Dinklage ist eine Stadt im Landkreis Vechta in Niedersachsen und liegt im Oldenburger Münsterland.

Geografie Lage mini|Acker an der Grenze der Stadtteile Langwege und Schwege im Dinklager Becken Dinklage liegt im Norddeutschen Tiefland in der Dümmer-Geestniederung im westlichen Niedersachsen, etwa 50 km nördlich von Osnabrück und 65 km südwestlich von Bremen.

Das Stadtgebiet ist überwiegend flach und fällt leicht von Südost nach Nordwest ab. Die höchste Erhebung liegt bei 31,5 m ü. NN im Süden des Stadtgebietes, in der Bauerschaft Langwege nahe der Bundesstraße 214. Der tiefste Punkt mit 23 m ü. NN befindet sich im Nordwesten des Stadtgebietes, an der Lager Hase in der Bauerschaft Wulfenau. Der Stadtkern liegt auf etwa 26 bis 28 m ü. NN.

Das Landschaftsbild ist geprägt von Baumreihen und Wallhecken, die der Fläche Struktur verleihen.

Stadtgliederung Dinklage besteht aus einem geschlossenen Stadtkern (einschließlich der Stadtteile Wiek und Hörst), in dem etwa 85 Prozent der Bevölkerung leben, und den sechs Bauerschaften Bahlen, Bünne, Höne, Langwege, Schwege und Wulfenau.

Nachbarorte Emden(120 km)

Quakenbrück(13 km) Oldenburg(60 km)

Essen(14 km) Bremen(70 km)

Bakum(12 km) Lingen(60 km)

Badbergen(10 km) Datei:Windrose klein.svg Lohne(7 km)

Hannover(130 km) Gehrde(14 km)

Bersenbrück(20 km) Holdorf(8 km)

Osnabrück(50 km) Steinfeld(10 km)

Damme(20 km) Entfernungsangaben beziehen sich auf die Entfernung bis zum jeweiligen Ortszentrum.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete mini|hochkant|Mündung des Barkhoffbachs in den Dinklager Mühlenbach unmittelbar vor der Unterquerung der A 1 in Langwege

Das Stadtgebiet von Dinklage gehört hydrologisch zum Einzugsgebiet der Hase und damit zum Flusssystem der Ems.

Das Hauptfließgewässer in Dinklage ist der Dinklager Mühlenbach, der das Stadtgebiet – aus der Gemeinde Holdorf kommend – von Süden nach Norden bis zur nördlichen Stadtgrenze durchfließt, wo er sich mit der aus Osten kommenden Aue zur Lager Hase vereinigt.

Innerhalb des Stadtgebietes münden mehrere Tieflandbäche in den Dinklager Mühlenbach. Von Süden nach Norden sind dies auf der rechten Seite der Barkhoffsbach, der Trenkampsbach, die Dinkel und der Hopener Mühlenbach; von links fließen der Brokbach und der Bünner Bach zu.

Der Handorfer MühlenbachLandkreis Vechta: Überschwemmungsgebiet des Handorfer Mühlenbachs von dem Ort Handorf bis westlich der Ortschaft Langwege - südöstlich aus der Gemeinde Holdorf und der Bauerschaft Langwege kommend - mündet in den Bünne-Wehdeler-Grenzkanal, der abschnittsweise die westliche Stadtgrenze markiert. Dieser fließt in den Essener Kanal, einen Flussarm des Hase-Binnendeltas. Westlich von Essen vereinigt sich dieser mit der Lager Hase; aus diesem Zusammenfluss geht die (Große) Hase hervor.

Das Oberflächenwasser aus Dinklage wird somit auf zwei Wegen der Hase zugeführt: Ein Teil gelangt über den Dinklager Mühlenbach in die mit der Aue gebildete Lager Hase. Ein weiterer Teil fließt über den Bünne-Wehdeler-Grenzkanal und den Essener Kanal ebenfalls in das System der Hase. Die (Große) Hase entwässert über ihren Unterlauf bei der Stadt Meppen in die Ems und schließlich in die Nordsee.

Das Bockhorster Moor gehört zu den offiziell ausgewiesenen Landschaftsschutzgebieten im Landkreis Vechta (Landschaftsschutzgebiet „Bockhorster Moor, Wilder Pool, Märschendorfer Teiche“ LSG VEC 00075). Im südlichen Bereich des Bockhorster Moors befinden sich mindestens zwei Teiche, die ausdrücklich als Lebensräume für Amphibien und Insekten (z. B. Libellen) sowie als Jagdreviere für Vögel dokumentiert sind, etwa für den Eisvogel. Das Gebiet bietet durch Gewässer, Feuchtbereiche und Gewässerrandvegetation gutes Potential für Biodiversität. Amphibien, Libellen, Vögel und weitere wasser- bzw. feuchtigkeitsabhängige Arten können hier vorkommen.

Die Fließgewässer im Stadtgebiet sind teilweise begradigt und ökologisch beeinträchtigt, was ihre natürliche Gewässerdynamik und Artenvielfalt einschränkt. Hinzu kommen Belastungen des Wasserhaushalts durch landwirtschaftliche Nutzung, Entwässerungssysteme und zeitweise niedrige Grundwasserstände. Feuchtgebiete wie Moore und Auen reagieren empfindlich auf diese Veränderungen und sind auf einen stabilen Wasserstand angewiesen. Der Klimawandel mit veränderten Niederschlagsmustern und längeren Trockenperioden verstärkt diese Problemlagen zusätzlich.

Renaturierung von Bächen, Hochwasserschutz und neue Naherholungsgebiete Hopener Mühlenbach: Der Bach war lange ökologisch belastet – 2009 wurde sein Zustand als „mäßig“ bewertet. Seit 2013 gibt es laufende Renaturierungsmaßnahmen, etwa durch Einbau von Totholz, Kies, eine Sohlgleite zur Durchgängigkeit und dynamischere Fließstrukturen, die Habitatsqualität erhöht haben. Zudem wurden Überschwemmungsgebiete ausgewiesen, um Risiken zu minimieren.Landkreis Vechta: Überschwemmungsgebiet des Hopener Mühlenbaches

mini|hochkant|Naherholungsgebiet Unterer Hopener Mühlenbach

In zeitlicher Nähe zum Bau des neuen Stadtteiles Mühlenviertel wurde ein Wanderweg westlich der Quakenbrücker Straße parallel zum Hopener Mühlenbach errichtet. Dinklager Mühlenbach und Aue: Diese Gewässer weisen große ökologische Defizite auf („hohe Güteeinbußen“, „schlecht“ bewertet). Überschwemmungsgebiete wurden ausgewiesen, um Risiken zu mindern.Landkreis Vechta: Überschwemmungsgebiet der Aue (Lk Vechta) Trenkampsbach und Dinkel: Die potenziellen Überschwemmungsgefahren wurden im Rahmen der Ausweisung von Überschwemmungsgebieten berücksichtigt.Landkreis Vechta: Überschwemmungsgebiet des Trenkampsbaches

Untergrundverhältnisse Dinklage liegt in einer Region mit lockeren Böden aus der Eiszeit, vor allem aus Sand und Lehm. Diese Böden können viel Grundwasser aufnehmen und speichern, besonders dort, wo sandige Schichten vorhanden sind. Der Untergrund im Raum Dinklage besteht überwiegend aus glazio-fluviatilen Sedimenten des Pleistozäns, vor allem aus lehmigen und sandigen Ablagerungen. Bohrungen ergaben, dass die oberste Bodenschicht etwa fünf bis sieben Meter mächtig ist. Darunter folgt eine rund zehn Meter starke Schicht aus lehmigen und mergelhaltigen Sedimenten.

Klima In Dinklage herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt.

Im Jahre 2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C. Der Monat mit den höchsten Temperaturen im Jahresverlauf ist der Juli mit einer Durchschnittstemperatur von 18,7 °C, der durchschnittlich kälteste Monat ist der Januar mit 2,5 °C.

Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden. Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627 bis 2275 Sonnenstunden pro Jahr.

Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge im Zeitraum 2012–2021 betrug 528 mm. Statistisch regnet es etwa 6 % der Zeit.

Geschichte Mittelalter mini|hochkant|Sichtbare Reste der Ferdinandsburg (2026): Graft mit Wällen als Begrenzung Der Ort Dinklage wurde 1231 erstmals urkundlich im Zusammenhang mit dem Adelsgeschlecht Herren von Dincklage erwähnt (Thinclage, später Dynclage bzw. Dinklage). Bertram von Dincklage und seine Söhne Johannes und Bertram waren zunächst Dienstmannen der Grafen von Ravensberg-Vechta und wurden 1252 Lehnsträger des Bistums Münster. Im 14. Jahrhundert stieg die Familie zum führenden Adelsgeschlecht der Region auf.

Südöstlich des Ortes entstand vermutlich im 13. Jahrhundert eine Turmhügelburg (Motte), die Ferdinandsburg. Unklar ist, wann genau sie errichtet wurde.

Um 1372 versuchten die Herren von Dincklage eine eigene Herrschaft zu errichten. Dies führte zu Konflikten mit dem Bischof von Münster, der ihre Burg 1374 zerstören ließ. Infolge einer Erbteilung entstanden bereits um 1400 vier neue Burgen, die Hugoburg, die Herbordsburg, die Dietrichsburg und die Johannsburg, von denen heute nur noch die Dietrichsburg erhalten ist, allerdings in einem späteren Baustil. An die Herbordsburg (bis 1677) und die Hugoburg (bis 1840) erinnern nur noch die ehemalige Rentei (Platz der ehemaligen Herbodsburg) und die Burgkapelle (Platz der ehemaligen Hugoburg). Wo sich die Johannsburg befand, ist unklar.

Am 4. Juni 1349 wurde die erste Kirche im Ort geweiht, Dinklage zur eigenständigen Pfarrei erhoben und von der Mutterpfarrei Lohne getrennt.

Pestepidemien trafen die Region 1360 und 1380.

Neuzeit Im 16. und 17. Jahrhundert gab es weitere Pestepidemien.

Johann von Dincklage, ein bedeutendes Mitglied des Adelsgeschlechts von Dincklage, unterstützte im Jahre 1543 die Reformation von Martin Luther; ein Großteil der Einwohner von Dinklage nahm den protestantischen Glauben an.

1575 zerstörte ein verheerender Großbrand viele Häuser.

1588 sah sich die Familie von Dincklage mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert. In diesem Zusammenhang ging Magdalene von Dincklage eine Ehe mit Caspar von Ledebur ein. In der Folge gelangte die Dietrichsburg durch Erbgang in den Besitz der Familie von Ledebur. Nach dem Tod ihres Mannes (1597) arbeitete Magdalene am Ausbau der Dietrichsburg weiter und ließ 1614 die Scheune, die heute der Gemeinschaft der Benediktinerinnen als Kirche dient, errichten.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) fielen im Jahre 1622 marodierende protestantische Truppen unter Führung von Graf Mansfeld in die Gegend ein. Vom Herbst 1623 bis zum Frühjahr 1630 war Dinklage durch fremde Truppen besetzt. Die Kirche befand sich bei Abzug der Besatzer in einem desolaten Zustand.

Im Jahre 1641 schickte der Bischof von Münster seinen Vertrauten Johann Heinrich von Galen nach Dinklage, der den Titel „Drost von Vechta“ und die entsprechenden Kompetenzen erhielt. Da die Stadt Vechta noch von schwedischen Truppen besetzt war, nahm dieser seinen Wohnsitz auf der Burg Dinklage, indem er die Dietrichsburg von Caspar von Ledebur pachtete. Von hier aus versuchte er, das Amt Vechta unter Kontrolle zu bekommen und zu konsolidieren.

Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) wurde die bereits 1613 begonnene Gegenreformation wieder aufgenommen, obwohl sie von dem überwiegenden Teil der Bevölkerung abgelehnt wurde. Bis zum Ende seiner Amtszeit als Fürstbischof von Münster 1678 schaffte es Christoph Bernhard von Galen das Niederstift Münster, dem Dinklage seinerzeit angehörte, nahezu vollständig zu re-katholisieren. In diesem Jahr wurde die Kirche unter Regie der Grafen von Galen restauriert.

Die Familie von Galen als Burg- und Landesherr mini|hochkant|Clemens August Graf von Galen Im Jahre 1667 übernahm Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen die Dinklager Güter der verarmten Herren von Dinklage-Ledebur für seinen Bruder Johann Heinrich von Galen, Drost des Amtes Vechta. Hintergrund war ein Erbrechtsstreit innerhalb der Familie von Ledebur. In diesem Zusammenhang stellte Christoph Bernhard das Anwesen unter Zwangsverwaltung durch seinen Bruder. Die Familie von Ledebur klagte dagegen. Eine gütliche Einigung mit den Erben von Clemens August Freiherrn von Galen erfolgte erst 1801.