mini|hochkant=1.8|Ansicht des Kaiser-Wilhelm-Denkmals am Deutschen Eck von der Festung Ehrenbreitstein, 2011

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz wurde in den Jahren 1895 bis 1897 von Bruno Schmitz und Emil Hundrieser auf einer neugeschaffenen Landzunge am Zusammenfluss von Mosel und Rhein im Monumentalstil errichtet. Das Reiterstandbild vor einer Kolonnade stellt den ersten Deutschen Kaiser Wilhelm I. in Begleitung einer Viktoriafigur dar.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Figurengruppe des Denkmals zerstört. Von 1953 bis 1990 war der Ort das Denkmal der Deutschen Einheit. 1993 wurde nach längeren politischen Diskussionen eine neue Figurengruppe nach dem alten Denkmal geschaffen und aufgestellt. Das insgesamt 44 Meter hohe Monument gehört zu den Sehenswürdigkeiten von Rheinland-Pfalz und zu den Nationaldenkmälern Deutschlands. Das Deutsche Eck ist zugleich ein bedeutender Ort in der Stadt Koblenz und Ort zahlreicher Veranstaltungen. Beschreibung des Denkmals mini|hochkant| mini|hochkant|Frontansicht des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, 2011 mini|hochkant|Detailansicht des Reiterstandbilds, 2024 Die für das Denkmal am Zusammenfluss von Mosel und Rhein aufgeschüttete künstliche Landzunge wurde in treppenstufigem Mauerwerk eingefasst; die beiden Uferanlagen sind mit zahlreichen kleinen und je zwei großen Pollern versehen, letztere mit Löwenköpfen aus Metall ausgestattet. Innerhalb der Landzunge in Form eines gleichschenklingen Dreiecks erhebt sich in deren rückwärtigen Teil eine terassenartige Treppenanlage, auf der wiederum ein etwa zweistufiger quaderförmiger, im oberen Teil untergliederter Sockel steht. Die gesamte das bronzene Reiterstandbild tragende Anlage ist etwa 30nbsp;Meter hoch. In ihrem rückwärtigen Teil wird sie von einer halbkreisförmigen Kolonade umfasst.

Das Reiterstandbild von weiteren 14nbsp;Meter HöheHeroisches Kaiserdenkmal oder „Faustschlag aus Stein“? Das Deutsche Eck in Koblenz – Portal Rheinische Geschichte zeigt den Kaiser in Generalsuniform mit wallendem Mantel und Marschallstab auf einem vorwärts schreitenden Schlachtross. Zu Fuß schreitet die geflügelte und gewandete römische Siegesgöttin Viktoria und präsentiert in ihren Händen einen Lorbeerkranz und die Kaiserkrone.

Es war ursprünglich aus getriebene Kupferplatten über einem Gerüst aus Eisen gefertigt und wog 63,5 Tonnen. Bei der Rekonstruktion 1993 wurden die Figurenelemente als widerstandsfähigerer Bronzeguss gefertigt. Hierbei wurden allerdings für die einzelnen Teile etwas unterschiedliche Legierungen benutzt, so dass die mit der Zeit entstehende Patina heute verschiedene Farben aufweist und die einzelnen Gussteile deutlich zu unterscheiden sind.

Den Unterbau des Denkmals ziert ein Relief mit dem Reichsadler, der Schlangen packt und Feinde bedrängt. Darüber ist in großen Lettern Wilhelm dem Großen eingemeißelt, was als Versuch Kaiser Wilhelms II. zu verstehen ist, diesen Titel populär zu machen, der sich aber nicht durchsetzen konnte. Auf der Frontseite des Sockels sind die beiden letzten Verse des Gedichtes Frühlingsgruß an das Vaterland des Koblenzer Dichters Max von Schenkendorf zu lesen: Nimmer wird das Reich zerstöret / wenn ihr einig seid und treu! Die Rückseite des Sockels trägt die Inschrift: Errichtet von der Rheinprovinz / im Jahre 1897.

Motivik Mit einem Reiterstandbild wurden von Beginn an nur Menschen geehrt, die außergewöhnliche politische oder militärische Leistungen vollbracht hatten, da das Pferd in der Geschichte schon immer ein Herrscherattribut gewesen ist. Die Dynamik, die ein solches statisches Denkmal vermittelt, trägt zur Verlebendigung des dargestellten Menschen bei.Wolfgang Vomm: Reiterstandbilder des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland. Bergisch Gladbach 1979, S. 8 ff.

Die Begleitung durch die römische Siegesgöttin Wiktoria ist gegenüber der üblichen Form des Reiterdenkmals ungewöhnlich, ist aber auch beim Nationaldenkmal in Berlin von Reinhold Begas zu finden. Bei diesem etwa gleichzeitig entstandenen Berliner Denkmal, dessen Kaiser-Wilhelm-Reiterstandbild mit Genius dem von Hundrieser stark ähnelte, erhob Wilhelm II. noch keinen Einspruch gegen die das Pferd führende weibliche Begleitfigur. Nach seinen Änderungswünschen trägt sie beim Koblenzer Denkmal aber lediglich die Kaiserkrone. Gründe für die Ablehnung des Führungsmotivs sind aus der Rede Wilhelms II. zur Einweihung des Koblenzer Denkmals abzuleiten. Darin verwies er auf das Gottesgnadentum seiner Dynastie, also dass der Wille Gottes seinen Großvater zum Sieg geführt und zum Kaiser gemacht habe. Entsprechend dieser Vorstellung musste Wilhelm I. somit von Gott und nicht von einem mythologischen Wesen in Form einer Viktoria geführt werden.Antje Laumann-Kleineberg: Denkmäler des 19. Jahrhunderts im Widerstreit. Drei Fallstudien zur Diskussion zwischen Auftraggebern, Planern und öffentlichen Kritikern (Europäische Hochschulschriften, Reihe 28, Kunstgeschichte, Band 82). Frankfurt am Main 1989, S. 208ff.

Geschichte

Deutsches Eck Die Geschichte des Deutschen Ecks geht auf das frühe 13. Jahrhundert zurück. Erzbischof Theoderich von Wied rief 1216 die Ritter des Deutschen Ordens nach Koblenz und schenkte ihnen einen Teil des Geländes der Kastorkirche mitsamt dem angeschlossenen St.-Nikolaus-Krankenhaus. Sein Schenkungsmotiv war vermutlich die Sicherstellung der örtlichen Krankenpflege. Unmittelbar an der Mündung der Mosel in den Rhein errichtete der Orden bald danach die Deutschordenskommende Koblenz, die zum Sitz der Verwaltung (Ballei) der Ordensprovinz Koblenz wurde, die dem Hochmeister direkt unterstellt war. Nach der Errichtung des Herrenhauses trug der Bereich der Moselmündung zunächst die Bezeichnung Deutscher Ordt, später dann Deutsches Eck. mini|Deutsches Eck mit Deutschherrenhaus ohne künstliche Landzunge, 1875 Im 19. Jahrhundert wurde das Areal über eine Mole mit einer vorgelagerten Sandbank verbunden, um einen Nothafen an der Moselmündung zu schaffen. Mole und Sandbank trugen im Koblenzer Volksmund den Namen Honsschwanz (Hundsschwanz), weil sie geografisch den letzten Ausläufer des Hunsrücks bildeten. Nach dem Bau des Kaiser-Wilhelm-Denkmals verlagerte sich die Bezeichnung Deutsches Eck im allgemeinen Sprachgebrauch schließlich auf die künstlich aufgeschüttete Landzunge.

Planungen und historisch-politischer Kontext Einige Wochen nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. im Jahre 1888 entstand in staatlichen wie privaten Kreisen die Idee, ihm als Dank für die in drei Kriegen (1864, 1866, 1871) erkämpfte Einigung Deutschlands ein Denkmal zu errichten. Unter den zahlreichen Bewerbern um den Standort (siehe Königswinter) war auch Koblenz. Die Standortentscheidung überließ man dem jungen Kaiser Wilhelm II., der sich 1891 für Koblenz und die Stelle am Zusammenfluss von Mosel und Rhein entschied. Die Gründe hierfür lagen zum einen bei dem persönlichen Bezug Kaiser Wilhelms I. zu der Stadt Koblenz, in der er vor seiner Krönung zum preußischen König als Militärgouverneur am Rhein von 1849 bis 1857 gelebt und gewirkt hatte. Weiterhin sah Wilhelm II. die Verbindung der Stadt mit dem Haus Hohenzollern als ausschlaggebend an,Heinz Peter Volkert: Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck. Koblenz 1993, S. 16. da einer der Hochmeister des am Deutschen Eck ansässigen Deutschen Ordens als erster Hohenzoller Herzog von Preußen geworden war.Antje Laumann-Kleineberg: Denkmäler des 19. Jahrhunderts im Widerstreit. Drei Fallstudien zur Diskussion zwischen Auftraggebern, Planern und öffentlichen Kritikern (Europäische Hochschulschriften, Reihe 28, Kunstgeschichte, Band 82). Frankfurt am Main 1989, S. 179. Ein ebenso wichtiger Punkt lag in der Bedeutung der Kastorkirche, wo um 842 der Vertrag von Verdun vorbereitet worden sein soll.Heinz Peter Volkert: Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck. Koblenz 1993, S. 17.

Das Denkmal markierte gemeinsam mit der gegenüberliegenden, von Preußen wiedererrichteten Festung Ehrenbreitstein eine Art „Wacht am Rhein“ gegen Frankreich. Nachdem sich 1806 das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auf Betreiben Napoleons aufgelöst hatte (siehe Reichsdeputationshauptschluss), gingen die linksrheinischen Gebiete zunächst an Frankreich und infolge des Wiener Kongresses 1814/15 an mehrere Nachfolgestaaten des Heiligen Römischen Reiches und somit größtenteils an das spätere Deutsche Reich über. Mit dem Fluss war nun der Sieg über Napoleon verbunden, der Rhein wurde als nationales, „deutsches“ Gut verstanden und am Deutschen Eck nicht nur durch die Festung Ehrenbreitstein militärisch, sondern in Kunst und Literatur auch symbolisch gefestigt; es entstand eine Art „patriotische Rheinromantik“.Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz. Preußische Facetten: Rheinromantik und Antike. Zeugnisse des Wirkens Friedrich Wilhelm IV. an Mittelrhein und Mosel. Regensburg 2001, S. 22 f.

Entwurf, Bau und Einweihung

Nachdem das erforderliche Gelände durch Zuschütten des früheren Nothafens geschaffen war und eine nationale Sammelaktion die erforderliche Million Mark erbracht hatte, konnte das Kaiser-Wilhelm-Denkmal 1895–1897 von der Rheinprovinz errichtet werden. Es beruht auf den Plänen des Architekten Bruno Schmitz, bekannt durch das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica, das Kyffhäuserdenkmal und das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Das Reiterstandbild gestaltete der Bildhauer Emil Hundrieser.Peter Bloch: Das Reiterdenkmal. In: Schwerpunkt Deutsches Eck. (Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur. Neue Folge 3). Görres-Verlag, Koblenz 1993, S. 9–30, hier S. 22. Künstlerisch bot der Typus Reiterstandbild wenige Möglichkeiten; die Auftraggeber legten besonders bei den Kaiser-Wilhelm-Denkmälern Wert auf historische Genauigkeit.Heinz Peter Volkert: Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck. Koblenz 1993, S. 55. Die Figuren wurden in Braunschweig durch die Erzgießerei Georg Howaldt gefertigt. mini|Moselseite des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, um 1900 Das Denkmal wurde am 31. August 1897 in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht.

Ort patriotischer Versammlungen

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Rheinland von alliierten Truppen besetzt. Koblenz unterstand zunächst der amerikanischen, dann der französischen Militärverwaltung. Die letzten französischen Soldaten verließen die Stadt Ende November 1929. Sogleich versammelten sich zehntausende Menschen am Deutschen Eck, um das Hissen der Reichsflagge auf der Festung Ehrenbreitstein zu verfolgen.

Am 22. Juli 1930 wurde das Denkmal erneut Kulisse von Feierlichkeiten nach Ende der alliierten Rheinlandbesetzung. In Vorbereitung hierzu wurden insgesamt 28 Pilzleuchten am Ufer und am Denkmal fest installiert.Katharina Richter, Detlef Wahl: Rheinanlagen mit Rheinfront 1809 bis 1983. In: Garten- und Friedhofsamt der Stadt Koblenz (Hrsg.): Die Rheinanlagen Koblenz. Von den Anfängen bis heute. An diesem Tag besuchte Reichspräsident Paul von Hindenburg das Deutsche Eck zum Abschluss seiner Reise durch das freie Rheinland. Nach einem Feuerwerk auf dem Ehrenbreitstein zum Abschluss der Feierlichkeiten kam es nahe dem Denkmal zu einer Katastrophe, als eine von Menschenmassen überlastete schmale Pontonbrücke einbrach und 38 Personen in den Tod riss. in: Rhein-Zeitung, 5. August 2005. Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mini|hochkant|Zerstörtes Reiterstandbild, 1945