Bad Bentheim (bis 1979 Bentheim) ist eine Stadt und ein Kurort im Landkreis Grafschaft Bentheim in Niedersachsen. Bad Bentheim liegt an der Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden und an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Bad Bentheim hat ein staatlich anerkanntes Thermalsole- und Schwefelheilbad. Die Burg Bentheim gilt als Wahrzeichen der Stadt.
Geografie Ausdehnung des Stadtgebiets Die Stadtgrenze ist 49 km lang. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 14 km und die West-Ost-Ausdehnung 12 km. Das Stadtgebiet von Bad Bentheim hat eine Fläche von 100,00 km²., Zahlenspiegel des Landkreises Grafschaft Bentheim, abgerufen am 17. September 2018.
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Norden an Nordhorn, im Nordosten an Isterberg, im Osten an Quendorf und Schüttorf (alle Landkreis Grafschaft Bentheim), im Süden an Ochtrup (Kreis Steinfurt) und Gronau (Kreis Borken) und im Westen an Losser (Niederlande, Provinz Overijssel). Die nächsten Großstädte sind Münster und Osnabrück in Deutschland und Enschede in den Niederlanden.
Stadtgliederung Die Stadt Bad Bentheim ist eine Einheitsgemeinde und umfasst neben der Kernstadt die Ortschaften Achterberg, Bardel, Gildehaus, Hagelshoek, Holt und Haar, Sieringhoek, Waldseite sowie Westenberg.
Schutzgebiete für die Natur Es gibt im Stadtgebiet die FFH-Gebiete Bentheimer Wald, Gildehauser Venn und Kleingewässer Achterberg. Das Gildehauser Venn und das Kleingewässer Achterberg sind auch als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden. Ferner sind das Naturdenkmal Bornhalmscher Steinbruch und das Landschaftsschutzgebiet Wacholderhain Kloster Bardel ausgewiesen worden.
Geschichte 300px|mini|Bad Bentheim mit der Burg, von Südosten Erste urkundliche Erwähnung findet Bad Bentheim um 1050 als Binithem. Über die Etymologie gibt es verschiedene Spekulationen. So könnte der Name von den Binsen herrühren, die dort früher in der morastigen Landschaft wuchsen. Auch wird vermutet, der Name gehe, wie bei der niederländischen Region Twente, auf die Tubanten zurück.
Bad Bentheim, eine ehemalige gräfliche Residenz, blickt auf eine traditionsreiche Geschichte zurück. Der Marktflecken war Jahrhunderte Mittelpunkt der gleichnamigen Grafschaft. Unter preußischer Herrschaft war Bentheim ein Amt und von 1857 bis 1973 Standort eines Amtsgerichts.Grafschafter Nachrichten vom 16. Juli 2009: Scherben auf der Mauer sollten das Gefängnis sichern – Das alte Amtsgericht in Bad Bentheim war früher das neue – Zwei Wachtmeister für bis zu 30 Gefangene. 1945 entzog die britische Militärregierung Bentheim den Status als Kreisstadt und machte die geografisch zentraler gelegene Stadt Nordhorn zum Kreissitz.
Wahrzeichen der Stadt ist die mächtige Burganlage der Grafen von Bentheim: die Burg Bentheim, welche erstmals um 1116 urkundliche Erwähnung fand. Um 1711 wurden heilende Schwefelquellen entdeckt, aus denen sich ein Kurbadebetrieb (Thermalsole-Fachklinik) entwickelte. Seit 1865 besitzt Bentheim das Stadtrecht.
Jüdische Familien hatten sich bereits im 17. Jahrhundert in der Grafschaft Bentheim niedergelassen. Während der NS-Zeit wurden die jüdischen Bürger Bentheims Opfer von systematischer Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge in der Wilhelmstraße von SA-Angehörigen völlig verwüstet. Das Kaufhaus von Albert Wertheim wurde geplündert. Insgesamt wurden über 60 jüdische Bürger Bentheims vertrieben, deportiert oder ermordet. Seit 1985 erinnert ein Mahnmal an die vernichtete jüdische Gemeinde der Stadt und ihre zerstörte Synagoge. Seit 2006 wurden zahlreiche Stolpersteine verlegt, die an Angehörige der verfolgten jüdischen Familien erinnern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es seitens der Niederlande Pläne, große Teile von Nordwestdeutschland an die Niederlande anzugliedern (Bakker-Schut-Plan), darunter auch Bentheim. Die Alliierte Hohe Kommission lehnte dies aber ab: Deutschland sei mit den mehr als 14 Millionen Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten überfordert und weitere Annexionen und Vertreibungen würden das Problem verschlimmern. Nach dem Beginn des Kalten Krieges stand eine Stabilisierung Westdeutschlands im Vordergrund. In den Niederlanden gab es eine starke Opposition, insbesondere aus Kirchenkreisen, gegen die Annexionspläne.
Seit dem 6. Juni 1979 heißt die Stadt Bad Bentheim. Der Ortsteil Gildehaus ist seit 1982 staatlich anerkannter Erholungsort.
Sandstein, der in geeigneten Steinbrüchen abgebaut wurde und in Gildehaus heute noch gefördert wird, bezeichnet man auch als Bentheimer Gold Der Bentheimer Sandstein. Der Handel (15. bis 18. Jahrhundert) verbreitete ihn über die Grenzen der Grafschaft Bentheim hinaus ins Münsterland, nach Ostfriesland, in die Niederlande und bis nach Belgien und Dänemark. Bedeutende Bauwerke aus Bentheimer Sandstein sind zum Beispiel das Königliche Palais in Amsterdam, das Theater und die Frauenkirche in Antwerpen, die katholische Kirche in Aarhus, der 1482 vollendete Turm der Martinikirche in Groningen sowie das Rathaus in Münster. Angeblich besteht der Sockel der Freiheitsstatue in New York City ebenfalls aus Bentheimer Sandstein, aber auch andere Städte wie Obernkirchen stellen die Behauptung auf, der Sockel sei aus dem Sandstein ihrer Stadt.
Eingemeindungen Am 1. April 1929 wurde die Gemeinde Bentheim-Bauerschaft und der Gutsbezirk Bentheim, Schloß eingemeindet. Im Rahmen der niedersächsischen Gemeindegebietsreform wurden am 1. März 1974 die Stadt Bentheim, die Samtgemeinde Gildehaus (bestehend aus den Mitgliedsgemeinden Gildehaus, Achterberg, Hagelshoek, Holt und Haar, Waldseite und Westenberg) sowie die Gemeinden Bardel und Sieringhoek zur Einheitsgemeinde Stadt Bentheim zusammengeschlossen.
Konfessionsstatistik 2017 waren 31,4 % der Einwohner evangelisch-reformiert, 11,9 % evangelisch-lutherisch und 20,6 % römisch-katholisch; die restlichen 36,2 % gehörten einer anderen oder keiner Glaubensgemeinschaft an.Grafschaft Bentheim Zahlenspiegel
Politik
Rat Der Rat der Stadt Bad Bentheim besteht aus 30 Mitgliedern. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 12.001 und 15.000 Einwohnern. Die 30 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.
Die allgemeine Wahlperiode beginnt am 1. November nach der letzten Wahl und endet nach fünf Jahren zum 31. Oktober.§47 NKomVG-Wahlperiode
Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.
Die Kommunalwahl vom 13. September 2026 führte zu folgendem Ergebnis:Ratswahl 2026 Stadt Bad Bentheim
Bürgermeister Volker Pannen (SPD) wurde 2006 zum Hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt Bad Bentheim gewählt. Bei der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 wurde er als Amtsinhaber mit 66,1 % der Stimmen wiedergewählt. Sein Gegenkandidat Heiner Beernink genannt Konjer (CDU) erhielt 33,9 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,7 %.
Bei der erneuten Wiederwahl am 12. September 2021 erhielt Pannen 60,75 % der gültigen Stimmen. Florian Pletz, von der FDP nominiert, erhielt 20,58 % und die unabhängige Kandidatin Sonja Hemme 18,68 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,3 %. Bei der Bürgermeisterwahl am 13. September 2026 unterlag er mit 41,83 % dem Einzelbewerber Frank Spickmann, der mit 58,17 % zum neuen Bürgermeister gewählt wurde.Bürgermeisterwahl 2026 Bad Bentheim
Liste der Bad Bentheimer Bürgermeister Bürgermeister Zeitraum Johann Krabbe, Textilfabrikant 1899–1930 Christian Mikkelsen, Volkswirt 1930–1937 Karl Raapitz, Ober-Zollinspektor (NSDAP, vom Kreisleiter eingesetzt) 1938–1944 Karl Brose (NSDAP) (1. Beigeordneter u. OG-Leiter, nach dem Tod von Raapitz als Bürgermeisterstellvertreter eingesetzt) 1944–1945 (9 Monate) Hermann Lammers, Stadtinspektor (von britischer Militärregierung eingesetzt) 1945 Johann Schütte, Landwirt (CDU) 1946–1949 August Lippold (CDU) 1949–1956 Gerhard Krabbe (CDU) 1956–1964 Dietrich Somberg, Finanzbeamter (CDU) 1964–1991 Horst Winkler, Geschäftsführer Bauverein (SPD) 1991–1996 Günter Alsmeier, Finanzbeamter (CDU) 1996–2006 Volker Pannen, Finanzbeamter (SPD) 2006–2026 Frank Spickmann (parteilos) seit 2026
Ortsvorsteher Laut Hauptsatzung der Stadt bilden die Stadtteile Achterberg, Bardel, Hagelshoek, Holt und Haar, Sieringhoek, Waldseite und Westenberg jeweils Ortschaften, für die ein Ortsvorsteher berufen wird. Diese haben die Aufgabe, die Stadtverwaltung und die Gremien des Rates in allen Fragen zu unterstützen, die ihre Ortschaft betreffen.
Wappen Die Stadt Bad Bentheim erhielt ihr Wappen im Jahre 1661 von Graf Ernst Wilhelm von Bentheim und Steinfurt (1643–1693). Das Wappen stellt ein goldenes Monogramm der Buchstaben E und G auf rotem Grund dar. Dieses wird von neunzehn ebenfalls goldenen Münzen (auch als Kugeln bezeichnet) umgeben. Die Buchstaben E und G stehen für „Ernestus Guilelmus“; dem latinisierten Namen des Grafen. Die goldenen Münzen stammen vom Wappen der Grafschaft Bentheim. Auch andere Gemeinden der Grafschaft Bentheim haben goldene Münzen in ihrem Wappen: Emlichheim, Hoogstede, Laar, Neuenhaus und Nordhorn.
Im frühen 19. Jahrhundert wurde der Gebrauch des Wappens untersagt. Später, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, bestand das Wappen lediglich aus dem roten Grund mit 18 goldenen Münzen darauf – ohne Monogramm! Im Jahre 1955 erhielt die Stadt durch das Niedersächsische Innenministerium die Genehmigung, das ihr im 17. Jahrhundert durch Graf Ernst Wilhelm verliehene Wappen wieder zu führen.
Städtepartnerschaften Bad Bentheim unterhält/unterhielt Städtepartnerschaften zu Assen in den Niederlanden (1959–2009)Obwohl die Partnerschaft 2009 aufgehoben wurde ems-vechte-surfer.de, abgerufen am 7. Januar 2021 und zu Wolkenstein (Erzgebirge) in Sachsen (seit 1991).
Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten
mini|links|Bentheimer Sandstein mini|Burgmauern mit dahinterliegendem Pulverturm von Osten mini|Burg-Innenhof
Das wohl markanteste Wahrzeichen der Stadt, die Burg Bentheim, steht unübersehbar im Zentrum. Die alte Residenz kann mit und ohne Führung teilweise besichtigt werden. Einen weiten Blick über Bad Bentheim bietet hierbei der hohe Bergfried, auch Pulverturm genannt.
Das Bad Bentheimer Sandsteinmuseum ist ein in einem historischen Bentheimer Ackerbürgerhaus mit Erweiterungsbau untergebrachtes Museum, welches die Geschichte des Bentheimer Sandsteins (Abbau und Verwendung, Handel und Arbeit) und die Geologie dieses Sandsteins näherbringen möchte. Exponate wie romanische Taufsteine aus dem 12. und 13. Jahrhundert oder Fossilien zur Veranschaulichung der beiden Dauerausstellungen können hier besichtigt werden.
Das Museum am Herrenberg stellt Gemälde niederländischer Meister aus, die in mindestens zwei bekannten Museen der Welt vertreten sind. Es bietet einen Überblick über die niederländische Malerei im 17. bis 19. Jahrhundert. Aus dem 17. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter, wird u. a. ein Gemälde von Jacob van Ruisdael mit dem Motiv Burg Bentheim gezeigt.
Ein Theater der besonderen Art befindet sich direkt neben der sogenannten Franzosenschlucht: Die Bentheimer Freilichtbühne. Das Theater liegt in drei stillgelegten Steinbrüchen und hat somit eine außergewöhnliche Naturkulisse zu bieten. In den Sommermonaten werden hier klassische und moderne Bühnenstücke für Erwachsene wie auch Kinder aufgeführt. Darüber hinaus finden oftmals auch besondere Veranstaltungen wie zum Beispiel Winter- und Nachtaufführungen oder Gastspiele statt.
Das Haus Westerhoff gilt als eines der schönsten Ackerbürgerhäuser der Stadt, welches aus dem Jahre 1656 stammt; es wurde in den Jahren 1989 bis 1991 fachmännisch restauriert. Das traditionsreiche Gebäude verbindet historische Architektur mit einem lebendigen Kulturprogramm. Es ist kein Museum mit ständiger Ausstellung, sondern ein geeigneter Platz für wechselnde Ausstellungen, kreative Workshops, zum Beispiel Töpferkurse, und andere Veranstaltungen, bei denen Kunst entdeckt werden kann.