Der Schwarzwald ist mit bis zu und über 6000 Quadratkilometern Fläche Deutschlands höchstes und größtes zusammenhängendes Mittelgebirge und liegt im Südwesten Baden-Württembergs. Er ist die wichtigste Tourismusregion des Landes und das meistbesuchte Urlaubsziel unter den deutschen Mittelgebirgen.Hans Gebhardt: Fremdenverkehrsgebiete. In: Landeszentrale für politische Bildung: Landeskunde Baden-Württemberg, abgerufen am 22. September 2014. mini|hochkant=1.4|Der Schwarzwald in der naturräumlichen Gliederung Deutschlands

Geographie Meist dicht bewaldet erstreckt sich der Schwarzwald vom Hochrhein im Süden bis zum Kraichgau im Norden. Im Westen wird er begrenzt von der Oberrheinischen Tiefebene (zu der naturräumlich auch die Vorhügelkette gehört), im Osten geht er über in Gäu, Baar und das Hügelland westlich des Klettgaus. Der Schwarzwald ist der höchste Teil der südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft und aus Gesteinen des Grundgebirges und des Buntsandsteins aufgebaut. Die naturräumliche Abgrenzung von den umgebenden Landschaften orientiert sich am Auftreten des Muschelkalks, der innerhalb des Schwarzwalds fehlt. Diese Linie ist aufgrund der vom Gestein abhängigen Bodenfruchtbarkeit gleichzeitig eine Vegetationsgrenze und die Grenze zwischen Altsiedelland und dem erst im Hochmittelalter dauerhaft besiedelten Schwarzwald. Von Nord nach Süd erstreckt sich der Schwarzwald über etwa 150 km, seine Breite erreicht im Süden bis zu 50 km, im Norden bis zu 30 km. des Ministeriums für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg Tektonisch bildet das Gebirge eine Pultscholle, die im Westen aus dem Oberrheingraben imposant herausgehoben ist, während sie von Osten betrachtet den Eindruck einer waldreichen Hochfläche vermittelt.

Naturräume

Die Naturräume des Schwarzwaldes werden nach verschiedenen Merkmalen gegliedert:

Geomorphologisch wird vor allem einerseits zwischen der Ostabdachung mit meist gerundeten Bergformen und weiten Hochplateaus (sogenanntes danubisches – donaubündiges – Relief, besonders augenfällig im Norden und Osten auf Buntsandstein) und andererseits dem intensiv zertalten Abbruch zum Oberrheingraben hin (sogenannter Talschwarzwald mit rhenanischem – rheinbündigem – Relief) unterschieden. Dort liegen die höchsten Erhebungen und treten die größten unmittelbaren Höhenunterschiede (bis 1000 m) auf. Die Täler sind meist eng, oft schluchtartig, seltener beckenförmig. Die Gipfel sind gerundet, es kommen aber auch Plateaureste und gratartige Formen vor.

Geologisch ergibt sich die augenfälligste Gliederung ebenfalls in ostwestlicher Richtung. Den Ostschwarzwald bedeckt über größere Flächen das unterste Glied des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes, der Buntsandstein, mit endlos scheinenden Nadelwäldern und davon umschlossenen Rodungsinseln. Das im Westen freiliegende Grundgebirge, überwiegend aus metamorphen Gesteinen und Graniten aufgebaut, war trotz seiner Steilheit leichter zu besiedeln und erscheint heute mit seinen vielgestaltigen Wiesentälern offen und freundlicher. mini|Der Feldberg, höchster Berg des Schwarzwalds Die gängigsten Gliederungen teilen den Schwarzwald jedoch in nordsüdlicher Richtung. Zunächst, bis etwa in die 1930er Jahre, wurde der Schwarzwald in Nord- und Südschwarzwald geteilt, wobei man die Grenze an der Kinzigtallinie zog. Später wurde der Schwarzwald in den waldreichen Nordschwarzwald, den im Mittel niedrigeren, vorwiegend in den Tälern landwirtschaftlich geprägten Mittleren Schwarzwald sowie den deutlich höheren Südschwarzwald mit ausgeprägter Höhenlandwirtschaft und von eiszeitlichen Gletschern geprägtem Relief aufgeteilt. Der Begriff Hochschwarzwald stand für die höchsten Bereiche von Südschwarzwald und südlichem Mittelschwarzwald.

Die gezogenen Grenzen waren jedoch sehr verschieden. Robert Gradmann nannte 1931 als Mittleren Schwarzwald den Einzugsbereich der Kinzig und dazu im Westen den Abschnitt bis zur unteren Elz und zum Kinzig-Zufluss Gutach.Robert Gradmann: Süddeutschland. Engelhorn, Stuttgart 1931. Nachdruck: Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, ISBN 3-534-00124-9. Band 2: Die einzelnen Landschaften, S. 85. Eine pragmatische Gliederung, die sich nicht an Natur- und Kulturräumen orientiert, nutzt die wichtigsten Quertäler. Ihr zufolge wird der Mittlere Schwarzwald von der Kinzig im Norden und der Linie Dreisam–Gutach (Wutach) im Süden begrenzt, entsprechend der Bonndorfer Grabenzone und dem Verlauf der heutigen B 31.

Rudolf Metz fasste 1959 die bisherigen Gliederungen zusammen und schlug selbst eine modifizierte Dreiteilung vor, die natur- und kulturräumliche Ansätze verbindet und weite Verbreitung fand.vgl. etwa: Das Land Baden-Württemberg – Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band 1: Allgemeiner Teil. Kohlhammer, Stuttgart 1974, ISBN 3-17-001835-3, S. 32. Oder: Christoph Borcherdt (Hrsg.): Geographische Landeskunde von Baden-Württemberg. 3. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1993, S. 169 f. Sein Mittlerer Schwarzwald wird im Norden von der Wasserscheide zwischen Acher und Rench und im weiteren Verlauf zwischen Murg und Kinzig bzw. Forbach und Kinzig begrenzt, im Süden von der Bonndorfer Grabenzone, die den Schwarzwald im Osten einschnürt wie der Freudenstädter Graben weiter nördlich am Übergang zum Nordschwarzwald.Rudolf Metz: Zur naturräumlichen Gliederung des Schwarzwalds. In: Alemannisches Institut (Hrsg.): Alemannisches Jahrbuch 1959, Schauenburg, Lahr 1959, S. 1–33

Arbeiten des Instituts für Landeskunde mini|Abdachung des Nordschwarzwalds zum Oberrheinischen Tiefland bei Baden-Baden (Nördlicher Talschwarzwald) Das seit den frühen 1950er Jahren von der Bundesanstalt für Landeskunde erstellte Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands nennt den Schwarzwald als eine von sechs Großregionen 3. Ordnung innerhalb der naturräumlichen Großregion 2. Ordnung des Südwestdeutschen Stufenlandes und gleichzeitig eine von neun Haupteinheitengruppen. Er wird in insgesamt sechs sogenannte Haupteinheiten (Landschaften 4. Ordnung) aufgeteilt. Diese Gliederung wurde bis zum Jahre 1967 in mehreren, jeweils einzelne Kartenabschnitte betreffenden Nachfolgepublikationen (Einzelblätter 1: 200.000) verfeinert und modifiziert. Zu den dabei eingeführten Untereinheiten siehe Naturräumliche Gliederung des Schwarzwaldes. Eine Dreiteilung des Gebirges zeichnet sich ebenfalls ab. Die Nordgrenze des Mittleren Schwarzwaldes verläuft hier südlich des Renchtales und des Kniebis bis nahe Freudenstadt. Die Südgrenze wechselte je nach Bearbeitungsstand.

Die Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (heute Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg LUBW) veröffentlichte 1998 eine überarbeitete Naturräumliche Gliederung Baden-Württembergs. Sie beschränkt sich auf die Ebene der naturräumlichen Haupteinheiten und findet seitdem in der Naturschutzverwaltung des Landes Verwendung:

Nr. Naturraum Flächein km² Einw. EW/km² Siedlungs-flächein % Offenlandin % Waldin % Ober-zentren Mittel-zentren150 Schwarzwald-Randplatten 930 268.000 289 7,69 29,33 62,92 Pforzheim Calw,Freudenstadt151 Grindenschwarzwald und Enzhöhen 699 60.000 86 1,92 6,39 91,51 152 Nördlicher Talschwarzwald 562 107.000 190 4,12 19,48 76,41 Baden-Baden,Gaggenau/Gernsbach153 Mittlerer Schwarzwald 1422 188.000 133 3,35 30,25 66,39 Haslach/Hausach/Wolfach,Waldkirch, Schramberg154 Südöstlicher Schwarzwald 558 62.000 112 3,03 32,44 64,49 Villingen-Schwenningen 155 Hochschwarzwald 1990 213.000 107 2,44 26,93 70,31 Schopfheim,Titisee-Neustadt

Die Schwarzwald-Randplatten (150) bilden geomorphologisch zum Kraichgau im Norden und den Heckengäu-Landschaften im Osten abfallende Hochflächen am Nord- und Nordostrand des Mittelgebirges. Sie werden vor allem durch das Flusssystem der Nagold in einzelne Riedel zertalt; ein schmaler Nordwestausläufer reicht bis über die Enz bei Neuenbürg und umsäumt weiter westlich auch den Mittellauf der Alb bis unmittelbar oberhalb Ettlingens. Südwestlich schließen sich unmittelbar Grindenschwarzwald und Enzhöhen (151) an den Oberläufen von Enz und Murg an, die das Kernstück des Nordschwarzwaldes darstellen. Den Westen des Nordschwarzwalds bildet der Nördliche Talschwarzwald (152) mit dem Mittellauf der Murg um Gernsbach, dem der Oos bis Baden-Baden, dem der Bühlot oberhalb Bühls sowie dem Oberlauf der Rench um Oppenau, deren Austrittstäler aus dem Mittelgebirge alle nach Nordwesten gerichtet sind.

mini|Grünlandwirtschaft in Seitentälern der Kinzig, Mittlerer Schwarzwald Der Mittlere Schwarzwald (153) beschränkt sich im Wesentlichen auf das Einzugsgebiet der Kinzig oberhalb Offenburgs nebst Schutter sowie auf das niedrige Bergland nördlich der Elz.

Der Südöstliche Schwarzwald (154) besteht in der Hauptsache aus den Einzugsgebieten der Oberläufe der Donau-Quellflüsse Brigach und Breg sowie dem der linken Seitentäler der Wutach nördlich Neustadts – und somit aus dem Nordosten des Südschwarzwaldes. Nach Süden und Westen schließt sich der Hochschwarzwald (155) an mit den höchsten Schwarzwaldgipfeln um Feldberg und Belchen. Sein Ostteil, der Südliche Hochflächenschwarzwald, ist durch die danubische Richtung geprägt, entwässert jedoch über die Wutach und die Alb zum Rhein. Der Südliche Kammschwarzwald im Westen ist durch vom Rhein her tief eingeschnittene Täler in zahlreiche Kämme aufgelöst. Unmittelbar rechts der Wiese oberhalb Lörrachs hebt sich morphologisch, geologisch und klimatisch noch einmal die flächenmäßig kleine Buntsandstein-Rotliegend-Tafel des Weitenauer Berglandes im äußersten Südwesten des Schwarzwaldes von den anderen Teilen des Südschwarzwaldes ab, die in dieser Einteilung ebenfalls zum Hochschwarzwald gerechnet wird.

Berge mini|Der Belchen im Südschwarzwald mit kahler Kuppe, vom Münstertal aus

Mit ist der Feldberg im Südschwarzwald der höchste Berggipfel. Dort liegen auch das Herzogenhorn () und der Belchen (). Allgemein sind die Berge des Süd- oder Hochschwarzwaldes höher als die des Nordschwarzwaldes. Der höchste Schwarzwaldberg nördlich der Linie Freiburg–Höllental–Neustadt ist der Kandel (). Wie auch die höchste Erhebung des Nordschwarzwaldes, die Hornisgrinde (), oder die Südschwarzwälder Aussichtsberge Schauinsland () und Blauen () liegt er nahe am Westrand des Gebirges. mini|Hornisgrinde und Mummelsee (2010): Plateau mit Hochmoor, Sendemast und Windkrafträder

Gewässer mini|Der Fluss Schiltach in Schiltach mini|Der Schluchsee, nördlich von St. Blasien

Flüsse, die im Schwarzwald entspringen (der Länge nach, Verlauf außerhalb des Schwarzwaldes eingeschlossen): Enz (105 km) Kinzig (93 km) Elz (90 km) Nagold (90 km), hydrologischer Hauptstrang des Nagold-Enz-Systems (149 km) Wutach (90 km) Murg (79 km), im Nordschwarzwald Pfinz (60 km, überwiegend außerhalb des Schwarzwaldes) Rench (57 km) Schutter (56 km) Wiese (55 km) Acher (54 km) Alb (51 km), im Nordschwarzwald Dreisam (mit Rotbach 49 km) Breg (46 km), längster Quellfluss der Donau (2857 km) Alb (43 km mit Menzenschwander Alb), im Südschwarzwald Brigach (40 km), Quellfluss der Donau Glatt (37 km), Möhlin (32 km) Wolf (31 km) Schiltach (30 km) Kander (30 km) Gutach (29 km), Nebenfluss der Kinzig Wilde Gutach (28 km) Wehra (mit Rüttebach 28 km) Oos (25 km) Murg (22 km), im Südschwarzwald Klemmbach (20 km) Glasbach (18 km), hydrologischer Hauptstrang des Neckar-Systems

Bedeutende Seen natürlichen, glazialen Ursprungs im Schwarzwald sind unter anderem der Titisee, der Mummelsee und der Feldsee. Besonders im nördlichen Schwarzwald finden sich eine Reihe weiterer kleiner Karseen. Zahlreiche Stauseen wie der – früher als Natursee noch kleinere – Schluchsee mit den weiteren Seen des Schluchseewerks, die Schwarzenbachtalsperre, die Talsperre Kleine Kinzig oder die Nagoldtalsperre dienen der Stromerzeugung, dem Hochwasserschutz oder der Trinkwasserversorgung.

Gebirgsgruppen und Hauptkämme