mini|Schloss Wehrden. Der Droste-Turm ist unmittelbar links des Schlosses zu erkennen. mini|Blick vom Schlosspark auf Schloss und Droste-Turm Der Fundator (lateinisch für Gründer oder Stifter) ist der Titel einer Ballade der Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff. Das 1840/42 in Rüschhaus verfasste Werk wurde erstmals 1844 in ihrem Band „Gedichte“ publiziert.Gedichte von Annette Freiin von Droste-Hülshof. Cotta’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart und Tübingen 1844, S. 289–293.
Form und Aufbau Die Ballade besteht aus siebzehn Strophen zu je sieben Versen im Jambischen Vierheber. Die Verse sind paarweise gereimt, wobei die letzte Zeile jeweils den Reim des zweiten Reimpaares aufnimmt. Dass die Ballade durchgängig im Präsens verfasst ist, verleiht ihr zugleich einen eindringlichen wie unmittelbaren Charakter.
Inhalt Die Ballade Der Fundator schildert in gespenstischer Weise die Nacht in einem Schloss. Während die Herrschaft zu einer Einladung fortgefahren ist, hat der Diener Sigismund die Aufsicht über das Kind übernommen und liest dabei in der Chronik des Hauses, die ein einhundert Jahre zuvor verstorbener Kirchenfürst geschrieben hatte. Gegenüber dem Fenster des Saals befindet sich der Wartturm, der von ihm bewohnt gewesen war und in dem der Diener nun ein unnatürliches Licht und den schreibenden Prälaten selbst zu sehen vermeint. Als er schließlich diesen herannahen hört, ergreift er in Panik das schlafende Kind und flieht, bis er beruhigt die über die Schlossbrücke einfahrende Kutsche hört.
Historischer Hintergrund Hermann Werner von Wolff-Metternich zur Gracht, von 1684 bis zu seinem Tod 1704 Fürstbischof von Paderborn, hatte 1697 ein Familienfideikommiss zugunsten seines Neffen Hieronymus Leopold von Wolff-Metternich zur Gracht gestiftet, der, zunächst für den geistlichen Stand bestimmt, zum Stammvater der auf Schloss Wehrden residierenden Nebenlinie wurde.Hermann Freiherr von Wolff-Metternich (Hrsg.): Clemens Freiherr von Wolff-Metternich, 1803–1872: Eine Lebens- und Familienchronik. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Westfälische Quellen und Archivverzeichnisse, Band 11, Münster 1985, S. 24–32. Als Stammsitz ließ er 1696 bis 1699 das bestehende Landdrostenhaus in Wehrden (Weser) zum Schloss ausbauen. Wie überliefert ist, hatte der Bauherr während der Bauarbeiten des Schlosses in dem von ihm 1696 umgestalteten Kapellenturm von 1615 gewohnt, um den Fortgang der Bauarbeiten regelmäßig zu überwachen. Später war es Annette von Droste-Hülshoff, die den seither Annette- oder Droste-Turm genannten Turm bei Besuchen bei ihrer Tante und Taufpatin Freifrau Dorothea von Wolff-Metternich bewohnte. Das Kind, um das der Diener in dem Gedicht besorgt ist, dürfte, da dieses zum einhundertsten Todestag des „Fundators“ spielt, der 1803 geborene Klemens von Wolff-Metternich gewesen sein.
Text
Literatur Konrad Weber: ‚Der Fundator‘. Fürstbischof Reichsfreiherr Hermann Werner von Wolff-Metternich zur Gracht im Spiegel einer Droste-Ballade. In: Die Paderquellen 36, 1997 S. 40–45.
Weblinks Text im Droste-Portal
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Numinose Ballade Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Werk von Annette von Droste-Hülshoff Kategorie:Geistwesen in Kunst und Literatur