Kollaboration ( ‚mit-‘, ‚arbeiten‘) ist die ideelle Zusammenarbeit zwischen Personen oder Gruppen von Personen. Insbesondere ist damit die Zusammenarbeit mit dem Feind zu Zeiten eines Krieges oder der Besatzung gemeint; eine in diesem Sinne mit dem Gegner kollaborierende Person wird als Kollaborateur bezeichnet. Besonders häufig wird der Begriff auf die Kollaboration mit den Achsenmächten zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in den besetzten Ländern Europas, Asiens und Afrikas zwischen 1939 und 1945 bezogen.

Begriffsabgrenzung Der Begriff „Kollaboration“ Im Deutschen ist der Begriff außer in bestimmten Randbereichen in der Regel negativ besetzt und meint die „Zusammenarbeit mit dem Feind“.

Wertfrei wird der Ausdruck Kollaboration unter anderem in den Wirtschaftswissenschaften und in anderen anwendungsbezogenen Wissenschaften sowie im Projektmanagement verwendet. In diesem wertfreien Sinn ist der Begriff collaboration auch im Englischen und Französischen geläufig. Kollaboration meint hier allgemein eine Form der geistigen Kooperation oder Zusammenarbeit. Die Abgrenzung zwischen Kooperation und Kollaboration wird dabei in einer aus dem angelsächsischen Sprachgebrauch importierten Sichtweise darin gesehen, dass die Partner bei einer Kollaboration am Endergebnis der Zusammenarbeit schöpferisch beteiligt und keine bloßen Zuarbeiter oder Inhaltslieferanten sind.Ron Ashkenas: There’s a Difference Between Cooperation and Collaboration. In: HBR, 20. April 2015. In diesem Sinn spricht man auch in der Musikproduktion von Kollaboration, wenn mehrere Musiker ein Musikalbum gemeinsam veröffentlichen (Kollaboalbum). Ein weiteres Beispiel für die wertfreie Begriffsverwendung ist die kollaborative Robotik, wo Kollaboration für die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter steht.

Aus feministischer Sicht werden von einigen Vertreterinnen auch bestimmte Formen der Zusammenarbeit von Frauen mit Männern, insbesondere die freiwillige Unterordnung unter dominante männliche Verhaltensweisen bei sexuellen Begegnungen, als „Kollaboration“ bezeichnet und im Kontext des Geschlechterkampfes negativ bewertet; in diesem Sinne erklärte die Feministin Alice Schwarzer: „Weiblicher Masochismus ist Kollaboration!“Ulf Schleth, Seda Niğbolu: Im Konsens liegt die Macht. Artikel in der TAZ vom 23. Juli 2014; abgerufen am 6. September 2016.

Der Begriff „Kollaborateur“ In anderen Sprachen wie beispielsweise dem Englischen, Spanischen und Italienischen bedeutet auch collaborator, colaborador bzw. collaboratore nur ganz allgemein Mitarbeiter. Im Englischen wird jemand, der mit dem Feind zusammenarbeitet, hingegen mit dem Wort Quisling bezeichnet. Dieser auch in anderen Sprachen verbreitete Ausdruck für einen Kollaborateur im Krieg leitet sich vom Nachnamen des Norwegers Vidkun Quisling her, der vor und während der Besatzung seines Landes durch die Deutschen mit den Nationalsozialisten kollaborierte. Im Spanischen nennt man einen solchen Kollaborateur colaboradorista, im Italienischen collaborazionista.

Im Französischen wird die Benennung collaborateur für beide Begriffe verwendet, kann also je nach Kontext entweder „Mitarbeiter“ (wertungsfrei) oder „Kollaborateur“ im hier beschriebenen negativen Sinn bedeuten. Daneben wird für den Begriff der Kollaboration mit dem Gegner auch der eindeutig negativ belegte Ausdruck collaborationniste benutzt.

Im Deutschen ist die neutrale Verwendung des Wortes Kollaborateur im Sinne von „Mitarbeiter“ (wertungsfrei) vornehmlich in Österreich zu finden und gilt als Austriazismus. Noch im 19. Jahrhundert war allerdings auch in Deutschland, vor allem im süddeutschen Raum, die latinisierte Berufsbezeichnung Kollaborator für bestimmte Hilfsbedienstete anzutreffen (etwa Hilfsgeistliche, Hilfslehrer an höheren Schulen etc.); das entsprechende Amt hieß dann Kollaboratur. In diesem Sinn taucht etwa in der Erzählung Die Frau Professorin von Berthold Auerbach der „Bibliothekskollaborator Reihenmaier“ auf.

Die Verwendung des Ausdrucks zur Bezeichnung einer mit dem Feind kollaborierenden Person zu Kriegszeiten ist im deutschen Sprachgebrauch seit dem 19. Jahrhundert belegt. Schon damals spielte er besonders auch in den verschiedenen deutsch-französischen Konflikten seit den napoleonischen Kriegen eine Rolle (Stichwort „Erbfeind“). So erscheint es nur als logische Entwicklung, dass der Begriff in der Zeit der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg neue Aktualität gewann und auch heute noch insbesondere auf diese Vorgänge bezogen wird.

Unmittelbarer Anlass für die Verwendung dieses Ausdrucks im besetzten Frankreich war eine im Radio übertragene Rede des Staatschefs Pétain vom 30. Oktober 1940 nach seinem Treffen mit Adolf Hitler in Montoire-sur-le-Loir am 24. Oktober, in der er die Franzosen zur „Zusammenarbeit“ (collaboration) mit den deutschen Besatzern aufrief. Besondere Brisanz besitzt in diesem Zusammenhang die erst in den vergangenen Jahrzehnten im vollen Umfang bekannt gewordene Mitwirkung französischer Polizeiorgane und Behörden an der Deportation von Juden aus Frankreich in die NS-Vernichtungslager. Der Vorwurf der Kollaboration mit dem Dritten Reich führte in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu zahlreichen Verhaftungen und Misshandlungen tatsächlicher oder auch vermeintlicher Kollaborateure im befreiten Frankreich.

In der Zeit des Kalten Krieges benutzte man das Wort Kollaborateur in Deutschland auch als Schimpfwort für weltanschauliche Gegner, die man der Zusammenarbeit mit dem politischen System auf der jeweils anderen Seite des Eisernen Vorhangs bezichtigen oder als dessen Sympathisanten bloßstellen wollte (siehe auch: „Fünfte Kolonne“).

In vielerlei Konfliktlagen wurde und wird der Begriff Kollaboration bzw. Kollaborateur auch in jüngerer Zeit benutzt, um die Zusammenarbeit einheimischer Gruppierungen mit fremden, als Kolonial- oder Besatzungsmächte angesehenen Kräften abwertend zu kennzeichnen – so etwa im Maghreb, auf dem Balkan, in Afghanistan und im Irak. Wiederum neue Aktualität gewann der Begriff im Ukrainekrieg seit 2022, wo die Gewinnung, Verdächtigung und Verfolgung von Kollaborateuren (in Osteuropa häufig als „Saboteure“ bezeichnet) auf beiden Seiten eine große Rolle spielt.

Kollaboration mit den Achsenmächten im Zweiten Weltkrieg Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges gab es in den vom nationalsozialistischen Deutschen Reich, dem faschistischen Italien und dem Japanischen Kaiserreich besetzten Gebieten Organisationen, Bewegungen und Einzelpersonen, die mit den Besatzern kollaborierten. Durch besondere Grausamkeit traten auf japanischer Seite die timoresischen Colunas Negras hervor.

Japan Auch im pazifisch-ostasiatischen Kriegsschauplatz kollaborierten in den vom Japanischen Kaiserreich besetzten oder kontrollierten Gebieten einheimische Eliten, Politiker und bewaffnete Verbände in unterschiedlichem Ausmaß mit der Besatzungsmacht. Die japanische Besatzungspolitik stützte sich, ähnlich wie die deutsche in Europa, vielerorts auf die Errichtung nominell unabhängiger oder autonomer Verwaltungen, deren Handlungsspielraum jedoch stark eingeschränkt blieb.

Österreich Siehe Hauptartikel Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus#Österreicher als Täter.

Niederlande In den Niederlanden war vor allem die Nationaal-Socialistische Beweging sowie die kleinere Nationaal-Socialistische Nederlandsche Arbeiderspartij NS-Deutschland sehr verbunden. So gingen auch Niederländer wie Ernst Hermann van Rappard freiwillig zur Waffen-SS. Am 7. Mai 1945 wurde Anton Mussert, Gründer der Nationaal-Socialistischen Beweging festgenommen, im November wegen Kollaboration vor Gericht gestellt und wegen Landesverrats zum Tode durch Erschießen verurteilt.

Luxemburg

Luxemburg wurde von internationalen Historikern dafür kritisiert, dass bisher keine objektive Aufarbeitung seiner Geschichte während der Judenverfolgung erfolgt ist und sich Luxemburg bisher fälschlich lediglich als Opfer stilisiert hat.

Die daraufhin erfolgten Forschungsberichte der luxemburgischen Historiker Denis Scuto und Vincent Artuso ergaben, dass die luxemburgische Verwaltungskommission, die als Ersatzregierung tätig war, nachdem die offizielle Regierung Luxemburgs ins Exil gegangen war, aktiv an der Deportation der Juden beteiligt war. Sie kollaborierte nicht nur mit den Nationalsozialisten, sondern lieferte Juden, darunter auch viele jüdische Kinder, aus eigenem Antrieb an die Nationalsozialisten aus. Sie handelte dabei aktiv und nicht nur als Befehlsempfänger der NS-Besatzer.

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Luxemburg weit verbreiteten offenen Antisemitismus. Das Dritte Nürnberger Rassegesetz wurde von Luxemburg schon vor dem Zweiten Weltkrieg in den 1930er Jahren freiwillig übernommen und die Ehe mit Juden verboten. Nach Luxemburg geflüchtete Juden wurden separat registriert. Juden wurden als Menschen zweiter Klasse eingestuft und unter anderem bei der Arbeitssuche behindert.

Luxemburg hat sich lange Zeit nur als Opfer deutscher Aggressionen und Zwangsrekrutierungen definiert. Doch schon vor der deutschen Besetzung gab es Antisemitismus in Luxemburg. Mitte der 30er-Jahre scheuten die Luxemburger Behörden auch nicht davor zurück, »illegale« jüdische Flüchtlinge und sogar Flüchtlinge mit gültigen Papieren zur deutschen Grenze zurückzubringen, obwohl bekannt war, dass sie dort verhaftet und in Konzentrationslager gebracht würden. Die Juden gerieten immer wieder ins Visier militanter Nationalisten und NS-Sympathisanten und wurden als Parasiten bezeichnet sowie aufgefordert, nach Palästina zu gehen. Im Jahr 1938 wurde sogar nach dem Schutz Deutschlands gerufen.Vor 77 Jahren / An der größten Massenerschießung des Zweiten Weltkriegs waren auch Luxemburger beteiligt, auf tageblatt.luLUXEMBURG. Die Helfer der Schoa, auf juedische-allgemeine.de

In Luxemburg existierte seit 1881 bis zur deutschen Invasion die Luxemburger Freiwilligenkompanie, eine kleine 425-köpfige Luxemburger Armee, die im Herbst 1940 von den NS-Okkupanten in die deutsche Schutzpolizei eingegliedert wurde. Nach einer sechsmonatigen Ausbildung in Weimar wurden die Luxemburger verschiedenen deutschen Polizeibataillonen zugeteilt. Von ihnen kamen 14 mit dem berüchtigten Reserve-Polizei-Bataillon 101 Ende Juni 1942 nach Polen und waren an Massakern beteiligt. Dem amerikanischen Historiker Christopher Browning zufolge war das Bataillon direkt oder indirekt an der Ermordung von mindestens 83.000 Juden beteiligt. An der größten Massenerschießung des Zweiten Weltkriegs waren auch Luxemburger beteiligt. Am 3. und 4. November 1943 wurden im besetzten Polen, im KZ Majdanek und in den Arbeitslagern Trawniki und Poniatowa mindestens 42.000 Juden – Männer, Frauen und Kinder – erschossen. An dieser Erschießungsaktion waren auch Luxemburger in deutscher Polizeiuniform beteiligt.

Im Reserve-Polizei-Bataillon 101 dienten 14 Luxemburger und dazu noch in der besonders einsatzfähigen 1. Kompanie. Von 150 Angehörigen dieser Kompanie gehörten die 14 Luxemburger zu den 28 aktiven Polizisten, also eindeutig zum harten Kern. Die guten Führungszeugnisse der Beteiligten zeigen, dass sie ihren Dienst in vollster Zufriedenheit ihrer NS-Hierarchie ausübten. Das Reserve-Polizei-Bataillon 101 war an der Vernichtung der polnischen Juden beteiligt.„Wir müssen uns auch den unbequemen Wahrheiten stellen“, auf memoshoah.lu, auf journal.lu