Meister Gerhard von Cöln. Ein Notturno ist der Titel einer Ballade der Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff.

Text

Entstehungsgeschichte Mit dem Ausbauprojekt zum Kölner Dom kam Droste-Hülshoff erstmals 1826 während eines längeren Aufenthalts in Köln bei ihrem Onkel Werner von Haxthausen, damals preußischer Regierungsrat in Köln, in Berührung, einem Freund von Sulpice Boisserée, der sich seit 1823 für dessen Endausbau eingesetzt hatte.Sulpiz Boisserée: Geschichte und Beschreibung des Doms von Köln nebst Untersuchungen über die alte Kirchenbaukunst, als Text zu den Ansichten, Rissen und einzelnen Theilen des Doms von Köln. Cotta, München 1823. Am 4. September 1842 legten König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen sowie der Koadjutor des Erzbistums Köln Johannes von Geissel (anstelle des zuvor in den Kölner Wirren verhafteten und anschließend von seiner Amtsausübung ausgeschlossenen Erzbischofs Clemens August Droste zu Vischering, eines Verwandten der Droste) den Grundstein für den Ernst Friedrich Zwirner übertragenen Weiterbau des Doms. Für den mit dem Aufbringen von Spendengeldern beauftragten Zentral-Dombau-Verein zu Köln verfasste der mit Droste-Hülshoff befreundete Levin Schücking in diesem Jahr die Werbeschrift Der Dom zu Köln und seine Vollendung, in den er ihr im August 1841 in Rüschhaus entstandenes Gedicht aufnahm.Levin Schücking: Der Dom zu Köln und seine Vollendung. J. & W. Boisserée, Köln 1842, S. 41–45 digitalisat. Das Gedicht wurde 1844 in ihrem Band „Gedichte“ publiziert.Gedichte von Annette Freiin von Droste-Hülshof. Cotta’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart und Tübingen 1844, S. 334–338. Bereits in ihrem nur wenig später entstandenen Gedicht Die Stadt und der Dom. Eine Karikatur des Heiligsten hingegen äußerte sich Droste-Hülshoff kritisch der zeitgenössischen Dombegeisterung gegenüber, indem sie in einem vorgesetzten Motto angibt, sich nicht „um lumpichte hundert Dukaten“ – offensichtlich das Honorar für ihr erstes Domgedicht – verraten zu wollen.

Form und Aufbau Die Ballade besteht aus vierzehn Strophen zu je acht Versen. Die Strophen weisen durchgängig als Versmaß den Jambischen Vierheber im Reimschema auf, wobei die jeweils letzte Zeile als zweihebiger Halbvers gestaltet ist.

Handlung Die als Notturno bzw. Nachtstück angelegte Dichtung schildert eine Vision der unvollendeten Kölner Domkirche in einer „linden Vollmondnacht ... über der entschlafnen Stadt“, in der „die graue Cathedrale, ein riesenhafter Zeitentraum, entsteigt dem düstern Trümmermale der Macht.“ Durch die unvollendete Bauruine des Doms schwebt (der nur im Titel genannte) Meister Gerhard, der legendäre erste Dombaumeister und Planverfasser des Kölner Doms,Günther Binding: Wer war Meister Gerhard, der vor 750 Jahren den Kölner Dom geplant und gebaut hat? In: Ulrich Krings, Wolfgang Schmitz, Hiltrud Westermann-Angerhausen (Hrsg.): Thesaurus Coloniensis. Festschrift für Anton von Euw zum 65. Geburtstag (= Veröffentlichungen des Kölnischen Geschichtsvereins. Band 41) Köln 1999, S. 45–60. „der Geist vergangner Jahre“. Aufsteigend bis zum Domkran, der im 19. Jahrhundert als Memento für den bislang unterbliebenen Weiterbau galt, legt er sein Richtmaß an verschiedenen Stellen an, das er einem Nachfolger „in eine treue Rechte legen“ möchte. Erst das geschäftige Treiben auf dem Rhein („Ein rauchend Ungeheuer, schäumt das Dampfboot durch den Rhein, den blauen“) führt zurück in die Wirklichkeit und lässt die unvermutete Frage aufkommen: „Hab' ich geträumt?“

Weblinks Text im Droste-Portal

Einzelnachweise

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Numinose Ballade Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Werk von Annette von Droste-Hülshoff Kategorie:Geistwesen in Kunst und Literatur