Die S-Bahn Hannover ist seit dem Jahr 2000 ein wesentlicher Teil des Angebots im öffentlichen Personennahverkehr der Region Hannover. Die Linien reichen bis in die benachbarten Landkreise Celle, Hameln-Pyrmont, Hildesheim, Nienburg und Schaumburg sowie in die Kreise Minden-Lübbecke, Höxter, Lippe und Paderborn im Land Nordrhein-Westfalen.

Durch die Einführung der S-Bahn wurde der Schienenpersonennahverkehr der Deutschen Bahn im Raum Hannover, zu dem auch Regional-Express- und Regionalbahn-Züge gehören, modernisiert. Im Bereich der Stadt Hannover gibt es am Hauptbahnhof sowie an weiteren S-Bahn-Stationen Umsteigemöglichkeiten zur Stadtbahn Hannover (siehe Nahverkehr in Hannover).

Geschichte Vorgeschichte

Bereits in den 1950er Jahren war geplant, den Eisenbahn-Schienenpersonennahverkehr in der Region Hannover auszubauen. Zunächst nahm die Deutsche Bundesbahn zum Fahrplanwechsel am 26. September 1965 auf der Ost-West-Achse Nienburg (Weser) – Neustadt am Rübenberge – Wunstorf – Hannover – Lehrte – Burgdorf – Celle den sogenannten Nahschnellverkehr auf. Neue Wendezüge mit n-Wagen und Elektrolokomotiven sorgten für entsprechende Fahrzeitverkürzungen. Am 29. September 1968 folgte mit der Elektrifizierung der Strecke Minden–Wunstorf eine zweite Verbindung Minden – Hannover – Celle. Am 31. Mai 1970 erfolgte die Aufnahme des Nahschnellverkehrs auf der dazu elektrifizierten Deisterbahn. Wegen Uneinigkeit zwischen Bund, Land und Großraumverband unterblieben weitere Ausbauten. 1984 wurde als Vorleistung für einen Ausbau der Strecke zwischen Wunstorf und Hannover die Bahnsteige in Seelze verlegt und mit Überholgleisen und einem zweiten Bahnsteig neu gebaut. Ab 27. Mai 1989 wurden die Deisterbahn und die Strecke zwischen Hannover und Hameln mit modernisiertem Wagenpark als CityBahn erstmalig im konsequenten Stundentakt betrieben.

S-Bahn-Bau zur Expo 2000 mini|200px|S-Bahn-Logo der DB Regio Nord AG von 28. Mai 2000 bis 12. Juni 2022 Nachdem Hannover im Jahr 1990 den Zuschlag zur Expo 2000 bekommen hatte, wurde die ursprünglich für später geplante Einführung der S-Bahn vorgezogen und wurde am 12. November 1990 ein Ausbauvertrag zwischen dem Bundesland Niedersachsen, dem Kommunalverband Großraum Hannover und der Deutschen Bundesbahn unterzeichnet. In relativ kurzer Zeit wurden die jahrzehntelang nahezu unverändert gebliebenen Strecken in und um Hannover erheblich ausgebaut. Die Bauarbeiten begannen 1993 mit dem ersten Rammschlag für die neue Station Hannover Karl-Wiechert-Allee an der Bahnstrecke Hannover–Braunschweig, die eine Verknüpfung zur Stadtbahn herstellen sollte.

mini|S-Bahnhof Hannover-Nordstadt mini|Bahnhof Hannover-Linden/Fischerhof (oben S-Bahn, unten Stadtbahn)

Auf der westlichen Strecke vom Hauptbahnhof in Richtung Wunstorf wurden bis Seelze ab 1994 zwei zusätzliche Gleise für den S-Bahn-Verkehr errichtet und 1997 in Betrieb genommen. Zwischen Seelze und Leinhausen wurden die Gleise nördlich, zwischen Leinhausen und Hauptbahnhof südlich der bestehenden Strecke verlegt, wobei in Hainholz und am ehemaligen Hauptgüterbahnhof die Trassen nicht mehr benötigter Gütergleise genutzt wurden. In Leinhausen entstand dabei ein umfangreiches Überwerfungsbauwerk, welches den Nah- und Fernverkehr in Richtung Norden und Westen kreuzungsfrei trennt und gleichzeitig die S-Bahn-Strecke vom Süden in den Norden (bzw. umgekehrt) in die bestehende Strecke einfädeln lässt. Die neue S-Bahn-Station Hannover-Nordstadt ersetzte den bisherigen Vorortbahnhof Hannover-Hainholz.

Die Strecke in Richtung Norden wurde bis Langenhagen um zwei Gleise für die S-Bahn ergänzt. Der Bahnhof Hannover-Herrenhausen wurde durch die neue S-Bahn-Station Hannover-Ledeburg ersetzt. Die Strecke bis nach Bennemühlen wurde elektrifiziert und bis Bissendorf zweigleisig ausgebaut. Der Flughafen Hannover erhielt erstmals einen schienengebundenen Nahverkehrsanschluss über das frühere Gütergleis, welches angehoben, um einen Tunnel unter dem neuen Terminal C ergänzt und elektrifiziert wurde.

Im Osten wurde die Strecke bis zur schon zuvor errichteten Station Karl-Wiechert-Allee um ein Gleis erweitert und 1999 in Betrieb genommen. Weiter bis Ahlten erhielt sie zwei Gleise zusätzlich und dann bis Lehrte wieder ein Gleis; diese wurden im Juni 2000 in Betrieb genommen. Diese Erweiterung gehörte zu den Verkehrsprojekten „Deutsche Einheit“.

Im Süden wurde ab 1996 zwischen Hannover Bismarckstraße und dem Nordkopf des Bahnhofes Hannover-Wülfel ein zusätzliches Gleis zum völlig neugestalteten Bahnhof Hannover Messe/Laatzen errichtet.

Auf der Deisterbahn wurden zwischen dem Bahnübergang Humboldtstraße in Weetzen und Egestorf ein zehn Kilometer langer zweigleisiger Begegnungsabschnitt geschaffen, um Wartezeiten bei Zugkreuzungen zu vermeiden.

Die Stationen wurden soweit notwendig barrierefrei umgebaut. Die meisten Baumaßnahmen konnten pünktlich zur Expo 2000 abgeschlossen werden, sodass seither in Hannover ein umfangreiches Netz zur Verfügung steht. Aus Zeit- und Kostengründen wurde der Umbau einiger Stationen vor der Expo nicht mehr begonnen.

Der Betrieb der S-Bahn wurde zur Expo 2000 am 28. Mai 2000 mit folgenden Linien aufgenommen:

Linie Linienverlauf Mai bis November 2000 Takt Minden – Bückeburg – Haste – Wunstorf – Hannover – Hannover Messe/Laatzen 60′ Nienburg – Wunstorf – Hannover – Hannover Messe/Laatzen 60′ Bennemühlen – Hannover – Hannover Messe/Laatzen 30′ Hannover – Hannover Messe/Laatzen 15’/30’

Umgestaltung nach der Expo

Nach dem Ende der Expo 2000 erfolgte am 5. November 2000 die Aufnahme des regulären Betriebes mit angepassten und erweiterten Linienführungen. Das Netz wurde über die Deisterbahn nach Barsinghausen – Haste sowie über Springe nach Hameln und über Lehrte nach Celle verlängert. Der Bahnhof Hannover Messe/Laatzen gehörte nun nicht mehr zum regulären Netz. Im Normalverkehr wurden fünf Linien bedient, eine zusätzliche Bedarfslinie verkehrte bei Großmessen auf dem Messegelände Hannover. Diese verband den Flughafen mit dem Bahnhof Messe/Laatzen. Bei solchen Anlässen wurde auch die S4 von Bennemühlen über Hannover Hauptbahnhof bis Messe/Laatzen geführt.

Die Linien S4 und S5 fuhren zwischen Hannover Hbf und Hameln im Zugverband, in Hannover wurden die Züge gestärkt und geschwächt. Beide Linien bedienten zwischen Linden/Fischerhof und Weetzen nicht alle Stationen. Die S5 hielt zwischen Flughafen und H-Nordstadt nur in Langenhagen/Mitte.

mini|Liniennetz bis Dezember 2008

Mit dem Fahrplanwechsel vom 15. Dezember 2002 gab es Veränderungen für die Linien S4 und S5:

Die Linie S4 endete von Bennemühlen nunmehr in Hannover Hauptbahnhof, die Koppelung mit der S5 wurde aufgegeben. Die Linie S5 wurde über Hameln hinaus nach Bad Pyrmont und seit Dezember 2004 mit jeweils nur einem Zugteil nach Paderborn verlängert. Die Linie bediente nun alle Stationen zwischen Flughafen und Hannover-Nordstadt sowie Hannover Bismarckstraße.

Auf dem Abschnitt zwischen Bad Pyrmont und Paderborn ähnelt das Angebot eher einer Regionalbahn, lediglich der durchgehende Betrieb nach Hannover macht es zu einer S-Bahn.

Linie Linienverlauf Dezember 2002 bis Dezember 2008 (Kursiv: November 2000 bis Dezember 2002) Takt Minden – Bückeburg – Haste – Wunstorf – Hannover – Weetzen – Barsinghausen – Haste 60′ Nienburg – Wunstorf – Hannover – Weetzen – Barsinghausen – Haste 60′ Celle – Burgdorf – Lehrte – Hannover 60′ Bennemühlen – Hannover (– Weetzen – Springe – Hameln) 30′ Hannover – Weetzen – Springe – HamelnHameln war bis 2002 Endbahnhof  – Paderborn 30′ (Hameln – Paderborn 60’) Hannover – Hannover Messe/Laatzen Bedarfslinie

Erweiterungen seit 2008

Am 14. Dezember 2008 erfolgte eine Erweiterung um drei zuvor als Regionalbahn und Regional-Express fahrende Linien nach Hildesheim und Celle. Der Bahnhof Hannover Messe/Laatzen wurde dabei in das reguläre Netz einbezogen.

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013 wurden zwei zusätzliche Sprinterlinien eingeführt, die Montag bis Freitag zur Hauptverkehrszeit auf zwei Strecken die stark belasteten Linien S1, S2 und S5 ergänzen. Die S21 verkehrt zusätzlich zur S1 und S2 auf der Deisterstrecke zwischen Hannover Hbf und Barsinghausen. Die S51 verstärkt die S5 zwischen Hannover Hauptbahnhof und Hameln sowie seit dem 31. März 2014 auch die S1 und S2 zwischen Hannover Hbf und Seelze.

Infrastruktur Streckennetz

Reine S-Bahn-Strecken gibt es nur zwischen Seelze und Hannover Hauptbahnhof, zwischen Hannover Hauptbahnhof und Lehrte und Hannover Hauptbahnhof und Langenhagen-Pferdemarkt–Hannover Flughafen. Auf letzterer herrscht geringer Mischbetrieb mit Regionalbahnen auf der Heidebahn. Nach Hameln und auf der Deisterstrecke gibt es neben dem S-Bahn-Verkehr zwar keinen Regional- oder Fernverkehr, aber eine mäßige Nutzung durch Güterverkehr auf der Hamelner Strecke. Richtiger Mischbetrieb mit Fern-, Regional- und Güterzügen existiert auf den Strecken Wunstorf – Haste – Minden und Wunstorf – Neustadt am Rübenberge – Nienburg/Weser.

Auf den übrigen Strecken im Bereich Hannover ist das Güterverkehrsaufkommen mit Ausnahme der Strecke Celle – Lehrte – Hildesheim zumeist gering, da der Güterverkehr hier überwiegend über eigene Gleise verfügt.

Fast alle Strecken sind zweigleisig ausgebaut. Ausnahmen stellen lediglich die eingleisigen Streckenabschnitte Egestorf – Haste, Langenhagen-Pferdemarkt – Hannover-Flughafen und Bissendorf – Bennemühlen dar.

Die S-Bahn-Strecke zwischen Hannover und Lehrte ist auf den Abschnitten Hannover Hbf – Hannover Karl-Wiechert-Allee sowie Ahlten – Lehrte eingleisig. Parallel zu ihr verläuft die durchgehend zweigleisige Bahnstrecke Hannover–Braunschweig, die jedoch in der Regel nur vom Regional- und Fernverkehr genutzt wird und über keine Bahnsteige zwischen Hannover Hbf und Lehrte verfügt mit Ausnahme der Station Karl-Wiechert-Allee, die einen Bahnsteig am Gleis Richtung Hauptbahnhof aufweist.

Stationen

Zentraler Knotenpunkt ist der Hauptbahnhof Hannover, an dem alle S-Bahn-Linien halten. Insgesamt besitzt das S-Bahn-Netz 74 Stationen, davon liegen 49 in der Region Hannover. Nahezu alle S-Bahn-Stationen haben einen barrierefreien Zugang. Eine Ausnahme bildet die Station Emmerthal, an der lediglich Ein- und Ausstiege an Gleis 1 (Fahrtrichtung Bad Pyrmont/Paderborn) niveaugleich stattfinden können, während der Mittelbahnsteig (Gleise 2/3, Fahrtrichtung Hameln) lediglich über eine treppengeführte Unterführung zugänglich ist. Zum 1. November 2013 wurden auch die letzten Stationen in der Region Hannover (Hannover-Bornum, Empelde und Holtensen/Linderte) barrierefrei fertiggestellt.Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 2. November 2013, S. 18 Die Bahnsteige haben eine Standardhöhe von 76 cm über Schienenoberkante. Diese Bahnsteighöhe ist für den niveaugleichen Einstieg in das S-Bahnfahrzeug erforderlich.

Die Länge der Bahnsteige beträgt überwiegend mindestens 210 Meter, so dass dort S-Bahn-Züge bis zur Dreifachtraktion halten können. Zwischen Lehrte und Hildesheim sind die Bahnsteige mit einer Länge von 140 Metern nur für Zweifachtraktion ausgelegt. Auf der Verbindung Hannover–Rethen–Hildesheim, wo neben den S-Bahn-Zügen auch weitere Linien verkehren, wurden die Bahnsteige mit einer Länge von 170 Metern gebaut. Ebenso weisen die Bahnsteige auf der Verbindung Lehrte–Celle (außer in Burgdorf) eine Länge von 170 Metern auf.

Linien und Fahrbetrieb Linien

Zur S-Bahn Hannover gehören sieben Linien im Regelverkehr (S1 bis S7), zwei zur Hauptverkehrszeit (HVZ) verkehrende Sprinterlinien (S21 und S51) und eine Bedarfslinie (S8). Der Grundtakt der S-Bahnen ist ein 60-Minuten-Takt. Linienabschnitte im 30-Minuten-Takt sind hier fett dargestellt. Bahnhöfe außerhalb von Niedersachsen (in Nordrhein-Westfalen) sind kleiner gekennzeichnet.