarbara Stambolis: Libori: das Kirchen- und Volksfest in Paderborn: eine Studie zu Entwicklung und Wandel historischer Festkultur. Waxmann, München u. a. 1996. Regensburg: Petrus Reichenau auf der Insel Reichenau: Johannes Markus Remagen: Apollinaris von Ravenna Reutlingen: Lukas Schopfheim: Erzengel Michael Selm (Westf.): Fabian und Sebastian Siegen: Nikolaus von Myra Solingen: Clemens Staufen im Breisgau: Anna Süchteln (Viersen): Irmgard von Süchteln Trier: Simon Petrus Weiher: Wendelin Wiesbaden: Mauritius Wittlich: Rochus von Montpellier Wolfsburg: Christophorus Würzburg: KilianLudwig Braun: Ancilla Calliopeae: ein Repertorium der neulateinischen Epik Frankreichs 1500–1700. Brill, Leiden/Boston 2007, S. 456. im Weiteren auch seine Begleiter Kolonat und Totnan Hessen: Elisabeth von Thüringen Wuppertal: Laurentius Xanten: Viktor von Xanten Zwickau: MauritiusGuido Heinzmann: Gemeinschaft und Identität spätmittelalterlicher Kleinstädte Westfalens. Eine mentalitätsgeschichtliche Untersuchung der Städte Dorsten, Haltern, Hamm, Lünen, Recklinghausen und Werne. Book on Demand, Norderstedt 2006, ISBN 3-8334-4634-X, S. 246 (Dissertation Universität Münster 2006).
Bundesländer und Regionen mini|Bernhard II. (Baden) / Stiftskirche (Baden-Baden) mini|Ein bayerischer Madonnentaler von 1754 zeigt die Gottesmutter als „Patrona Bavariae“ Baden: Bernhard II. von Baden Bayern: Maria (Patrona Bavariae), Korbinian Altbayern: Benno von Meißen Hallertau: Kastulus Eichsfeld: Martin von Tours Franken: Kilian, im Weiteren auch seine Begleiter Kolonat und Totnan Hessen: Elisabeth von Thüringen Sachsen (Lausitz): Benno von Meißen Norddeutschland: Ansgar Niederrhein: Willibrord (auch von Luxemburg und Niederlande) Oberschwaben: Maria Pfalz: Pirminius Preußen: Adalbert von PragJoseph Maria von Radowitz: Ikonographie der Heiligen: ein Beitrag zur Kunstgeschichte. Dümmler 1834, S. 1., Dorothea von Montau Sachsen: Vitus Thüringen: Bonifatius, Elisabeth von Thüringen
Frankreich mini|Johannes Vianney, Schutzpatron der Stadt Lille Frankreich: Maria von der Aufnahme in den Himmel, Michael, Martin, Ludwig IX., Jeanne d’Arc, Therese von Lisieux Amiens: Firmin der Ältere von Amiens,Gustav Gröber: Geschichte der mittelfranzösischen Literatur. Grundriss der romanischen Philologie. N.F. Geschichte der französischen Literatur. Berlin 1937, S. 203. Johannes der TäuferRenate Prochno: Die Kartause von Champmol: Grablege der burgundischen Herzöge 1364–1477. Akademie Verlag, Berlin 2002, S. 35. Annecy: Franz von Sales Arras: Johannes Vianney Avignon: Bénézet, Agricola, Ruf, Peter von LuxemburgJacques Baudoin, Grand livre des saints: culte et iconographie en Occident, 2006, S. 401. Bordeaux: Apostel Andreas Calenzana: Restituta von Afrika Chambéry: Franz von Sales Dijon: Benignus,Joseph Maria von Radowitz: Ikonographie der Heiligen: ein Beitrag zur Kunstgeschichte. Dümmler 1834, S. 9. Urban von Langres Grenoble: Hugo von Grenoble La Rochelle: Hilarius von Poitiers Lille: Johannes Vianney Lyon: BlandinaHeilige Blandina. im Heiligenkalender des Bistums Münster Metz: Arnulf von SoissonsJoseph Maria von Radowitz: Ikonographie der Heiligen: ein Beitrag zur Kunstgeschichte. Dümmler 1834, S. 7. Paris: Dionysius von Paris, Genoveva von Paris Poitiers: Radegundis Valence: Apollinaris von RavennaJoseph Maria von Radowitz: Ikonographie der Heiligen: ein Beitrag zur Kunstgeschichte. Dümmler 1834, S. 6.
Irland Irland: Patrick von Irland, Brigida von Kildare, Columban von Iona