Ludwig Fettweis (* 20. Juli 1866 in Düsseldorf; † 11. September 1944 in Darmstadt) war ein deutscher Architekt des Historismus, der vor allem in Angermund und Düsseldorf, aber auch in Duisburg, Ratingen und Unkel tätig war.
Leben mini|Haus Jägerhofstraße 19/20 in Düsseldorf, um 1910 – Das 1990 nach Plänen von Paul Schneider-Esleben umgebaute Gebäude, von dem heute nur noch die denkmalgeschützte Hauptfassade erhalten ist, war das Einfamilienhaus von Hermann Friederich, Königlich Schwedischer Generalkonsul, Sohn des Düsseldorfer Beigeordneten Adolf Friederich und Enkel des Industriellen Gustav Poensgen.Josef Wilden: Fünf Poensgen begründen eine neue Industrie! In: Düsseldorfer Heimatblätter. XI. Jahrgang, Heft 1 (Januar–März 1942), S. 4 (PDF) mini|Haus Angermunder Straße 54 in Düsseldorf während der Rhododendrenblüte mini|Haus Angermunder Straße 53 in Düsseldorf im Spätherbst Fettweis, dem seine Eltern die Vornamen „Wilhelm Heinrich Ludwig“ gegeben hatten,Geburtsurkunde Oberbürgermeisterei Düsseldorf 1231/1866 war der Sohn des wohlhabenden Düsseldorfer Bauunternehmers, Architekten und Bausachverständigen Peter Ludwig Fettweis (1840–1922) und dessen Ehefrau Johanna Friedrike Charlotte Hermine Katharina Fettweis geb. Quetting (1846–1924). Der Rufname von Vater und Sohn war Ludwig; zur Unterscheidung wurde der Sohn oft als Ludwig Heinr. oder Ludwig H. Fettweis bezeichnet. Laut eigenen Angaben besuchte Ludwig jun. das Realgymnasium, die Kunstakademie Düsseldorf und die Kunstgewerbeschule Düsseldorf.Dresslers Kunsthandbuch, 9. Ausgabe, Band 2. Halle (Saale) 1930, Seite 249. (Redaktionsschluss Ende 1929)Die Einträge beruhen i. d. R. auf Selbstauskünften. Der Besuch der Kunstakademie, genauer der Elementarklasse A bei Heinrich Lauenstein, dauerte 1882 lediglich ein halbes Jahr.Original der Matrikelliste im Archiv der Kunstakademie Düsseldorf Als Schüler der Kunstgewerbeschule war er unter anderem Schüler von Theodor Janssen und Josef Kleesattel und erhielt 1885 eine Belobigung für tüchtige Leistungen.Stadtarchiv Düsseldorf: „Die Ausstellungen zur Hebung des Handwerks“, Verzeichniseinheit Nr. 0-1-3-2689.0000 (Blatt 25–26) Sonstige Primärquellen zu Schulbesuch und Ausbildung ließen sich bislang nicht feststellen. Die früheste Erwähnung als „Architekt Ludwig H. Fettweis“ ist 1896 seine Teilnahme am Architekturwettbewerb für das zu errichtende Restaurationsgebäude im neuen Volksgarten.Deutsche Konkurrenzen, Band 5, Heft 11 (1896). (Inhaltsverzeichnis, Seiten 1–2 und 8–9, Digitalisat bei der Universitätsbibliothek Düsseldorf) Bei einem lokalen Wettbewerb zum Entwurf der Münster-Therme, einer Volksbadeanstalt in Düsseldorf, errang er 1899 mit Richard Genschmer (* 1876) und Alwin Genschal (1860–1934) einen Preis vom 1000 Mark.Preisausschreiben. In: Gesundheits-Ingenieur. 22. Jahrgang, Heft 16 (31. August 1899), S. 271 f. (Google Books) Auch im Wettbewerb um ein Restaurationsgebäude auf dem Ananasberg im Düsseldorfer Hofgarten wurde er – neben Fritz Hofmeister (1869–1941) und Ernst Roeting – im selben Jahr mit einem Preis ausgezeichnet.Entschiedene Wettbewerbe. In: Konkurrenz-Nachrichten. Beiblatt zu den Deutschen Konkurrenzen. Heft Nr. 65 (Mai 1899), S. 131 (Google Books) Bereits 1907 wird er als „einer der tüchtigsten unter den Düsseldorfer Architekten“ bezeichnet, sein Baustil als „frisch und modern in der Verarbeitung“ charakterisiert.Deutsche Bauhütte, Zeitung der Deutschen Architektenschaft, 11 Jahrgang 1907, Seite 248–249.
Fettweis heiratete 1893 in erster Ehe Henriette Fuchs (1869–1929), aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. 1900 war die Familie aus Düsseldorf-Derendorf nach Angermund gezogen, wo sie schnell heimisch wurde. Ludwig Fettweis trat in die Schützenbruderschaft Angermund-Rahm ein. 1913 wurde er zum gemeinsamen ersten Vorsitzenden der Bruderschaft gewählt. 1922 trennten sich die beiden Bruderschaften einvernehmlich, weil Rahm 1917 ein eigener katholischer Seelsorgebezirk geworden war. Ludwig Fettweis wurde auf der ersten Generalversammlung der St.-Sebastianus-Bruderschaft Angermund 1511 e.V. zu deren Chef gewählt. 1928/29 waren er und seine Frau Henriette das Königspaar der Angermunder Schützen, doch Henriette starb im Jahr ihrer Regentschaft. Unter der Führung von Fettweis lehnte die Bruderschaft die nationalsozialistische Gleichschaltung ab und entging 1940 durch einen geschickten Schachzug der drohenden Enteignung ihres Grundbesitzes. Fettweis hatte das Amt des Chefs der Bruderschaft noch bis zu seinem Tod 1944 inne.
Als Mitglied der Zentrumspartei gehörte Fettweis von 1911 bis 1828 dem Gemeinderat der Bürgermeisterei Angermund an. Nach der kommunalen Neugliederung zum 1. August 1929 wurde er für Angermund in die neue, kommissarische Amtsvertretung der Restgemeinde Angermund und Lintorf delegiert. Fettweis war außerdem Mitglied der Auseinandersetzungskommission,Hamborner Volkszeitung und Düsseldorfer Stadtanzeiger, Ausgabe jeweils vom 22. August 1929 die die Aufgabe hatte, die Verwaltung des bisherigen Amtes Angermund so anzupassen, dass die Organisationsstrukturen jener Gemeinden, die nach der Neugliederung nicht dem neuen Amt Ratingen-Land angehörten, in ihre nun zuständigen Amtsbezirke überführt wurden. Der Amtsvertretung des Amtes Ratingen-Land, die sich 1930 konstituierte, gehörte Fettweis nicht an. Er wird in deren Protokollbuch nicht genannt. Fettweis politische Tätigkeit endete augenscheinlich bereits vor Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
1931 heiratete der verwitwete Fettweis in zweiter Ehe die aus Darmstadt stammende Geschäftsfrau Mathilde Engel. Fettweis behielt zunächst sein Büro in Düsseldorf. Wann er genau nach Darmstadt zog, ist unbekannt. Der Vermerk der Angermunder Bürgermeisterei auf Fettweis’ Meldekarte „ohne Abmeldung nach Darmstadt verzogen“ ist undatiert. Später wurde dann auf der Meldekarte mit Datum vom 14. November 1938 als neue Adresse von „Darmstadt, Schuchardstr. 8“ eingetragen.
Ludwig Fettweis, seine Frau Mathilde und deren Schwester Luise Engel kamen bei dem verheerenden Luftangriff auf Darmstadt vom 11./12. September 1944 ums Leben.Sterbeurkunden StA Darmstadt II 1466 und 1467/1946 sowie StA Darmstadt II 67/1847.
Wirken als Architekt Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Fettweis sich bei anspruchsvollen Kunden einen Namen gemacht. In seinen Entwürfen – überwiegend für bürgerliche Familien, die sich eine Villa auf dem Land bauen wollten – zitierte Fettweis epochentypisch Elemente der Heimatschutzarchitektur in unterschiedlichen Richtungen des Landhaus- und Heimatstils, aus Regionen wie des Schwarzwalds, der Normandie oder aus England. In Angermund erinnern einige der von Fettweis entworfenen Häuser entfernt an die Architektur in den Villenvierteln der Seebäder in der Normandie. Das eklektizistische Stilgemisch zeichnete offenbar alle Badeorte Europas des 19. Jahrhunderts aus – je nach Fantasie des Bauherrn und der mangelnden Originalität des ausführenden Architekten. Letztere trifft auf Ludwig Fettweis nicht zu. Jedes der von ihm gebauten Häuser, ob in Angermund, Düsseldorf oder Unkel, hat seinen ganz eigenen Charakter, der natürlich vom Zeitgeschmack der Bauherren und des Architekten geprägt ist. Während Fettweis in einigen seiner frühen Entwürfe Bauten aus anderen Epochen und Regionen stilrein „nachahmte“, weisen andere Häuser tatsächlich ein Stilgemisch auf. Gleichzeitig baute Fettweis auch im Jugend- und Reformstil. Bei der Verwirklichung seiner Entwürfe unterschiedlicher Stilrichtungen in zeitgleich laufenden Bauvorhaben handelt es sich nicht um eine evolutionäre Weiterentwicklung, sondern um parallele Realisierungen des späthistorischen Stilpluralismus. Die Fettweis-Häuser wirken noch heute individuell, auch weil ihre Zahl klein ist. Sie wurden mit räumlichen Abstand zueinander gebaut und unterscheiden sich vom Stil der anderen, im gleichen Baugebiet tätigen Architekten klar. Bei den „Auftragsarbeiten“ dürfte die Individualität vor allem die Vorstellungen der jeweiligen Bauherren widerspiegeln. Bei den auf eigene Rechnung gebauten Häusern ist sein persönlicher Stil mit wiederkehrender Formensprache am besten erkennbar; zu deren epochentypischen Gestaltungselementen gehören vor allem:
umlaufende Bruchsteinsockel darüber weiß verputzte Außenwände markante Giebel, häufig mit englischem/normannischem Fachwerk Mansard- und Walmdächer unterschiedlicher Formen Dachgauben mit geschwungenen Traufseiten Türmchen, Balkone und Erker klassizistische Elemente (Reliefs, Säulen)
Einige der nach Fettweis-Plänen in Angermund gebauten Häuser sollen zunächst als Wochenend- und Ferienhäuser entstanden sein. Die Käufer dieser Häuser kamen aus den nahen Städten Düsseldorf und Duisburg. Mit der fortschreitenden Verbesserung der Verkehrsanbindung wurden die Sommer- bzw. Wochenendhäuser zu Hauptwohnsitzen, weil die Eigentümer ihre Stadtwohnungen aufgaben und lieber dauerhaft im ländlichen Angermund wohnten.Gisela-Marianne Wagner, Christian F. Seidler: Der Architekt Ludwig Fettweis und seine Häuser. Historismus in Angermund. CFS Eigenverlag, Düsseldorf 2023, ISBN 978-3-00-075503-3, Seiten 38–39.
Von Fettweis entworfene Gebäude wurden inzwischen auch in Ratingen-Lintorf und in Duisburg (Beeck, Walsum und Wehoven) nachgewiesen.Christian F. Seidler: Der Architekt Ludwig Fettweis und seine Häuser. Band 2. CFS Eigenverlag, Düsseldorf 2024, ISBN 978-3-00-078716-4.
Chef der St.-Sebastianus-Bruderschaft Angermund Fettweis war zunächst ab 1913 der „1. Gemeinsame Vorsitzende der Schützenbruderschaft Angermund-Rahm“. Nach der Trennung von der Rahmer Bruderschaft 1922 führte er die Angermunder Bruderschaft als „Vorsitzender“. 1927 wurde ihm der Titel „Chef der Bruderschaft“ verliehen. Unter seiner Führung widersetzten sich die Schützen in Angermund der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten, mit der Folge, dass sie als Kirchliche Bruderschaft ab 1936 weder den Schießsport ausüben noch das jährliche Schützenfest feiern durften. Fettweis konnte gemeinsam mit dem Vorstand auch eine drohende Enteignung verhindern, indem sie den Grundbesitz der Bruderschaft verkauften und den Erlös der Katholischen Gemeinde Angermund spendeten. Im Gegenzug verpflichtete sich die Gemeinde in einer bis heute gültigen Vereinbarung, der Bruderschaft ihre jährlichen Aufwendungen für ihre kirchlichen Dienste zu erstatten. Fettweis gehörte der St.-Sebastianus-Bruderschaft Angermund bis zu seinem Tode an.Gisela-Marianne Wagner und Christian F. Seidler: Der Architekt Ludwig Fettweis und seine Häuser – Historismus in Angermund, CFS Eigenverlag, Düsseldorf 2023, ISBN 978-3-00-075503-3, S. 22–29
Ehrenamtliche Tätigkeiten Der frühste Nachweis eines Einsatzes von Fettweis für öffentliche Belange ist sein Mitwirken an einer neuen Baupolizeiverordnung für die Landkreise des Regierungsbezirks Düsseldorf, die in der Sitzung des Vereins der Landgemeinden, Landbürgermeistereien und Bürgermeister des Regierungsbezirks Düsseldorf vom 9. Juni 1903 vorgestellt wurde. Von 1911 bis 1928 war der „Architect L. Fettweis (Angermund)“ Gemeindeverordneter in der Bürgermeisterei Angermund. Am 29. Mai 1919 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats der neu gegründeten Gemeinnützigen Baugesellschaft Huckingen GmbH gewählt. Wahrscheinlich schon ab 1921, spätestens aber ab 1923, war Fettweis als gerichtlich vereidigter Sachverständiger für das Bauwesen tätig. Nach der kommunalen Neugliederung zum 1. August 1929 wurde Fettweis in die neue, kommissarische Amtsvertretung der Restgemeinde Angermund und Lintorf delegiert. Der Amtsvertretung des Amtes Ratingen-Land, die sich 1930 als Nachfolgerin der bisherigen Bürgermeisterei Angermund konstituierte, gehörte Fettweis nicht mehr an.Christian F. Seidler: Der Architekt Ludwig Fettweis und seine Häuser - Band 2, CFS Eigenverlag, Düsseldorf 2024, ISBN 978-3-00-078716-4, Seite 21–22
Mitgliedschaften Architekten- und Ingenieurverein zu Düsseldorf, gegründet 1893 Bund Deutscher Architekten (BDA)