Sigmaringen (schwäbisch Semmerenga) ist eine baden-württembergische Kreisstadt. Die ehemalige Residenzstadt der Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen gehörte nach der Auflösung des Fürstentums ab 1849 zum Königreich Preußen, ab 1918 zum Freistaat Preußen und von 1947 bis 1952 zum Land Württemberg-Hohenzollern.

Sigmaringen liegt am Rande der Schwäbischen Alb im Naturpark Obere Donau. Die Donau floss bis zu ihrer Regulierung 1975 durch die Innenstadt. Sigmaringen ist bis heute durch zahlreiche historische Bauwerke und das Hohenzollernschloss geprägt. Außer der Kernstadt hat Sigmaringen seit den Eingemeindungen zwischen 1972 und 1975 fünf Teilorte bzw. Stadtteile. Sigmaringen ist Sitz des Landkreises Sigmaringen und des Gemeindeverwaltungsverbandes Sigmaringen. Zu diesem gehören außer Sigmaringen die fünf Gemeinden Beuron, Bingen, Inzigkofen, Krauchenwies und Sigmaringendorf.

Namensherkunft Der legendäre Stadtgründer und Namensgeber von Sigmaringen ist der Alamannenritter Sigmar. Der Legende nach siedelte er sich mit seinem Gefolge am Schlossfelsen an. Der Name „Sigmaringen“ bedeutet soviel wie: die Siedlung der Leute des Sigmar.

Geographische Lage mini|Sigmaringen, Blick donauabwärts mini|Schloss Sigmaringen (2015) mini|Blick über den Stadtkern (2015) mini|Schloss Sigmaringen (um 1900)

Sigmaringen liegt im Donautal an den Ferienstraßen Hohenzollernstraße und Oberschwäbische Barockstraße am südlichen Rand der Schwäbischen Alb im Übergang zum eiszeitlich geprägten Oberschwaben, rund 40 Kilometer nördlich des Bodensees. Das Stadtgebiet liegt zwischen 578 und 794 Meter über Normalnull. Eingebettet in das Tal der Donau sowie deren Seitentäler der Schmeie und der Lauchert liegt die Kernstadt mit ihren fünf Stadtteilen.

Ein großes Rechteck beschreibend läuft die Donau nördlich um Schlossberg und Altstadt. Abgesehen von der Engstelle zwischen Schloss(berg) und Mühlberg und etwas weiter flussabwärts bildet der Fluss große Mäander; im Osten, vor dem Verlassen des Stadtgebiets, sind diese erhalten. Im Westen wurden zwei große Schleifen zwischen 1963 und 1973 beseitigt, der Flusslauf begradigt – vor allem auch, um die Hochwassergefahr für die westliche Vorstadt zu mindern.

Klima Sigmaringen hat ein gemäßigtes, mitteleuropäisches Klima mit warmen Sommern und kalten Wintern. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlichen Höchstwerten von 23 °C. Im Januar, dem kältesten Monat, fallen die Temperaturen nachts im Mittel auf −3 °C, während tagsüber etwa 2 °C erreicht werden. Es kann aber auch sehr späte Fröste nach den Eisheiligen geben, so lagen die Nachttemperaturen bei der kleinen Gartenschau in Sigmaringen im Jahr 2013 nach einem „Endloswinter“ noch Anfang Juni im Frostbereich.

In Sigmaringen liegt die USDA-Winterhärtezone (Plant Hardiness Zone) typischerweise zwischen 7a und 7b. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Tiefsttemperatur von −17,8 °C bis −12,3 °C. Aufgrund der Nähe zur Schwäbischen Alb können Mikroklimata oder Kaltluftseen in tieferen Lagen lokal auch in Zone 6b fallen.

In den Wintermonaten kann es durch Schneeschmelze in Kombination mit Starkregenereignissen zu Hochwasser im Donautal kommen. Die sogenannte 100-jährliche Hochwassermarke an der Pegelmessstelle vor der Nepomukbrücke liegt bei 3,70 Meter und wurde zuletzt beim Jahrhunderthochwasser mit dem Höchststand am 16. Februar 1990 erreicht. Am 26. Januar 1995 wurden dort 3,58 Meter gemessen.

Geologie Sigmaringen befindet sich am Ausgang des rund 40 Kilometer langen Donaudurchbruchs durch die Schwäbische Alb. Hier grub sich der Fluss im Zuge der Alb- und Alpenhebung seinen Weg; das tiefe und breite Tal erklärt sich dabei dadurch, dass die Donau früher, das heißt die Urdonau im Pliozän und Pleistozän, noch ein viel größeres Einzugsgebiet (in den Alpen, im Schwarzwald) besaß als heute. Über den vielen Flussbiegungen sind hohe Felswände aus Jurakalk freigelegt und von malerischen Burgen gekrönt. Bei Laiz verbreitert sich die Donau-Aue beim Austritt aus der Juratafel in tertiäre und quartäre Ablagerungen merklich.

Das Stadtgebiet von Sigmaringen liegt im Wesentlichen zwischen Kalkformationen des Oberen Jura (Bankkalke und Massenkalke). Das Schloss thront auf einem steil zur Donau abfallenden Sockel aus Massenkalk des Weißjura; Schlossberg und der gegenüber liegende Mühlberg markieren hier eine Engstelle des Donautals. Im Teilort Jungnau stehen Zementmergel an und im Hanfertal Hangende Bankkalke. Der Nollhof, noch auf der Gemarkung des Kernortes, gehört geologisch zur sogenannten „Nollhof-Fazies“, gelegen in der Epsilon-Schicht des Weißen Jura, einer Schwammfazies des Jurameeres. Diese Fazies gehört zu den marinen Fazies, bildet eine „Randfazies“ des Zementmergels und war eine ergiebige Fundstelle unter anderem für Seeigel, Seelilien, Brachiopoden, Schwämme und Muscheln. Die höheren Verebnungen in den Außenbereichen Sigmaringens sind von eiszeitlichen Moränenablagerungen (Hoßkirch- und Riß-Kaltzeit) überdeckt, im Süden des Stadtgebiets sind Reste des Endmoränenbogens erhalten. Nordwestlich von Laiz befindet sich auf der Hochfläche ein eiszeitlicher Erratischer Block, der als besonderes Geotop und Geopoint des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb ausgezeichnet ist.

Ausdehnung des Gebiets Die Kernstadt hat eine Fläche von 34,29 km², die Gesamtgemarkung erstreckt sich über 92,85 km².Statistisches zu Sigmaringen. In: Wir in Sigmaringen. In: Schwäbische Zeitung. 10. September 2011. Landschaftlich ist Sigmaringen durch den rund 3000 Hektar großen Stadtwald geprägt. Davon sind 667 Hektar Fichten-Mischwald. Der Stadtwald am Wittberg war früher parkähnlich mit wenigen Bäumen.Gemeinderat. Stadtförster erläutert Gemeinderäten die Lage im Wald.

Nachbargemeinden Sigmaringen grenzt im Norden an Winterlingen (Zollernalbkreis) und Veringenstadt, im Osten an Bingen, Sigmaringendorf und Scheer, im Süden an Mengen, Krauchenwies, Inzigkofen und Meßkirch sowie im Westen an Leibertingen, Beuron und Stetten am kalten Markt (Aufzählung im Uhrzeigersinn).

Raumplanung Sigmaringen bildet ein Mittelzentrum mit Teilfunktion eines Oberzentrums des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben mit dem Oberzentrum Friedrichshafen-Ravensburg-Weingarten. Die offizielle Einwohnerzahl ist aber statisch nur bedingt aussagekräftig, da durch den relativ hohen Anteil an Auszubildenden, Studenten, Beamten, Beschäftigten im höheren öffentlichen Dienst viele dieser Personen nicht ihren ökonomischen Lebensmittelpunkt in der Kernstadt haben. Der Mittelbereich umfasst die nördlichen Gemeinden des Landkreises Sigmaringen, im Einzelnen die Städte und Gemeinden (in alphabetischer Folge) Beuron, Bingen, Gammertingen, Hettingen, Hohentengen, Inzigkofen, Krauchenwies, Mengen, Neufra, Scheer, Schwenningen, Sigmaringen, Sigmaringendorf, Stetten am kalten Markt und Veringenstadt. Die Stadt ist Einkaufs- und Schulstadt für die umliegenden Gemeinden und als Kreisstadt zudem Verwaltungszentrum des Landkreises. Der Hochschulstandort zieht überdies zahlreiche junge Menschen aus der ganzen Region und dem Land an, für die es allerdings vor Ort an ausreichenden Arbeitsplätzen mangelt.Christoph Wartenberg: Treu: Sigmaringen liebt seine alten Traditionen. Die Stadt ist schon über 900 Jahre alt und hat sich einen ursprünglichen Charme bewahrt. In: Wir in Sigmaringen. In: Schwäbische Zeitung. 10. September 2011.

Stadtgliederung Die Stadt besteht aus der Kernstadt und den Stadtteilen Gutenstein, Jungnau, Laiz, Oberschmeien und Unterschmeien.

Im Gebiet der Kernstadt liegen die ehemaligen Dörfer Gorheim mit einer großen Klosteranlage, Hedingen mit seinem ehemaligen Kloster sowie die Wüstung Brenzkofen, die bis ins 16. Jahrhundert besiedelt war. Durch die Gemeindereform der 1970er-Jahre kam mit Gutenstein auch ehemals badisches Territorium zur Gemeinde.

Wappen Ortsteil Einwohner Fläche(ha) eingemeindet am 30px|Sigmaringen Sigmaringen (Kernstadt) 11.758 3429 – 30px|Gutenstein Gutenstein 512 1311 1. Juli 197430px|Jungnau Jungnau 740 2235 1. Februar 1974 30px|Laiz Laiz 2.856 979 1. Januar 1975 30px|Oberschmeien Oberschmeien 434 1059 1. Februar 1972 30px|Unterschmeien Unterschmeien 263 490 1. Januar 1972

Schutzgebiete

In Sigmaringen gibt es mit den Gebieten Blauen, Untere Au und Wasenried drei Naturschutzgebiete.

Daneben hat Sigmaringen Anteil an den zwei Landschaftsschutzgebieten Donau- und Schmeiental und Laucherttal mit Nebentälern.

Fünf FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat-Gebiete) liegen auf dem Sigmaringer Stadtgebiet: Donau zwischen Riedlingen und Sigmaringen, Oberes Donautal zwischen Beuron und Sigmaringen, Schmeietal, Gebiete um das Laucherttal Riede und Gewässer bei Mengen und Pfullendorf. Auch die Vogelschutzgebiete Südwestalb und Oberes Donautal und Baggerseen Krauchenwies/Zielfingen liegen teilweise in Sigmaringen.

Sigmaringen gehört außerdem zum Naturpark Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Die Siedlungsgeschichte im Gebiet der heutigen Stadt Sigmaringen reicht zurück bis in die Altsteinzeit. Am Zigeunerfels im SchmeietalEdwin Ernst Weber: Die Vor- und Frühgeschichte im Landkreis Sigmaringen. Hrsg. vom Landkreis Sigmaringen, Stabsbereich Kultur und Archiv, und Kulturforum Landkreis Sigmaringen e. V., 2009. bei Unterschmeien fanden sich Einzelstücke aus dem Mesolithikum/Neolithikum (Schicht A). Als Siedlungsgebiet der Urnenfelderkultur ist der heutige Ortsteil Laiz von 1000 bis 500 v. Chr. nachgewiesen. Aus der Hallstattzeit wurden beispielsweise in Laiz zahlreiche keltische Grabhügel mit reichbemalten und ornamentierten Gegenständen entdeckt. Von etwa 50 bis 80 n. Chr. bildete die Donau die Grenze des Römischen Reiches. Zu dieser Zeit führte über Laiz eine Römerstraße vom Bodensee Richtung Winterlingen und Burladingen, eine andere vom Raum Singen über Vilsingen Richtung Bingen, Scheer, Hundersingen. Sie nutzten die Furt unterhalb des Donauwehres in Laiz, wo bei der Donauregulierung 1975 Reste einer Holzbrücke gefunden wurden.Römische Brücke. Zeitungsausschnitt Nr. 197. Bestand N 1/53: Albert Waldenspul (1885–1979). Staatsarchiv Sigmaringen Funde und Ausgrabungen von römischen Gutshöfen in Laiz im Gewann „Bergöschle“, in Inzigkofen im Gewann „Krummäcker“, in Sigmaringen in den Gewannen „Steinäcker“ und „Wachtelhau“ sowie des römischen Gutshofes in Laucherthal weisen auf die Bedeutung als Agrarregion in römischer Zeit hin.

Ein frühalemannisches Gräberfeld liegt im Südosten der heutigen Stadt. Dieses ist Zeugnis der Siedlungsgründung des „Sigmar“ vermutlich im 6. Jahrhundert.Urlaub auf Schusters Rappen. In: Wanderbar …die schönsten Routen. Erlebnis Kreis Sigmaringen. Landratsamt Sigmaringen, Druckerei Schönebeck, Meßkirch 2004, S. 65–67. Aus dieser frühen Zeit stammt auch die Schwertscheide von Gutenstein, die im Stadtteil Gutenstein gefunden wurde.

Mittelalter Im 11. Jahrhundert, dem Ende des Frühmittelalters, entstand die erste Burganlage auf dem talabriegelnden Felsen. Die erste urkundliche ErwähnungBericht in der Chronik des Klosters Petershausen: Von dort zog König Rudolf von Schwaben nach Burg Sigimaringin und belagerte sie. Als er aber erfuhr, dass König Heinrich IV. mit einem Heer über die Alpenpässe herannahte, um die Festung zu entsetzen, zog er ab und ging nach Sachsen. stammt aus dem Jahre 1077, als König Rudolf von Schwaben die Sigmaringer Burg vergeblich belagerte. Die offizielle Stadtgründung erfolgte 1250.

Der erste Pfarrer in Laiz wurde 1231 erwähnt. 1275 gehörten zum Dekanat Laiz 15 Pfarreien. Zum Kirchspiel Laiz gehörend werden 1377 die Filialen Sigmaringen, Brenzkofen, Gorheim, Hedingen, Bold (Paulterhof), Inzigkofen, Ober- und Unterschmeien genannt. 1325 wurde die Stadt an Graf Ulrich III. von Württemberg verkauft. 1480 erhielt Sigmaringen eine eigene Pfarrei. Die Verstorbenen fanden jedoch bis 1744 auf dem Laizer Friedhof bei der Kirche ihre letzte Ruhestätte.