Skopje (; , indefinit Shkup, serbisch Skoplje, türkisch Üsküp) ist die Hauptstadt Nordmazedoniens und mit über 520.000 Einwohnern zugleich die größte Stadt des Landes. Über 28 % der Landesbevölkerung lebt in dieser Großstadt.
Bereits in der antiken Vorgängerstadt Scupi siedelten Menschen in dieser fruchtbaren Ebene am Vardar. Mit seiner zwei Jahrtausende zurückreichenden Besiedlungsgeschichte ist Skopje somit eine der ältesten noch bewohnten Städte Südosteuropas. Zur Zeit der osmanischen Herrschaft war Üsküp ein Schlüsselzentrum des zentralen Balkanraumes.
Die Universitätsstadt ist Hauptort der gleichnamigen Großgemeinde wie auch Sitz der wichtigsten staatlichen Organe der drei Gewalten: des Verfassungsgerichts, des Parlaments und der Regierung. Sie ist durch die größte Universität des Landes, die Nationalbank sowie die Börse das wichtigste wissenschaftliche und finanzielle Zentrum der Republik. Durch die Erwirtschaftung von 46,2 % des nordmazedonischen Bruttoinlandsprodukts (2024) ist Skopje zudem der bedeutendste Wirtschaftspol.
Skopje ist Erzbischofssitz der Mazedonisch-Orthodoxen Kirche, Sitz der Islamischen Glaubensgemeinschaft Nordmazedoniens – eines sunnitischen Großmuftiats – und römisch-katholischer Bischofssitz, womit es auch den religiösen Mittelpunkt des Balkanlandes bildet.
Aufgrund der geomorphologischen Lage in einem Becken und der starken Nutzung von Autoverbrennungsmotoren und Holzöfen entsteht in den Wintermonaten häufig Smog, womit Skopje zu den Städten mit der größten Luftverschmutzung Europas gehört.
Name Von den Römern gegründet wurde der Ort genannt. Daraus abgeleitet sind alle weiteren, später entstandenen Stadtbezeichnungen in den verschiedenen Sprachen: , bzw. (bestimmte bzw. unbestimmte Form), , aromunisch Scopia, , und . In osmanischer Herrschaftszeit war auch die Form gebräuchlich.
Geographie mini|Der Vardar mäandriert durch die Hauptstadt des Landes, wie hier beim Fußballstadion Toše Proeski westlich der Innenstadt Lage Die geographische Lage des Makedonija-Platzes (früher Marschall-Tito-Platz) im Stadtzentrum ist 41° 59′ 45" nördlicher Breite und 21° 25′ 53" östlicher Länge. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets in Ost-West-Richtung beträgt rund 33 Kilometer, in Nord-Süd-Richtung etwa 10 Kilometer. Die Stadt hat eine Fläche von 210 Quadratkilometern.
Skopje liegt im Norden der Republik Nordmazedonien, etwa 18 Kilometer südlich der Grenze zum Kosovo. Von Westen nach Osten durchfließt der Fluss Vardar das Stadtgebiet, im Süden erhebt sich der Hausberg Vodno. Die Stadt gibt dem Becken von Skopje seinen Namen, welches Skopje (10 %) und zahlreiche andere Gemeinden (90 %) umfasst. Zum Osten hin öffnet sich diese Hochlandschaft und geht in das breite und fruchtbare Tal des Vardar über, welches Nordmazedonien von Nordwesten nach Südosten durchzieht.
Die Entfernungen von Skopje zu den Hauptstädten der Nachbarländer Nordmazedoniens werden in der nachfolgenden Tabelle veranschaulicht.
Hauptstadt Land Entfernung(Luftlinie) Himmelsrichtung Pristina 75 km Norden Belgrad 320 km Norden Sofia 175 km Nordosten Athen 490 km Süden Tirana 150 km Südwesten
Geologie Nordmazedonien liegt in einer seismologisch äußerst aktiven Region zwischen der Eurasischen und der Afrikanischen Platte. Die genaue Grenze ist unklar, da die Eurasische Platte in diesem Gebiet in mehrere kleinere Platten zerfällt. Hier ist vor allem die Apulische Platte zu nennen, die Italien und das Dinarische Gebirge umfasst.
Skopje liegt grob betrachtet in einer geologischen Übergangszone zwischen dem Dinarischen Gebirge im Nordwesten und den Rhodopen im Osten. Dieser tektonische Graben wird Morava-Vardar-Furche genannt und ist von zahlreichen tektonischen Störungen und Aktivitäten geprägt, wovon unter anderem die drei Erdbeben in der Stadtgeschichte (518, 1515 und 1963) zeugen. Das von Gebirgen umringte Becken von Skopje hat eine Fläche von 2100 km².
Gewässer mini|Der Vardar im Stadtzentrum von Skopje Der beim 90 Kilometer entfernten Gostivar entspringende Fluss Vardar fließt durch die Stadt und wird im Sommer von Bade- und Schwimmgästen benützt. Zahlreiche Mäander und Brücken – darunter die bekannte Steinbrücke (Kamen Most) – prägen das Flussbild.
Neben dem Vardar gibt es noch weitere kleinere Flüsse, die allesamt in den Vardar münden. Zu den wichtigsten zählt die Treska, die im Westen der Stadt (Bezirk Gjorče Petrov) beim Krankenhaus Sveti Lazar in den Vardar mündet. In seinem Oberlauf wird der Fluss zum Matkasee gestaut, der als neuntgrößter See Nordmazedoniens gilt. Mit seinen vielen Höhlen und den tiefen Canyons zählt der See als Naturattraktion für Touristen.
Der Lepenac entspringt in der Nähe der kosovarischen Stadt Prizren und mündet nach 75 Kilometern im Stadtviertel Zlokučani im Westen der Stadt innerhalb des Bezirks Karpoš in den Vardar. Er ist der drittlängste Fluss in Skopje.
Stadtgliederung Die Opština der Stadt Skopje gliedert sich seit der Reform des gesamten mazedonischen Verwaltungssystems von 2004 in zehn Stadtbezirke, die je einen eigenen Bürgermeister, einen Rat, ein Wappen, eine Flagge und über politische Kompetenzen verfügen. Ein besonderes Merkmal dieser Opštini ist, dass sie oft nicht nur Stadtteile von Skopje umfassen, sondern auch andere Ortschaften außerhalb des urbanen Raumes der Hauptstadt.
Nummer Gemeindename Fläche (km²) Einwohner(Volkszählung 2002) Bevölkerungsdichte(Einwohner/km²) Lokalisierung 1 Aerodrom 21,85 72.009 3.295,61 280px|Die 10 Stadtbezirke 2 Butel 54,79 36.154 659,86 3 Čair 3,52 64.773 18.401,42 4 Centar 7,52 45.412 6.038,83 5 Gazi Baba 110,86 72.617 655,03 6 Gjorče Petrov 66,93 41.634 622,05 7 Karpoš 35,21 59.666 1.694,58 8 Kisela Voda 34,24 57.236 1.671,61 9 Saraj 229,06 35.408 154,58 10 Šuto Orizari 7,48 22.017 2.943,45 Insgesamt Stadt Skopje 571,46 506.926 887,07
Klima In der Umgebung von Skopje herrscht meist ein Übergangsklima von kontinental zu mediterran. Die Winter sind niederschlagsreich und kalt, die Sommer niederschlagsarm und warm. Durch gestaute Hitze im Becken von Skopje ist es hier jedoch weitaus wärmer als im Rest des Landes. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 12,1 Grad Celsius und die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge etwa 504 Millimeter.
Die wärmsten Monate sind der Juli und der August mit 22,3 Grad Celsius im Mittel, der kälteste der Januar mit durchschnittlich 0,2 Grad Celsius. Der meiste Niederschlag fällt im Monat Mai mit 60 Millimeter im Mittel, der geringste im August und September mit 27 bzw. 36 Millimeter.
Bevölkerung Skopje ist, bezogen auf Einwohner und Fläche, die größte Stadt Nordmazedoniens: Rund ein Drittel der Landesbevölkerung ist in der Stadt am Vardar wohnhaft. Verschiedene Ethnien, Sprachen und Religionen kennzeichnen die Bevölkerungsstruktur.
Im Jahr 2002 war die letzte Volkszählung Nordmazedoniens, damals zählte die Gemeinde der Stadt Skopje 506.926 Einwohner. Etwa 2,52 Prozent davon oder 12.774 Personen waren Analphabeten und rund 28,46 Prozent beziehungsweise 144.271 Personen waren arbeitslos. Laut Fortschreibung des Statistischen Amtes hatte Skopje am 30. Juni 2015 bereits 544.086 Einwohner.Staatliches statistisches Büro: Bevölkerung am 30.06.2015 nach Gemeinden. S. 14. Abgerufen am 24. August 2017.
Ethnien und Sprachen Wie in großen Teilen des Landes leben auch in Skopje verschiedene Ethnien miteinander. Für 2002 bezeichneten sich von den 506.926 Einwohnern 338.358 (66,75 %) als slawische Mazedonier, 103.891 (20,49 %) als Albaner, 23.475 (4,63 %) als Roma, 14.298 (2,82 %) als Serben, 8.595 (1,70 %) als Türken, 7.585 (1,50 %) als Bosniaken, 2.557 (0,50 %) als Aromunen und 8.167 (1,61 %) gaben eine andere Volksgruppe an.
Die Sprachen mit den meisten Muttersprachlern waren 2002 Mazedonisch, Albanisch, Romani, Serbisch, Türkisch und Bosnisch.
Religionen Die Religionen mit den meisten Anhängern sind das Orthodoxe Christentum und der Islam sunnitischer Ausprägung. Daneben gibt es Minderheiten an Katholiken, Protestanten, Reformierten und auch wenige Juden. Die orthodoxen Mazedonier sind größtenteils in der Mazedonisch-Orthodoxen Kirche organisiert, deren Metropolit in Skopje residiert, auch wenn sich der Bischofssitz nominell in Ohrid befindet. Ein Großteil der muslimischen Albaner gehört der Islamisch-Gläubigen Vereinigung in der Republik Mazedonien (alb. Bashkësia Fetare Islame në Republikën e Maqedonisë) an. Der Großmufti Nordmazedoniens hat seinen Sitz in der Hauptstadt.
Persönlichkeiten
Geschichte Stadtgeschichte Entstehung von Scupi mini|Der römische Aquädukt mini|Römische Gräber in Scupi Die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung im Raum Skopje wurden innerhalb der Festungsanlage gefunden. Sie datieren aus der Jungsteinzeit und sind über 6000 Jahre alt. Die von Archäologen zu Tage gebrachte Siedlung ist von einem noch unbekannten Volk gegründet worden, das von der Jungsteinzeit bis zur Frühen Bronzezeit über einige Jahrhunderte in der Region lebte.
Die ersten bekannten Siedler in der Umgebung von Skopje waren die Triballer, die zu den Thrakern gehörten. Nach ihnen kamen die Päonier, doch im 3. Jahrhundert v. Chr. konnten die Dardaner, ein illyrischer Stamm, das Gebiet besetzen und sie gründeten ein großes Königreich, das von der Scupi genannten Siedlung über Naissus im Norden bis hin zu den Albanischen Alpen im Westen reichte. Die Dardaner erklärten im 2. Jahrhundert v. Chr. Scupi zu ihrer Hauptstadt und dehnten ihr Reich bis nach Bylazora (beim heutigen Veles) im Süden aus.
Die Römer eroberten im Zuge der Makedonisch-Römischen Kriege 168 v. Chr. auch das Reich der Dardaner, doch jahrzehntelang konnten sie ihre Herrschaft in Makedonien und Illyrien nur spärlich durchsetzen. Der römische Kaiser Domitian (81 bis 96 n. Chr.) siedelte zu Beginn seiner Herrschaft Veteranen der Legionen I Italica, III Augusta, IV Macedonica, V Macedonica, V Alaudae, IIII Flavia und VII Claudia in der einem Militärlager ähnelnden Siedlung Scupi an. Der Ort erlangte 86 n. Chr. den Status einer Colonia und wurde auch Colonia Flavia Aelia Scupi genannt.
Das römische Scupi Die archäologischen Ausgrabungsarbeiten in der antiken Stätte Scupi begannen zwischen den beiden Weltkriegen und förderten 1925 eine frühchristliche Basilika zutage. Später folgte das wohl wichtigste Bauwerk, ein römisches Theater. Das Stadtmuseum Skopje begann 1966 erstmals mit der Restaurierung verschiedener Ruinen. 2008 fanden Archäologen eine 1,7 Meter hohe Venus-Statue. Insgesamt wurden bisher über 23.000 Objekte gefunden.
Zu den ausgegrabenen Gebäuden von Scupi zählen der Aquädukt, einige Thermen, einzelne Stadthäuser und das Theater. Mit Ausnahme des Theaters, das verfallen ist, können alle Gebäude besichtigt werden. Der archäologische Fundplatz Scupi befindet sich etwa vier Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums auf der anderen Seite des Vardar.
Mittelalter mini|Kirche des Hl. Pantalejmon aus dem Jahre 1164. Sie besitzt zahlreiche Fresken und gehört zu den bedeutendsten erhaltenen byzantinischen Kunstwerken komnenischer Zeit.