mini|Ringo Starr, das für ihn typische und oft mit den Worten “Peace and love” kommentierte Victory-Zeichen zeigend, 2019 rahmenlos|hochkant|zentriert|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Ringo Starr mini|Stimme von Ringo Starr, Interview auf BBC Radio4, 31. Dezember 2008 Ringo Starr (* 7. Juli 1940 in Liverpool, bürgerlich Sir Richard Starkey, MBE) ist ein britischer Musiker, Songschreiber und Schauspieler. Er wurde als Schlagzeuger der Band The Beatles bekannt, der er von 1962 bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1970 angehörte.

Leben mini|hochkant|In Liverpool, 10 Admiral Grove, lebte Ringo Starr von 1943 bis 1963

Herkunft und Jugend Richard Starkey wurde 1940 in Liverpool geboren und wuchs im Arbeiterviertel Dingle auf. Seine Eltern, Elsie und Richard Henry Parkin Starkey, ließen sich 1944 scheiden. Fortan lebte Richard mit seiner Mutter in einem kleinen Reihenhaus im Stadtteil Toxteth. Als Kind war er häufig krank.

Bevor er sich den Beatles anschloss, war er von 1959 bis 1962 Schlagzeuger in der Liverpooler Band Rory Storm & the Hurricanes. Da die Bands einander sowohl in Liverpool als auch bei ihren Auftritten in Hamburg oft ablösten und untereinander aushalfen, hatte Starr bereits in dieser Zeit engen Kontakt zu John Lennon, Paul McCartney und George Harrison. 1960 nahmen die vier in Hamburg eine Coverversion von Summertime auf.

Die Zeit bei den Beatles mini|hochkant|Ringo Starr, 1964 mini|alt=Aktie über 25 Anteile der Beatles Film Production Limited zu je 1 £, ausgegeben am 2. März 1964, eingetragen auf Ringo Starr. Die am 25. Februar 1964 mit Brian Epstein als Geschäftsführer gegründete Gesellschaft wurde am 12. Januar 1968 umbenannt in Apple Film Production Limited.|Aktie über 25 Anteile der Beatles Film Production Limited zu je 1 £, ausgegeben am 2. März 1964, eingetragen auf Ringo Starr. Die am 25. Februar 1964 mit Brian Epstein als Geschäftsführer gegründete Gesellschaft wurde am 12. Januar 1968 umbenannt in Apple Film Production Limited.

mini|Ringo Starr, 1964 mini|George Harrison (links), im Hintergrund Ringo Starr, 1964 Am 18. August 1961 vertrat Ringo Starr den erkrankten Beatles-Schlagzeuger Pete Best bei einem Konzert im Cavern Club in Liverpool. Am 5. Februar 1962 trat er erneut für den erkrankten Best als Ersatzmann mit den Beatles auf, zunächst wieder im Cavern Club und später am Abend im Kingsway Club in Southport.

Als die Beatles im August 1962 ihren Plattenvertrag erhielten und einen neuen Schlagzeuger benötigten, da George Martin Best als spielerisch zu schwach einschätzte,Philipp Norman: Shout!, 2003, S. 170. holten sie Starr am 18. August 1962 fest in die Band. Trotzdem wurde Starr auf Martins Wunsch während der zweiten Aufnahmesession in den Abbey Road Studios durch den Schlagzeuger Andy White ersetzt, mit dem ebenfalls das Lied Love Me Do eingespielt wurde, das bereits in der ersten Aufnahmesession im September 1962 mit Starr als Schlagzeuger aufgenommen worden war. Für die Single Love Me Do, die im Oktober 1962 erschien, wurde eine Aufnahme mit Starr verwendet. Auf dem Album Please Please Me von 1963 erschien hingegen eine Version mit Andy White am Schlagzeug.

Von allen Beatles-Mitgliedern schrieb er die wenigsten Songs. Seine Eigenkompositionen sind Don’t Pass Me By auf The Beatles (1968) und Octopus’s Garden auf Abbey Road (1969). Außerdem war er an den Titeln What Goes On, Flying und Dig It kompositorisch beteiligt. Im Allgemeinen sang er, abgesehen von den Alben A Hard Day’s Night, Magical Mystery Tour und Let It Be, mindestens ein Lied auf jedem Studioalbum. Auf Please Please Me (1963): Boys, auf With the Beatles (1963): I Wanna Be Your Man, auf der EP Long Tall Sally (1964): Matchbox, auf Beatles for Sale (1964): Honey Don’t, auf Help! (1965): Act Naturally, auf Rubber Soul (1965): What Goes On, auf Revolver (1966): Yellow Submarine, auf Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967): With a Little Help from My Friends und auf The Beatles (1968): Good Night.

McCartney schrieb 2021 „Wir haben pro Album immer auch einen Song für Ringo geschrieben, weil er bei den Fans sehr beliebt war“.Paul McCartney: The Lyrics: 1956 to Present. W. W. Norton & Company, New York 2021; deutsch: Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung von Paul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77650-2, S. 331. In den Fällen, bei denen Lennon und McCartney die Liedtexte und Melodie extra für Ringo Starr schrieben – wie bei I Wanna Be Your Man, Yellow Submarine, With a Little Help from My Friends oder Good Night –, waren die Melodien häufig eingeschränkt, um den Tonumfang von Starrs Stimme nicht zu überschreiten. So ist With a Little Help from My Friends weitgehend innerhalb von fünf Tönen zu singen. Weitere Songs, bei denen Starr gesungen oder mitgeschrieben hat, erschienen erst 1995 und 1996 auf den Alben der Anthology-Serie: If You’ve Got Trouble (Gesang), 12-Bar Original (Mitkomposition) und Los Paranoias (Mitkomposition).

mini|Die Beatles, 1965 Wenn Starr sich an Textideen und Titeln von Lennon und McCartney beteiligte, geschah das oft unfreiwillig. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Titel des ersten Films der Beatles, A Hard Day’s Night. Starr war nach einem langen Tag voller Arbeit aus dem Studio gekommen und meinte zu den anderen, es sei “a hard day …” (ein harter Tag …) – bevor er jedoch den Satz beendete, bemerkte er, dass es bereits Abend war, und fügte “…’s night” (Abend) hinzu. Lennon und McCartney mochten den verdrehten Satz so sehr, dass sie sich entschieden, ihn für den noch unbenannten Film zu verwenden. Ein anderes Beispiel ist der Titel zur Lennon-Komposition Tomorrow Never Knows.

Starrs Schlagzeugstil prägte das Klangbild der Band entscheidend mit. Waren die frühen Lieder der Beatles noch vom Backbeat geprägt, wurde ab 1965 der Rhythmus immer anspruchsvoller. Das wird bereits bei der ersten Single dieses Jahres (Ticket to Ride) deutlich. Bis heute nennen viele berühmte Schlagzeuger Starr als einen ihrer Haupteinflüsse, wie zum Beispiel Max Weinberg von der E Street Band, der sich in seinem Buch The Big Beat 1984 wie folgt äußerte:

Phil Collins meinte 1992 in einem Interview für die Fernsehdokumentation The Making of Sgt. Pepper:

Ein anderes Beispiel seines sehr eigenwilligen und schwer imitierbaren Schlagzeugspiels ist bei Come Together zu hören, ein drittes Beispiel ist Strawberry Fields Forever mit seinen komplizierten Einsätzen. Das einzige Schlagzeugsolo, das Starr bei den Beatles (dazu überredet von George Martin) spielte, war ein 13-taktiges im Lied The End aus dem Jahr 1969.Brian Roylance, Nicky Page, Derek Taylor (Hrsg.): The Beatles Anthology. Chronicle Books, San Francisco 2000; als Übersetzung aus dem Englischen: Ullstein, München 2000. ISBN 3-550-07132-9, S. 337 f.

Der langjährige Beatles-Produzent George Martin, der bei der ersten Aufnahmesession 1962 noch an Richard Starkeys Fähigkeiten gezweifelt hatte, lobte diesen 1994 in seinem Buch Summer of Love:

Mark Lewisohn, der bei seinen Recherchen die Gelegenheit hatte, sich sämtliche Aufnahmen der Beatles in den Archiven der EMI anzuhören, stellte fest:

Lennon, McCartney und Harrison behaupteten stets, Starr sei einer der besten Rock-’n’-Roll-Schlagzeuger der Welt.

Bei vier Liedern der Beatles spielte McCartney das Schlagzeug – zum einen, als Starr 1968 im Streit zwei Wochen lang die Aufnahmen zum sogenannten Weißen Album verlassen hatte (Back in the USSR und Dear Prudence) und zum anderen bei den Aufnahmen zu The Ballad of John and Yoko, an denen außer McCartney nur Lennon beteiligt war, sowie bei Wild Honey Pie, das von McCartney allein eingespielt wurde. Darüber hinaus wurde Starr im Sommer 1964 wegen einer Mandelentzündung bei einigen Konzerten von Jimmie Nicol ersetzt.

Solokarriere 1970–1976: Erfolgreiche Solokarriere Bereits vor der endgültigen Auflösung der Beatles arbeitete Starr zwischen Oktober 1969 und März 1970 an seinem ersten Soloprojekt Sentimental Journey, bei dem er mehrere alte Standards der 1930er und 1940er Jahre einspielte. Der Produzent des Albums war George Martin, der zahlreiche Freunde als Arrangeure gewinnen konnte, darunter Paul McCartney, Klaus Voormann sowie prominente Arrangeure wie Quincy Jones oder Elmer Bernstein. Das Album erschien im März 1970 und erreichte die Top Ten der britischen Charts.

Starr verfolgte parallel auch eine Filmkarriere; so wirkte er schon 1968 bei dem Spielfilm Candy mit, es folgte im folgenden Jahr The Magic Christian mit Peter Sellers. 1971 spielte Starr eine Nebenrolle in dem Frank-Zappa-Film 200 Motels und in dem Western Blindman.

Er hatte während der Aufnahmen zu Harrisons Studioalbum All Things Must Pass, an dem er als Schlagzeuger mitwirkte, den Pedal-Steel-Gitarristen Pete Drake kennengelernt, der dann der Produzent seines nächsten Albums Beaucoups of Blues wurde, das im September 1970 folgte und ein Ausflug in die Country-Musik wurde. Das Album sowie die gleichnamige Single blieben kommerziell erfolglos.

In den 1970er Jahren wirkte er bei diversen Alben und Singles von Harrison (All Things Must Pass , Living in the Material World und Dark Horse ) und Lennon (John Lennon/Plastic Ono Band und den Singles Cold Turkey , God Save Us ) mit.

Der Durchbruch als Solointerpret gelang ihm im April 1971 mit seiner ersten Rock-Pop-Single It Don’t Come Easy / Early 1970. Beide Lieder sind Eigenkompositionen. Die Schallplatte erreichte sowohl in den USA als auch in Großbritannien und in Deutschland die vorderen Plätze in den Charts. It Don’t Come Easy wurde von George Harrison produziert. An der Gitarre war Stephen Stills zu hören, auf dessen gleichnamigem Debütalbum Starr 1970 Schlagzeug gespielt hatte. Starr wirkte auch am 1. August 1971 beim Konzert für Bangladesch mit, bei dem er Schlagzeug spielte und das Lied It Don’t Come Easy sang.

1972 freundete er sich mit Marc Bolan an, der zu dieser Zeit mit seiner Gruppe T. Rex erfolgreich war. Starr kümmerte sich damals um Apple Films. Im Film Born to Boogie wirkten außer Bolan & T. Rex auch Elton John und Starr selbst mit. Der Film besteht in der Hauptsache aus einem am 18. März 1972 im Londoner Empire Pool aufgezeichneten Konzert vor 10.000 Fans. Aber auch zahlreiche Sketche sind enthalten. Bei Born to Boogie führte Starr zugleich Regie und trat als Mitproduzent auf. Die Kritikerin Ingeborg Schober nannte den Film in der Musikzeitschrift Sounds „eine einzige Kamera- und Tonhymne“ auf das Teenageridol Bolan und riet, stattdessen Starrs Hauptrolle in That’ll be the Day anzusehen, denn „Ringo war ohne seine Regie schon besser“. Im März 1972 erschien Starrs zweite erfolgreiche Single mit zwei Eigenkompositionen, dem von Bolan inspirierten Back Off Boogaloo und dem von Klaus Voormann produzierten Lied Blindman (das im Film nicht zu hören ist). Produziert wurde Back Off Boogaloo wiederum von George Harrison. Im November 1972 wurde das Album Tommy – As Performed by the London Symphony Orchestra & Chamber Choir with The Who and Various Artists veröffentlicht, bei dem Starr als Uncle Ernie die Lieder Fiddle About und Tommy’s Holiday Camp sang.

Seine Single Photograph, die er gemeinsam mit Harrison verfasst hatte, erreichte 1973 Platz eins der Billboard Hot 100. Hierbei handelte es sich um eine Auskopplung aus seinem dritten Soloalbum Ringo, das im November 1973 erschien. Auch die zweite Singleauskopplung des Albums, You’re Sixteen, erreichte in den USA Platz eins und Oh My My Platz fünf der dortigen Charts. Starr konnte somit mit seinen drei Singleauskopplungen aus einem Album in den USA drei Top-Fünf-Single-Hits vorweisen, davon zwei Nummer-eins-Hits. Diesen Charterfolg konnten weder Lennon noch McCartney oder Harrison erreichen.