Usingen ist eine Stadt mit Einwohnern () im südhessischen Hochtaunuskreis. Die über 1200 Jahre alte „Buchfinkenstadt“ im Taunus war Residenzstadt des Hauses Nassau-Usingen.
Geographie Geographische Lage mini|Blick über Usingen, fotografiert von der Spitze der Laurentiuskirche mini|Usingen im Winter
Die Stadt Usingen liegt in dem nach ihr benannten Usinger Land. Sie befindet sich an der Usa im Usinger Becken am nordöstlichen Rande des Taunus. Usingen liegt ca. 30 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main, 27 Kilometer südlich von Wetzlar und 38 Kilometer nordöstlich von Wiesbaden und an der Grenze des Rhein-Main-Gebietes.
Der Stadtkern liegt etwa auf , die höchste Erhebung im Stadtteil Usingen ist der „Hohe Berg“ mit 414 m über NN.
Nachbargemeinden Usingen grenzt im Norden und Osten an den Wetteraukreis (Stadt Butzbach und Gemeinde Ober-Mörlen), im Südosten an die Gemeinde Wehrheim, im Süden an die Stadt Neu-Anspach und die Gemeinde Schmitten im Taunus, im Westen an die Gemeinde Weilrod und im Nordwesten an die Gemeinde Grävenwiesbach.
Stadtgliederung mini|Stadtgliederung von Usingen
Die Stadt Usingen umfasst neben der Kernstadt sechs weitere Stadtteile, die im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Stadt eingegliedert wurden:
Stadtteil Wappen EingemeindungFlächeHessisches Statistisches Landesamt: Gemarkungen_100er_2022_für_Anfragen.xlsxha BevölkerungStadt Usingen: Öffentliche Niederschrift der Stadtverordnetenversammlung am 17.10.20222021-12-31 Eschbach 25px|Wappen von Eschbach 1972-08-011543,59 2020 Kransberg 25px|Wappen von Kransberg 1971-12-31556,02 649 Merzhausen 25px|Wappen von Merzhausen 1972-08-01725,37 874 Michelbach 25px|Wappen von Michelbach 1971-12-31255,07 326 Usingen 25px|Wappen von Usingen -1613,40 9163 Wernborn 25px|Wappen von Wernborn 1971-12-31682,30 1560 Wilhelmsdorf 25px|Wappen von Wilhelmsdorf 1972-08-01204,96 377 Usingen 25px|Wappen von Usingen -5580,70 14969
Für das Gebiet der Kernstadt Usingen und der sechs früheren Gemeinden wurden per Hauptsatzung Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher errichtet. Die Grenzen der Ortsbezirke sind nicht besonders definiert und folgen daher den seitherigen Gemarkungsgrenzen.
Geschichte Im Zuge der Erforschung und des Wiederaufbaus des Römerkastells Saalburg bei Bad Homburg vor der Höhe seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde auch die Besiedlungsgeschichte Usingens intensiver erforscht. Seitdem kam es immer wieder zu Einzelfunden oder den Nachweis von Siedlungsresten, welche die Geschichte des Usinger Landes seit der Frühzeit dokumentieren. Nach Gründung der Archäologie-AG Usingens 1994, die durch das Landesamt für Denkmalpflege Hessen und das Seminar für Vor- und Frühgeschichte der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt/Main unterstützt wird, konnte die Erforschung der regionalen Siedlungsstruktur verbessert werden. Einige Funde (Kulturgüter) sind im Keller des Usinger Rathauses im Museum für Vor- und Frühgeschichte zu betrachten.
Ur- und Frühgeschichte mini|Dokumentation des Spitzgrabens des Erdwerks durch Anlegen mehrerer Längs- und Querprofile. Usingen, Herbst 2000
Der früheste Nachweis menschlicher Tätigkeit im Usinger Raum ist eine Art Basislager der mittelsteinzeitlichen Jäger und Sammler, das 1997 bei Naunstadt nachgewiesen werden konnte. Solche Lager dienten den damaligen Nomaden als Ausgangs- und Übernachtungspunkt für die notwendige Nahrungsversorgung. Es ist fraglich, ob sich darüber hinaus größere Siedlungen aus dieser Epoche finden lassen werden. Zwar wird das Usinger Land durch einige Flüsse und Bäche durchzogen, diese sind und waren für eine wirtschaftliche Schifffahrt jedoch zu klein. Deutschlandweit wurde jedoch ermittelt, dass in der Zeit von 11.000 bis 5.600 v. Chr. größere Siedlungen zumeist an bedeutenden Flüssen gegründet wurden, die zur Trinkwasserversorgung und für den Handel unabdingbar waren. Erst allmählich breiteten sich die Kulturen dann auch in abgelegene Gebiete aus.
Aus der frühen Jungsteinzeit (ca. 5.000 v. Chr.) konnten zwischen 1993 und 1996 sechs Siedlungsplätze bei Friedrichsthal, Maibach, Wernborn und Usingen nachgewiesen werden. Da sie abseits der Wetterau und des Limburger Beckens und über der üblichen Siedlungshöhe zwischen 260 und 410 m ü. NN liegen, kann das Usinger Becken für diese Zeit als eigene Siedlungskammer betrachtet werden. Bestandteil ist unter anderem ein Graben-/Erdwerk bei Usingen von über zwei Hektar Größe, welches mehrfach ausgebaut wurde.Ein spätbandkeramisches Erdwerk bei Usingen im Taunus, abgerufen am 17. September 2012
Solche Funde lassen sich auf die ersten Ackerbauer und Viehzüchter zurückführen und gehören zur Linearbandkeramischen Kultur. Von den nachfolgenden Kulturstufen der Jungsteinzeit (4.900 bis 2.200 v. Chr.) zeugen einige ältere Lesefunde, zumeist Steinbeile und -äxte, die jedoch bislang keine Siedlungsplätze belegen. Funde aus der Umgebung von Anspach, Hasselborn und Wernborn lassen sich der Michelsberger Kultur (4.300 bis 3.500 v. Chr.) zuordnen.
Spuren der frühen Bronzezeit zwischen 2.200 und 1.600 v. Chr. konnten bislang nicht entdeckt werden, jedoch belegen Siedlungs- und Grabfunde der sich anschließenden mittleren Bronzezeit/Hügelgräberbronzezeit (1.600 bis 1.300 v. Chr.) und der Urnenfelderkultur (1.300 bis 800 v. Chr.) eine wieder auflebende Besiedlung des Usinger Landes. In Wehrheim konnte zum Beispiel ein Friedhof der Urnenfelderkultur nachgewiesen werden.
Im ganzen Usinger Land sind Hügelgräber aus der vorrömischen Eisenzeit, der Hallstattkultur (ca. 800 bis 450 v. Chr.) zu finden, jedoch kaum Siedlungsplätze aus dieser Zeit, ebenso wenige aus der sich anschließenden Zeit der Kelten, der La-Tène-Zeit (450 v. Chr. bis um Christi Geburt). Im 1. bis 2. Jh. n. Chr. siedelten Germanen nahe dem heutigen Usingen, wie Grabungsfunde verdeutlichen.
Mit der Aufgabe des Limes um 260 n. Chr. endete auch der römische Einfluss im Usinger Raum. Hinsichtlich der darauf folgenden Zeit der Völkerwanderungen ist bemerkenswert, dass eine vermutlich alemannische Höhensiedlung bei Kransberg aufgefunden wurde.
Aus der Zeit des Mittelalters (600 bis 15. Jahrhundert n. Chr.) gibt es zahlreiche Wüstungen (aufgelassene Siedlungen), Burgen und noch bestehende Ortschaften aus mittelalterlicher Gründungszeit samt Baudenkmälern und Eisenverhüttungsplätzen.
Der Ursprung Usingens Der Ort wird einige Male unter verschiedenen, ähnlich lautenden Bezeichnungen im Codex Eberhardi des Klosters Fulda von etwa 1160 genannt, wobei ein Bezug zu den Jahren zwischen 754/5 (dem Todesjahr des Bonifatius) und 802 angenommen wird. Die Einträge sind jedoch nicht mit einer Jahreszahl versehen, sondern einfache Aufzählungen von Übertragungen an das Kloster. Zudem enthält der Codex auch etliche (Ver-)Fälschungen, was insgesamt zu Zweifeln an der Genauigkeit der Angaben geführt hat.Vergl. dazu den unter „Literatur“ angegebenen Artikel im Usinger Anzeiger vom 11. Mai 2002 Allerdings hat das Ergebnis einer Ausgrabung im Jahre 2002 gezeigt, dass sich im Umfeld des heutigen Usingen unter anderem die Überreste eines karolingischen Gebäudes befinden. Archäologische Nachweise über eine frühmittelalterliche Siedlungstätigkeit an der Stelle der heutigen Stadt gibt es allerdings bisher nicht.Die von Lokalhistorikern geäußerte Vermutung, Usingens Bedeutung habe darin bestanden, dass es eine Etappenstation auf einer karolingischen Königsstraße zwischen Frankfurt und Wetzlar gewesen sei, hat sich als nicht haltbar herausgestellt: Weder konnte bisher die Königsstraße nachgewiesen werden noch wird Wetzlar vor dem Ende des 9. Jahrhunderts urkundlich besonders hervorgehoben; erst im Jahre 897 wurde dort eine Salvatorkirche geweiht, die der Stadt größeres Ansehen verlieh.
Schließlich könnte auch noch Stockheim, ein wüst gefallener Ort westlich von Usingen, von Gewicht für die Entstehung bzw. Entwicklung Usingens gewesen sein. Der Name der Wüstung lässt auf seine Begründung zur Zeit der fränkischen Landnahme oder gar schon in alemannischer Zeit schließen, jedoch sind bisher keine greifbaren Bezugspunkte zu Usingen erkennbar.
mini|hochkant|Tauschurkunde Philipps von Schwaben vom 15. Januar 1207 mit anhängendem Siegel Usingen in der Grafschaft Diez Bisher existieren keine historischen oder archäologischen Befunde über Usingens Geschichte vom frühen 9. bis zum Ende des 12. Jahrhunderts. Erst zu Beginn des 13. Jahrhunderts, das heißt in einer Tausch-Urkunde vom 15. Januar 1207, wird der Ort wieder erwähnt: Die Brüder Gerhard und Heinrich von Diez erhalten für die Vogtei von Kastel von König Philipp von Schwaben das Patronatsrecht der Kirche und alles Königsgut in Usingen. Ausdrücklich ausgenommen von dieser Besitzübergabe sind jedoch die Hörigen, die nach dem Besitzrecht dem König eigen sind, ebenso wie die Hälfte derjenigen Hörigen, die der Kirche in Usingen zugehören, deren eine Hälfte ebenfalls Königsgut war. Da im Mittelalter Land und Leute eine Einheit bildeten und nicht getrennt übergeben werden konnten, ist die Urkunde dahingehend zu interpretieren, dass König Philipp nur unbesiedeltes Land übertrug, ihm der wertvollere Teil seines Königsguts also erhalten blieb.
Die Grafen von Diez profitierten jedoch von dem Patronatsrecht, denn damit stand ihnen das Recht zu, den Pfarrer einzusetzen. Somit hatten sie auch indirekten Zugriff auf die Einkünfte der Kirche.Vergleiche dazu: Rüdiger Kurth: König Philipp von Schwaben, die Grafen von Diez und Usingen. Ein neuer Blick auf eine alte Quelle. In: Jahrbuch Hochtaunuskreis 2011. Frankfurt 2010, S. 309–314. Die bei Kaethner (siehe Literatur) S. 16/17 abgedruckte und übersetzte Urkunde hat sich als fehlerbehaftete, unvollständige Wiedergabe erwiesen
Ein Zweig der Familie derer von Diez nannte sich bereits 1208 nach einer in dem ihr zugesprochenen Gebiet neu errichteten Burg in (Alt-)Weilnau „Grafen von Weilnau“. 1302 teilten ihre Nachkommen ihren Besitz und erbauten in Neuweilnau eine neue Burg.Vergleiche dazu Bierwirth et al., S. 7 f. – siehe Literatur
Usingen als nassauische Stadt mini|Fürst Walrad von Nassau-Usingen mini|Usingen um 1830 mini|Stadtansicht 1864 Nach 1208 schweigen die Quellen zu Usingen erneut für ein Jahrhundert. Erst 1326 wird es wieder direkt urkundlich erwähnt: Graf Gerlach von Nassau erwarb pfandweise von Heinrich von Neuweilnau, einem Nachfahren der Grafen von Diez, unter anderem das als „Dorf“ bezeichnete Usingen. 1346 übernahmen die Söhne Gerlachs, Adolf und Johann die Herrschaft über die Ansiedlung. Neun Jahre später, 1355, erfolgte eine Teilung zwischen den Brüdern und Usingen fiel an Graf Johann von Nassau-Weilburg, unter dem die Umwandlung vom Dorf zur Stadt begann. Es entstand eine befestigte Burg oder Schloss.
Über 500 Jahre unterstand Usingen der nassauischen Oberhoheit.
Die nassauische Burg an der Stelle der heutigen Christian-Wirth-Schule und eine Mauer mit fünf Toren schützten nun das kleine Städtchen, das wohl in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts befestigt worden war und Stadtrechte erhalten hatte. Dies bedeutet allerdings auch, dass sich der Siedlungsschwerpunkt jetzt endgültig aus dem Tal auf die Anhöhe verlagert hatte. Es ist unbekannt, wann und warum dieser Prozess einsetzte.
Nachfolger von Graf Johann wurde sein Sohn Philipp als Landesherr. 1405 erwarb dieser die Pfandherrschaft über Neuweilnau. Damit ging Usingen endgültig in den Besitz der Nassauer über.
Philipp III. von Nassau-Weilburg führte die Reformation in Usingen ein; sie begann am 9. Juni 1527 mit einer Predigt von Philipps Hofprediger Henricus Romanus in der Usinger Kirche. Im Jahr 1528 endeten die katholischen Gottesdienste in der Stadt.
Das Schloss in Usingen wurde 1560 völlig umgebaut und erweitert. 1635 fiel es (und ein großer Teil der Stadt) einem Brand zum Opfer, den spanische Truppen bei der Plünderung der Stadt während des Dreißigjährigen Krieges gelegt hatten.