mini|Großer Markt mit Willibrordi-Dom und Rathaus mit teilweise rekonstruierter Fassade mini|Großer Markt im 19. Jahrhundert Die Hansestadt Wesel liegt am unteren Niederrhein und ist die Kreisstadt des Kreises Wesel. Sie gehört zur Metropolregion Rhein-Ruhr im Regierungsbezirk Düsseldorf des Landes Nordrhein-Westfalen und hat bei rund 61.000 Einwohnern den Status einer Großen kreisangehörigen Stadt. Wesel liegt an den Flüssen Rhein und Lippe und hat mehrere Großstädte in der weiteren Umgebung. In Wesel mündet die Lippe in den Rhein.

Im Spätmittelalter entwickelte sich Wesel zu einer bedeutenden Handelsstadt und erreichte 1407 die Aufnahme in den Hansebund. Aus der Hansezeit stammt das historische Rathaus, dessen im Zweiten Weltkrieg zerstörte Fassade bis 2011 rekonstruiert wurde. Auch der evangelische Willibrordi-Dom hat nach verschiedenen Bauphasen wieder das Erscheinungsbild des 16. Jahrhunderts.

Unter preußischer Herrschaft begann 1681 der Ausbau der Stadt zur Festung Wesel. Die Stadt blieb bis ins 20. Jahrhundert militärisch geprägt und war aufgrund ihrer strategischen Bedeutung im Zweiten Weltkrieg von starken Zerstörungen betroffen. Von der Festung sind mehrere Gebäude erhalten geblieben. Prägend für das Stadtbild sind darunter die Zitadelle Wesel und das Berliner Tor. Die Zitadelle wird heute als Kulturzentrum mit verschiedenen Einrichtungen genutzt. Das ehemalige Glacis der Festung Wesel wurde in Grünanlagen umgewandelt.

Kreisstadt ist Wesel bereits seit 1842. Mit den Gebietsreformen von 1969 und 1975 hat sich das Stadtgebiet deutlich vergrößert. Es umfasst seither ein größeres ländliches Umland, das durch Rhein, Lippe, den ausgebaggerten Auesee und größere Waldgebiete wie den Diersfordter Wald geprägt ist. Die Stadt gilt als eine der fahrradfreundlichsten Deutschlands. Für den Autoverkehr sind die nahegelegene A 3 und mehrere Bundesstraßen wichtige Verbindungen. Vom Bahnhof Wesel aus bestehen direkte Zugverbindungen nach Düsseldorf und Köln sowie ins Ruhrgebiet und in die Niederlande.

Geografie Lage und Ausdehnung mini|Luftansicht Wesels, Blick nach Westen mini|Moor im Diersfordter Wald mini|Rheinaue bei Bislich mit Blick hinüber nach Xanten Wesel liegt am unteren Niederrhein und ist von verschiedenen Landschafts- und Kulturräumen umgeben. Einerseits liegt die Stadt im Randbereich des Ruhrgebiets, ist Mitglied des Regionalverbands Ruhr und von den Stadtzentren der südlich gelegenen Großstädte Duisburg und Oberhausen in Luftlinie jeweils rund 25 Kilometer entfernt. Düsseldorf liegt etwa 50 Kilometer, Köln rund 85 Kilometer südlich. Im Norden und im Westen jenseits des Rheins liegt dagegen die vergleichsweise dünn besiedelte Landschaft des unteren Niederrheins und Richtung Norden ist die Grenze zu den Niederlanden rund 25 Kilometer in Luftlinie entfernt. Östlich und nordöstlich der Stadt liegt der Naturpark Hohe Mark-Westmünsterland, zugleich befindet sich dort die Grenze zum Landesteil Westfalen. Auf Weseler Stadtgebiet fließt die Lippe, die dort in den Rhein mündet, und zudem die Issel.

Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von 122,56 Quadratkilometern, womit Wesel der Fläche nach die zweitgrößte Stadt des Kreises nach Hamminkeln ist. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 12,0 und die maximale Ost-West-Ausdehnung 17,3 Kilometer. Seit der Gebietsreform umfasst Wesel mit dem Stadtteil Büderich neben seinem rechtsrheinischen Kernbereich auch ein linksrheinisches Gebiet mit einer Fläche von 24 Quadratkilometern. Damit ist Wesel die am weitesten rheinabwärts gelegene Stadt, die Gebiete auf beiden Seiten des Stroms umfasst. Die Bevölkerungsdichte liegt bei knapp 500 Einwohnern je Quadratkilometer, ist allerdings sehr unterschiedlich verteilt. Der am dichtesten besiedelte Stadtteil Wesel weist annähernd 1.500 Einwohner pro Quadratkilometer auf, der Stadtteil Bislich hingegen nur etwa 70 Einwohner pro Quadratkilometer.

Im Nordwesten grenzt Wesel mit seinem Stadtteil Bislich an das Gebiet der ebenfalls am Rhein gelegenen Stadt Rees, die als einzige Nachbargemeinde nicht dem Kreis Wesel, sondern dem Kreis Kleve angehört. Nördlich grenzt das Stadtgebiet an die Stadt Hamminkeln und im Norden sowie im Osten an die Gemeinde Hünxe. Es handelt sich jeweils um vergleichsweise dünn besiedelte Gemeinden mit weniger als 200 Einwohnern pro Quadratkilometer. Im Süden bildet der Wesel-Datteln-Kanal die Grenze zur Stadt Voerde. In diese Richtung besteht Wesels Anschluss an den Verdichtungsraum des Ruhrgebiets. Im Südwesten besteht auf der linken Rheinseite eine Grenze zur Stadt Rheinberg. Zur linksrheinisch gelegenen Stadt Xanten besteht im Westen sowohl eine Landgrenze (Stadtteil Büderich) als auch eine durch den Rhein markierte Grenze (rechtsrheinischer Stadtteil Bislich). Die Gesamtlänge der Stadtgrenze beträgt 61,8 Kilometer.Geografische Daten (wesel.de).

Flächennutzung 2016 wurde annähernd die Hälfte des Stadtgebiets von landwirtschaftlicher Fläche eingenommen, womit diese den deutlich größten Anteil an den verschiedenen Formen der Flächennutzung einnahm. Der Anteil von Gebäude- und Freifläche am Stadtgebiet entspricht nahezu dem Landesschnitt, wohingegen Betriebs-, Erholungs- und Verkehrsfläche jeweils leicht über dem Landesdurchschnitt liegen.

Insgesamt beläuft sich der Gesamtanteil von Siedlungs- und Verkehrsfläche am Stadtgebiet auf 24,6 % und damit leicht über dem Landesschnitt von 22,9 %. Es handelt sich dabei um die Summe der vorher genannten Flächenarten, die allerdings geringfügig abweichend berechnet wird. Deutlich geringer als im Landesschnitt war 2016 der Anteil der Waldfläche. Mit 14,6 % lag der Waldanteil allerdings nur knapp unter dem Durchschnitt des Regierungsbezirks Düsseldorf (15,6 %).Katasterfläche in Nordrhein-Westfalen in den Jahren 2006 und 2016 nach ausgewählten Nutzungsarten (it-nrw.de).

Zu Jahresbeginn 2016 war Wesel unter allen Kommunen des Landes Nordrhein-Westfalen diejenige mit dem größten Anteil an Wasserfläche.Landwirtschaftsfläche in NRW verringerte sich in den letzten zehn Jahren um 608 Quadratkilometer (it-nrw.de). Dieser lag bei 13,3 %, gegenüber nur 1,9 % im Landesschnitt. Größere Wasserflächen sind neben dem mehrere hundert Meter breiten Rhein sowie den Flüssen Lippe und Issel mehrere Baggerseen, darunter der Auesee und der Diersfordter Waldsee. Bis auf den sehr stadtnahen Auesee liegen alle größeren Baggerseen im Bereich des Stadtteils Bislich und zum kleineren Teil im Stadtteil Büderich. Auch die Nachbarstädte Rees (12,4 %) und Xanten (11,4 %) wiesen 2016 mehr als 10 % Wasserflächen auf.

Stadtgliederung mini|Alle Ortsteile von Wesel

+ Stadtteile von Wesel Name Fläche in km² Einwohner(31. Dez. 2019) Einw. je km² WappenWesel 26,08 38.300 1.469 20pxFlüren 9,15 4.792 524 20pxObrighoven-Lackhausen 26,79 11.026 412 20pxBislich 36,53 2.560 70 20pxBüderich 24,00 5.823 243 20px Gesamt 122,55 62.501 510 Räumlich ist die Stadt in folgende fünf Stadtteile gegliedert, die wiederum aus weiteren Ortsteilen bestehen: wesel.de, abgerufen am 24. März 2020. Bislich: Bergerfurth, Bislich und Diersfordt Büderich: Büderich, Ginderich und Werrich/Perrich Flüren: Flüren Obrighoven-Lackhausen: Lackhausen, Obrighoven und Wittenberg Wesel: Altstadt, Blumenkamp, Feldmark, Fusternberg und Schepersfeld

Zu Daten auch über die einzelnen Ortsteile siehe Liste der Stadtteile von Wesel.

Die Untergliederung in Stadt- und Ortsteile dient vorrangig statistischen Zwecken, spiegelt jedoch bestimmte historische Gegebenheiten wider. Der Stadtteil Wesel umfasst bis auf Blumenkamp im Norden und Lippedorf im Süden Gebiete, die bereits im Mittelalter zur Stadt gehörten. Die Entwicklung der Feldmark, Fusternbergs und Schepersfelds zu städtisch geprägten Quartieren begann jedoch erst um 1890. Die Stadtteile Obrighoven-Lackhausen und Flüren wurden jeweils 1969 eingemeindet, waren in ihrer historischen Entwicklung jedoch bereits zuvor eng mit Wesel verbunden und weisen eine Bevölkerungsdichte nah am Durchschnitt des gesamten Stadtgebiets auf. Dagegen wurden Bislich und Büderich jeweils erst 1975 eingemeindet, weisen eine geringere Bevölkerungsdichte und eher ländliche Strukturen auf.

Geschichte Antike Funde in den Kiesgruben bei Bislich deuten auf eine Besiedlung des Weseler Raums bereits in der Bronze- und Eisenzeit hin. Aufgrund der häufigen Verlagerungen im Flussbett des Rheins sowie der Lippe und der damit verbundenen Überschwemmungen lässt sich die Frühgeschichte Wesels jedoch nur lückenhaft rekonstruieren. Vermutlich wurde ein Wachposten im rechtsrheinischen Gebiet des späteren Wesel errichtet, als sich das Römische Reich im ersten Jahrhundert v. Chr. an den Niederrhein ausdehnte und der Militärplatz von Vetera (auch Vetera Castra) im linksrheinischen Gebiet des späteren Xanten gegründet wurde; belegt werden konnte dies bislang jedoch nicht.

Mittelalter mini|hochkant|Wahrzeichen der Stadt: Gotisches Rathaus von Wesel, im Zweiten Weltkrieg zerstört, Fassade 2011 rekonstruiert. (Zeichnung von 1897) mini|hochkant|Weseler Willibrordi-Dom, von Osten

Die erste nachweisbare Ansiedlung auf heutigem Weseler Stadtgebiet entstand nach der Zeit der Völkerwanderung im Bereich der damaligen Mündung der Lippe in den Rhein der Stützpunkt Lippeham.Christoph Reichmann: Wo lag Lippeham? Unser Bocholt 3–4, 1980, S. 44–48. Von hier aus unternahm Kaiser Karl der Große mehrere Feldzüge gegen Sachsen und Dänen. Die weitere Entwicklung dieser Siedlung ist weitestgehend unbekannt, vermutlich wurde sie jedoch durch Rhein- und Lippehochwasser überschwemmt und in der Folge aufgegeben.

Als Ursprung der heutigen Stadt wird ein fränkischer Gutshof vermutet, der im Bereich des heutigen Kornmarkts lag.Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1998, S. 438, Taf. 219. ISBN 3-7927-1247-4. Anfang des 8. Jahrhunderts erwähnte eine Urkundenabschrift im Kloster Echternach erstmals den Namen „Wesele“.Camillus Wampach: Urkunden- und Quellenbuch der alt-luxemburgischen Territorien bis zur burgundischen Zeit. Luxemburg 1935-55, I.2, S. 102 mit Nr. 41. Bei Ausgrabungen in der Ruine des Willibrordi-Doms nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Existenz einer Fachwerkkirche im 8. Jahrhundert belegt werden.Hugo Borger: Die Ausgrabungen in der Willibrordkirche zu Wesl. Der Niederrhein 31, 1964, S. 91–96. – W. Zimmermann, in: Bonner Jahrbücher 158, 1958, 451 Nr. 4. In einer Urkunde vom 1. Mai 1065 bestätigte König Heinrich IV. die Rückgabe der Kirche und des Besitzes der „villa Wisele“ an das Kloster Echternach.Camillus Wampach: Urkunden- und Quellenbuch der alt-luxemburgischen Territorien bis zur burgundischen Zeit. Luxemburg 1935-55, I.2, S. 102 mit Nr. 193.

Wesel hatte sich zu Beginn des 12. Jahrhunderts durch die günstige Lage an Rhein und Lippe zu einem Warenumschlagsplatz entwickelt, als es als Mitgift an die Grafen von Kleve fiel. Im September 1241 verlieh ihm dann der Klever Junggraf Dietrich primogenitus die Stadtrechte – ein Jahr vor seinem Herrschaftssitz Kleve.September 1241 - Verleihung der Stadtrechte, wesel.de, abgerufen am 11. September 2016. Dabei erhielten die Bürger Wesels eine Reihe von Privilegien, darunter freie Erbschaft und Zollfreiheit an allen landesherrlichen Zollstätten.Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Köln, Urkunden 258, 1846, Band 2, 1201 bis 1300, S. 132. Bis 1603 wurden durch die Landesherren insgesamt 122 Privilegien für die Stadtbewohner ausgesprochen, womit Wesel die meistprivilegierte Stadt im Land Kleve war.